Ferdinand von Arlt

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Ferdinand von Arlt, Fotografie

Ferdinand Carl von Arlt (ab 1870 Ritter von Bergschmidt, geb. 18. April 1812 in Obergraupen bei Teplitz (Böhmen), gest. 7. März 1887 in Wien) war ein Ophthalmologe. Die Gedenktafel für ihn von Hans Bitterlich wurde 1896 enthüllt.

Leben

Studienzeit

1812 wurde Ferdinand von Arlt als Sohn von Joseph Arlt, einem armen Bergschmied, und von Maria Anna Kohlschütter in Obergraupen geboren. Nachdem er das Gymnasium in Leitmeritz besucht hatte, wollte er zunächst katholischer Geistlicher werden. Dennoch wechselte er sein Studienfach 1833 an der Karl-Ferdinands-Universität in Prag von Theologie zur Medizin und besuchte die Vorlesungen über Augenheilkunde von Johann Nepomuk Fischer (1777-1847). Angeregt durch diesen, schlug er eine Laufbahn in der Augenheilkunde ein und schrieb 1839 eine Dissertation in diesem Themenbereich, die er seinem Lehrer Fischer widmete. Dieser veranlasste auch, dass Arlt einen dreimonatigen Studienaufenthalt im Wiener Allgemeinen Krankenhaus machte. Finanziell hielt sich Arlt durch Abschreiben der Vorträge des Professor Exner für wohlhabendere Kollegen, sowie durch eine Stelle als Erzieher über Wasser.[1]

Die Reise nach Wien gab ihm die Gelegenheit führende Persönlichkeiten der sogenannten II. Wiener Medizinischen Schule kennenzulernen. Hierzu gehörten Carl von Rokitansky und Josef von Skoda. In den Augenkliniken des Allgemeinen Krankenhauses und der Josephs-Akademie lernte er außerdem Anton von Rosas (1791-1855) und Eduard Jäger von Jaxtthal kennen.

Tätigkeit in Prag: 1840 - 1856

Nach seiner Rückkehr in Prag war er von 1840 bis 1842 Assistent an der dortigen Universitäts-Augenklinik. 1842 heiratete er Maria Theresia Dittrich, Tochter des Stadtarztes in Leitmeritz. Mit ihr sollte er zwei Söhne und eine Tochter haben. Um sich finanziell durchbringen zu können, trat er eine Stelle als Praktikant beim Krumauer Kreisphysikate ein, den er 1843 jedoch wieder verließ.[2] 1845 habilitierte er in der Ohrenheilkunde und 1847 in der pathologischen Anatomie des Auges. Er stand seinem Lehrer Fischer ab 1846 in der Augenklinik zur Seite. Mit Wien in Verbindung geblieben, erhielt er 1848 dort den Magistergrad in der Augenheilkunde. Hierauf war er sieben Jahre lang von 1849 bis 1856 an der Augenklinik in Prag als Ordinarius (und somit auch als Nachfolger von Fischer) tätig.

Tätigkeit in Wien: 1856 - 1887

Die Position als Ordinarius in Prag verließ er, als er die Nachfolge von Anton von Rosas als Vorstand der Augenklinik im Allgemeinen Krankenhaus antrat. Diese Stelle hielt er für fast drei Jahrzehnte von 1856 bis zu seiner Emeritierung 1883. In Wien hatte er großes Ansehen unter seinen Kollegen. Dies zeigte sich vor allem als er 1880 zum Präsidenten der Gesellschaft der Ärzte in Wien gewählt wurde und 1886 sogar Ehrenpräsident der Gesellschaft wurde.[3] Außerdem bekam er mehrere Verdienstkreuze und Ehrendiplome verliehen. Er verstarb 1887 infolge von Altersbrand. Am 9. Juli 1896 wurde eine Gedenktafel im Arkadenhof enthüllt, zu der Ernst Fuchs eine Rede hielt.[4]

