Franz Anton von Zeiller: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Franz Anton von Zeiller''' (* 14. Jänner 1751 in Graz, Steiermark; † 23. August 1828 in Wien) war ein österreichischer Jurist und einer der bedeutendsten Vertreter des Vernunftrechts zur Zeit der Habsburgermonarchie.
 
'''Franz Anton von Zeiller''' (* 14. Jänner 1751 in Graz, Steiermark; † 23. August 1828 in Wien) war ein österreichischer Jurist und einer der bedeutendsten Vertreter des Vernunftrechts zur Zeit der Habsburgermonarchie.
  

Version vom 7. Dezember 2014, 15:48 Uhr

Anton Siegl, Franz von Zeiller, Porträt, 1810.[1]

Franz Anton von Zeiller (* 14. Jänner 1751 in Graz, Steiermark; † 23. August 1828 in Wien) war ein österreichischer Jurist und einer der bedeutendsten Vertreter des Vernunftrechts zur Zeit der Habsburgermonarchie.

Leben

Franz von Zeiller war der Sohn einer Grazer Handelsfamilie. Schon 1768 schloss er im Alter von 17 Jahren eine Ausbildung als Doctor phil. ab. Danach beschloss er Rechtswissenschaften an der Universität Wien zu studieren. Dort lernte er seinen Lehrer Karl Anton von Martini (* 1726; † 1800) kennen, der neben Zeiller zu den bedeutendsten Vertretern des Vernunftrechts in der Habsburgermonarchie zählt. Er selbst arbeitete eine Zeit lang auch als Hauslehrer des Sohnes von Martini. 1778 schloss er als Doctor juris sein Studium der Rechtswissenschaften ab und wurde 1782 als Nachfolger Martinis ordentlicher Professor für Naturrecht und Kriminalistik an der juridischen Fakultät in Wien.[2]

Zwischenzeitlich arbeitete er auch als Hauslehrer des Erzherzogs Joseph und unterrichtete in der Folge auch die Erzherzöge Anton, Johann, Rainer, Ludwig und Rudolf. 1794 wurde er ordentlicher Referent am niederösterreichischen Appellationsgericht und ab dem 24. Februar 1797 war er als Beisitzer der Hofcommission in Justizsachen tätig. Noch im selben Jahr wurde der Jurist in den Adelsstand erhoben.[3]

1802 wurde er von seiner Lehrtätigkeit an der Universität freigestellt und beteiligte sich an der Ausarbeitung des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches (ABGB), das 1811 in Kraft trat. 1803 bis 1804 und erneut 1807 bis 1808 war Zeiller Rektor der Universität Wien. 1806 bis 1809 war er der Herausgeber der ersten juridischen deutschen Fachzeitschrift Österreichs.[4]

Wegen gesundheitlicher Probleme wurde er am 07. September 1816 vom Referat an der obersten Justizstelle enthoben, seine weitere Verwendung bei der obersten Gesetzgebungs-Hofcomission wurde jedoch vorbehalten und so geht die Ausarbeitung eines vollständigen Entwurfes zu einer neuen Ausgabe des Criminalgesetzbuches auf ihn zurück. Weiters erwirkte Von Zeiller mit einem Gesuch beim Kaiser die Einrichtung der Juridischen Fakultät an der Grazer Universität.

Am 23. August des Jahres 1828 soll Franz von Zeiller mitten in der Arbeit einen Schlaganfall erlitten haben und so im Alter von 77 Jahren gestorben sein. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Hietzinger Friedhof beigesetzt.[5]

Am 18. Juli 1894 wurde im 16. und 17. Bezirk in Wien die Zeillergasse nach ihm benannt.[6] 1891 wurde das von Emanuel Pendl geschaffene Denkmal Franz Anton von Zeiller im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Es fällt auf, dass der Name des Juristen nicht immer identisch angegeben wird. Einerseits findet man Nennungen wie Franz Anton Felix Edler von Zeiller oder nur Franz Anton von Zeiller. Aber auch Franz Alois Edler von Zeiller scheint eine gebräuchliche Namensangabe zu sein. Der Rechtsgelehrte selbst führte sich in seinen Schriften oftmals als Franz Edler von Zeiller an. Diese unterschiedliche Nennung beruht auf einem Fehler, der lange Zeit nicht aufgefallen war und vermutlich auf den steirischen Regionalhistoriker Johann Baptist Winklern zurückgeht. Der Grazer Universitätsprofessor Ernst Swoboda konnte diesen Irrtum schließlich aufklären und verwies auf Zeillers richtigen Namen: Franz Anton Felix von Zeiller.

