Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät besitzt ein hochrechteckiges Format und wurde aus Bronze gegossen. Der obere Bereich des Denkmals weist 56 Quadrate auf, welche in unbestimmter Reihenfolge einmal ausgespart wurden beziehungsweise voll- oder reliefartig erhaben hervor treten. Die ungleiche Ausarbeitung der Würfelquadrate war voll und ganz beabsichtigt. Die leeren Aussparungen sollen versinnbildlichen, dass einige Personen fehlen oder nicht mehr unter uns weilen. Die heraustretenden Würfel zeigen die übrig gebliebenen Personen, welche zwar nicht aus rassischen Gründen verfolgt oder entlassen wurden, aber doch mit den Folgen und Auswirkungen dieser Handlungen weiter leben und wirken mussten.
 
Unter den symbolischen Quadraten befindet sich folgende Inschrift im Relief: „In Erinnerung an die Lehrenden und in Ausbildung Stehenden der medizinischen Fakultät der Universität Wien, die in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft aus „rassischen“ oder politischen Gründen verfolgt, vertrieben, ermordet wurden. Eingedenk der Mitverantwortung gewidmet von der medizinischen Fakultät, 1998.“


==Entstehungsgeschichte==
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==Kunsthistorischer Vergleich und Analyse==
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[[Bild:Bilder-471998-337042-360.jpg|thumb|Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.]]
Im Gegensatz zu den vielen anderen Denkmälern und Büsten des [[Arkadenhof der Universität Wien|Arkadenhofes der Universität Wien]], ist die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät ein eher schlichtes Denkmal. Als Vergleich zur dieser Gedenktafel bietet sich die [[Denkmal Marie von Ebner-Eschenbach|Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach]], welches sich ebenfalls im Arkadenhof der Universität Wien befindet und als Einzige ebenfalls nur einen Schriftzug trägt, an.
 
Obgleich beide Gedenktafeln aus demselben Jahrhundert stammen (Gedenktafel der Marie von Ebner-Eschenbach Anfang des 20. Jahrhunderts, Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät Ende des 20. Jahrhunderts) könnten sie unterschiedlicher nicht sein.
 
Die Gedenktafel der Schriftstellerin hat ein antikes Erscheinungsbild, welches in der Mitte den eingravierten Text trägt und von einem Ornamentband im Rapportmuster gerahmt und von einem antikisierenden Gebälk bekrönt wird. Das Material ist aus Stein und übermittelt dem Betrachter die Illusion von Marmor. Das Denkmal erinnert uns an gewisse Traditionen vergangener Epochen.
 
Ganz anders ist die soviel jüngere Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät. Diese ist vollends aus Bronze gegossen und entspricht schon eher dem modernen und künstlerischen Zeitgeist des 20 Jahrhunderts. Anstelle von dargestellten Persönlichkeiten bedient sich der Künstler, [[Günter Wolfsberger]], einer anderen narrativen Darstellungsweise, welche den Betrachter viel mehr zum Nachdenken anregt als konkrete Bildnisse es könnten.  
 
Nicht nur die moderne Art der Darstellung ist zeitgenössisch sondern auch die Verwendung von Bronze, da sie um ein vielfaches kostengünstiger ist als Marmor oder Stein. Dies lässt sich an anderen Denkmälern des Arkadenhofs leicht feststellen, wie zum Beispiel am [[Denkmal Friedrich von Wieser|Denkmal des Friedrich von Wieser]], [[Denkmal Richard Wettstein von Westersheim|Richard Wettstein von Westersheim]] oder [[Denkmal Zdenko Hans Skraup|Zdenko Hans Skraup]].


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==

Version vom 21. August 2014, 21:34 Uhr

Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät
Plan des Arkadenhofs. Roter Punkt zeigt den Standort des Denkmals
Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät

Die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät befindet sich am siebenten Arkadenpfeiler der von der Aula aus gesehenen rechten Seite des Arkadenhofes der Universität Wien. Die Gedenktafel wurde von dem Bildhauer Günter Wolfsberger angefertigt und im Jahr 1998 feierlich enthüllt. Nach dem Nummerierungssystem von Thomas Maisel trägt die Gedenktafel die Nummer 123.

Beschreibung

Die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät besitzt ein hochrechteckiges Format und wurde aus Bronze gegossen. Der obere Bereich des Denkmals weist 56 Quadrate auf, welche in unbestimmter Reihenfolge einmal ausgespart wurden beziehungsweise voll- oder reliefartig erhaben hervor treten. Die ungleiche Ausarbeitung der Würfelquadrate war voll und ganz beabsichtigt. Die leeren Aussparungen sollen versinnbildlichen, dass einige Personen fehlen oder nicht mehr unter uns weilen. Die heraustretenden Würfel zeigen die übrig gebliebenen Personen, welche zwar nicht aus rassischen Gründen verfolgt oder entlassen wurden, aber doch mit den Folgen und Auswirkungen dieser Handlungen weiter leben und wirken mussten.

