Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Kurz darauf wurde der Künstler [[Günter Wolfsberger]] mit der Ausführung des Denkmals betraut und gebeten, erste Entwürfe für die Gedenktafel zu fertigen.<ref>UAW Senat 222.68/32 Brief an Fakultätskollegium der Medizinischen Fakultät bezüglich der Auswahl des Künstlers und genauen Vorstellungen des Denkmals, 3.6.1997. </ref>
Kurz darauf wurde der Künstler [[Günter Wolfsberger]] mit der Ausführung des Denkmals betraut und gebeten, erste Entwürfe für die Gedenktafel zu fertigen.<ref>UAW Senat 222.68/32 Brief an Fakultätskollegium der Medizinischen Fakultät bezüglich der Auswahl des Künstlers und genauen Vorstellungen des Denkmals, 3.6.1997. </ref>


Im Sommer 1997 gab es allerdings Uneinigkeiten des Rektorats und der Medizinischen Fakultät hinsichtlich des Anbringungsortes der Gedenktafel und der genauen Formulierung der Inschrift. Problematisch war, dass durch diese Gedenktafel nur einer Gruppe der Vertriebenen im Arkadenhof gedacht wurde und zu diesem Zeitpunkt schon absehbar war, dass die Medizinische Fakultät aus dem Verbund der Universität Wien herausgelöst und eine eigenständige Universität werden sollte.   
Im Sommer 1997 gab es allerdings Uneinigkeiten zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät hinsichtlich des Anbringungsortes der Gedenktafel und der genauen Formulierung der Inschrift. Problematisch war, dass durch diese Gedenktafel nur einer Gruppe der Vertriebenen im Arkadenhof gedacht werde und zu diesem Zeitpunkt schon absehbar war, dass die Medizinische Fakultät aus dem Verbund der Universität Wien herausgelöst und eine eigenständige Universität werden sollte.   
Die Reaktion der Kunstkommission bezüglich der Zwistigkeiten war, dass die Gedenktafel nur unter der Bedingung einer gemeinsamen Überarbeitung der Inschrift zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät genehmigt werde.  
Die Reaktion der Kunstkommission bezüglich der Zwistigkeiten war, dass die Gedenktafel nur unter der Bedingung einer gemeinsamen Überarbeitung der Inschrift zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät genehmigt werde.  


Der akademische Senat der Universität Wien beschloss in seiner Sitzung am 16. Oktober 1997, dass die Gedenktafel dem Wunsch des Künstlers entsprechend am rechten Mittelpfeiler im Gang zum Medizinischen Dekanat angebracht werden sollte, da dieser Ort eine optimale Sonneneinstrahlung gewährleistete und bei Dunkelheit auch künstlich optimal beleuchtet werden könne.<ref>UAW Senat 222.68/33 Beschluss der Kunstkommission und des akademischen Senats was Anbringungsort der Gedenktafel angeht, 16.10.1997. </ref>  
Der akademische Senat der Universität Wien beschloss in seiner Sitzung am 16. Oktober 1997, dass die Gedenktafel dem Wunsch des Künstlers entsprechend am rechten Mittelpfeiler im Gang zum Medizinischen Dekanat angebracht werden soll, da dieser Ort eine optimale Sonneneinstrahlung gewährleiste und bei Dunkelheit auch künstlich optimal beleuchtet werden könne.<ref>UAW Senat 222.68/33 Beschluss der Kunstkommission und des akademischen Senats was Anbringungsort der Gedenktafel angeht, 16.10.1997. </ref>  


Im November wurde Günter Wolfsberger in einem Schreiben ersucht, einen vorläufigen Kostenvoranschlag zu verfassen und für einen Besichtigungstermin des Standortes vorbei zu kommen. <ref>UAW Senat 222.68/37 Brief an Wolfsberger mit Wunsch auf Kostenvoranschlag und Besichtigungstermin des Anbringungsortes, 10.11.1997. </ref>
Im November wurde Günter Wolfsberger in einem Schreiben ersucht, einen vorläufigen Kostenvoranschlag zu verfassen und für einen Besichtigungstermin des Standortes vorbei zu kommen. <ref>UAW Senat 222.68/37 Brief an Wolfsberger mit Wunsch auf Kostenvoranschlag und Besichtigungstermin des Anbringungsortes, 10.11.1997. </ref>
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[[Bild:Bilder-471998-337042-360.jpg|thumb|Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.]]
[[Bild:Bilder-471998-337042-360.jpg|thumb|Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.]]
Im Gegensatz zu den vielen anderen Denkmälern und Büsten des [[Arkadenhof der Universität Wien|Arkadenhofes der Universität Wien]], ist die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät ein eher schlichtes Denkmal. Als Vergleich zur dieser Gedenktafel bietet sich die [[Denkmal Marie von Ebner-Eschenbach|Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach]], welches sich ebenfalls im Arkadenhof der Universität Wien befindet und als Einzige ebenfalls nur einen Schriftzug trägt, an.  
Im Gegensatz zu allen anderen Denkmälern des [[Arkadenhof der Universität Wien|Arkadenhofes der Universität Wien]], ist die Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät einer Gruppe von nicht namentlich genannten Personen gewidmet.  


