Eduard Hanslick

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Eduard Hanslick.

Eduard Hanslick (geb. 11. September 1825 in Prag; gest. 6. August 1904 in Baden bei Wien) war Musikkritiker und Professor an der Universität Wien. 1913 wurde er durch das Denkmal im Arkadenhof nach Modell von Viktor Tilgner geehrt.

Leben

Die Studienzeit

Hanslick wurde 1825 in Prag geboren. Seine Bildung erhielt er unter anderem bei seinem Vater, der Skriptor an der Prager Universitätsbibliothek war.[1] Beim angesehenen Komponisten Václav Jan Tomášek (1774-1850) genoss er hingegen vier Jahre Unterricht in Klavier, Musiktheorie und Komposition. Neben dem Studium der Rechtswissenschaften in Prag und Wien, komponierte er selbst Lieder und Klavierstücke. Bereits während seiner Studienzeit begann er Aufsätze und Kritiken zu veröffentlichen. In Prag lernte er auch August Wilhelm Ambros (1816-1876) kennen und schloss sich mit ihm und anderen Freunden im Prager Davidsbund zusammen. Zu seinen Bekanntschaften in Prag zählte außerdem Hector Berlioz. Begeistert beschrieb er 1846 seinen Besuch in der Zeitschrift Ost und West. Nachdem er 1849 sein Doktorat der Rechtswissenschaft abgeschlossen hatte, schlug er jedoch zunächst die Beamtenlaufbahn ein und wurde 1850 nach Klagenfurt versetzt.[2]

Hanslick als Kritiker und Professor

Hanslick erlebte in Wien die Zeit der Wiener Hofoper, damals noch im alten Kärntertortheater, unter der Pacht der beiden Italiener Carlo Balochino und Bartolomeo Merelli. Seine erste Kritiken verfasste er kurz vor Ausbruch der Revolution zu Rossinis Othello und Verdis Nabucodonosor,[3] zunächst als Kritiker in der Wiener Zeitung. Zwischen 1855 und 1864 war er dann für die Presse tätig und danach für die Neue Freie Presse. Seine Rezensionen waren meist Auftragswerke zu aktuellen Ereignissen des Musiklebens, wie etwa Konzerte, Opern, oder etwa zu Weltausstellungen. 1856 stellte Hanslick schließlich einen Antrag zur Ernennung als Privatdozent für Geschichte und Ästhetik der Tonkunst an der Universität Wien. Fünf Jahre später wurde er zum außerordentlichen und 1870 zum ordentlichen Professor der Universität Wien ernannt.[4] Diese Professur wurde eigens für Hanslick errichtet, der 1886 schließlich auch zum Hofrat ernannt wurde.

Aufgrund seiner ironischen Kommentare erfreuten sich Hanslicks Rezensionen bei der Leserschaft einer großen Beliebtheit. In Wien verfasste er eine detaillierte und begeisterte Kritik von Richard Wagners Tannhäuser, den er bereits 1845 in Marienbad kennenlernen durfte. Er setzte sich sogar für die Aufstellung einer Büste Wagners in der 1869 eröffneten Hofoper ein. Trotz anfänglichem Lob wurde er später ein Kritiker Wagners, als auch von Anton Bruckner. Das Verhältnis zwischen Bruckner und Hanslick verschlechterte sich sogar zusehends, als Bruckners Antrag für eine Anstellung als "Lehrer der musikalischen Composition" an der Universität in Wien abgelehnt wurde. Vor allem Hanslick, der zusammen mit Rudolf von Eitelberger Gutachter war,[5] drückte seine Abneigung mit folgenden Worten aus: Man müßte dann ebenso gut Lehrer des Zeichnens und Malens, des Kupferstechens und Modellirens an der Universität anstellen.[6] Hiermit gab der Musikprofessor zu verstehen, dass die Universität ein Ort mit theoretischer Zielsetzung sei und nicht praktischer. In seinem Gutachten beanstandete er an Bruckner dementsprechend den Mangel an jeglicher wissenschaftlicher Vorbildung.[7]

Obwohl Hanslick 1895 in den Ruhestand ging, setzte er seine Tätigkeit als Kritiker fort. Seine bisher veröffentlichten Rezensionen und Aufsätze fasste er nun - oft in stark abgeänderter Fassung - in Sammelbänden zusammen. Er publizierte außerdem 1895 eine Schrift Theodor Billroths, mit dem er eng befreundet war. Billroth war zeitlebens auch begeisterter Musikliebhaber gewesen und verfasste ab 1888 eine Abhandlung zu den Interrelationen von Musik und menschlichem Organismus mit dem Titel Wer ist musikalisch?[8] Am 6. August 1904 verstarb Hanslick in Baden bei Wien.

Schaffen

Hanslick zählte zu den einflussreichsten und in den damaligen Zeitungen präsentesten Musikkritikern Wiens. Von Giuseppe Verdi wurde er wegen seinen Kritiken il Bismarck della critica musicale genannt.[9]Außerdem übte er als Mitglied von staatlichen Kommissionen großen Einfluss auf das Musikleben in Wien aus. Er förderte auf diese Weise Johannes Brahms und Antonín Dvořák. Ferner bekleidete er bei den Weltausstellungen in Paris (1867 und 1878) und in Wien (1873) das Amt eines Jurors in der musikalischen Abteilung.

