Ernst Fuchs

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1 Ernst Fuchs um 1910

Ernst Fuchs (* 14.06.1851 in Kritzendorf bei Wien, † 21.11.1930 in Wien) war ein österreichischer Ophthalmologe. Sein Denkmal im Arkadenhof von Josef Müllner wurde 1951 enthüllt.

Leben

Studienzeit

Ernst Fuchs wurde 1851 als Sohn des ordentlichen Professors der Landwirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Adalbert Fuchs in Kritzendorf geboren. Er besuchte das Schottengymnasium in Wien von 1860 bis 1868 und wollte anschließend eigentlich Physik oder Astronomie studieren.[1] Jedoch entschied er sich spontan, seinen Freunden folgend, für die Medizin an der Universität Wien. Hier studierte er unter dem Einfluss von Josef Hyrtl (1810-1894), Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892) und Ferdinand von Arlt. Auf die Empfehlung von Brücke bekam er noch während seiner Studienzeit die Assistentenstelle am Physiologischen Institut in Innsbruck zugeteilt.[2]

Forschungsjahre: 1874 - 1885

1874 promovierte er mit 23 Jahren zum Dr. med. und begann eine zweijährige chirurgische Ausbildung bei Theodor Billroth (1829-1894) und assistierte von 1876 bis 1880 Ferdinand von Arlt. 1878 unternahm er Studienreisen nach London und Paris. Weitere Reisen unternahm er später nach Skandinavien, Amerika, Asien und Afrika.[3] Am 26. November 1880 habilitierte er. Er führte seine Tätigkeit als Privatdozent für Augenheilkunde an der Universität Wien jedoch nur für kurze Zeit aus, da er noch im selben Jahr auf Empfehlung von Ferdinand von Arlt und auf Betreiben von Franciscus Cornelis Donders und Alexander von Winiwarter nach Lüttich als Professor wechselte. Hier arbeitete er vor allem an Publikationen und veröffentlichte sein bekanntes Werk Die Ursachen und die Verhütung der Blindheit.

Höhepunkt der Schaffenszeit: 1885-1930

1885 wurde Fuchs als Nachfolger von Eduard Jäger von Jaxtthal als ordentlicher Professor und Vorstand der II. Universitäts-Augenklinik nach Wien berufen.[4] Es folgten sehr intensive Jahre der Lehre und Forschung für Ernst Fuchs. Er galt zusehends als international anerkannter Facharzt für Augenheilkunde. Fuchs unternahm zahlreiche Reisen und beherrschte mehrere Sprachen. Seit 1886 war er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und erhielt zahlreiche Orden. Zusammen mit Heinrich von Bamberger rief Fuchs die Wiener klinische Wochenschrift ins Leben. [5] Er trat freiwillig 1915 aus der Lehrtätigkeit aus. Sein Nachfolger wurde Friedrich Dimmer (1858-1926). Zu diesem Zeitpunkt war er eine solch etablierte Autorität im Fach der Augenheilkunde, dass Prof. Milner ihm zu Ehren ein Denkmal anfertigte, das in der Augenklinik aufgestellt wurde.[2]. 1926 wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt. Am 21. November 1930 verstarb er schließlich an einem Schlaganfall. [6]

Schaffen

Abb. 2 Lehrbuch zur Augenheilkunde als japanisches Exemplar

Ernst Fuchs wurde von der Fachwelt als Schöpfer der pathologischen Anatomie des Auges angesehen. Sein 1889 publiziertes Lehrbuch zur Augenheilkunde galt lange Zeit als Standardwerk und erschien bis 1926 in 15 Auflagen. Es wurde sogar in gleich mehrere Sprachen übersetzt, mitunter sogar in Japanisch (siehe Abb. 2). Sein Hauptverdienst lag in der Erforschung pathologisch veränderter Gewebe des Auges. Er war stets daran interessiert das klinisch Gesehene auch pathologisch-anatomisch zu verstehen. So beschrieb er als erster eine große Anzahl von Krankheitsbildern des Auges. Auch für die Neurologie leistete er wichtige Arbeiten. Seine Vorlesungen waren zudem von sehr vielen ausländischen Ärzten besucht, schließlich war er einer der ersten, der an der Universität Wien die Vorlesungen in englischer Sprache hielt.