Obgleich beide Gedenktafeln aus demselben Jahrhundert stammen (Gedenktafel der Marie von Ebner-Eschenbach Anfang des 20. Jahrhunderts, Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät Ende des 20. Jahrhunderts) könnten sie unterschiedlicher nicht sein.  
In formaler Hinsicht ist diese Gedenktafel nur mit der [[Denkmal Marie von Ebner-Eschenbach|Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach]] vergleichbar, die ebenfalls ohne Porträt blieb und nur mit einer Inschrift erinnert. Obgleich beide Gedenktafeln aus demselben Jahrhundert stammen, könnten sie gleichwohl unterschiedlicher nicht sein. Die Gedenktafel für die Schriftstellerin hat ein antikes Erscheinungsbild. Der auf einer vertieften Platte eingravierte Text ist zweistufig gerahmt. Der äußere Rahmen ist mit einem speziellen Ornament, dem lesbischen Kymation, verziert. Den oberen Abschluss bildet ein antikisches Gesims. In Form und Material knüpft dieses Denkmal an vergangene Epochen an.


Die Gedenktafel der Schriftstellerin hat ein antikes Erscheinungsbild, welches in der Mitte den eingravierten Text trägt und von einem Ornamentband im Rapportmuster gerahmt und von einem antikisierenden Gebälk bekrönt wird. Das Material ist aus Stein und übermittelt dem Betrachter die Illusion von Marmor. Das Denkmal erinnert uns an gewisse Traditionen vergangener Epochen.
Ganz anders ist die etwa 70 Jahre jüngere Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät. Sie nutzt zwar ebenfalls den Text zur Erinnerung, bedient sich aber darüber hinaus einer narrativen Darstellungsweise, welche den Betrachter auf andere Weise zum Nachdenken anregt als konkrete Bildnisse es könnten.  


Ganz anders ist die soviel jüngere Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät. Diese ist vollends aus Bronze gegossen und entspricht schon eher dem modernen und künstlerischen Zeitgeist des 20 Jahrhunderts. Anstelle von dargestellten Persönlichkeiten bedient sich der Künstler, [[Günter Wolfsberger]], einer anderen narrativen Darstellungsweise, welche den Betrachter viel mehr zum Nachdenken anregt als konkrete Bildnisse es könnten.
Nicht nur die moderne Art der Darstellung ist zeitgenössisch sondern auch die Verwendung von Bronze, da sie um ein vielfaches kostengünstiger ist als Marmor oder Stein. Dies lässt sich an anderen Denkmälern des Arkadenhofs leicht feststellen, wie zum Beispiel am [[Denkmal Friedrich von Wieser|Denkmal des Friedrich von Wieser]], [[Denkmal Richard Wettstein von Westersheim|Richard Wettstein von Westersheim]] oder [[Denkmal Zdenko Hans Skraup|Zdenko Hans Skraup]].


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==

Version vom 27. September 2014, 17:21 Uhr

Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät
Lage des Denkmals, Nr. 123, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät

Die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät befindet sich am siebenten Pfeiler des nördlichen Arkadengangs im Arkadenhof der Universität Wien. Die Gedenktafel wurde von dem Bildhauer Günter Wolfsberger angefertigt und im Jahr 1998 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät ist hochrechteckig und wurde aus Bronze gegossen. Der obere Bereich des Denkmals weist ein Lochraster von sieben mal acht Quadraten auf, welche in unbestimmter Reihenfolge leer oder gefüllt sind und reliefartig hervortreten. Das Raster erinnert an die Fassade eines Hochhauses. Die leeren Quadrate sind gleichsam Fehlstellen, die die vertriebenen und ermordeten Mediziner versinnbildlichen. Die heraustretenden Würfel zeigen die übriggebliebenen Personen, welche zwar nicht verfolgt oder entlassen wurden, aber doch mit den Folgen der Vertreibungen aus rassistischen Gründen leben und wirken mussten.

