Gustav Tschermak

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Fotografie Gustav Tschermaks, Archiv der Universität Wien

Gustav Tschermak, Edler von Seysenegg (* 19. April 1836 in Littau, Mähren; † 04. Mai 1927 in Wien; eigentlich Czermak) war ein österreichischer Mineraloge.

Leben

Gustav Tschermak besuchte von 1848 bis 1856 das Gymnasium in Olmütz und studierte von 1856 bis 1859 an der Universität Wien, wo er ab 1868 bis 1906 zuerst als außerordentlicher Professor der Mineralogie und Petrographie, ab 1873 als ordentlicher Professor tätig war. 1883 wurde er zum Dekan und 1890 zum Rektor gewählt. Seit 1868 war Tschermak auch Direktor des Hofmineralienkabinetts. Auch politisch betätigte sich Tschermak bereits in der Gymnasialzeit, er gründet einen Verein zur Pflege der deutschen Sprache. Von dieser Zeit schrieb er sich nach der heute üblichen Schreibweise "Tschermak". Seine Söhne sind der Physiologe Armin Tschermak-Seysenegg (1870–1952) sowie der Botaniker und Pflanzenzüchter Erich Tschermak-Seysenegg (1871–1962). Sein Sohn Erich schilderte in einer von ihm verfassten Autobiographie den Vater als klassischen Gelehrten des 19. Jahrhunderts, der neben seiner Tätigkeit als Mineraloge und Petrograph auch großes Interesse an Kunst und den Geisteswissenschaften hatte. Gustav Tschermak soll eine Vorliebe für Bildhauerkunst, Malerei und Antiquitäten gehabt und mehrere Reisen nach Italien unternommen haben.[1]

Schaffen

Gustav Tschermak ist der Begründer der Feldspattheorie und entdeckte 1864 das Prinzip des isomorphen Ersatzes. Im Jahr 1871 begründete er die Zeitschrift Mineralogische und Petrographische Mittheilungen. Ab 1889 arbeitete er gemeinsam mit Friedrich Becke an der Redaktion. Bereits 1870 erschienen erste kleinere Mitteilungen über Meteoriten in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften. Bekannt wurde vor allem die Schrift über "Die mikroskopische Beschaffenheit der Meteoriten" (1883). Ebenso bekannt wurde er mit seiner Theorie zum vulkanischen Ursprung von Meteoriten. Diese seien Objekte, welche von kleinen Himmelskörpern durch vulkanische Aktivität (durch Explosion von Gasen) ausgestoßen worden waren. Diese Hypothese baute er 1877 unter Einbeziehung der Kant-Laplace'schen Theorie zu seiner Theorie des "kosmischen Vulkanismus" aus.[2]

Ehrungen

  • Anlässlich des 100. Geburtstags Gustav Tschermaks wurde im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal ihm zu Ehren errichtet.
  • In Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen wurde er 1906 von Kaiser Franz Joseph I. in den erblichen Adelsstand erhoben und erhielt das Prädikat Edler von Seysenegg.
  • Als Gründungsmitglied der Mineralogischen Gesellschaft war er deren erster Präsident und wurde 1907 zum Ehrenmitglied und 1911 zum Ehrenpräsidenten ernannt.
  • Im Jahr 1935 wurde die Gustav-Tschermak-Gasse nach ihm benannt, die durch die Wiener Bezirke Döbling (19. Bezirk) und Währing (18. Bezirk) verläuft.
  • Die Österreichische Akademie der Wissenschaften verleiht den Gustav von Tschermak-Seysenegg-Preis.
  • Ein Mineral wurde nach ihm benannt, der Tschermakit.

Werke

  • Die Feldspatgruppe, 1864
  • Die Aufgaben der Mineralchemie, 1871
  • Über den Vulkanismus als kosmische Erscheinung, 1877
  • Lehrbuch der Mineralogie, 1883
  • Die mikroskopische Beschaffenheit der Meteoriten, 1885

Quellen

  • Von Wurzbach 1883: Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich, Wien 1883, Bd. 48, S. 36–41.
  • UAW, S 90. 39
  • UAW, Senat S 304.1297

Literatur

  • Fritscher 2004: Bernhard Fritscher, Mineralogie und Kultur im Wien der Donaumonarchie. Zu Leben und Werk Gustav Tschermaks, in: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 144, Wien 2004, S. 67-75. Online einsehbar via http://opac.geologie.ac.at/wwwopacx/wwwopac.ashx?command=getcontent&server=images&value=JB1441_067_A.pdf
  • Tschermak 1958: Erich von Tschermak-Seysenegg, Leben und Wirken eines österreichischen Pflanzenzüchters, Beitrag zur Geschichte der Wiederentdeckung der Mendelschen Gesetze und ihre Anwendung für die Pflanzenzüchtung, Berlin/Hamburg 1958, S. 5

Einzelnachweise

  1. Tschermak-Seysenegg 1958, S.5
  2. Fritscher 2004, S. 71-72

Samantha Foki, Katharina Schmidt