Zu seinen Veröffentlichungen zählen insgesamt 17 Bücher, wovon jedoch nur zwei - Gallerie (Wien 1878) und Operncyclus (Wien 1889) - nicht aus früheren Zeitungsbeiträgen zusammengestellt wurden. Sein berühmtestes Buch war hingegen Vom Musikalisch-Schönen (Wien 1854), das sogar mehrmals aufgelegt wurde. Es handelt sich dabei um einen Entwurf für eine wissenschaftliche Behandlung der Ästhetik der Tonkunst. Gleichzeitig übte Hanslick bereits scharfe Kritik an Richard Wagner und an Franz Liszt aus. Die moderne Oper (Berlin 1875) zählte ebenfalls zu seinen erfolgreichsten Publikationen. Zwar sammelten sich in diesem Band mehrere, bereits veröffentlichte Zeitungsbeiträge, jedoch hatte Hanslick sie größtenteils revidiert. So zum Beispiel auch sein Urteil zu Verdi-Aufführungen vor 1848, das anfangs folgendermaßen gelautet hatte: [...] die beiden großen Opern Nabucco und Ernani [sind] das Geschmack- und Sinnloseste, was die neuere Opern-Literatur hevorgebracht hat, wurden mit den vorzüglichsten Kräften besetzt, mit der größten Sorgfalt einstudiert; zum Ernani allein sollen dreißig Proben gemacht worden sein ![10]

Schriften (Auswahl)

  • Geschichte des Concertwesens in Wien, 1869.
  • Aus dem Concertsaal. Geschichte des Concertswesens in Wien II, Wien 1870.
  • Die moderne Oper, Berlin 1875.
  • Musikalische Stationen, 1880.
  • Aus dem Opernleben der Gegenwart, 1884.
  • Suite, Wien 1884.
  • Concerte, Componisten und Virtuosen der letzten fünfzehn Jahre, Berlin 1886.
  • Musikalisches Skizzenbuch, 1888.
  • Musikalisches und Litterarisches, 1889.
  • Aus dem Opernleben, Berlin 1889.
  • Aus dem Tagebuch eines Musikers, 1892.
  • Aus meinem Leben, Wien 1894.
  • Fünf Jahre Musik, 1896.
  • Am Ende des Jahrhunderts, 1899.
  • Aus neuer und neuester Zeit, 1900.

Literatur

  • Abegg 1974 : Werner Abegg, Musikästhetik und Musikkritik bei Eduard Hanslick, Regensburg 1974.
  • Antonicek/Mühlberger 1996 : Theophil Antonicek/Kurt Mühlberger, Anton Bruckner. Lektor für Harmonielehre und Kontrapunkt an der Universität Wien, 1875-1896, Wien 1996.
  • Buckholdt 1966 : Rudolf Buckholdt, "Hanslick, Eduard", in: Neue deutsche Biographie, 7, Berlin 1966, S. 637-638.
  • Eder 2000 : Gabriele Johanna Eder, Eduard Hanslick und Guido Adler. Aspekte einer menschlichen und wissenschaftlichen Beziehung, Wien 2000.
  • Gärtner 2005 : Markus Gärtner, Eduard Hanslick versus Franz Liszt. Aspekte einer grundlegenden Kontroverse, Hildesheim 2005.
  • Glatt 1972 : Dorothea Glatt, Zur geschichtlichen Bedeutung der Musikaesthetik Eduard Hanslicks, München 1972.
  • Grimes 2013 : Nicole Grimes/Siobhán Donovan/Wolfgang Marx (Hg.), Rethinking Hanslick. Music, Formalism, and Expression, Rochester, NY 2013.
  • Jahn 2007 : Michael Jahn, Eduard Hanslick und die Wiener Hofoper, in: Michael Jahn (Hg.), Was denken sie von Wagner? Mit Eduard Hanslick in der Wiener Hofoper, Wien 2007, S. 285-293.
  • Maisel 2007 : Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.

Einzelnachweise

  1. Buckholdt 1966, S. 637.
  2. Jahn 2007, S. 285ff.
  3. Wiener Zeitung, 29. Januar 1848. [1]
  4. Buckholdt 1966, S. 637.
  5. UAW, Autographensammlung,151.25-3.
  6. Zitiert nach Antonicek/Mühlberger 1996, S. 13.
  7. Zitiert nach Antonicek/Mühlberger 1996, S. 5.
  8. Theodor Billroth,Wer ist musikalisch?, hg. v. Eduard Hanslick, Berlin 1895.
  9. Neue Freie Presse, 7. April 1904. [2] (zuletzt aufgerufen am 23.8.2014)
  10. Zitiert nach Jahn 2007, S. 287.

Weblinks

  • Artikel in der Neue Zürcher Zeitung, 7. August 2004: Bismarck und Beckmesser, Der Musikkritiker Eduard Hanslick aus heutiger Sicht: [7] (zuletzt aufgerufen am 23.8.2014)
  • Eintrag im Austria-Wiki: [8] (zuletzt aufgerufen am 23.8.2014)

Darstellungen


Cigdem Özel, Alice Hundsdorfer