Schaffen

Franz von Zeiller erlangte vor allem aufgrund des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches für Österreich und die Deutschen Erblande (ABGB) Bekanntheit. Dies kann gleichzeitig als sein Lebenswerk gesehen werden. Darüber hinaus gilt er auch als der Verfasser des ersten Teiles des Strafgesetzbuches von 1803 sowie als der Schöpfer der juridisch-politischen Studienordnung aus dem Jahr 1810. Aufgrund seiner Leistungen auf diesen Gebieten wird er als einer der bedeutendsten österreichischen Rechtsgelehrten angesehen.[7]

Schriften

  • Exercitatio academica ad T. VI. Institut. De suspectis tutoribus, 1778.
  • Praelectiones academicae in Heineccii Elementa juris civilis secundum ordinem institutionum adnexis praecipuis juris Austriaci differentiis vulgatae, 1781.
  • Das natürliche Privatrecht, 1802, 1808², 1819³, 1835.
  • Jährlicher Beitrag zur Gesetzeskunde und Rechtswissenschaft in den Österreichischen Erbstaaten, 1806-09 (4 Teile).
  • Vorbereitung zur neuesten Oesterreichischen Gesetzkunde im Straf- und Civil-Justiz-Fache, in vier jährlichen Beiträgen, 1806-1809; 1810.
  • Commentar über das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch für die gesammten deutschen Erbländer der österreichischen Monarchie, 1811-1813 (4 Bände).

Für eine vollständige Auflistung von Zeillers schriftlichen Arbeiten siehe Wagner’sche Zeitschrift, 1828, S. 454.

Literatur

  • Brauneder 1987: Wilhelm Brauneder, Juristen in Österreich. 1200-1980, Wien 1987, S. 97-102.
  • Czeike 1997: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 5, Wien 1997, S. 692.
  • Kleinheyer 2008: Gerd Kleinheyer, Deutsche und europäische Juristen aus neun Jahrhunderten. Eine biographische Einführung in die Geschichte der Rechtswissenschaften, Heidelberg 2008.
  • Neschwara 2006: Christian Neschwara, "...kein Rechtsgelehrter Österreichs hat sich so ungetheilten Ruhmes im In- und Auslange zu erfreuen gehabt, wie er!". Zur Geschichte des Zeiller-Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, in: Markus Steppan/Helmut Gebhardt, Zur Geschichte des Rechts. Festschrift für Gernot Kocher zum 65. Geburtstag, Graz 2006, S. 277-290.
  • Pfaff 1891: Leopold Pfaff, Rede auf Franz von Zeiller. Gehalten am 26. April 1891 bei der Enthüllung der in den Universitäts-Arkaden aufgestellten Büste Zeillers, Wien 1891.
  • Selb/Hofmeister 1980: Walter Selb, Herberg Hofmeister (Hg.), Forschungsband Franz von Zeiller. 1751 – 1828. Beiträge zur Gesetzgebungs- und Wissenschaftsgeschichte, Wien/Graz/Köln 1980.
  • Wesener 2003: Gunter Wesener, Franz von Zeiller. 1751-1828. Leben und Werk, in: Joseph Desput, Franz von Zeiller, Graz 2003.
  • Wurzbach 1890: Constantin von Wurzbach, Zeiller, Franz Alois Edler von, in: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich, 59, Wien 1890, S. 283-287.
  • Zeiller 1812-1813: Franz von Zeiller, Commentar über das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch für die gesammten deutschen Erbländer der österreichischen Monarchie, Wien 1812-1813, 1. Band.
  • Zeiller 1819: Franz von Zeiller, Das natürliche Privatrecht, Wien 1819³.

Einzelnachweise

  1. Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zeiller_-_Franz_Anton_Edler_-_courtier_%26_Knight_Roy_Hung_Ord_St_Stephen_by_Anton_Siegl.jpg
  2. Von Wurzbach 1980, S. 283.
  3. Von Wurzbach 1980, S. 283-284.
  4. Czeike 1997, S. 692.
  5. Von Wurzbach 1980, S. 284-287.
  6. Czeike 1997, S. 692.
  7. www.austria-forum.org

Weblinks

Darstellungen



Bearbeitung: Michaela Pilat