Schaffen

Berühmt wurde Arlt durch seinen Nachweis, dass die Kurzsichtigkeit auf eine Verlängerung der Längsachse des Augapfels beruht. Ferner, entwickelte er neue Methoden der Operation zur Entfernung des Augapfels und der Linse, sowie für Lidverwachsungen.[5] Er galt, des Weiteren, als ausgezeichneter Operateur und Lehrer. Zu seinen Verdiensten zählte außerdem auch die Begründung als Ordinarius in Prag und Wien der Ophthalmologie auf Grundlage der pathologisch-anatomischen Augenbefunde. Er erhöhte die Anforderungen an die praktizierenden Ärzte der Augenheilkunde. So zum Beispiel forderte er seine Kollegen dazu auf, die Augengläser selbst zu bestimmen und diese Arbeit nicht dem Optiker zu überlassen.[6] Des Weiteren, war er um die Förderung der Volksbildung über Augenleiden bemüht.

Zu seinen Schülern zählten unter anderem Albrecht von Graefe, Fran Cornelis Donders, Friedrich Dimmer, August Reuss und Ernst Fuchs.[7]

Schriften

Eine Auswahl:

  • Dissertatio inauguralis medica, sistens historias amauroseos e vitiis organicis cerebri quatuor. Adnexis similibus, quotquot innotuere, autorum variorum observationibus, Prag 1839.
  • Die Pflege der Augen im gesunden und kranken Zustande, nebst einem Anhange über Augengläser, allgemein faßlich dargestellt, Prag 1846.
  • Die Krankheiten des Auges für practizierende Ärzte, 3 Bde., 1851-1856. (Fünf Auflagen in sieben Jahren!)
  • Die Verletzung des Auges, 1875.
  • Die Kurzsichtigkeit, Entstehung und Ursachen, 1878.
  • Zur Aetiologie der Keratitis, Wien 1879.
  • Klinische Darstellung der Krankheiten des Auges, zunächst der Binde-, Horn- und Lederhaut, dann der Iris und des Ciliarkörpers, Wien 1881.
  • Zur Lehre von Glaucom, 1884.

Einzelnachweise

  1. Eisenberg 1893, S. 582.
  2. Eisenberg 1893, S. 583.
  3. Schmidt 2005, S. 99.
  4. Pagel, 1901, S. 43.
  5. Schönbauer 1953, S. 352-352.
  6. Pagel 1901, S. 44.
  7. Schmidt 2005, S. 99-100.

Literatur

  • Czeike 1992: Felix Czeike (Hg.), Ferdinand von Arlt, in: Historisches Lexikon Wien, Bd. 1, Wien 1992, S. 156-157.
  • Eisenberg 1893: Ludwig Eisenberg, Das geistige Wien. Bd. 2: Medicinisch-naturwissenschaftlicher Theil. Wien 1893, S. 582-585.
  • Hirsch 1884: August Hirsch (Hg.), Ferdinand von Arlt in: Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, Bd. 1, Wien/Leipzig 1884, S. 193.
  • Killy 1995: Walther Killy (Hg.), Ferdinand von Arlt, in: Deutsche Biographie Enzyklopädie, Bd. 1, München u.a. 1995, S. 170-171.
  • Maisel 2007: Thomas MaiseL: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 71.
  • ÖBL 1957: Österreichisches Biographisches Lexikon: 1815 - 1950. Hrsg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Bd. 1, Graz/Köln 1957, S. 28.
  • Pagel 1901: Julius Pagel (Hg.): Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts, Berlin/Wien 1901, S. 42-44.
  • Schmidt 2005: Gabriela Schmidt, Arlt. Fedinand, in: Werner E. Gebarek u.a. (Hg.) Enzyklopädie Medizingeschichte. Berlin/New York 2005, S. 99-100.
  • Schönbauer 1953: Leopold Schönbauer, Arlt. Ferdinand Carl Ritter von, in: Neue Deutsche Biographie, 1, 1953, S. 352-352. [1] (zuletzt aufgerufen am 22.8.2014)

Weblinks

Darstellungen


Cigdem Özel, Julia Kögl