Gustav Riehl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Gustav Riehl, 1921/22, Photo Setzer, UAW 106.I.2678.

Gustav Riehl ( * 10.2.1855 in Wiener Neustadt, + 7.1.1943 in Wien) war Professor für Dermatologie und Syphilidologie in Leipzig und Wien. In Wien schuf er die erste Radiumstation zur Behandlung von Hautkrankheiten und war von 1920 bis 1921 auch Rektor der Universität.

Leben

Gustav Riehl wurde am 10. Februar 1855 als Sohn des Rechtsanwaltes und Politikers Anton Riehl in Wiener Neustadt geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte.[1] Sein Vater hatte als Sohn eines einfachen Handwerkers in Wien Jus studiert, 1848/49 wurde als Abgeordneter der ersten deutschen Nationalversammlung ins Frankfurter Parlament entsandt, ab 1861 war er österreichischer Reichstagsabgeordneter und seit 1869 Mitglied in den Staatsgerichtshofs.[2] Der älterere Bruder Anton wurde Advokat und Schrifsteller, Gustav Riehl studierte ab 1872 Medizin an der Wiener Universität und promovierte am 4. April 1879.

Als Assistentarzt im Allgemeinen Krankenhaus arbeitete er zuerst an der Klinik Bamberger, von 1880 bis 1885 an der Klinik von Ferdinand von Hebra, nach dessen Tod unter der Leitung von Moriz Kaposi. 1889 erfolgte die Heirat mit Paula, geb. Langer. Sein im Jahre 1894 geborener Sohn Gustav Riehl arbeitete später ebenfalls als Dermatologe an der Wiener Klinik. Neben einer Wohnung in Wien (I., Kantgasse 3) besaß die Familie einen Landsitz in Windisch-Garsten.[3]

Nach seiner Habilitation für Dermatologie und Syphilidologie 1885 in Wien, wirkte Riehl von 1896 an als außerordentlicher Professor (ab 1901 ordentlicher Professor) an der Universität Leibzig.[4] Mit dem Tode Kaposis 1902 übernahm er dessen Ordinariat in Wien und wurde gleichzeitig Vorstand der Universitäts-Hautklinik im Allgemeinen Krankenhaus.[5] 1914 wurde er in die artistische Kommission der Universität gewählt und war Jahrzehnte lang Vorsitzender derselben.[6] Erst 1937 legte Riehl, der schon 1926 als Klinikvorstand in den Ruhestand getreten war, diese Position aus Altersgründen zurück.[7] 1921/22 amtierte er auch als Rektor der Universität.

Unter anderen Auszeichnungen war er Träger des großen goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreichs und Ehrenpräsident der Wiener Dermatologischen Gesellschaft. Sein von Arnold Hartig geschaffenes Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien wurde am 22. September 1954 feierlich enthüllt.[8]

Schaffen

Gustav Riehl, ein Schüler Ferdinand von Hebras und Moriz Kaposis, war Spezialist für die Therapie schwerer Verbrennungen und der Syphilis. Er gründet die erste Radiumstation im Allgemeinen Krankenhaus und errichtete während des ersten Weltkrieges eine Wasserbettanlage für Kriegsverletzte.[9] Sein Verdienst lag insbesondere in der pathologischen Histologie, der Hauttuberkulose und der Radiumtherapie. Auf dem Gebiet der pathologischen Histologie der Hautkrankheiten arbeitete er mit dem Pathologen Richard Paltauf zusammen und gemeinsam mit Leo von Zumbusch, dem Sohn des Bildhauers, gab er den "Atlas der Hautkrankheiten" heraus (1923-25).[10]

Schriften

Gustav Riehl war Herausgeber der Wiener klinische Wochenschrift, des Archives für Dermatologie und Syphilis und des Kongressorgans der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.

Eine Auswahl seiner Schriften:

  • Gustav Riehl, Das Rhinosklerom der Schleimhaut, Prag 1885.
  • Gustav Riehl/Leo von Zumbusch, Atlas der Hautkrankheiten, 3 Bände, Leipzig 1923-1925.
  • Gustav Riehl, Zur Therapie schwerer Verbrennungen, in: Wr. Klinische Wochenschriften, 38, 1925.
  • Gustav Riehl, Über den derzeitigen Stand der Radiumbehandlung bösartiger Geschwülste, Wien 1926.

