Eugen von Böhm-Bawerk

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Eugen von Böhm-Bawerk, Stich, in reifem Alter.

Eugen Böhm Ritter von Bawerk (* 12. Februar 1851 in Brünn, † 27. August 1914 in Kramsach/Tirol) war ein bedeutender österreichischer Nationalökonom (Abb. 1). Dem Gelehrten wurde im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal von dem Künstler E. Delug gewidmet und 1950 enthüllt.

Leben

Böhm-Bawerk wurde 1851 als Eugen Böhm geboren. Mit der Erhebung des Vaters Johann Karl Böhm in den erblichen Ritterstand im Jahr 1854 änderte sich der Name auf Eugen Böhm Ritter von Bawerk, den Böhm-Bawerk jedoch kaum nutzte, sondern er unterschrieb offiziell in der Regel mit Eugen von Böhm-Bawerk bzw. Eugen Böhm-Bawerk.

Böhm-Bawerk absolvierte das Wiener Schottengymnasium, wo er den gleichaltrigen Friedrich Wieser kennenlernte, mit dem ihn dann eine Freundschaft durchs ganze Leben verband. 1868–1872 studierte Böhm-Bawerk Rechts- und Staatswissenschaften in Wien und trat 1872 in den Finanzverwaltungsdienst ein, in welchem er bis 1880 verblieb. Ab 1875 verbrachte Böhm-Bawerk in Gesellschaft Friedrich Wiesers einen zweijährigen Studienurlaub in Heidelberg, Leipzig und Jena, wo er Seminare der Ökonomen Knies, Roscher und Hildebrand absolvierte. 1880 heiratete Böhm-Bawerk die Schwester Friedrich Wiesers, Paula Freiin von Wieser.

Nach seiner Habilitation in Politischer Ökonomie 1880 an der Universität Innsbruck wurde er 1884 dort zum Professor berufen, ein Amt, welches er bis 1889 bekleidete. Anschließend war Böhm-Bawerk in Wien in leitender Stellung im Finanzministerium tätig. 1895 wurde er österreichischer Finanzminister. Nach dreimaliger Amtszeit als Finanzminister in verschiedenen Kabinetten (1895, 1897–1898, 1900–1904) und Berufung in das Herrenhaus des österreichischen Reichsrates im Jahr 1899 zog sich Böhm-Bawerk 1904 aus der Politik zurück, um eine Professur für Nationalökonomie an der Universität Wien zu übernehmen. Inmitten seines weiterhin schöpferischen Drangs wurde Böhm-Bawerk im Jahr 1914 von einer schweren Erkrankung im Alter von nur 63 Jahren völlig unerwartet aus dem Leben gerissen.

Schaffen

Aufbauend auf den bahnbrechenden Denkansätzen von Carl Menger, die von der bisherigen klassischen Volkswirtschaftstheorie vernachlässigt waren, trug Eugen von Böhm-Bawerk mit seinen Forschungen in Verbindung mit den Erkenntnissen von Friedrich von Wieser zur Entwicklung eines neuen geschlossenen Erklärungsmodells der volkswirtschaftlichen Funktionen bei, das als so genannte "Österreichische Schule der Nationalökonomie" in die Lehre einging.

Seine Erfolge verdankte Böhm-Bawerk der ausnehmenden Klarheit seiner Gedanken, der Gründlichkeit seiner Forschung sowie der Vermeidung aller gelehrten Phrasen. Schlicht und ehrlich wie als Mensch war Böhm-Bawerk auch als Gelehrter. Und die gleichen Eigenschaften traten bei ihm auch als akademischer Lehrer hervor. Seine besondere Vorliebe für den Gelehrten– und Lehrberuf wird am besten dadurch gekennzeichnet, dass er nach seinem Rücktritt vom Ministeramt im Jahr 1904 wieder als akademischer Lehrer - diesmal an der Wiener Universität - tätig wurde.

Bereits in der Zeit seiner Innsbrucker Lehrtätigkeit schuf Böhm-Bawerk sein wissenschaftliches Hauptwerk, die 2-bändige Untersuchung über „Kapital und Kapitalzins“, die in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Der 1. Band (1884) beschreibt Geschichte und Kritik der bestehenden Theorien, während der Verfasser im 2. Band (1889) die eigenen positiven Theorien entwickelt. Eine längere Reihe von größeren und kleineren Abhandlungen, von denen besonders die „Grundzüge der Theorie des wirtschaftlichen Güterwertes“ (1886) zu erwähnen sind, behandeln die Wertlehre und bauen die Menger’sche Werttheorie im Sinne der so genannten Grenznutzentheorie aus.

