Franz Martin Schindler

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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C. Pietzner, 1909, Archiv der Universität Wien.

Franz Martin Schindler (*25. Jänner 1847 in Motzdorf, Nordböhmen; † 27. Oktober 1927 in Wien) war ein böhmisch-österreichischer Moraltheologe und Politiker. Im Arkadenhof der Universität Wien befindet sich ein Denkmal für Franz Martin Schindler von dem Bildhauer und Medailleur Arnold Hartig, das im Jahr 1951 enthüllt wurde.

Leben

Franz Martin Schindler wurde am 25. Jänner 1847 in Motzdorf, in Nordböhmen als Sohn eines Landwirts geboren. Nach der Volksschule trat er in das bischöfliche Knabenseminar Graupen-Mariaschrein ein. 1865 legte er sein Abitur ab und trat im selben Jahr in das Priesterseminar in Leitmeritz ein, wo er an der philosphisch-theologischen Hauslehranstalt studierte. Am 20. Juli 1869 wird er, aufgrund seines Alters mit päpstlicher Erlaubnis, zum Priester geweiht.[1] Die folgenden Jahre bis 1874 war Schindler in der Seelsorge in Radonitz und Dehlau tätig bis er sich einem weiteren Studium zuwandte und das Frintaneum in Wien besuchte. Nach seiner Promotion zum Dr. theol. widmete er sich erneut der Seelsorge bis er im Herbst 1878 außerordentlicher und im darauffolgenden Jahr ordentlicher Professor für Moraltheologie an der Universität Wien wurde. Bis 1917 war es ihm als Mitglied des Professorenkollegiums der Theologischen Fakultät sowie Rektor (1905/06) ein Anliegen hochqualifizierte Professoren zu berufen.

Franz Martin Schindler prägte maßgeblich die christlich-soziale Bewegung Österreichs und somit auch zukünftige Generationen von Politikern und Theologen. Ihm darf hoch angerechnet werden, trotz seiner Nähe zu antisemitischem Gedankengut stets „soziale Gerechtigkeit in einer berufsständisch gegliederten Gesellschaft“ hervorgehoben zu haben.

Der Theologe verstarb am 27. Oktober 1922 und wurde am Friedhof Hetzendorf, Wien, begraben.

Leistungen

Schindler begann bald sich mit sozialen Fragen und deren Bedeutung für die pluralistische Gesellschaft zu befassen und wird ab dem zweiten Katholikentag 1885 als sozialethischer Moraltheologe gesehen.[2] Er stand in regem Kontakt mit der konservativen und antisemitisch eingestellten Gruppe um Karl Lueger und Aloys von und zu Liechtenstein, eignete sich deren Antisemitismus aber nicht an. Die zeitgenössischen Probleme der Wirtschaft und Gesellschaft versuchte Schindler durch Aufklärung der Ursachen und eine „auf Menschenwürde basierende[r] Gesellschaftlehre“[3] zu lösen. Schindler war ein klarer Gegner der Klassenkampftheorie und versuchte ein Umdenken durch den „berufsgenossenschaftlichen Gedanken“ und ein durch den Staat geregeltes Allgemeinwohl, zu erwirken. Der Ideenaustausch fand ab 1889 in gemeinschaftlichen Treffen in Wien statt, den sogenannten „Enten-Abenden“, wo sozialpolitische Themen besprochen wurden und die Rolle der christlich-sozialen Bewegung Österreichs maßgeblich bestimmt wurde.[4] Die Teilnehmer waren sowohl Mitglieder der „Sozialaristokratie“, führende Sozialpolitiker sowie junger Klerus und Laien. Der erste Erfolg der produktiven Gemeinschaft konnte bei den Reichratswahlen 1891 verzeichnet werden, wobei vor allem Schindler das positive Ergebnis für die christlich-soziale Partei zugesprochen wurde da er deren Programm entwickelt hatte.

Schindlers Bemühungen um einen sozial orientierten Katholizismus auch auf dem Gebiet der Wissenschaften zu etablieren, resultierten in der Gründung der Leo-Gesellschaft, welche 1889 initiiert und zwei Jahre später gegründet wurde. Mitbegründer war Joseph Alexander Helfert, der wie Schindler Interesse an der Förderung des katholischen Wissens hatte.[5] Schindler blieb bis 1913 Generalsekretär der Gesellschaft.

