Ernst Fleischl von Marxow

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Porträt Ernst von Fleischl-Marxow, ©ÖNB.

Ernst Fleischl von Marxow (*05. August 1846 in Wien; † 22. Oktober 1891 in Wien) war Physiologe und Erfinder von medizinischen Geräten. Sein Denkmal im Arkadenhof des Künstlers Emil Fuchs wurde 1898 enthüllt.

Leben

Simon Ernst Edler Fleischl von Marxow, erblickte am 5.August 1846 das Licht der Welt. Er war der Sohn von dem Bankfach- und Geschäftsmann Carl Fleischl Edler von Marxow, der erst 1875 in den Ritterstand erhoben wurde, und seiner Frau Ida (geborene Marx). Ernst Fleischl von Marxow wurde in eine sehr prominente jüdische Familie hineingeboren, die einen großen Salon mit Gelehrten wie der Schriftstellerin Maria Ebner-Eschenbach oder dem Archälogen Emanuel Löwy unterhielt. Neben den kulturinteressierten Eltern war wohl der Onkel, der berühmte Physiologe Johann Nepomuk Czermak wichtig für den weiteren Werdegang von Fleischl.[1]

Ernst Fleischl-Marxow entschließt sich nach seiner schulischen Ausbildung für das Medizinstudium und betreibt schon während seiner Studienzeit an der Universität Wien im Labor des Physiologen Ernst Wilhelm von Brücke (1819-1892) mikroskopisch experimentelle Studien und publiziert darüber. Er wendet sich der pathologisch-anatomischen Forschung zu und ist mit Abschluß seines Studiums (1870) bereits Assistent des Pathologen Karl von Rokitansky (1804-1878).[2] Für Ernst Fleischl von Marxow zeichnete sich eine strahlende Karriere ab, als er sich im Seziersaal mit einem Leichengift infizierte. Daraufhin musste ein Daumen abgenommen werden und es verursachte weiterhin Neurome. Trotz mehreren Operationen, durchführt von dem berühmten Chirurgen Theodor Billroth, blieb ein anhaltender Schmerz zurück, der auch seine weitere Laufbahn beeinflusste.[3] Da er als Pathologe nicht weiter arbeiten konnte wechselte Fleischl sein Tätigungsfeld zur Physiologie, habilierte sich für dieses Gebiet bereits 1873. Der Arzt wird Assistent bei Ernst Wilhelm von Brücke und wendet sich experimentellen Studien zu. Um 1880 wird Ernst Fleischl von Marxow zum außerordentlichen Professor ernannt.

Aufgrund großer, anhaltenden Qualen aufgrund des Unfalls nahm er Morphium um Leben und Arbeiten zu können. Dies führte schnell zu einer Abhängigkeit von diesem Schmerzmittel, von dem Sigmund Freud, den befreundeten Fleischl versuchte abzubringen. Um dies zu erreichen verabreichte er ihm, das noch wenig erforscht Akaloid Kokain. Freud dachte damals, dass er möglicherweise ein universell einsetzbares Schmerzmittel entdeckt haben könnte. Jedoch wurde erst innerhalb der Behandlung, dessen ebenso starke Suchtwirkung wie Morphium deutlich. Ernst Fleischl von Marxow begann sowohl Morphium wie auch Kokain in großen Dosen zu nehmen, daraufhin begann eine chronische Vergiftung und Delirius Tremens sich einzustellen. Ohnmachtsanfälle und Krämpfe zählten zum Alltag von Fleischl und Sigmund Freud verbrachte Tage an der Seite des Freundes. Trotz des Schlechten Gesundheitszustands musste Ernst Fleischl von Marxow Jahre mit Schmerzen zubringen, bis er 20 Jahre nach seiner Infektion den Spätfolgen am 22.Oktober 1891 erlag.[4]

