Franz Klein (Jurist)

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträt Franz Kleins, o. A., 11. 05. 1919, in: Wiener Bilder.

Franz Klein (* 24. April 1854 in Wien; † 06. April 1926 ebenda) war ein österreichischer Jurist und Politiker.

Leben

1878 beendete er als Doctor juris das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien. 1879 absolvierte Klein die Richteramtsprüfung und 1883 die Advokatenprüfung.[1] In den Jahren 1878 bis 1885 war er Konzipient in der Advokaturskanzlei Dr. J. Krükls. Ebenfalls 1885 habilitierte er sich für österreichisches Zivilprozessrecht an der juridischen Fakultät in Wien. 1891 erhielt Klein auch die Lehrbefugnis für Römisches Recht. Gleichzeitig war er von 1885 bis 1891 auch Kanzleidirektor der Universität Wien. Von 1887 bis 1896 war er als außerordentlicher Professor an der späteren Konsularakademie tätig. Auf E. Steinbachs Drängen wurde Klein 1891 aufgrund seiner Publikationen in den Juristischen Blättern „Pro futuro. Betrachtungen über Pläne der Zivilprozessreform in Österreich“ von 1890 in das k. u. k. Justizministerium als Ministersekretär berufen.[2] Von 1905 bis 1908 und erneut 1916 bekleidete Klein das Amt des Justizministers.[3]

Nach Ende des Ersten Weltkriegs war er Kandidat der bürgerlich-demokratischen Partei zur Wahl in die konstituierende Nationalversammlung 1919. Später beschäftige sich Klein vor allem mit den sozialen Aufgaben des Rechts und dessen Zusammenhang mit Gesellschaft und Wirtschaft.[4]

Bestattet wurde er nach seinem Tod am 06. April 1926 in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gr. 32C/7).[5] Heute findet man zur Erinnerung in Währing und Döbling die Franz-Klein-Gasse.[6] 1937 wurde das Denkmal Franz Klein (Jurist) von Hermann Haller im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Schaffen

Im Zuge seiner Tätigkeit im Justizministerium befasste er sich vor allem mit der Ausarbeitung von Gesetzesentwürfen wie beispielsweise die von ihm verfasste Jurisdiktionsnorm und die Zivilprozessordnung gemeinsam mit ihren Einführungsgesetzen. Bekanntheit erlangte Klein insbesondere mit der Reform der Zivilprozessordnung. Nach Ende des Ersten Weltkriegs nahm er 1919 als Mitglied der österreichischen Delegation an den Friedensverhandlungen von Saint-Germain teil.[7] Zur Zeit seiner ersten Ministerschaft wurden unter seiner Mitwirkung geschaffen: das Scheckgesetz, das Gesetz zum Schutze der Wahl- und Versammlungsfreiheit, das Gesetz über Gesellschaften mit beschränkter Haftung, das Kraftfahrzeughaftpflichtgesetz, eine Vorlage betreffend die strafrechtliche Behandlung und den strafrechtlichen Schutz Jugendlicher, Mitarbeit an der Erneuerung des ABGB durch Vorbereitung der Teilnovellen, Ausarbeitung des Versicherungsvertrages, Gesetz über das Entmündigungsverfahren.[8] Mitgewirkt hat Klein auch bei der Schaffung des Baurechtsgesetzes. Er widmete sich allerdings auch der Ausarbeitung moderner Gesetze wie der Jugendfürsorge und dem Jugendschutz. Darüber hinaus war ihm die Hebung der Volksbildung ein Anliegen. Aufgrund seiner Leistungen im Bereich der Wohnungsreform sowie der Jugendfürsorge wurde er am 11. 4. 1924 zum Ehrenbürger von Wien ernannt.[9]

Werke

  • Die schuldhafte Parteihandlung. Eine Untersuchung aus dem Zivilprozeßrechte, 1885.
  • Sachbesitz und Ersitzung. Forschungen im Gebiete des römischen Sachenrechts und Zivilprozesses, 1891.
  • Pro futuro. Betrachtungen über Probleme der Zivilprozeßreform in Österreich, 1891.
  • Mündlichkeitstypen. Materialien zur Beurteilung des österreichischen Zivilprozeßentwurfes vom Jahre 1893, 1894.
  • Vorlesungen über die Praxis des Zivilprozesses, 1900²
  • Zeit- und Geistesströmungen im Prozesse, 1901.
  • Die landwirtschaftliche Entschuldung, 1902.
  • Die Verbesserung des Ehrenschutzes. Bericht über die konstituierende Generalversammlung für den Ehrenrat (gemeinsam mit Heinrich Lammasch), 1903.
  • Die neueren Entwicklungen in Verfassung und Recht der Aktiengesellschaft, 1904.
  • Die Lebenskraft des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches, in: Festschrift 100 Jahre ABGB, 1911.
  • Die psychischen Qualen des Rechtgehorsams und der Rechtsgestaltung, 1912.
  • Das Organisationswesen der Gegenwart. Ein Grundriss, 1913.
  • Die Haager Beschlüsse über das einheitliche Scheckrecht, 1914.
  • Die wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen des Rechts der Erwerbsgesellschaften, 1914.
  • Amerika und der europäische Krieg, 1915.
  • Der wirtschaftliche Nebenkrieg, 1916.
  • Die Länderautonomie, 1917.
  • Der Völkerbund der Friedensverträge, 1919.
  • Philosophie in der Politik, in: Deutsche Revue, 1920.
  • Die Ziele der deutschen Volksströmungen, 1922.
  • Die geldrechtlichen Probleme der Stabilisierung, in: Schriften des Vereins für Sozialpolitik 164, 2, 1923.
  • Reden. Vorträge. Aufsätze. Briefe, 1927 (2 Bände).

Einzelnachweise

  1. Czeike 1994, S. 526
  2. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, 3, Wien 1965, S. 378.
  3. Maisel 2007, S. 65.
  4. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, 3, Wien 1965, S. 379.
  5. www.austria-forum.org
  6. Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie
  7. Maisel 2007, S. 65
  8. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, 3, Wien 1965, S. 379.
  9. Czeike 1994, S. 526.

Literatur

  • Brauneder 1994: Wilhelm Brauneder, Juristen in Österreich. 1200-1980, Wien 1987, S. 234-242.
  • Czeike 1994: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1994, S. 526.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Schima 1977: Hans Schima, Klein, Franz, in: Neue Deutsche Biographie 11, 1977.
  • Eintrag über Franz Klein, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, 3, Wien 1965, S. 378-379.
  • Franz Klein gestorben, in: Neue Freie Presse, Abendblatt, 6. April 1926.
  • Dr. Franz Klein, in: Wiener Zeitung, 7. April 1926.

Weblinks

Darstellungen


Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Kerstin Hitzenhammer