Ernst Ludwig

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Porträt Ernst Ludwig, Foto auf Karton

Der österreichische Chemiker Ernst Ludwig (* 19. Jänner 1842 Freudenthal, Österreich-Schlesien (Bruntál) – † 14. Oktober 1915 Wien) war in verschiedenen Bereichen der Chemie tätig und von 1892 bis 1893 Rektor der Wiener Universität. Im Jahre 1931/32 wurde er durch ein Denkmal von Kaspar von Zumbusch im Arkadenhof der Universität Wien geehrt.

Leben

Ernst Ludwig wurde am 19. Jänner 1842 in Freudenthal als Sohn des Webermeisters und Kunstwebers Ernst Stanislaus und dessen Frau Waldburga geboren. Nach einer praktischen Apothekerausbildung in den Jahren 1856 bis 1861 in Troppau kam Ludwig nach Wien wo er Chemie und Pharmazie bei Josef Redtenbach - einem Schüler Liebigs - studierte. Bereits drei Jahre nach Abschluss seiner Apothekerausbildung, im Jahre 1864, promovierte Ludwig zum Doktor der Chemie, die Habilitation erfolgte ein Jahr später.

Ludwig verließ Wien 1867 um für ein Jahr bei Bunsen in Heidelberg zu arbeiten. Danach ging er nach Berlin zu Bayer, kehrte jedoch 1869 nach Wien zurück und übernahm eine Professur für Chemie an der Handelsakademie. Drei Jahre später, 1872, wurde er ao. Professor an der Philosphischen Fakultät der Universität. Im Jahre 1874 wurde der als "Lehrtalent"[1] bezeichnete Chemiker ordentlicher Professor für angewandte medizinische Chemie an der Universität Wien, ein Amt welches er 38 Jahre lang inne hatte, außerdem war er Vorstand des chemischen Laboratoriums an der pathologisch-anatomischen Anstalt des Allgemeinen Krankenhauses.

1879 heiratet Ludwig seine Frau Karoline Barbara (1847-1915), mit der er zwei Söhne und fünf Töchter bekam. 1882 erhielt er den Ehrendoktor der gesamten Heilkunde an der Universität Wien. Des Weiteren wirkte Ludwig an der Ausarbeitung des Lebensmittelgesetztes von 1896 mit und war Mitglied des obersten Sanitätsrates (1910) und des Patentgerichtes. Außerdem war er Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse, Mitglied des Herrenhauses, k. k. Hofrat und von 1886 bis 1887 und von 1890 bis 1891 Dekan der medizinischen Fakultät Wiens. Tätig war Ludwig auch als Landesgerichtschemiker. Er war seit 1877 (wirkliches) Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien sowie Mitglied in vielen weiteren nicht-österreichischen Organisationen (der naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Jassy, der Société royale de médecine publique de Belgique, der Mineralogical society of Great Britain and Ireland). Weiters war er Mitglied des österreichischen Apotheker-Vereines und der pharmazeutischen Gesellschaft in Österreich. Der Verein der Ärzte in Schlesien konnte Ludwig ebenso zu seinen Mitgliedern zählen wie der rumänische Apotheker-Verein in Bukarest. Für verschiedene Stipendien Stiftungen fungierte Ludwig als Superintendant. In den Jahren 1892 und 1893 hatte Ludwig das Amt des Rektors der Universität Wien inne. Ernst Ludwig starb am 14. Oktober 1915 in Wien und wurde am Döblinger Friedhof beigesetzt.[2]

Schaffen

Ludwigs Habilitation erfolgte 1865 im Bereich der analytischen und organischen Chemie, er beschäftigte sich jedoch mit verschiedenen Gebieten der Chemie. Im Bereich der anorganisch-analytischen Arbeiten ermittelte Ludwig unter anderem ein Verfahren zur Ermittlung der Harnsäure und des Stickstoffes im Harn sowie in den Organen und untersuchte die Stoffe Arsen, Quecksilber, Chrom, Eisen und Blausäure. Die Harnsäurebestimmungsmethode (1881) verdanken wir den Forschungen Ernst Ludwigs (organische Chemie). Er beschäftigte sich außerdem mit Kohlenoxyd, Schwefelwasserstoff, der schwefeligen Säure, der Dichte des Chlors usw. und analysierte Tabakrauch.

Neben seiner Beschäftigung mit Mineralanalysen - beispielsweise die Erforschung und Analyse der Heilquellen in Bosnien - sind besonders seine Forschungen in der forensischen und physiologischen Chemie hervorzuheben. Wichtige Arbeiten verzeichnete Ludwig durch den Nachweis von Quecksilber und über Leichenwachs. Grundlegend in diesem Bereich war sein Buch "Medizinische Chemie" (1884). In der physiologischen Chemie führte Ludwig beispielsweise Untersuchungen über das Blut bei Leukämie durch.

Zusätzlich tätig war Ludwig im Bereich des Lebensmittel- und Arzneirechts als Gerichtsmediziner und Gutachter. Durch seine Stellung im obersten Sanitätsrat übte Ludwig Einfluss auf die öffentliche Gesundheitspflege aus. Er trug wesentlich bei zur Ausarbeitung des österreichischen Lebensmittelgesetzes von 1896 und forschte über Nickelkochgeschirr und die Zulässigkeit von schwefeliger Säure zur Konservierung von Wein.[3]

Von großer Bedeutung ist Ludwigs Beitrag zur Banknotenherstellung. Durch eine neue Farbenzusammensetzung, die der Fotographie Widerstand leistet, konnte Ludwig sicherstellen, dass Banknoten nicht mehr durch Fotographie dupliziert werden konnten. Er leistete somit einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Geldfälschungen.[4]