Unter den symbolischen Quadraten befindet sich folgende Inschrift im Relief: „In Erinnerung an die Lehrenden und in Ausbildung Stehenden der medizinischen Fakultät der Universität Wien, die in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft aus „rassischen“ oder politischen Gründen verfolgt, vertrieben, ermordet wurden. Eingedenk der Mitverantwortung gewidmet von der medizinischen Fakultät, 1998.“

Entstehungsgeschichte

Im Jahr 1997 wendet sich die Medizinische Fakultät Wien mit der Anregung an das Rektorat der Universität Wien eine Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät vorzunehmen. Da die geschätzten Kosten für das Denkmal relativ hoch erschienen und der ursprüngliche Finanzier der Gedenktafel abgesprungen war, musste die Medizinische Fakultät die Kosten selbst tragen. Die Österreichische Gesellschaft für innere Medizin willigte ebenfalls ein die Medizinische Fakultät bei der Finanzierung zu unterstützen. [1]

Kurz darauf wird der Künstler Günter Wolfsberger mit der Ausführung des Denkmals betraut und gebeten erste Entwürfe für die Gedenktafel zu fertigen.[2]

Im Sommer 1997 gab es allerdings Uneinigkeiten des Rektorats und der Medizinischen Fakultät was den Anbringungsort der Gedenktafel und der genauen Formulierung der Inschrift angeht. Die Reaktion der Kunstkommission bezüglich der Zwistigkeiten war, dass die Gedenktafel nur unter der Bedingung einer gemeinsamen Überarbeitung der Inschrift zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät genehmigt werde.

Der akademische Senat der Universität Wien beschloss in seiner Sitzung am 16. Oktober 1997, dass die Gedenktafel am rechten Mittelpfeiler im Gang zum Medizinischen Dekanat angebracht werden sollte, da dieser Ort eine optimale Sonneneinstrahlung gewährleistete und bei Dunkelheit auch künstlich optimal beleuchtet werden könne.[3]

Im November wird Günter Wolfsberger in einem Schreiben ersucht einen vorläufigen Kostenvoranschlag zu verfassen und für einen Besichtigungstermin des Standortes vorbei zu kommen. [4]

Im Jahr 1998 wurde die Gedenktafel von Wolfsberger vollendet und nun endlich feierlich im Arkadenhof der Universität enthüllt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.

Im Gegensatz zu den vielen anderen Denkmälern und Büsten des Arkadenhofes der Universität Wien, ist die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät ein eher schlichtes Denkmal. Als Vergleich zur dieser Gedenktafel bietet sich die Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, welches sich ebenfalls im Arkadenhof der Universität Wien befindet und als Einzige ebenfalls nur einen Schriftzug trägt, an.

Obgleich beide Gedenktafeln aus demselben Jahrhundert stammen (Gedenktafel der Marie von Ebner-Eschenbach Anfang des 20. Jahrhunderts, Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät Ende des 20. Jahrhunderts) könnten sie unterschiedlicher nicht sein.

Die Gedenktafel der Schriftstellerin hat ein antikes Erscheinungsbild, welches in der Mitte den eingravierten Text trägt und von einem Ornamentband im Rapportmuster gerahmt und von einem antikisierenden Gebälk bekrönt wird. Das Material ist aus Stein und übermittelt dem Betrachter die Illusion von Marmor. Das Denkmal erinnert uns an gewisse Traditionen vergangener Epochen.

Ganz anders ist die soviel jüngere Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät. Diese ist vollends aus Bronze gegossen und entspricht schon eher dem modernen und künstlerischen Zeitgeist des 20 Jahrhunderts. Anstelle von dargestellten Persönlichkeiten bedient sich der Künstler, Günter Wolfsberger, einer anderen narrativen Darstellungsweise, welche den Betrachter viel mehr zum Nachdenken anregt als konkrete Bildnisse es könnten.

Nicht nur die moderne Art der Darstellung ist zeitgenössisch sondern auch die Verwendung von Bronze, da sie um ein vielfaches kostengünstiger ist als Marmor oder Stein. Dies lässt sich an anderen Denkmälern des Arkadenhofs leicht feststellen, wie zum Beispiel am Denkmal des Friedrich von Wieser, Richard Wettstein von Westersheim oder Zdenko Hans Skraup.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat 222.68/31 Brief vom Dekanat der Medizinischen Fakultät an das Rektorat der Uni Wien bezüglich Denkmalsantrag und Finanzierung, 11.7.1997.
  2. UAW Senat 222.68/32 Brief an Fakultätskollegium der Medizinischen Fakultät bezüglich der Auswahl des Künstlers und genauen Vorstellungen des Denkmals, 3.6.1997.
  3. UAW Senat 222.68/33 Beschluss der Kunstkommission und des akademischen Senats was Anbringungsort der Gedenktafel angeht, 16.10.1997.
  4. UAW Senat 222.68/37 Brief an Wolfsberger mit Wunsch auf Kostenvoranschlag und Besichtigungstermin des Anbringungsortes, 10.11.1997.


UAW = Universiätsarchiv Wien

Literatur

  • Maisel Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 191.

Quellen

  • UAW S 222.68/31
  • UAW S 222.68/32
  • UAW S 222.68/33
  • UAW S 222.68/37



Sabine Panzer