Emanuel Pendl

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Porträt Emanuel Pendls, 19. Jahrhundert, ©ÖNB.

Emanuel Pendl (* 23. Februar 1845 in Meran; † 28. September 1927 in Wien) war Maler und Bildhauer, dessen Familie ursprünglich aus Südtirol stammt.

Leben

Die ersten Lebensjahre verbrachte Emanuel Pendl in Meran, wo er auch in der Schule seines Vaters Franz Xaver Pendl (* 05. Mai 1817 in Meran; † 23. Juni 1896 in Meran-Untermais) die erste Ausbildung in Zeichnen und in der Bildhauerkunst erhielt. Danach beschloss er die damals österreichische Akademie der bildenden Künste in Venedig zu besuchen, wo ihn Professor Cavaliere Luigi Ferrari unterrichtete. Dort begann er auch zu malen, führte sogar Porträts aus wie beispielsweise ein Selbstporträt vor dem Spiegel, Porträts von Freunden und das der Tochter seiner Quartiergeberin sowie das eines jüdischen Mädchens.[1]

1866 musste Pendl jedoch aufgrund der Kriegsereignisse Venedig verlassen und so begab er sich nach Wien. Dort besuchte er die Akademie der bildenden Künste, wo er sich der Plastik zuwandte. Sein Lehrer war Caspar von Zumbusch. Zur selben Zeit war es Pendl ab etwa 1875 aufgrund mehrerer Privataufträge möglich, sich selbstständig zu machen und arbeitete fortan in Stein. Er schuf auch Kleinplastiken aus Elfenbein, Silber, Bronze, Wachs und Terrakotta. Er erhielt sogar im neuen Gebäude der Akademie am Schillerplatz ein kostenfreies Atelier.[2]

Am 23. Jänner 1873 ehelichte er Fanni Brenner. Zwei ihrer Kinder kamen bereits im Kindesalter ums Leben. 1875 kam ihr gemeinsamer Sohn und späterer Maler Erwin Pendl (*18. Oktober 1875; † 04. August 1945) zur Welt und 1880 wurde der jüngste Sohn namens Paul geboren.[3] Am 16. August 1919 soll er nach Angaben der Neuen Freien Presse aus Liebe zu seiner stark nervenkranken Gattin gemeinsam mit ihr einen Selbstmordversuch durch Einatmen von Gas unternommen haben, den Pendl zwar überlebte, seine Frau kam dabei jedoch ums Leben.[4] Später erklärten allerdings die beiden Söhne der Pendls, dass ihr Vater zu keiner Zeit vorhatte, absichtlich Selbstmord zu begehen.[5]

Am 09. September 1927 verstarb Emannuel Pendl, nachdem er von einer Straßenbahn in der Nähe des Wiener Praters angefahren wurde. Er erhielt am Wiener Zentralfriedhof ein Ehrengrab der Stadt Wien.[6]

Schaffen

In der Literatur wird vermehrt auf Emanuel Pendls vielseitiges Oeuvre hingewiesen. Bekanntheit erlangte er vor allem durch eine Vielzahl von für die Wiener Ringstraße geschaffenen Monumentalplastiken sowie Plastiken, die er für verschiedene Monumentalbauten geschaffen hat wie beispielsweise für den Justizpalast in Wien, für das Burgtheater, für das Rathaus, für das Parlament sowie für die Universität Wien. Auch außerhalb von Wien erinnern Monumentalplastiken im öffentlichen Raum an Emanuel Pendl wie etwa Attikafiguren an der Fassade der Karl-Franzens-Universität in Graz oder das Andreas-Hofer-Denkmal in seiner Heimat Meran.