Schriften

Die meisten seiner zahlreichen Schriften erschienen in Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (SkAW), in Justus Liebigs Annalen der Chemie (Liebigs Annalen) sowie in der Zeitschrift Wiener klinische Wochenschrift. Hier seien einige erwähnt:

  • Chemische Analyse der Mineralquellen von Johannisbrunn in Mähren (in: SkAW 1864)
  • Ueber Schwefelallyl (in: SkAW 1866 und Liebigs Annalen 1866)
  • Untersuchung des Milchsaftes der Antiaris toxicaria (mit de Vry, in: SkAW 1868)
  • Synthese des Hydroxylamins (mit Hein, in: SkAW 1870)
  • Chemische Analyse des Meteoreisens aus der Wüste Atakama (in: SkAW 1870/71)
  • Ueber die Einwirkung der Chromsäure auf Kohlenoxyd, Wasserstoff, Grubengas und Aethylen (in: Liebigs Annalen 1872)
  • Beiträge zur Gasanalyse (in: Liebigs Annalen 1872)
  • Ueber die chemische Formel des Epidots (in: Liebigs Annalen 1873)
  • Ueber den Atakamit (in: Liebigs Annalen 1873)
  • Ueber den Pyrosonalith (in: Liebigs Annalen 1877)
  • Chemische Untersuchung des Danburit von Scopi in Graubündten (in: Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft 1883)
  • Die Mineralquellen des Büdös [Balvanyos] (in: Tschermak's mineralogisch-petrographische Mittheilungen)
  • Ueber die Localisation des Quecksilbers im thierischen Organismus nach Vergiftungen mit Aetzsublimat (in: Wiener klinische Wochenschrift 1889, Nr. 45 und ebda 1890, Nr. 28-31)
  • Die Mineralquellen Bosniens (in: Wiener klinische Wochenschrift 1889, Nr. 4-10, 15, 31, 32 und in Tschermak's mineralogisch-petrographischen Mittheilungen)
  • Ueber das Vorkommen von Arsen in Friedhoferden (in: Wiener klinische Wochenschrift 1890, Nr. 36)
  • Untersuchungen über die arsenhaltigen Eisenquellen in Srebrenica in Bosnien (in: Wiener klinische Wochenschrift 1890, Nr. 18)
  • Der Preblauer Säuerling (in: Wiener klinische Wochenschrift 1890, Nr. 19)
  • Die Jodquelle von Csiz in Ungarn (in: Wiener klinische Wochenschrift 1890, Nr. 42)
  • Medizinische Chemie (1885, 1895²)
  • Lehrbuch für Aspiranten der Pharmazie. Bd. 2. Chemie, 1895[5] (3. Auflage bearbeitet von G. Mossler 1920)

Literatur

  • Angerer 2008: Margit Angerer, Das chemisch-pathologische Laboratorium am k. k. Allgemeinen Wiener Krankenhaus unter den Vorständen Johann Florian Heller und Ernst Ludwig mit besonderer Berücksichtigung der Werke Vincenz Kletzinskys, Dipl., Wien 2008.
  • Czeike 2004: Felix Czeike (Hg.), Ernst Ludwig, in: Historisches Lexikon Wien, Band 4 Le-Ro, Wien 2004.
  • Eisenberg 1893: Ludwig Eisenberg, Das Geistige Wien. Künstler- und Schriftsteller-Lexikon. 2. Band: Medicinisch-naturwissenschaftlicher Theil. Mittheilungen über Wiener Fachschriftsteller und Gelehrte auf dem Gebiete der Medicin (nebst Thierheilkunde und Pharmacie) und Naturwissenschaften, Wien 1893.
  • NDB 1987: Neue Deutsche Biographie, hg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 15 (Locherer-Maltza(h)n), Berlin 1987.
  • ÖBL 1972: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, hg. von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Leo Santifaller/Eva Obermayer-Marnach), Bd. 5 (Lange v. Burgenkron - [Maier] Simon Martin), Wien 1972.
  • Rosner 2004: Robert W. Rosner, Chemie in Österreich. 1740-1914. Lehre - Forschung - Industrie, Wien/Köln/Weimar, 2004.

Quelle: UAW Senat S 90.22, Antrag der Professoren Fürth, Chvostek und Hochstetter für ein Denkmal für Ernst Ludwig an das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien am 7. Mai 1931. (Anm.: 4 Blätter, enthält Lebenslauf und Skizzierung von Ludwigs wissenschaftlicher Laufbahn)

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 90.22, Antrag der Professoren Fürth, Chvostek und Hochstetter für ein Denkmal für Ernst Ludwig an das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien am 7. Mai 1931, S. 3.
  2. Czeike 2004, S. 109. - Eisenberg 1893, S. 317-318. - NDB 1987, S. 427-428. - ÖBL 1972, S. 347-348. - UAW Senat S 90.22, Antrag der Professoren Fürth, Chvostek und Hochstetter für ein Denkmal für Ernst Ludwig an das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien am 7. Mai 1931. (4 Blätter) - Rosner 2004, S. 220 und 226.
  3. Eisenberg 1893, S. 318. - NDB 1987, S. 428. - ÖBL 1972, S. 347-348. - UAW Senat S 90.22, Antrag der Professoren Fürth, Chvostek und Hochstetter für ein Denkmal für Ernst Ludwig an das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien am 7. Mai 1931. (4 Blätter)
  4. Eisenberg 1893, S. 760.
  5. Diese Literaturangabe wurde dem ÖBL 1972, S. 348, Sp. 1 entnommen. Laut UAW Senat S 90.22, Antrag der Professoren Fürth, Chvostek und Hochstetter für ein Denkmal für Ernst Ludwig an das Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien am 7. Mai 1931,S. 3 erschien die 1. Auflage 1911.

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Julia Horner, Julia Kögl