Als Praktiker muss sich Böhm-Bawerk schon zur Zeit seiner ersten Verwendung in der Finanzverwaltung hervorgetan haben, als er die energische Wiederaufnahme des Planes einer radikalen Reform der direkten Steuern in Angriff nahm. Böhm-Bawerk wurde dabei mit der schwierigen Aufgabe betraut, unter Bedachtnahme auf die überkommenen Einrichtungen den Entwurf zu einem Gesetz, das ein modernes Steuersystem schaffen sollte, auszuarbeiten, welche Aufgabe er vortrefflich löste.

In die Zeit seiner dritten Ministerschaft in den Jahren 1900 bis 1904 fällt eine Reihe wichtiger Maßnahmen, so die Mittelbeschaffung für die großen Bahn- und Wasserstraßenbauten, die Umwandlung der gemeinsamen Rente, der Ausgleich mit Ungarn von 1903, die Brüsseler Zuckerkonvention, die Einführung der Fahrkartensteuer, die Erwirkung der großen Kredite für militärische Rüstungen und anderes.

Im Gegensatz zu seiner literarischen Tätigkeit entfaltete Böhm-Bawerk als Politiker eine große Vielseitigkeit. Die mannigfaltigen ihm in dieser Eigenschaft zugefallenen Aufgaben behandelte er stets mit großem Geschick und Erfolg.

Nach dem Tode Böhm-Bawerks veröffentlichte die „Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung“ im 3. und 4. Heft des Jahrgangs 1914 eine aus seiner Feder stammende größere Abhandlung zur Frage „Macht oder ökonomisches Gesetz?“, welche nach Antworten darauf sucht, ob das ökonomische Geschehen sich nach unabänderlichen Gesetzen oder unter dem zweckbewussten Einfluss der gesellschaftlichen Machtfaktoren vollzieht.[1]

Schriften

  • Kapital und Kapitalzins: Band 1. Geschichte und Kritik der Kapitalzinstheorien, 1884; Band 2. Positive Theorie des Kapitales, 1889
  • Grundzüge der Theorie des wirtschaftlichen Güterwertes, 1886
  • Zum Abschluss des Marx'schen Systems, 1896
  • Macht oder ökonomisches Gesetz?, 1914
  • zahlreiche Aufsätze: Jahrbuch für Nationalökonomie und Statistik; Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung
Abb. 2: Ehrengrab für Böhm-Bawerk am Wiener Zentralfriedhof.

Ehrungen

  • Benennung des Sudhauses in Bad Aussee als "k.k.Salzsudhaus Ritter von Böhm-Bawerk", 1900 [2]
  • Mitglied der Kaiserlichen (heute Österreichischen) Akademie der Wissenschaften (ab 1900), Vizepräsident (1907-1911), Präsident (1911-1914)
  • Die Stadt Wien widmete Eugen von Böhm-Bawerk im Jahr 1915 ein Ehrengrab (Abb. 2) am Wiener Zentralfriedhof (Gr 32A, Nr. 52)
  • Eine späte Ehrung wurde Böhm-Bawerk 1984 zum 70. Jahrestag seines Ablebens zuteil, als sein Konterfei in die neu gestaltete 100-Schilling-Banknote aufgenommen wurde (Abb. 3).
Abb. 3: 100-Schilling-Banknote 1984.

Einzelnachweise

  1. aus einem Nachruf von Franz Myrbach von Rheinfeld (1850-1919), Professor der Politischen Ökonomie an der Universität Innsbruck, im Todesjahr Böhm-Bawerks 1914 (abgerufen am 16.12.2013), URL: http://www.uibk.ac.at/ipoint/dossiers/uni-im-rueckspiegel/782825.html
  2. Alpenpost. Zeitung des Steirischen Salzkammerguts, 5.9.2013, S. 26-27

Literatur

  • Nachruf für Eugen Ritter v. Böhm-Bawerk, in: Almanach 65, Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, Wien 1915, S. 328-332.
  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto von, Böhm-Bawerk Eugen Ritter von, in: Neue Deutsche Biographie 2, (1955), (Onlinefassung abgerufen am 5.1.2014], S. 385-386; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118660691.html.
  • Böhm-Bawerk Eugen von, in: Österreichisches biographisches Lexikon 1815-1950, I.Band (A-Glä), Wien 1957, S. 97.

Weblinks


Herbert Kreiser, Julia Kögl