Werke

  • Justitia, Rundplastik, Stein und Marmor, 1881, Justizpalast Wien.
  • Franz Georg Kolschitzky, Metallfigur, 1885, Kolschitzygasse, Wien.
  • Nike und zwei Allegorien, Attikafiguren, um 1886, Griechische Botschaft, ehem. Palais Falkenstein, Wien.
  • Denkmal Franz Anton von Zeiller (Nr. 6), 1891 enthüllt, Arkadenhof der Universität Wien.
  • Attikafiguren, 1891-1895, Fassade des Hauptgebäudes der Karl-Franzens-Universität, Graz.
  • Galenus, Skulptur, vor 1896, Verbleib unbekannt.
  • Rattenfänger, bekrönende Figur des Rattenfänger-Brunnens, 1898, Korneuburg.
  • Madonna mit Kind, Plastik, Stein, um 1900, Pfarrhof der Pfarre Breitenfeld, Wien.
  • Bildnisrelief Johann Hermann von Hermannsdorf, Gips schellackiert, 51 x 38,5 cm, um 1900, Heeresgeschichtliches Museum Wien.
  • Bildnisrelief Hauptmann Friedrich Hensel, Gips schellackiert, 51 x 38,5 cm, um 1900, Heeresgeschichtliches Museum Wien.
  • Büste des Denkmals für Kaiserin Elisabeth, Bronze, 1902, Hadersdorf-Weidlingau, 14. Wiener Gemeindebezirk.

Literatur

  • Egg/Kühebacher 1978: Erich Egg/Egon Kühebacher, Pendl Emanuel, in: Österreichisches Biographisches Lexikon * 1815-1950, 7, Wien 1978, S. 404-405.
  • Fuchs 1905: Karl Fuchs, Das Künstlergeschlecht Pendl, Wien 1905.
  • Menghin 1887: Alois Menghin, Ein Meraner Künstlergeschlecht. 1. Der „alte“ Pendl. 2. Franz Pendl. 3. Emanuel Pendl, Bozen 1887.
  • Wolf 1887: Carl Wolf, Eine Meraner Künstlerfamilie, in: Meraner Zeitung, 51, 28. April 1887, S. 783-784.
  • Wolf 1887: Carl Wolf, Eine Meraner Künstlerfamilie, in: Meraner Zeitung, 52, 30. April 1887, 801.
  • Wolf 1887: Carl Wolf, Eine Meraner Künstlerfamilie, in: Meraner Zeitung, 53, 03. Mai 1887 S. 823.
  • Selbstmordversuch des Bildhauers Pendl, in: Neue Freie Presse, 16. August 1919, S. 13.
  • Der Selbstmord der Frau des Bildhauers Pendl, in: Neue Freie Presse, 19. August 1919, S. 9.
  • Kleine Chronik. Bildhauer Emanuel Pendl gestorben, in: Neue Freie Presse, Morgenblatt, 29. September 1927, S. 7.

Einzelnachweise

  1. Fuchs 1905, S. 39-40.
  2. Fuchs 1905, S. 41-45.
  3. Fuchs 1905, S. 65-55.
  4. Neue Freie Presse 16. August 1919, S. 13.
  5. Neue Freie Presse 19. August 1919, S. 9.
  6. Neue Freie Presse 29. September 1927, S. 7.

Weblinks

Darstellungen

  • Justitia, Rundplastik, Stein und Marmor, 1881, Justizpalast Wien.
  • Franz Georg Kolschitzky, Metallfigur, 1885, Kolschitzygasse, Wien.
  • Nike und zwei Allegorien, Attikafiguren, um 1886, Griechische Botschaft, ehem. Palais Falkenstein, Wien.
  • Denkmal Franz Anton von Zeiller (Nr. 6), 1891 enthüllt, Arkadenhof der Universität Wien.
  • Attikafiguren, 1891-1895, Fassade des Hauptgebäudes der Karl-Franzens-Universität, Graz.
  • Galenus, Skulptur, vor 1896, Verbleib unbekannt.
  • Rattenfänger, bekrönende Figur des Rattenfänger-Brunnens, 1898, Korneuburg.
  • Madonna mit Kind, Plastik, Stein, um 1900, Pfarrhof der Pfarre Breitenfeld, Wien.
  • Bildnisrelief Johann Hermann von Hermannsdorf, Gips schellackiert, 51 x 38,5 cm, um 1900, Heeresgeschichtliches Museum Wien.
  • Bildnisrelief Hauptmann Friedrich Hensel, Gips schellackiert, 51 x 38,5 cm, um 1900, Heeresgeschichtliches Museum Wien.
  • Büste des Denkmals für Kaiserin Elisabeth, Bronze, 1902, Hadersdorf-Weidlingau, 14. Wiener Gemeindebezirk.

Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Michaela Pilat