Gustav Demelius

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Fotografie von Gustav Demelius, entstanden um 1890.

Gustav Demelius (* 31.01.1831 in Allstedt, Deutschland; † 07.11.1891 in Wien) war Jurist, Professor der Rechtswissenschaften und Verfasser theoretischer Schriften.

Leben

Gustav Demelius war Sohn des Bürgermeisters von Allstedt in Thüringen, der auch als Advokat tätig war. Anfangs wurde er von seinem Onkel, dem damaligen Rektor Domrich, unterrichtet, bevor er auf die Klosterschule in Roßleben geschickt wurde. Im Anschluss daran besuchte er das Gymnasium in Weimar, welches damals unter der Leitung des Schulmannes und Philologen Sauppe stand. 1849 begann er an der Universität Jena Philologie zu studieren, wechselte allerdings dann, angestachelt durch die Lektüre von Puchtas Institutionen, das Studienfach zu Jus.[1] Er besuchte fleißig exegetische und praktische Übungen und widmete sich besonders der romanistischen Literatur. Er war Mitglied der Burschenschaft Germania, in der er bald eine führende Rolle einnahm. Nach Absolvierung des akademischen Trienniums kehrte nach Weimar zurück, wo sein Vater mittlerweile als Rat am Kreisgericht tätig war. Dort setzte er seine juristischen Studien fort und bereitete sich auf das nahende Staatsexamen vor, welches er in Eisenach ablegte. Am 18. April 1855 erlangte er auf Grund der "zur ausgezeichneten Zufriedenheit" bestandenen Doktorprüfung in Jena den juristischen Doktorgrad. Er verkehrte in intellektuellen Kreisen, wo er die Tochter des Leibarztes von Großherzog Karl August kennenlernte und 1858 heiratete.

Schon früher hatte Demelius den Entschluss gefasst, sich der akademischen Laufbahn zu widmen. Unter dem Unterrichtsminister Leo Graf Thun und Hohenstein war in Österreich eine Reform der Universitäten, speziell der juristischen Fakultäten, in Kraft getreten, welche dieselben nach deutschem Vorbild reorganisierte. So wurde das juristische Studium nicht mehr auf die Basis des Naturrechtes, sondern auf die der Rechtsgeschichte gestellt; das Römische Recht sollte als eminentes juristisches Bildungsmittel in extensiver und intensiver Weise gepflegt werden. Man holte gute Lehrkräfte aus Deutschland nach Österreich. Jüngere Lehrkräfte sollten für dieses Fach herangezogen werden. Demelius hoffte dort früher, als dies voraussichtlich in Deutschland der Fall gewesen wäre, eine feste Stellung als akademischer Lehrer zu finden. Im Sommer 1855 traf Demelius in Prag ein, um sich an der Universität für Römisches Recht zu habilitieren. Ordentlicher Professor dieses Fachs war dort damals Eduard Chambon, den man 1853 von Jena, wo er ein Extraordinariat bekleidet hatte, nach Prag berufen hatte. Dieser versuchte Demelius eine Habilitation zu ermöglichen, da dessen in Jena und somit im Ausland erlangter Doktorgrad nicht anerkannt wurde. Eine Nostrification war notwendig. Reformfreundliche Mitglieder des Professorenkollegiums intervenierten beim Unterrichtsminister Leo Graf Thun und Hohenstein, der schließlich nur eine Vorprüfung aus dem österreichischen Civilrecht, Strafrecht und Civilprozess für Demelius anordnete. Nach bestandener Prüfung erfolgte Demelius' Habilitation auf Grund seiner später als "Untersuchungen aus dem römischen Civilrecht", 1857 im Druck erschienenen Abhandlungen. 1856 hielt er in Prag als Privatdozent Vorlesungen im Römischen Recht.

Als 1857 Esmarch als ordentlicher Professor von Krakau nach Prag versetzt wurde, ernannte man Demelius zum Professor des Römischen Rechts an der Krakauer Universität. Durch die 1860 beginnende Polonisierung der Universität durfte er in Krakau keine Vorlesungen mehr halten, obwohl er offiziell Professor blieb. Trotzdem wollte er das Habsburger Reich nicht verlassen und lehnte daher eine Professur an der Universität in Zürich ab. 1862 berief man ihn an die Universität Graz. Dort wurde er des mehrmals zum Dekan, 1875/76 zum Rektor gewählt. Er hatte weder einer Berufung nach Wien im Jahre 1874, noch einer nach Gießen zugestimmt, folgte jedoch 1881 einem erneuten Ruf nach Wien. Im selben Jahr verlieh man ihm auch den Titel eines Hofrats. Im Oktober 1881 hielt er in Wien seine Antrittsvorlesung: "Über das Studium des römischen Civilprocesses". Einen Ruf nach Würzburg noch im selben Jahr lehnte er ab. Privat war Demelius ein großer Naturfreund und Bergsteiger. Als Mitglied der Section Graz des deutschen und österreichischen Alpenvereins hielt er Vorträge über touristische Leistungen und Erlebnisse und verfasste darüber auch Artikel. Am 7. November 1891 verstarb Gustav Demelius in Wien ganz unerwartet an einem Herzinfarkt an seinem Schreibtisch.

