Ferdinand von Hebra

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Ferdinand von Hebra (1816-1880)

Ferdinand von Hebra (* 7. September 1816 in Brünn/Brno; † 5. August 1880 in Wien), seit 1877 Ritter von Hebra, war ein österreichischer Dermatologe und gilt als Begründer der modernen Dermatologie.

Leben

Ferdinand Hebra (seit 1877 Ritter von Hebra) wurde am 7. September 1816 in Brünn als außereheliches Kind geboren, sein Vater, k.k. Feldkriegskommisär, Johann Hebra adoptierte seinen Sohn erst im Jahre 1840.[1] Ferdinand Karl Franz wurde katholisch getauft und erhielt den Mädchennamen seiner Mutter Aloysia Friederike Slawik, geb. Schwarzmann. Eine Heirat seiner Eltern war erst möglich nachdem Aloysia 1830 Witwe geworden war. Die Gymnasialzeit verbrachte er in Judenburg, die philosophischen Vorstudien absolvierte er in Graz.[2] Sein Medizinstudium schloss 1841 in Wien ab.

Nach einer Assistenenstelle auf der Staatsarzneikunde und kurzer Beschäftigung mit der Chirurgie, wandte er sich der Inneren Medizin zu und habilitierte sich 1844.[3] Als Sekundararzt unter Josef Skoda betreute er auf der Abteilung für Brustkranke im Allgemeinen Krankenhaus die Station für chronische Hautausschläge. Das bis dahin kaum erforschte Gebiet der Dermatologie wurde durch das Wirken Hebras zu einer eigenen wissenschaftlichen Disziplin: 1844 wurde eine Abteilung für Hautkrankheiten geschaffen, 1848 wurde er zum Primarius, 1849 zum außerordentlichen Professor und zum Vorstand der ersten dermatologischen Klinik des deutschen Sprachraumes ernannt. [4] Die ordentliche Professur erhielt er 1869 zugesprochen.

1846 heiratete er Johanna, die Tochter des k.k. Hofsekretärs Hermann von Huze, mit der er drei Töchter und vier Söhne hatte.[5] Sein Sohn Hans von Hebra (1847-1902) wurde später ebenfalls Professor für Dermatologie in Wien. Ein weiterer Sohn fiel 1866 in Königgrätz, seine Tochter Martha heiratete Hebras jüngeren Freund, Mitarbeiter und Nachfolger Professor Moriz Kaposi.[6]

1877 erfolgte die Nobilitierung Hebras zum Ritter durch Kaiser Franz Josef. Er wurde mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse und dem Franz-Joseph-Orden ausgezeichnet. Seit 1879 war Hebra korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Vorsitzender der Gesellschaft der Ärzte.

Rund eineinhalb Jahre vor seinem Tod erkrankte Hebra an Brustfellentzündung, sein Gesundheitszustand war in Folge schwer angegriffen. Am Nachmittag des 4. August 1880 verlor er das Bewusstsein und verstarb in den frühen Morgenstunden des 5. August in Wien.[7] Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Hernalser Friedhof in Wien (Gruppe AR, Nr.34). Ein Denkmal für Hebra von Viktor Tilgner wurde ihm im Arkadenhof der Universität Wien und eine Gedenktafel (Medaillon bez. Grienauer und Köttendorfer) im 2. Hof des Alten Allgemeinen Krankenhauses, heute Uni-Campus, gewidmet. Dort befanden sich bis zur Übersiedlung ins neue AKH die II. Wiener Hautklinik und der Hörsaal. [8]

Schaffen

Ferdinand von Hebra gelang es durch genaue Beobachtung und Bewertung der bis dahin kaum erforschten Hautkrankheiten, ihre Merkmale und ihren Verlauf zu beschreiben und gilt als Begründer der Dermatologie. Das Hebrasche System der Einteilung der Hautkrankheiten in zwölf Klassen hat bis ins 20. Jahrhundert die medizinische Forschung bestimmt. Wien wurde durch ihn in der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Zentrum des neuen Spezialfaches, seine Schriften in mehrere Sprachen übersetzt und weltweit rezipiert. Sein Atlas der Hautkrankheiten erschien 1856-1876 und enthielt 104 kolorierte Tafeln.[9] 1849 wurden im Allgemeinen Krankenhaus zwei Kliniken, eine für Syphilis (4.März) und eine für Hautkrankheiten (18. Dezember) gleichzeitig mit der Ernennung je eines Professors gegründet. Hebra übernahm die I., Carl Ludwig Sigmund (1810-1883) die II. Hautklinik.[10]

Hebra unternahm weite Studienreisen; u.a. 1852 nach Norwegen, wo er sich der Erforschung der Lepra widmete. Er entdeckte und beschrieb dort erstmals die Scabies norvegica. Auch in der Therapie der Hauterkrankungen beschritt er neue Wege, verwendete neue Präparate aus Zink, Quecksilber, Blei, Kupfer und Schwefel zur Behandlung und setzte bei schweren Verbrennungen das Hebrasche Wasserbett ein.[11]

