Hans Bitterlich

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Hans Bitterlich, Fotografie um 1920, ©ÖNB.

Hans Bitterlich (* 28.4.1860, Wien; † 5.8.1949, ebenda) war ein österreichischer Bildhauer. Von ihm stammen insgesamt sechs Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien.

Leben

Hans Bitterlich war der Sohn des Historienmalers und Bildhauers Eduard Bitterlich.[1] Ab 1877 studierte er in der Bildhauerschule an der Akademie der Bildenden Künste in Wien unter anderem gemeinsam mit Richard Kauffungen als Schüler von Edmund Hellmer. 1880 kam er in die Spezialschule von Kaspar Clemens Eduard Zumbusch. Im Semester 1883/1884 erhielt er das Füger-Stipendium in der Höhe von 200 Gulden in Gold[2] und 1886 ein Staatsreisestipendium, das ihm einen Studienaufenthalt in Italien ermöglichte.[3]

Nach seiner Rückkehr beschäftigte er sich mit zahlreichen dekorativen Arbeiten. Seine schöpferische Tätigkeit beinhaltete Grabmäler, Porträtbüsten, Denkmäler, Reliefs und Statuen. Von 1901 bis 1931 war er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1909 war er dort Leiter der Spezialschule für Bildhauerei und 1910 bis 1931 Leiter einer systemisierten Spezialschule für Bildhauerei.[4] Bitterlich erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so unter anderem 1888 den Reichel-Preis, 1894 den Kaiserpreis und 1943 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.[5]

Bitterlichs Atelier befand sich in der Blumengasse 6 im 18. Wiener Gemeindebezirk.[6] Er wohnte in Wien am Rennweg 3 und starb am 21. Juni 1949. Er wurde im selben Grab wie sein Vater am Wiener Zentralfriedhof bestattet. Den Grabstein hatte er selbst gestaltet. Seit 1929 erinnert im 10. Wiener Gemeindebezirk die Bitterlichstraße an die Künstler Hans und Eduard Bitterlich.

Schaffen

Abb. 2: Hans Bitterlich in seinem Atelier, 1900 - 1920

Seine Porträtbüste des Adolf Exner wird als die möglicherweise beste Neu-Wiener-Porträtleistung gehandelt.[7] Seine Gruppe „Mutterliebe“, für die Bitterlich 1888 den Reichel-Preis erhielt, schuf er für das Unterrichtsministerium. Diese als schwungvoll bewegte, im Aufbau überaus harmonisch beschriebene Marmorskulptur wurde jedoch niemals aufgestellt. Am 26. Juni 1892 wurde im Arkadenhof der Universität Wien das von ihm geschaffene Denkmal Joseph Johann von Littrow und das Denkmal Karl von Littrow enthüllt. Finanziert wurde das Doppeldenkmal von der Familie Littrow.[8] Seine erste Großplastik schuf er 1900 mit der überlebensgroßen Bronzefigur des Erfinders des Buchdrucks am Gutenberg-Denkmal am Lugeck, zu dem Max Fabiani den Aufbau gestaltete.

Hermann Bahr gab dazu folgendes Urteil ab: "Eine solide, aber keineswegs neuartige Arbeit. Der durch den kräftevergeudenden Vorgang der Concurrenz (=des Gestaltungswettbewerbs) wirklich einmal glücklich ans Licht gezogene "Schlager" wird in die Dunkelheit zurückgestossen." [9]

1903 gewann er den ersten Platz bei der Ausschreibung zur Gestaltung des Deutschmeister-Denkmals. Seinen Entwurf (Nr.38) betitelte er mit dem Motto „Sieg und Ruhm“.[10] Der Entwurf wurde aber nicht ausgeführt. Mit seinem Auftrag für das Kaiserin-Elisabeth-Denkmal im kaiserlich-königlichen Volksgarten in Wien setzte er sich gegen zahlreiche andere Künstler durch. Die Architektur- und Gartenanlage hierzu wurde vom Architekten Friedrich Ohmann geplant und ausgeführt. Skulptur und Anlage wurden feierlich am 4. Juni 1907 eingeweiht.