Literatur

  • Czeike 1995: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 4, 1995.
  • DBE 1998: Walther Killy/Rudolf Vierhaus (Hg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie, 8, München u.a. 1998.
  • DBL 1933: Riehl, Gustav, in: I. Fischer (Hg.), Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre, 2, Berlin 1932-1933, S. 518.
  • Eisenberg 1893: Ludwig Eisenberg, Das geistige Wien. Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. Zweiter Band: Medicinisch-naturwissenschaftlicher Theil, Wien 1893.
  • KGK 1939: Friedrich Bertkau/Gerhard Oestreich (Hg.), Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender, 1, 1939.
  • ÖBL 1985: H. Morgenstern, Riehl Gustav, Dermatologe, in: Österreichisches Biographisches Lexikon. 1815-1950, 9 (42, 1985), S. 155.
  • Pagel 1901: J. Pagel (Hg.), Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts. Mit einer historischen Einleitung, Berlin u.a. 1901.
  • Planer 1929: Franz Planer (Hg.), Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte, Wien 1929.
  • Professorenkatalog Leipzig 2013: Gustav Riehl, in: Professorenkatalog der Universität Leipzig (2013)[1]
  • Riecke 1929: Erhard Riecke (Hg.), Deutscher Dermatologen-Kalender. Biographisch-bibliographisches Dermatologen-Verzeichnis, Leipzig 1929.
  • Riecke 1939: Erhard Riecke (Hg.), Deutsches Dermatologen-Verzeichnis. Lebens- und Leistungschau (1. Aufl. u.d.T.: Deutscher Dermatologen-Kalender), Leipzig 1939.
  • Schönbauer 1944: Leopold Schönbauer, Das medizinische Wien. Geschichte / Werden / Würdigung, Berlin/Wien 1944.
  • Teichl 1951: Robert Teichl (Hg.), Österreicher der Gegenwart. Lexikon schöpferischer und schaffender Zeitgenossen, Wien 19
  • WMW 1935: Gustav Riehl zum 80. Geburtstag, in: Wiener medizinische Wochenschrift, 48, 6, 1935, S. 162-192.
  • Wurzbach 1874: Constantin von Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, 26, 1874.

Quellen

  • UAW 106.I.2128: Gustav Riehl mit seinen Mitarbeitern um 1905, Foto Elfriede Hanak-Broneder, Wien, o.J.
  • UAW Senat S 88.1: Wahl von Gustav Riehl in die artistische Kommission, 1914.
  • UAW 106.I.2678: Riehl, Gustav (10.02.1855-07.01.1943; Dermatologie, Syphililogie), Foto, 1921/22.
  • UAW Senat S 89.30: Porträtierung von Mitgliedern des Lehrkörpers der Universität Wien, Prof. Dr. Gustav Riehl 1927/28.
  • UAW 105.P.232: Anton Hans Karlinsky, Rektorenporträt Gustav Riehl, Öl auf Leinwand, 1927, Universität Wien (Foto aus: Günter Natter, Die Gemälde der Universität Wien, Wien 1988).
  • UAW 106.I.963: Riehl, Gustav (10.02.1855-07.01.1943; Dermatologie, Syphililogie), Robert Fuchs, Einzelportät Gustav Riehl, 1935, Foto aus: Neue Freie Presse.
  • UAW Senat S 91.11: Rücktritt Riehls als Mitglied der artistischen Kommission, 1937.
  • UAW Senat 265.4.125: Riehl, Gustav, 1942.
  • UAW Senat 265.4.126: Riehl, Gustav, 1942.
  • UAW 105.P.233: Porträt Gustav Riehl, Öl auf Leinwand, O.J (vor 1943), Universität Wien, Foto aus: Günter Natter, Die Gemälde der Universität Wien, Wien 1988.
  • UAW Senat S 305.77: Gustav Riehl, gestorben 7.1.1943, Nekrolog.
  • UAW Senat S 304.1051: Personalakte, Gustav Riehl, gestorben 7.1.1943, Nekrolog für Gustav Riehl von F. Puhs.
  • UAW Senat S 222.23: Riehl, Gustav, Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, 1954.
  • UAW 106.I.2704: Einzelportät Gustav Riehl, Foto Max Schneider, o.J.
  • UAW 102.3.7.: Medaille Gusatv Riehl, Bronze, Dm. 60 mm. o.J.

UAW: Universitätsarchiv Wien

Weblinks

  • Eintrag "Gustav Riehl" auf Wikipedia [2]
  • Professorenkatalog der Universität Leipzig/catalogus professorum lipsiensium[3]
  • Eintrag in Austria-Forum [4]

Einzelnachweise

  1. Eisenberg 1893.
  2. Wurzbach 1874, Planer 1929.
  3. Planer 1929.
  4. Professorenkatalog Leipzig 2013
  5. UAW Senat 265.4.125, UAW Senat 265.4.126
  6. UAW Senat S 88.1
  7. UAW Senat S 91.11
  8. UAW Senat S 222.23
  9. Planer 1929
  10. Czeike 1995, DBE 1998.

Darstellungen


Julia Strobl, 2013SS