Entstehungsgeschichte der sieben Denkmäler für Wissenschaftlerinnen 2016: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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* https://edition.cnn.com/2017/03/08/us/womens-monument-project-trnd/index.html
 
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* http://edition.cnn.com/travel/article/feat-womens-history-field-trip/index.html
 
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== Einzelnachweise ==
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''Charlotte Reuß''

Version vom 4. Februar 2019, 20:04 Uhr

Die Denkmäler für sieben Frauen, die für ihre wissenschaftlichen Leistungen geehrt werden sollten, entstanden anlässlich der 650-Jahrfeier der Universität Wien und wurden am 30. Juni 2016 feierlich enthüllt.[1] Seit der ersten Ehrung eines Wissenschaftlers – einem Denkmal für Julius Glaser (1831-1885) im Jahre 1888 – wurden im Arkadenhof bis 2015 insgesamt 154 an Einzelpersonen gerichtete Denkmäler realisiert. Unter den Geehrten fand sich aber mit Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) lediglich eine einzige Frau. Die gesichtslose Gedenktafel erinnert an die Dichterin, die 1900 das Ehrendoktorat der Universität Wien erhielt, jedoch als Frau bis 1900 nicht die Möglichkeit eines anerkannten Universitätsstudiums wahrnehmen konnte beziehungsweise nie einem Studium nachgegangen war, da dies erst 1900 gesetzlich bestimmt wurde. So verweist auch diese Art der Ehrung gerade auf den auf Geschlechterdiskriminierung beruhenden Missstandes, der Frauen eine bedeutende Zeit lang aus der Universität ausschloss. Am 23. November 2005 wurde die erste für den Arkadenhof bestimmte weibliche Büste, geschaffen von der Bildhauerin Elisabeth Penker (*1974), feierlich enthüllt.[2] Die Büste, auf deren Sockel die Aufschrift “Anonymisierte Wissenschaftlerinnen 1700-2005“ stand, trug die Gesichtszüge der Romanistin Elise Richter (1865-1943), die 2016 ein eigenes Denkmal erhalten sollte. Penkers Denkmal stand für alldiejenige Frauen, die für ihre wissenschaftliche Tätigkeit durch die Universität Wien keine Erfahrung erhalten hatten und deren universitäre Existenz in Form einer Auslassung nie gewürdigt noch thematisiert wurde, beziehungsweise für Frauen an sich, die durch Diskriminierung Jahrhunderte lang überhaupt keinen Zutritt zur universitären Bildung hatten. Es bleibt die Frage, ob eine anonymisierte Büste, die jedoch offenbar eine identifizierbare Person darstellt, nicht gerade wieder den gleichen Mechanismen unterliegt, die sie zu beheben versucht, und als ein “pars pro toto“ eher einem Notbehelf als einer gleichwertigen Würdigung gegenüber männlichen Wissenschaftlern nahekommt. Der Versuch eines Erinnerung und Solidarität stiftenden Denkmals beschränkte sich auf die Dauer von nur einem Jahr,[3] nach dem die Büste wieder entfernt wurde und später einen privaten Käufer fand. Grund war die bereits im Vorfeld beschlossene zeitlich Begrenzung und die von der Universitätsleitung vertretene Ansicht, dass die traditionellen Formen der Ehrung im 21. Jahrhundert überholt seien und durch neue ersetzt werden würden.[4] Als einzige weibliche Erscheinung verblieb bezeichnenderweise nun Kastalia am gleichnamigen Brunnen (1910) von Edmund Hellmer (1850-1935) in der Mitte des Arkadenhofes. Kastalia, eine Figur der griechischen Mythologie, stürzte sich, beim Versuch dem ihr nachstellenden Apollon zu entkommen, in eine Quelle bei Delphi. Wer nachfolgend von der Quelle trank oder dem Rauschen des Wassers zuhörte, sollte sich an dichterischer Inspiration erfreuen.