Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät
Lage des Denkmals, Nr. 123, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät

Die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät wurde von dem Künstler Günter Wolfsberger (*1944) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und 1998 enthüllt.

Beschreibung

Die Gedenktafel zur Erinnerung an 1938-1945 vertriebene Angehörige der Medizinischen Fakultät ist hochrechteckig und wurde aus Bronze gegossen. Der obere Bereich des Denkmals weist ein Lochraster von sieben mal acht Quadraten auf, welche in unbestimmter Reihenfolge leer oder gefüllt sind und reliefartig hervortreten. Das Raster erinnert an die Fassade eines Hochhauses. Die leeren Quadrate sind gleichsam Fehlstellen, die die vertriebenen und ermordeten Mediziner versinnbildlichen. Die heraustretenden Würfel zeigen die übriggebliebenen Personen, welche zwar nicht verfolgt oder entlassen wurden, aber doch mit den Folgen der Vertreibungen aus rassistischen Gründen leben und wirken mussten.

Unter den symbolischen Quadraten befindet sich folgende Inschrift im Relief: „In Erinnerung an die Lehrenden und in Ausbildung Stehenden der medizinischen Fakultät der Universität Wien, die in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft aus „rassischen“ oder politischen Gründen verfolgt, vertrieben, ermordet wurden. Eingedenk der Mitverantwortung gewidmet von der medizinischen Fakultät, 1998.“

Entstehungsgeschichte

Im Jahr 1997 wandte sich die Medizinische Fakultät Wien mit der Anregung an das Rektorat der Universität Wien, eine Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät zu errichten. Die geschätzten Kosten für das Denkmal waren relativ hoch. Da der ursprüngliche Finanzier der Gedenktafel abgesprungen war, musste die Medizinische Fakultät die Finanzierung selbst tragen. Die Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin war zu einer finanziellen Unterstützung bereit. [1]

Kurz darauf wurde der Künstler Günter Wolfsberger mit der Ausführung des Denkmals betraut und gebeten, erste Entwürfe für die Gedenktafel zu fertigen.[2]

Im Sommer 1997 gab es allerdings Uneinigkeiten zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät hinsichtlich des Anbringungsortes der Gedenktafel und der genauen Formulierung der Inschrift. Problematisch war, dass durch diese Gedenktafel nur einer Gruppe der Vertriebenen im Arkadenhof gedacht werde und zu diesem Zeitpunkt schon absehbar war, dass die Medizinische Fakultät aus dem Verbund der Universität Wien herausgelöst und eine eigenständige Universität werden sollte. Die Reaktion der Kunstkommission bezüglich der Zwistigkeiten war, dass die Gedenktafel nur unter der Bedingung einer gemeinsamen Überarbeitung der Inschrift zwischen dem Rektorat und der Medizinischen Fakultät genehmigt werde.

Der akademische Senat der Universität Wien beschloss in seiner Sitzung am 16. Oktober 1997, dass die Gedenktafel dem Wunsch des Künstlers entsprechend am rechten Mittelpfeiler im Gang zum Medizinischen Dekanat angebracht werden soll, da dieser Ort eine optimale Sonneneinstrahlung gewährleiste und bei Dunkelheit auch künstlich optimal beleuchtet werden könne.[3]

Im November wurde Günter Wolfsberger in einem Schreiben ersucht, einen vorläufigen Kostenvoranschlag zu verfassen und für einen Besichtigungstermin des Standortes vorbei zu kommen. [4]

Im Jahr 1998 wurde die Gedenktafel von Wolfsberger vollendet und feierlich im Arkadenhof der Universität enthüllt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.

Im Gegensatz zu allen anderen Denkmälern des Arkadenhofes der Universität Wien, ist die Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät einer Gruppe von nicht namentlich genannten Personen gewidmet.

In formaler Hinsicht ist diese Gedenktafel nur mit der Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach vergleichbar, die ebenfalls ohne Porträt blieb und nur mit einer Inschrift erinnert. Obgleich beide Gedenktafeln aus demselben Jahrhundert stammen, könnten sie gleichwohl unterschiedlicher nicht sein. Die Gedenktafel für die Schriftstellerin hat ein antikes Erscheinungsbild. Der auf einer vertieften Platte eingravierte Text ist zweistufig gerahmt. Der äußere Rahmen ist mit einem speziellen Ornament, dem lesbischen Kymation, verziert. Den oberen Abschluss bildet ein antikisches Gesims. In Form und Material knüpft dieses Denkmal an vergangene Epochen an.

Ganz anders ist die etwa 70 Jahre jüngere Gedenktafel zur Erinnerung an die 1938-1945 vertriebenen Angehörigen der Medizinischen Fakultät. Sie nutzt zwar ebenfalls den Text zur Erinnerung, bedient sich aber darüber hinaus einer narrativen Darstellungsweise, welche den Betrachter auf andere Weise zum Nachdenken anregt als konkrete Bildnisse es könnten.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat 222.68/31 Brief vom Dekanat der Medizinischen Fakultät an das Rektorat der Uni Wien bezüglich Denkmalsantrag und Finanzierung, 11.7.1997.
  2. UAW Senat 222.68/32 Brief an Fakultätskollegium der Medizinischen Fakultät bezüglich der Auswahl des Künstlers und genauen Vorstellungen des Denkmals, 3.6.1997.
  3. UAW Senat 222.68/33 Beschluss der Kunstkommission und des akademischen Senats was Anbringungsort der Gedenktafel angeht, 16.10.1997.
  4. UAW Senat 222.68/37 Brief an Wolfsberger mit Wunsch auf Kostenvoranschlag und Besichtigungstermin des Anbringungsortes, 10.11.1997.

UAW = Universiätsarchiv Wien

Literatur

  • Maisel Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 191.

Quellen

  • UAW S 222.68/31
  • UAW S 222.68/32
  • UAW S 222.68/33
  • UAW S 222.68/37

Sabine Panzer