Franz Unger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Franz Unger, Lithographie von A. Dauthage, ©ÖNB.
Jakob Gruber; Büste: Franz Unger, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt am 14. Juli 1901, Abbildungsnachweis Nadine Kraus.

Franz Unger (* 30.11.1800 Leutschach; †13.2.1870 Graz) war Professor für Botanik an der Universität Graz und Direktor des Botanischen Gartens in Graz. Unger wird als der Urheber der Lehre von Pflanzenkrankheiten gesehen.

Leben

Franz Unger wurde am 30. November 1800 als Sohn eines Gutsbesitzers auf dem Gut Amthof bei Leutschach in der Steiermark geboren. Im Alter von sieben Jahren wurde er einem Freund seines Vaters, dem Pfarrer Storer anvertraut, bei welchem er innerhalb von drei Jahren alles für die Aufnahme ins Gymnasium, das er in Graz und Admont besuchte, brauchte, sowie den kirchlichen Dienst für die Messe und Kenntnisse des geistlichen Ornats. Seine Vorliebe für die Poetik entdeckte er in der fünften Klasse, in der er freiwillige Ausarbeitungen veröffentlichte, die sehr belobt wurden. Außerdem soll die Damenwelt Franz Unger als einen der gutaussehndsten Philosphen bezeichnet haben, wovon er jedoch nichts wusste, da er völlig zurückgezogen lebte. Nach den dreijährigen, philosophischen Studien, die er an das 6. Gymnasiumjahr anschloss, inskribierte er auf Wunsch seines Vaters, das Studium der Rechtswissenschaften, die aufgrund der Verwaltung des Grundbesitzes von Vorteil schienen.

Da er sich aber schon von Kindheit an für Naturwissenschaften interessierte, wechselte er im Herbst 1821 an die Universität Wien und im Jahre 1822 übersiedelte er nach Prag, um sich den medizinischen Studien zu widmen und schloss Freundschaft mit dem Siebenbürger Sachsen Draut. Mit ihm unternahm Unger seine erste große Reise durch Deutschland. Im Jahr 1825 kam er in Kontakt mit dem bedeutenden Stephan Ladislaus Endlicher, der Unger eng an sich zog, ihn förderte, mit ihm arbeitete und maßgeblich an Ungers Erfolg und Entwicklung beigetragen hat. In seinem Tagebuch vermerkter er 1826 die Vaucheria clavata, eine Süßwasseralge, die für Unger sehr bedeutend wurde, zum ersten Mal. Er begründet ein Pflanzensystem, sammelt Blumen und studiert die Entwicklung der Blattknospen. Weiters interessierte ihn der Schimmel der Blätter und beschreibt die unterschiedlichsten Pilze. Unger untersuchte die Giftdrüsen der Aranea domestica, die Häutung der Insekten und die Atemwerkzeuge der Arachnoiden. Nach Abschluss seiner medizinischen Lehrjahre arbeitete Unger an seiner Inaugural-Dissertation, worin er sich mit der Beobachtung der Schwärmsporen von Vaucheria (Ectosperma) clavata befasste, die ein Jahr später veröffentlicht wurde. Am 6. September 1827 erhielt Franz Unger den medizinischen Doktorgrad. Ab 1827 war er zuerst als praktischer Arzt in Stockerau tätig und wurde dann 1830 als Landesgerichtsarzt nach Kitzbühel in Tirol geholt.

Am 2. November 1836 wurde Unger Professor für Botanik und Zoologie und zum Direktor des Botanischen Gartens am Joanneum zu Graz ernannt. Am 18. Oktober desselben Jahres vermählte er sich mit Josefine Sand, die ihrem Gatten drei Kinder schenkte, der älteste Sohn verstarb jedoch frühzeitig. Im Herbst 1838 bewarb sich Unger um die Professur der Forstnaturkunde an der Forstschule zu Mariabrunn bei Wien, da ihm sein Grazer Gehalt zu wenig war. Daraufhin forderten die Stände der Steiermark von der Regierung Ungers Jahrsgehalt von 800 auf 1200 Gulden zu erhöhen, da sie ihn unbedingt bei sich halten wollten. Unger übernahm im Jahr 1839 die Supplierung der Professur der Landwirtschaft zu Graz.

Im Juni 1841 ging Unger darauf ein, in Gemeinschaft mit Endlicher, ein Lehrbuch der Botanik zu verfassen, in dem Unger den anatomisch-physiologischen Teil übernahm. Das Buch erschien 1843 und war die letzte Zusammenarbeit der Beiden. 1845 hielt Unger Vorlesungen über Geognosie am Joanneum und 1847 wurde er als ordentliches Mitglied der zu Wien neu gegründeten Akademie der Wissenschaften eingetragen.[1]

Nach dem Tod Endlichers wurde Unger nach Wien berufen, um an der Universität die Professur für Pflanzenphysiologie zu übernehmen, wo er von 1850 –66 blieb.[2] Im Jahre1866 kehrt er schließlich nach Graz zurück. Über die Umstände des Todes ist nicht Näheres bekannt. Er starb am 13. Februar 1870 in Graz. Unger ist auf dem Grazer St. Peter Stadtfriedhof begraben. Sein von Jakob Gruber geschaffenes Denkmal im Arkadenhof wurde am 14. Juli 1901 feierlich enthüllt.[3]

Schaffen

Franz Unger holte sich seine größte Anerkennung als Botaniker und zwar gilt er als Begründer der Lehre der Pflanzenpaläontologie. Er stellte die Ähnlichkeiten des pflanzlichen Protoplasmas mit der Sarkode der niederen Tiere dar. Weiters erforschte er den geschlechtlichen Charakter der Spermatozoiden der Moose. Unger illustrierte außerdem die ersten Blütendiagramme. Er unterrichtete die Wechselhaftigkeit sowie die genetische Verwandtschaft der Arten. Verschiedene Pflanzenarten tragen noch heute seinen Namen. [4]

Werke

  • Aphorismen zur Anatomie und Physiologie der Pflanzen, 1838.
  • Synopsis plantarum fossilium , 1845.
  • Iconographia plantarum fossilium 1852.
  • Die Anatomie und Physiologie der Pflanzen, 1855.
  • Geologie der europäischen Waldbäume, 2 Teile, 1869.
  • Botanische Streifzüge auf dem Gebiet der Kulturgeschichte, 9 Teile, 1857–68.[5]

Literatur

  • Kleindel 1987: Walter Kleindel, Das Grosse Buch der Österreicher, 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild, Namen, Daten, Fakten, Wien 1987.
  • Maisel 2007 : Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Einzelnachweise

  1. digitale-sammlungen.de
  2. Kleindel 1987, S. 560.
  3. austria-forum.org
  4. Kleindel 1987, S. 560.
  5. Kleindl 1987, Wien, 1987, S. 560.

Weblinks


Nadine Kraus, Kerstin Hitzenhammer