Hebra war bekannt für seine außergewöhnlichen didaktischen Fähigkeiten und seine Vorlesungen hatten großen Zulauf. Auch sein Sohn Hans wurde Dermatologe, Hebras Nachfolge trat allerdings sein Schwiegersohn Moriz Kaposi (1837-1902) an, der sich zuerst an der Sigmundschen Klinik für Syphilis, der II. Dermatologischen Abteilung, habilitiert hatte. Hebras Schüler Isidor Neumann (1832-1906), der sich zuvor an der I. Dermatologischen Klinik für Hautkrankheiten habilitiert hatte, trat später die Nachfolge Sigmunds an.[12]

Schriften

In Auswahl:

  • Geschichtliche Darstellung der grösseren chirurg. Operationen mit bes. Rücksicht auf Edlen v. Wattmann's Operations-Methoden, Wien 1842.
  • Versuch einer auf pathologische Anatomie gegründeten Eintheilung der Hautkrankheiten, 1845.
  • Acute Exantheme und Hautkrankheiten, Erlangen 1862.
  • Atlas der Hautkrankheiten, Wien 1856-1876.
  • Apparat zum Gebrauch warmer, continuierlicher Bäder ..., 1862.
  • Lehrbuch der Hautkrankheiten (Virchows Handbuch der specillen Pathologie und Therapie III), Teil 1. Acute Exantheme und Hautkrankheiten, Wien 1860.
  • Gemeinsam mit Moriz Kaposi, Lehrbuch der Hautkrankheiten, Teil 2, Wien 1876/78.

Literatur

  • Czeike 1994: Felix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1994.
  • Holubar 1981a: Karl Holubar, Zur Geschichte der Familie Hebra, in: Österreichische Ärztezeitung, 36, 1981, S. 446-449.
  • Holubar 1981b:Karl Holubar, Ferdinand von Hebra. 1816-1880. On the Occasion of the Centenary of his Death, International Journal for Dermatology, 20, 1981, S. 291-295.
  • Holubar 2005: Karl Holubar, Hebra Ferdinand Karl Franz, in: Enzyklopädie Medizingeschichte, Berlin 2005, S. 542.
  • Kaposi 1881: Moriz Kaposi, Rede zum Gedächtnis an Prof. Ferdinand v. Hebra, Wiener Zeitung 1881.
  • Kopper 1998: Ernst M. Kopper, Von der Nutzbarkeitsstudie zur Realisierung. Projektentwicklung - 10 Jahre Altes Allgemeines Krankenhaus, in: Architektur als Transformation. Universitätscampus Wien, 2, Wien 1998.
  • Lesky 1981: Erna Lesky, Meilensteine der Wiener Medizin. Große Ärzte Österreichs in drei Jahrhunderten, Wien 1981.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.
  • NDB 1969: Marlene Jantsch, Hebra, Ferdinand Ritter v. (seit 1877), in: Neue Deutsche Biographie, 8, Berlin 1969, S. 172-173.
  • ÖBL 1958: Hebra, Ferdinand Von, Dermatologe, Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, 2 (Lfg. 8, 1958), S. 232.
  • Pagel 1905: Julius Leopold Pagel, Hebra, Ferdinand Ritter von, in: Allgemeine Deutsche Biographie, 50, Leipzig 1905, S. 88-

Einzelnachweise

  1. NDB 1969, Czeike 1994, S. 105.
  2. ÖBL 1958, S. 232.
  3. NDB 1969, ADB 1905. Im Nachruf in der Wiener Zeitung wird als das Jahr seiner Habilitation fälschlich 1842 genannt, Wiener Zeitung, Nr. 180, 8. August 1880, S. 2.
  4. Czeike 1994, S. 105-106.
  5. NDB 1969
  6. Czeike 1994, S. 105-106 u. 448.
  7. Wiener Zeitung, Nr. 180, 8. August 1880, S. 2.
  8. Dehio Wien 1993, S. 392, Kopper 1998, S. 37, S. 45, S. 68..
  9. Lesky 1981, S. 88.
  10. Holubar, Geschichte der Wiener Hautkliniken. [1]
  11. Lesky 1981, S. 88-89.
  12. Holubar, Geschichte der Wiener Hautkliniken. [2]

Weblinks

  • Inst. f. Geschichte der Medizin, Univ. Erlangen, „Atlas der Hautkrankheiten“ von Ferdinand von Hebra (1856) - Online [4]
  • Eintrag zu Ferdinand von Hebra auf Wikipedia [5]
  • Eintrag zu Ferdinand Hebra auf Austria-Forum[6]
  • Karl Holubar, Geschichte der Wiener Hautkliniken, in: Medizinische Universität wien. Universitätsklinik Dermatologie Portal (13.6.2013).[7]
  • Wiener Zeitung, Nr. 180, 8. August 1880.[8]

Darstellungen


Julia Strobl, 2013SS