[5] 2009 wurde die Thematik der Auslassung von Frauen im Arkadenhof erneut mit dem Kunstprojekt “Der Muse reicht’s“ der Künstlerin Iris Andraschek (*1963) aufgegriffen. Als überlebensgroßer Schattenwurf konzipiert, erstreckt sich das Denkmal als Silhouette ausgehend vom Kastalia-Brunnen in dunkelgrauem Granit über den Arkadenhof. Damit wurde zum ersten Mal dauerhaft auf die Missstände im Umgang mit Wissenschaftlerinnen eingegangen und hingewiesen. Die Künstlerin Marianne Maderna (*1944) konnte vom 3. März 2015 bis zum 26. April 2015 im Arkadenhof im Zuge 650-jährigen Jubiläums der Universität Wien im Arkadenhof des Hauptgebäudes ihr Projekt “Radical Busts“ ausstellen. Dabei handelte es sich um 36 ausschließlich weibliche goldene Skulpturenköpfe bekannter Frauen (etwa Hatschepsut, Ingeborg Bachmann, Josephine Baker oder Camille Claudel).[6] Ebenso anlässlich der 650-Jahresfeier der Universität Wien im darauffolgenden Jahr entschloss man sich im Jahr 2014 die vorhandenen Denkmäler nun doch mit sieben weiteren für weibliche Wissenschaftlerinnen zu erweitern. 2015 wurde das Projekt zur “individuellen Ehrung von Wissenschaftlerinnen“ der Universität als zweistufiger Kunstwettbewerb ausgerufen. Für eine Ehrung ausgewählt wurden aus zehn Vorschlägen sieben Wissenschaftlerinnen, die allesamt im 20. Jahrhundert tätig waren: Charlotte Bühler (1893-1974), Marie Jahoda (1907-2001), Berta Karlik (1904-1990), Lise Meitner (1878-1968), Grete Mostny-Glaser (1914-1991), Elise Richter (1865-1943) und Olga Taussky-Todd (1906-1995). Die Jury setzte sich aus Rektor Hein W. Engl, der Senatsvorsitzenden Gabriele Kucsko-Stadlmayer, Professorin für Gendergeschichte Gabriella Hauch, Professor für Kunstgeschichte Michael Viktor Schwarz, Elisabeth Hudritsch vom Bundesdenkmalamt im Landeskonservatorat für Wien, Mona Hahn Künstlerin und Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wien, Künstlerin Sofie Thorsen und Kunstmanager Peter Pakesch zusammen. Kriterien, die ausschlaggebend für einen Entwurf sein sollten, waren die Bezugnahme zu den bereits bestehenden, männlichen Geehrten, die Ehrung der ausgewählten Wissenschaftlerinnen als konkrete Persönlichkeiten, sowie das dauerhafte Bestehen im Arkadenhof.[7] In der ersten Wettbewerbsphase wurden 33 Bewerbungen eingereicht, aus denen sieben Künstler_innen ausgewählt und eingeladen wurden in der zweiten und letzten Wettbewerbsrunde ein Konzept für die künstlerische Gestaltung der Denkmäler zu entwickeln. Die Jury wählte von diesen sieben Einreichungen drei Künstler_innen als Gewinner_innen aus. Thomas Baumann (*1963) erhielt den Auftrag für die Denkmäler von Charlotte Bühler, Lise Meitner und Berta Karlik. Catrin Bolt (*1979) war für die künstlerische Gestaltung der Denkmäler von Marie Jahoda und Elise Richter ausgewählt worden. Und Karin Frank (*1972) fertigte die Denkmäler für Grete Mostny-Glaser und Olga Taussky-Todd an.

Quellen

Weblinks

Einzelnachweise

  1. https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551, aufgerufen am 22.01.2019.
  2. https://thegap.at/die-frauen-im-arkadenhof/, aufgerufen am 17.01.2019.
  3. Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 13.
  4. https://monuments.univie.ac.at/index.php?title=Denkmal_anonymisierte_Wissenschaftlerinnen_1700–2005_(Elise_Richter)#cite_note-1, aufgerufen am 5.01.2019.
  5. http://www.archive.org/stream/ausfhrlichesle0201rosc#page/n511/mode/1up, aufgerufen am 18.12.2018.
  6. https://gender.univie.ac.at/veranstaltungen/andere-veranstaltungen/einzelansicht/article/ausstellung-radical-busts-by-marianne-madern/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=116593&cHash=2a1cbe7028071f811accead23b72303f, aufgerufen am 18.12.2018.
  7. Ausschreibung für Kunstwettbewerb: Individuelle Ehrung von Wissenschafterinnen

Charlotte Reuß