Ernst Wilhelm von Brücke

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Louis Jacoby, Ernst Wilhelm von Brücke, Lithographie, 1867.

Ernst Wilhelm von Brücke (* 6. Juni 1819 in Berlin; † 7. Jänner 1892 in Wien) war ein Physiologe. Sein Denkmal im Arkadenhof von Otto König wurde 1894 enthüllt.

Leben

Brücke besuchte in Stralsund das Gymnasium. Ab 1838 studierte er in Wien und Heidelberg Medizin und promovierte 1842 in Berlin über Diffusionsvorgänge. 1843 ging er als Assistent zu Johannes Müller und habilitiert sich 1844 in Physiologie. Im Jahr 1848 erhät er eine außerordentliche Professur für Physiologie in Königsberg. 1849 wird er als ordentlicher Professor der Physiologie und Leiter des Physiologischen lnstituts nach Wien berufen. 1879- 1880 ist Brücke ersten Rektor mit evangelischer Konfession der Wiener Universität.[1] Er wird mehrfach geehrt, u.a. wird er Hofrat und in den Ritterstand erhoben.[2] Am 10. April 1888 wird Brücke das Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft in Anerkennung hervorragender Leistungen und Verdienste auf dem Gebiete der Wissenschaft verliehen.[3] Am 6. Juli 1890 wird Brücke aus Anlass seines bevorstehen Übertrittes in den Ruhestand das Komthurkreuz des Franz-Joseph-Ordens mit dem Sterne verliehen.[4]

Wie die Widmungsinschrift auf seinem Denkmal im Arkadenhof der Universität Wien ausweist, kamen während seiner 41 Jahre dauernden Lehrtätigkeit Studierende aus der ganzen Welt zu seinen Vorlesungen.[5] Zu seinen Schülern zählten unter anderen Ernst Fleischl von Marxow und Sigmund Freud.[6]

Schaffen

Brücke befasste sich mit physiologischen Vorgängen, die an Bewegung, Verdauung und Reizweiterleitung beteiligt sind,[7] aber auch mit der Optik und der Farbenlehre im Grenzbereich zwischen Physik und Physiologie sowie mit medizinischer Chemie. [8] Er gilt als Begründer der österreichischen Physiologen-Schule. Für Sprachlaute erfand er Zeichen und entwickelt die 'Grundzüge der Physiologie und Systematik der Sprachbute für Linguisten und Tautubstummenlehrer'(Wien 1856). Seine ,Anatomische Untersuchungen über die sogenannten leuchtenden Augen bei den Wirbeltieren' trugen dazu bei, dass der Berliner Mediziner und Physiker Hermann von Helmholtz den Augenspiegel erfindet. Der als Brücke-Muskel bezeichnete Teil des Ziliarmuskels erinnert an seine Leistungen auf dem Gebiet der Optik.[9]

Schriften

  • Ernst Wilhelm Brücke, Ueber das Bluten des Rebstockes, in: Annalen der Physik und Chemie, 63, Nr.10, 1844, S.177-213.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Ueber die Bewegungen der Mimosa pudica. Archiv für Anatomie, in: Physiologie und wissenschaftliche Medicin, 1848, S.434-455.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Untersuchungen über subjective Farben, in: Denkschriften der math.-nat. Cl. der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ; Bd. 3, 1851.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Beiträge zur vergleichenden Anatomie und Physiologie des Gefässsystems, in: Denkschriften: Akademie der Wissenschaften Wien, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe 3, 1852, S. 335-367.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Grundzüge der Physiologie und Systematik der Sprachlaute für Linguisten und Taubstummenlehrer, Wien 1856.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Untersuchungen über den Bau der Muskelfasern mit Hülfe des polarisirten Lichtes, in: Denkschriften der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 15. Bd., 1858.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Die Elementarorganismen, in: Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 44, 1861, S. 381-406.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Über eine neue Methode der phonetischen Transscription, in: Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, 41,(7), 1863, S.223-287.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Über Ergänzungsfarben und Contrastfarben, in: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften, math.-nat. Classe, 2. Abth. 51.Bd., 1865, S.461-501.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Die Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunstgewerbe, Leipzig 1866.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Die physiologischen Grundlagen der neuhochdeutschen Verskunst. Wien 1871.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Vorlesungen über Physiologie, 1873 - Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Über die Notwendigkeit der Gymnasialbildung für die Ärzte. Inaugurations-Rede, Wien 1879.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Schönheit und Fehler der menschlichen Gestalt, Wien 1891.
  • Ernst Wilhelm Brücke, Wie behütet man Leben und Gesundheit seiner Kinder?, Wien 1892.

Nachruf

„Das Oesterr. Museum beklagt durch den Tod Ernst von Brücke’s den Verlust eines seiner wärmsten und treuesten Freunde. Hofrath Ernst Wilhelm Ritter von Brücke, geboren am 6. Juni 1819, ist in der Nacht von 6. auf den 7. Januar nach kurzem Krankenlager verschieden.