Hans Bitterlich erhielt zahlreiche Preise und Prämierungen. So zum Beispiel für seine Entwürfe für das Mozart- und das Adalbert-Stifter-Denkmal. Des Weiteren wurden ihm der Rompreis 1886, der Reichelpreis 1888 und der Kaiserpreis 1894 verliehen. 1931 erhielt er das Komturkreuz des Österreichischen Verdienstordens und 1943 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft.[11]

Bitterlich zählte zu jenen Bildhauern, die mit ihrem Schaffen die Gestaltung der Ringstraße geprägt haben – der Bildhauer gestaltete sieben Denkmäler am Prachtboulevard.[12] Er ist der Gruppe jener späthistoristischen Bildhauer zuzuordnen, die in ihren späteren Werken auch Elemente des Jugendstils aufnahmen. Kennzeichnend waren aber vor allem seine klaren Formen und Oberflächen, die durch Licht-Schattenmodellierungen belebt wurden, wie dies zum Beispiel an der Büste von Adolf Exner erkennbar ist.[13]

Werke (Auswahl)

Abb. 3: Grabstein Hans und Eduard Bitterlich von Hans Bitterlich
  • Marmorstatue des Cato für den Sitzungssaal des Parlaments.
  • Die Reliefs „Seefahrer“ und die „vier Tageszeiten“ an der Wiener Hofburg.
  • Marmorgruppe „Mutterliebe".
  • Gutenbergdenkmal am Lugeck, Wien, 1900.
  • Kaiserin-Elisabeth-Denkmal im Volksgarten, Wien. Eingeweiht am 4. Juni 1907.
  • Giebelfeldreliefs "Kampf" und "Sieg" für das Kriegsministerium, Wien, 1912.
  • Gräfin-Andrássy-Denkmal auf der Hohen Warte, Wien, 1913.
  • Doppelallegorie "Freude", 1937.
  • Grabmäler: Arzt Friedinger, Alpinist Purtscheller, Abgeordneter Dr. Stoehr, Eduard und Hans Bitterlich.
  • Zahlreiche Porträtbüsten, unter anderem von Georg Schönerer, Franz Grillparzer, Kaiserin Elisabeth, Bürgermeister Prix.
  • Die Denkmäler von Ferdinand Lotheissen, Ferdinand von Arlt, Adolf Exner, Richard Wettstein von Westersheim und Viktor von Lang sowie das Doppelporträt Joseph Johann von Littrow-Karl von Littrow im Arkadenhof der Universität Wien.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 1, Wien 2004, S. 392.
  • ÖBL 1957: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815 – 1950, Band 1, Wien 1957, S. 88.
  • Killy 1995: Walther Killy (Hg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 1, München u.a. 1995, S. 550.
  • Kosel 1902: Hermann Clemens Kosel, Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon, Band 1, Wien 1902, S. 132.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrten Porträt in Stein und Bronze. Die Denkmälder im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S.16.
  • Saur 1995: Hans Bitterlich, in: Saur, Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker, Band 11, Leipzig 1995.
  • Thieme 1989: Ulrich Thieme / Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Band 4, Leipzig 1989, S. 73.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Hans Bitterlich in: Thieme, Ulrich – Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig 1989. Band 4, S. 73.
  2. UAAbKW, Aufnahmelisten 1883/84.
  3. UAAbKW, Signatur 800200.
  4. UAAbKW, Signatur 800200.
  5. Czeike 2004, S. 392.
  6. Eintrag zu Hans Bitterlich in: Kosel, Hermann Clemens: Biographien der Wiener Künstler und Schriftsteller. Wien 1902. Band 1, S. 132.
  7. Eintrag zu Hans Bitterlich in: Thieme, Ulrich – Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Leipzig 1989. Band 4, S. 73.
  8. Maisel 2007, S. 78.
  9. http://www.meier-classen.ch/klappentext/gutenberg.htm abgerufen am 11.07.2014
  10. Wiener Bilder 1904, S.6 und 7.
  11. Czeike 2004, S.392.
  12. Maisel 2007, S.16.
  13. Saur 1995, S.260.

Darstellungen


Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Cigdem Özel, Johanna Petrovitsch, Christa Dobrzanski, Simone Eilmsteiner, Ines Oswald, Stefanie Pernicka, Michaela Pilat, Julia Kögl, Gabriele Böhm-Nevole, Constanza Trofaier, Barbara Wessely, Theresa Rosner