Unter den symbolischen Quadraten befindet sich folgende Inschrift im Relief: „In Erinnerung an die Lehrenden und in Ausbildung Stehenden der medizinischen Fakultät der Universität Wien, die in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft aus „rassischen“ oder politischen Gründen verfolgt, vertrieben, ermordet wurden. Eingedenk der Mitverantwortung gewidmet von der medizinischen Fakultät, 1998.“

Entstehungsgeschichte

Im Jahr 1997 wandte sich die Medizinische Fakultät Wien mit der Anregung an das Rektorat der Universität Wien, eine Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät zu errichten. Die geschätzten Kosten für das Denkmal waren relativ hoch. Da der ursprüngliche Finanzier der Gedenktafel abgesprungen war, musste die Medizinische Fakultät die Finanzierung selbst tragen. Die Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin war zu einer finanziellen Unterstützung bereit. [1]

Kurz darauf wurde der Künstler Günter Wolfsberger mit der Ausführung des Denkmals betraut und gebeten, erste Entwürfe für die Gedenktafel zu fertigen.[2]

Im Sommer 1997 gab es allerdings Uneinigkeiten zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät hinsichtlich des Anbringungsortes der Gedenktafel und der genauen Formulierung der Inschrift. Problematisch war, dass durch diese Gedenktafel nur einer Gruppe der Vertriebenen im Arkadenhof gedacht werde und zu diesem Zeitpunkt schon absehbar war, dass die Medizinische Fakultät aus dem Verbund der Universität Wien herausgelöst und eine eigenständige Universität werden sollte. Die Reaktion der Kunstkommission bezüglich der Zwistigkeiten war, dass die Gedenktafel nur unter der Bedingung einer gemeinsamen Überarbeitung der Inschrift zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät genehmigt werde.

Der akademische Senat der Universität Wien beschloss in seiner Sitzung am 16. Oktober 1997, dass die Gedenktafel dem Wunsch des Künstlers entsprechend am rechten Mittelpfeiler im Gang zum Medizinischen Dekanat angebracht werden soll, da dieser Ort eine optimale Sonneneinstrahlung gewährleiste und bei Dunkelheit auch künstlich optimal beleuchtet werden könne.[3]

Im November wurde Günter Wolfsberger in einem Schreiben ersucht, einen vorläufigen Kostenvoranschlag zu verfassen und für einen Besichtigungstermin des Standortes vorbei zu kommen. [4]

Im Jahr 1998 wurde die Gedenktafel von Wolfsberger vollendet und feierlich im Arkadenhof der Universität enthüllt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.

Im Gegensatz zu allen anderen Denkmälern des Arkadenhofes der Universität Wien, ist die Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät einer Gruppe von nicht namentlich genannten Personen gewidmet.

In formaler Hinsicht ist diese Gedenktafel nur mit der Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach vergleichbar, die ebenfalls ohne Porträt blieb und nur mit einer Inschrift erinnert. Obgleich beide Gedenktafeln aus demselben Jahrhundert stammen, könnten sie gleichwohl unterschiedlicher nicht sein. Die Gedenktafel für die Schriftstellerin hat ein antikes Erscheinungsbild. Der auf einer vertieften Platte eingravierte Text ist zweistufig gerahmt. Der äußere Rahmen ist mit einem speziellen Ornament, dem lesbischen Kymation, verziert. Den oberen Abschluss bildet ein antikisches Gesims. In Form und Material knüpft dieses Denkmal an vergangene Epochen an.

Ganz anders ist die etwa 70 Jahre jüngere Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät. Sie nutzt zwar ebenfalls den Text zur Erinnerung, bedient sich aber darüber hinaus einer narrativen Darstellungsweise, welche den Betrachter auf andere Weise zum Nachdenken anregt als konkrete Bildnisse es könnten.


Einzelnachweise

  1. UAW Senat 222.68/31 Brief vom Dekanat der Medizinischen Fakultät an das Rektorat der Uni Wien bezüglich Denkmalsantrag und Finanzierung, 11.7.1997.
  2. UAW Senat 222.68/32 Brief an Fakultätskollegium der Medizinischen Fakultät bezüglich der Auswahl des Künstlers und genauen Vorstellungen des Denkmals, 3.6.1997.
  3. UAW Senat 222.68/33 Beschluss der Kunstkommission und des akademischen Senats was Anbringungsort der Gedenktafel angeht, 16.10.1997.
  4. UAW Senat 222.68/37 Brief an Wolfsberger mit Wunsch auf Kostenvoranschlag und Besichtigungstermin des Anbringungsortes, 10.11.1997.


UAW = Universiätsarchiv Wien

Literatur

  • Maisel Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 191.

Quellen

  • UAW S 222.68/31
  • UAW S 222.68/32
  • UAW S 222.68/33
  • UAW S 222.68/37



Sabine Panzer