Als im Jahre 1964 das Museum gegründet worden war und für dasselbe ein Curatorium eingesetzt wurde, in dem statutengemäß auch die Naturwissenschaften Vertretung zu finden haben, erfolgte die Berufung Brücke’s in diese Körperschaft und eine glücklichere Wahl hätte nicht getroffen werden können. Aus einer Malerfamilie stammend und so von Jugend auf mit den Bedingungen des künstlerischen Schaffens vertraut geworden, von 1846-1848 Docent der Anatomie der Akademie der Künste in Berlin und sein ganzes Leben hindurch den lebhaftesten Antheil an den Schöpfungen der Vergangenheit wie an den Bestrebungen und Leistungen der Gegenwart auf dem Gebiete der bildenden Kunst bewahrend, war er wie Wenige geeignet, Meistern und Jüngeren als wissenschaftlicher Berather zur Seite zu stehen. Schon bevor er zu unserer Anstalt in Beziehung trat, hatte er eine Reihe von Forschungen über das Verhalten der Pigmente bei auffallendem und durchfallendem Lichte, über den Metallglanz, über Ergänzungs- und Contrasfarben u. a. m. in den Sitzungsberichten der Akademie der Wissenschaften niedergelegt. Und bereitwillig entsprach er dem Wunsche der Direction des Museums, die Ergebnisse seiner gesammten Studien über die natürliche Farbenlehre in einem Buche für das große Publicum der Künstler, Kunsttechniker, Kunstgelehrten und Kunstfreunde zusammenzufassen. So entstand das grundlegende, auch in das Französische übersetzte Werk „Die Physiologie der Farbe für die Zwecke der Kunstgewerbe“, Leipzig 1866, dem er neuen Jahre später die „ Bruchstücke aus der Theorie der bildende Künste“ folgen ließ, in denen Perspective, Schattenconstuction und Beleuchtung behandelt werden. Beide Werke sind in der späteren Literatur vie benutzt worden und können von keinem Künstler entbehrt werden, der sich selbst über seine Arbeit Rechenschaft gibt. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, dass er dem Werke über die Farbenlehre durch die Erfindung des Schistokop genannten optischen Instruments zur Bestimmung der Complementärfarbe für jede Farbnuance eine wichtige praktische Ergänzung folgen ließ.

Selbstverständlich beteiligte sich Brücke auch in hervorragender Weise an den Besprechungen, die in den Jahren 1866 und 1867 wegen der Ergänzung des Msueums durch eine Lehranstalt gehalten wurden und gehörte zu den drei Vertretern des Curatoriums in den ersten Aufsichtsrathe der 1867 in’s Leben gerufenen Kunstgewerbeschule, der mehrere Jahre hindurch zugleich als artistischer Aufsichtsrath für die Fachschulen des Handelsministeriums fungirte.

Mit der Pflichttreue, die den Verstorbenen charakterisirt, kam er den Anforderungen dieser beiden Stellungen bis an sein Lebensende nach, ein Muster von Gewissenhaftigkeit und Pünktlichkeit, und vor Allem in den Fragen des Kunstunterrichtes erfreuten die Leiter des Museums und der Schule sich stets seines wohlbegründeten Urtheils und Rathes. Beide Anstalten werden dem hochverdienten Manne, dem alle Würden und Auszeichnungen nichts von der Anspruchslosigkeit und Milde des Wesens nahmen, für alle Zeit das ehrenvollste Andenken bewahren."[10]

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 93.
  2. Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 215.
  3. http://mak01.intranda.com/viewer/image/1359380477229_0001/24/LOG_0008/ Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 5), S.110.
  4. http://mak01.intranda.com/viewer/image/1358261278465_0001/15/LOG_0007/ Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1890 / 8), S.173.
  5. Maisel 2007, S. 93.
  6. http://austria-forum.org/af/AEIOU/Br%C3%BCcke,_Ernst_Wilhelm_von
  7. Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 215.
  8. Maisel 2007, S. 93.
  9. Werner Gerabeck (2005). Enzyklopädie Medizingeschichte, Verlag Enzyklopädie Medizingeschichte, S. 215.
  10. http://mak01.intranda.com/viewer/image/1357635893333_0001/16/#head Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1892/2), Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Personalien und besondere Begebenheiten, S.16-17.

Literatur

  • Friedrich Roth, Brücke. Ernst von, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 273–275.
  • Hermann Ziegenspeck, Brücke. Ernst von, in: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2. Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 655 (Digitalisat).
  • Gabriela Schmidt, Ernst Wilhelm von Brücke (1819 - 1892) als Wegbereiter der experimentellen Physiologie in Wien, in: Wiener Klinische Wochenschrif, 104, 1992, S. 144.

Weblinks

Darstellungen

  • Im Arkadenhof der Universität Wien befindet sich das 1894 enthüllte und von Otto König geschaffene Denkmal Ernst Wilhelm von Brücke.
  • Porträtrelief an der ehemaligen Allgemeinen Polyklinik in Wien 9, Mariannegasse 10.
  • Ernst Willhelm von Brücke wird 1910 eine Bronzeplakette gewidmet.
  • Einzelporträt von Ernst Brücke als Rektor der Universität Wien 1879/80, Maler: August Eisenmenger, 1880, Öl auf Leinwand
  • Porträt Ernst Wilhelm von Brücke
  • Einzelporträt von Ernst Brücke, vor 1892, KünstlerIn unbekannt, Öl auf Leinwand.
  • Brustbild Ernst Wilhelm von Brücke, Künstler: Ludwig Michale, Druck: Gesellschaft für vervielfältigende Kunst, Wien, 1892 Signierung: Ernst Brücke
  • Schwarweißfotografie Ernst Wilhelm von Brücke, Fotograf: Fritz Luckhardt, nicht datiert.
  • Lithographie Ernst Wilhelm von Brücke, Künstler: Louis Jacoby; Entstehungszeitraum: 1867.
  • Porträt Ernst Wilhelm von Brücke
  • Porträt des jungen Brücke
  • Brustbild des jungen Brücke
  • Universität Wien - Medizinische Fakultät - Professorenkollegium 1882, darunter Ernst Brücke, Künstlerin: Elfriede Hanak-Broneder, Entstehungszeitraum der Vorlage: 1882
  • Das Professorenkollegium der Wiener medizinischen Fakultät 1853, Künstler: Prinzhofer, Lithographie, Ernst Brücke in der Mitte stehend

Julia Kögl