Schindler entfernte sich zusehends von der konservativeren Ideologie im Katholizismus, was ihn zwar zu einem geistigen Vater der neuen christlichen Tageszeitung „Reichspost“ machte, aber auch negative Folgen mit sich brachte. So war er 1907 als potentieller Kandidat als Bischof von Linz im Gespräch und auch seine Ernennung zum Bischof von Leitmeritz 1910 kam nicht zustande weil ihm einerseits die Nähe zum modernen Reformkatholizismus sowie die Identifikation mit den Christlich-Sozialen vorgeworfen wurden.

Das politische Engagement des sich stets im Hintergrund haltenden Moraltheologen wurde mit zahlreichen Mitgliedschaften, Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt. Bekleidete er 1904/05 das Amt des Rektors der Universität Wien, wurde ihm 1906 das Komturkreuz des Franz-Josephs-Ordens verliehen. Im Zuge des Erfolgs der Christlich-Sozialen Partei 1907 wurde Schindler zum lebenslangen Mitglied des Herrenhauses des Reichsrats ernannt, in dessen Delegation er im darauffolgenden Jahr gewählt wurde. In den politischen Umbruchstagen des Jahres 1918 wurde er außerdem zum geistlichen Konsulenten des Staatsamtes für Unterricht und Inneres berufen[6], welches Amt er bis zu seinem Tode ausführen sollte. Im September 1917 ging Schindler in den Ruhestand und sein Schüler, Ignaz Seipl wurde zu seinem Nachfolger als Universitätsprofessor.[7]

Werke (Auswahl)

Ein Auszug Schindlers Werke zeugt von seinem breitgefächerten politischen sowie theologischen Wissens, wobei die zehn-bändige Publikation „Das soziale Wirken der katholischen Kirche in Österreich“ (ab 1895) und das „Lehrbuch zur Moraltheologie“ (1907-11) zu den Bedeutendsten zu zählen sind.

  • Der Lohnvertrag, 1893.
  • Das soziale Wirken der katholischen Kirche in Österreich, 10 Bände, 1895ff.
  • Die besonderen Aufgaben der christlichen Caritas in der Jetztzeit, 1895.
  • Staat und Arbeitsvermittlung, 1901.
  • Das Kapitalzinsproblem, 1903.
  • Die Stellung der theologischen Fakultät im Organismus der Universität, 1904.
  • Die soziale Frage der Gegenwart vom Standpunkt des Christentums, 1905.
  • Lehrbuch zur Moraltheologie, 1907ff.
  • Empor die Herzen!, 1910.
  • Leo XIII., der soziale Papst, 1910.
  • Die Gaben des heiligen Geistes nach Thomas von Aquin, 1915.
  • Begriff und Wesen der Liebe bei Thomas von Aquin, 1922.

Literatur

  • "Hartmann 2012": Gerhard Hartmann, Österreichischer Cartellverband, Wien 2012.
  • "Lenius, Schinnerl 2009": Rainer Lenius, Ingeborg Schinnerl, Austria Forum, Wien 2009.
  • "Messner 1991": Johannes Messner, Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Band 10, Wien 1991.
  • "Weiß 2005": Otto Weiß, Neue Deutsche Biographie, 2005. [1]

Weblinks

  • Eintrag "Franz Martin Schindler" im Austria Forum [2]
  • Eintrag "Franz Martin Schindler" im Österreichischen Cartellverband [3]
  • Eintrag "Franz Martin Schindler" in Neue Deutsche Biographie [4]
  • Eintrag "Franz Martin Schindler" im Südmähren-Wiki [5]
  • Literatur von und über Franz Martin Schindler in der Deutschen Nationalbibliothek [6]

Einzelnachweise

  1. Hartmann 2012, abgerufen am 27. November 2013
  2. Hartmann 2012, abgerufen am 27. November 2013
  3. Messner 1991, abgerufen am 9. November 2013
  4. Lenius, Schinnerl 2009, abgerufen am 29. November 2013
  5. Lenius, Schinnerl 2009, abgerufen am 29. November 2013
  6. Lenius, Schinnerl 2009, abgerufen am 29. November 2013
  7. Hartmann 2012, abgerufen am 27. November 2013