Zu seinen Ehren wurde 1897 im Arkadenhof der Universität Wien das Denkmal Gustav Demelius von dem Bildhauer Wilhelm Seib aufgestellt.

Schaffen

In Vordergrund seines Schaffens stand seine Lehrtätgkeit, die er mit größtem Eifer ausführte. Unter seinen Studenten erfreute er sich großer Beliebtheit. Demelius Hauptstreben galt der Erforschung und Aufhellung noch nicht erschlossener Wissensgebiete. In allen seinen Schriften findet sich sein Streben nach Gradlinigkeit und Wahrheit wieder, die er in einfacher, schmuckloser Weise darstellte. Demelius war nie praktizierender Jurist. Als ausgebildeter Philologe lag ihm vor allem das theoretische Denken der Juristerei besonders. Trotzdem ließ er nie ausser Acht, dass das Recht nicht nur für die Theorie, sondern gerade auch für die Praxis da ist, was sich auch in seinen Schriften niederschlug. Seine Forschung befriedigte ihn erst dann, wenn sie voraussehbar zu praktischen Ergebnissen führen würde. Seine erste Schrift, die größtenteils noch in Weimar vorbereitet, dann in Prag 1857 abgeschlossen worden war, legt den Unterschied zwischen Verjährung und Befristung deutlich dar, was, wie sich später gezeigt hat, nicht nur für das ältere Römische Recht relevant war. Seine kleine Schrift: "Die Rechtsfiction in ihrer geschichtlichen und dogmatischen Bedeutung" von 1858, die er seiner Heimatuniversität Jena anläßlich des 300jährigen Jubiläums gewidmet hatte, manifestiert den Grundgedanken, dass die Fiktion nur den Gedanken der Gleichstellung verschiedener Tatbestände zum Ausdruck bringt. Aus seiner Grazer Zeit stammen die Bücher über "die Exhibitionspflicht in ihrer Bedeutung für das klassische Recht" von 1872, dann "die confessio im römischen Civilprozeß und das gerichtliche Geständniß der neuesten Prozeßgesetze" von 1880. Schon in letzterer Schrift hatte Demelius mit Vorliebe prozessuale Probleme behandelt. In dieser Richtung bewegt sich auch seine "confessio in iure", die hinsichtlich ihrer inneren Geschlossenheit, der Sicherheit und Wert der Resultate, Kunst der Disposition und Darstellung, als vorbildliches Werk der juristischen Literatur gilt. Während seines Wiener Aufenthalts publizierte er das Buch: "Schiedseid und Beweiseid im römischen Civilproceß" (1887). In demselben wies er nach, dass es einen allgemeinen Zwangseid über Rechtsverhältnisse im Römischen Recht nicht gegeben hat. Zu den selbständig erschienenen Werken gehört noch die kleine, pädagogische Zwecke verfolgende Sammlung römischer Gesetze, welche er unter dem Titel: "Legum quae ad ius civile spectant fragmenta" (1857) herausbrachte. An diese in Buchform erschienenen Schriften reihte sich eine stattliche Zahl bedeutender Abhandlungen in verschiedenen juristischen Zeitschriften.

Werke/Schriften

  • Untersuchungen aus dem römischen Civilrechte, 1856.
  • Legum Quae Ad Ius Civile Spectant Fragmenta: In Usum Praelectionum Collegit, 1857.
  • Aufsatz über Rechtserwerb, in: Österreichische Gerichtszeitung, 1858
  • Die Exhibitionspflicht in ihrer Bedeutung für das classische und heutige Recht, 1872.
  • Die Confessio im römischen Civil-Process und das gerichtliche Geständniß der neuesten Proceßgesetzgebung, 1880.
  • Antrittsvorlesung: "Die Bedeutung des Studiums des römischen Civilproceßes", 1881, in: Grünhut'sche Zeitschrift für Privat- und Öffentliches Recht.
  • Schiedseid und Beweiseid im römischen Civilprozeß, 1887.
  • Die Rechtsfiction in ihrer geschichtlichen und dogmatischen Bedeutung: Eine Juristische Untersuchung, 1909.
  • Real-Contracte; fingierte Personen; Culpacompensation; in: Ihering'schen Jahrbücher.
  • Wahlrecht bei Alternativ-Obligationen, in: Gießner Zeitschrift für Civilrecht und Proceß.
  • Plautinische Studien, in: Zeitschrift für Rechtsgeschichte (I und II).
  • Abhandlung über die lex metalli Vipacensis , in: Die romanistische Abtheilung der Zeitschrift der Savignystiftung.

Literatur

  • Czyhlarz 1903: K. Ritter von Czyhlarz, Demelius, Gustav, in: Allgemeine Deutsche Biographie, 1903.
  • Strohal: E. Strohal, Gustav Demelius, in der Zeitschr. d. Savigny-Stiftung, roman. Abth. XV, S. 1—26.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Czyhlarz 1903

Darstellungen


David Berger, Sarah Lange, Katharina Schmidt