Gerard van Swieten

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Gerard van Swieten, Druck I. lac. Haid, Archiv der Universität Wien

Gerard van Swieten, (*7.5.1700 Leiden, Niederlande, † 18. 6. 1772 in Wien), Leibarzt und Reformer. Er reformierte die Wiener Universitätsmedizin.

Leben

Er studierte in Leiden Medizin und promovierte 1725, danach war er bei seinem Lehrer Herman Boerhaave als Assistent tätig. Bereits in dieser Zeit erschienen Teile seines fünfbändigen Werks „Commentaris“, welche ihn in der Fachwelt bekannt machte. [1] Ab 1745 stand er im Dienst von Kaiserin Maria Theresia und reformierte in ihrem Auftrag die Wiener Universitätsmedizin. Die Reform enthielt mitunter die Einführung neuer Lehrmethoden und die Schaffung neuer Professuren für Botanik und Chemie sowie für Chirurgie. In weiterer Folge wurden ein chemisches Labor und der botanischen Garten eingerichtet. Gerard van Swieten wurde als Studiendirektor der Medizinischen Fakultät eingesetzt und hatte somit das Recht sämtliche Beschlüsse zu kontrollieren. [2] Aufgrund van Swietens Tätigkeit wurde die Lehrmethode der Leidener Schule übernommen. Somit wurde die Integration der unterschiedlichen Ansätze über das Verständnis von Krankheiten und die Ausbildung am Krankenbett gelehrt. Damit wurde die Basis für die Entwicklung der ersten Wiener Schule geschaffen.

Schaffen

Bald nach dem Dienstantritt unter Kaiserin Maria Theresia wurde er zum Inspektor des medizinischen Unterrichts in Österreich befördert. Er berief bedeutende Lehrer der Heilkunde an die Wiener Hochschule ein und eröffnete 1755 die neue Universität mit erweiterten Lehrmöglichkeiten. In weiterer Folge gründete er die erste Wiener Schule für Tierärzte, Hebammen und eröffnete ebenfalls Findelhäuser. Ebenso reorganisierte er die Heilanstalten in ganz Österreich mit Hilfe von Freiherrn Josef Quarin. Gerard van Swieten richtete Witwen- und Waisenfonds ein, aber vor allem reformierte er den gesamten Universitätsunterricht.

Schriften

  • Diss. de arteriae fabrica et efficacia in corpore humano, Dissertation, Leiden, 1725.
  • Commentaria in Hermanni Boerhaave aphorismos de cognoscendis et curandis morbis, Venetiis 1745-1764.
  • Erläuterungen der Boerhaave'schen Lehrsätze der Chirurgie, Danzig 1749 bis 1753.
  • Kurze Beschreibung und Heilungsart der Krankheiten, welche am öftesten in den Feldlagern beobachtet werden, Wien, 1758.
  • Constitutiones epidemicae et morbi potissimum Lugd. Bat. observati, Wien 1782.

Einzelnachweise

  1. Wurzbach 1880, S. 38.
  2. Gerabek 2005, S. 1369.

Literatur

  • Eckhart/Gradmann 1995: Eckhart W. / Gradmann C. (Hrsg.), Ärztelexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1995.
  • Gerabek 2005: Werner Gerabek, Swieten, Gerhard von, In: Gerabek, W./ Haage B. / Keil G. / Wegner W. (Hrsg.), Enzyklopädie Medizingeschichte, Berlin 2005, S. 1369.
  • Hirsch 1932: August Hirsch (Hrsg.), Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, Berlin 1932.
  • Lesky/ Wandruszka 1973: Erna Lesky / Adam Wandruszka, Gerard van Swieten und seine Zeit, Wien 1973.
  • Wurzbach 1880: Constatin Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, Einundvierzigster Teil – Susil – Szeder, Wien 1880.

Weblinks

Darstellungen

  • Gerard van Swieten, I. lac. Haid (Druck), 1750, Archiv der Universität Wien
  • Gerard van Swieten, Johann Ernst Mansfeld, Stich, zw. 1772-1796, 16 x 8,6 cm, Archiv der Universität Wien
  • Foto der Gedenkfeier zum 200. Todestag in der Universität Wien, 1972, 24 x 36 cm, Archiv der Universität Wien

Cigdem Özel, Johanna Petrovitsch, Sabine Panzer