Schaffen

Trotz immensen Schmerzen und körperlichen Beschwerden arbeitete Ernst Fleischl von Marxow unermüdlich. Er beschäftigt sich mit der physiologischen Optik, der Nervenphysiologie und der Lehre vom Blut. 1883 gelang ihm die Entdeckung der elektrischen Aktivität des Gehirns.[5] In seinen experimentellen Forschungen über die Erregbarkeit der Nerven entwickelte Fleischl eigene Apparate wie das Rheonom, um die Intensität des zur Reizung verwendeten Stromes variieren zu können und adaptierte das Kapillarelektrometer für physiologische Meßzwecke. Weiters konstruierte er optische Meßgeräte, wie das Spektro-Polarimeter und insbesondere das Hämatometer zur Bestimmung des Hämoglobingehaltes im Blut, das weite Verbreitung fand.[6] Bei der Weltausstellung im Jahre 1878 in Paris fungierte Fleischl als Juror der "Classe 15 (Präcisions-Instrumente)".[7] 1887 wird Fleischl Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Wien.[8]

Schriften

  • Ueber den Bau der Sogenannten Schilddrüse, des Frosches. Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien 1868.
  • Eine Lücke in Kant's Philosophie und Eduard von Hartmann. Rösner, Wien 1872.
  • "Form, Farbe und Auge", Donnerstags Vorlesung im Österreichischen Museum, Fabruar-März 1983.[9]
  • "Ueber die Bewegung der Menschen und Thiere", Donnerstags Vorlesung im Österreichischen Museum, März 1984.[10]
  • Die Doppelte Brechung des Lichtes in Flüssigkeiten. Wien 1884.
  • Untersuchung über die Gesetze der Nervenerregung. Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien 1875–80.
  • Die Deformation der Lichtwellenfläche im Magnetischen Felde. Wien 1885.
  • Mittheilung, betreffend die Physiologie der Hirnrinde. Zentralblatt Physiologie, 1890
  • Gesamte Abhandlungen. Hrsg. von Otto Fleischl von Marxow. Mit einer bibliographischen Skizze von Sigmund Exner. Barth, Leipzig/Wien 1893.

Literatur

  • Medwed 1997: Hans-Peter Medwed, Ernst Fleischl von Marxow (1846–1891). Leben und Werk, Tübingen 1997.
  • Wininger 1927: Salomon Wininger, Ernst Fleischl von Marxow in: Große Jüdische National-Biographie, Czernowitz 1927, Band 2, S.267.
  • Jantsch 1961: Marlene Jantsch, Fleischl Edler v. Marxow, Ernst, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Band 5.,Berlin 1961, S. 234.
  • Czeike 1993: Felix Czeike, Ernst Fleischl von Marxow, in: Historisches Lexikon Wien, Wien 1993, Band 2, S.326.
  • Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert 2002. Hrsg.: Österreichische Nationalbibliothek Wien, München 2002, Band 1, S.335.

Einzelnachweise

  1. http://www.psychologytoday.com/blog/freuds-patients-serial/201202/ernst-fleischl-von-marxow-1846-1891, am 22.06.2014
  2. http://www.meduniwien.ac.at/histmed/fleischlmarxow_biographie.htm, am 22.6.2014
  3. http://www.psychologytoday.com/blog/freuds-patients-serial/201202/ernst-fleischl-von-marxow-1846-1891, am 22.06.2014
  4. http://www.dieuniversitaet-online.at/beitraege/news/ernst-fleischl-von-marxow-1846-1891/10/neste/507.html,am 22.06.2014
  5. Maisel, T. (2007). Gelehrten Porträt in Stein und Bronze. Die Denkmälder im Arkadenhof der Universität Wien, Böhlau Verlag Wien/Köln/Weimar, S. 72.
  6. http://www.meduniwien.ac.at/histmed/fleischlmarxow_biographie.htm, am 22.06.2014
  7. http://mak01.intranda.com/viewer/image/1359357085778_0001/8/LOG_0008/ Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1878 / 153), S.112.
  8. http://bsbndb.bsb.lrz-muenchen.de/sfz16403.html
  9. http://mak01.intranda.com/viewer/image/1359553094729_0001/19/LOG_0003/ Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVII(1882 / 199), S.259.
  10. http://mak01.intranda.com/viewer/image/1359606916571_0001/18/#head Mittheilungen des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVIII (1883 / 211), S.258.

Weblinks

Gallery


Sibylle Zelger, Anna-Angela Libal, Julia Kögl