Nach ihm benannt sind die Fuchs‘sche Spalte in der Regenbogenhaut, der Fuchs’sche Fleck bei Myopie und das Fuchs’sche Gitter, das einen speziellen Schutzverband für das Auge benennt. [7] [8]

Sonstiges

Nach Ernst Fuchs wurde in Kritzendorf die Fuchsgasse benannt. Zudem wurde Fuchs am 23.06.1921 die Ehrenbürgerschaft von Wien verliehen. [9]

Schriften

Ernst Fuchs hat eine Vielzahl von Schriften publiziert. Hier sind nur einige aufgelistet, die ihn zu seiner Anerkennung als Facharzt brachten:

  • Das Sarcom des Uvealtraktus, 1882.
  • Die Ursachen und die Verhütung der Blindheit, Wiesbaden 1885. Übersetzt ins Englische, Russische und Französische.
  • Zur Physiologie und Pathologie des Lidschlusses, 1885.
  • Lehrbuch der Augenheilkunde, 1889.
  • Über die anatomischen Veränderungen bei Entzündungen der Aderhaut, 1904
  • Wie ein Augenarzt die Welt sah. Selbstbiographie und Tagebuchblätter, hg. v. Adalbert Fuchs, 1946.

Einzelnachweise

  1. Fuchs 1946, S. 30 u. 33.
  2. 2,0 2,1 Wininger 1927, S. 494.
  3. Fuchs 1946, S. 55ff.
  4. ÖBL, 1815-1950. Bd.1. 1957, S. 378.
  5. Tragl, S. 254
  6. Neue Freie Presse, 22.11.1930, A, S. 3
  7. Lindner 1957, S. 530.
  8. Jantsch 1961, S. 677-678.
  9. Bürger ehrenhalber der Stadt Wien, Liste [1] auf wien.gv.at, gesehen am 18.06.2014.

Literatur

  • Czeike 1993: Felix Czeike (Hg), Ernst Fuchs in: Historisches Lexikon, Wien 1993.
  • Eisenberg 1893: Ludwig Eisenberg, Das geistige Wien Bd. 2: Medicinisch-naturwissenschaftlicher Theil. Wien 1893.
  • Fischer 1932: Isidor Fischer, Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte der letzten fünfzig Jahre, Bd. 1, 1932, S. 518.
  • Fuchs 1946: Ernst Fuchs: Wie ein Augenarzt die Welt sah. Selbstbiographie und Tagebuchblätter. Hrsg. v. Prof. Adalbert Fuchs. Wien 1946.
  • Jantsch 1961: Marlene Jantsch, Ernst Fuchs in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Berlin 1961, S. 677-678.
  • Killy 1996: Walther Killy (Hg.), Ernst Fuchs in: Deutsche Biographische Enzyklopädie, Bd. 3, München u.a. 1996, S. 517-518.
  • Kosch 1933: Wilhelm Kosch, Das katholische Deutschland. 1933.
  • Kreuter 1996: Alma Kreuter, Deutschsprachige Neurologen und Psychiater. Bd. 1. 1996, S. 415-416.
  • Lindner 1957: Karl Lindner, Ernst Fuchs. Ein weltberühmter Meister der Augenheilkunde, in: Fritz Knoll (Hg.), Österreichische Naturforscher, Ärzte und Techniker, Wien 1957, S. 122-124.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Wien/Köln/Weimar 2007, S. 94.
  • NFP 22.11.1930: Neue Freie Presse, Nr. 23776, 22.11.1930, Abendblatt, S. 3. [2]
  • ÖBL 1957: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Bd.1, Graz/Köln 1957, S. 378.
  • Pagel 1901: Julius Pagel (Hg.), Ernst Fuchs in: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts, Berlin/Wien 1901, S. 566.
  • Tragl 2011: Karl Heinz Tragl, Geschichte der Gesellschaft der Ärzte in Wien seit 1838. Als Geschichte der Medizin in Wien. Wien 2011, S. 254.
  • Wininger 1927: Salomon Wininger, Ernst Fuchs in: Große jüdische National-Biographie. Bd. 2 1927, S. 494.

Weblinks

Darstellungen


Cigdem Özel, Julia Kögl