Eduard Albert

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Eduard Albert um 1880, Lithographie von Jan Vilimek

Eduard Albert (*20.1.1841, Zamberk (Senftenberg), Böhmen; † in der Nacht vom 25. auf den 26.9.1900 ebenda) war Leiter der Chirurgischen Klinik in Wien, er war ein Vorkämpfer der Antiseptik und galt als hervorragender Lehrer und Diagnostiker. Ihm wurde im Arkadenhof der Universität Wien eine Gedenktafel gewidmet.

Leben

Eduard Albert, Die Frauen und das Studium der Medicin

Eduard Albert wurde als Sohn eines Uhrmachers in Senftenberg geboren und studierte bei Josef Hyrtl, Johann von Oppolzer, Carl von Rokitansky, Franz Schuh, Josef von Skoda und Salomon Stricker Medizin an der Universität Wien (Promotion 1867). Er wurde von Rokitansky und Skoda gefördert und 1869 Operateur und Assistent von Johann Heinrich Dumreicher an der Chirurgischen Klinik in Wien. Nach seiner Habilitation 1872 übernahm er 1873 als Ordinarius die chirurgische Lehrkanzel in Innsbruck. Von 1881 bis zu seinem Tod leitete er – gegen den ausdrücklichen Wunsch von Theodor Billroth - die Chirurgische Klinik in Wien. Die Ablehnung Billroths resultierte vorwiegend aus Gegnerschaft zu Alberts Lehrern Dumreicher und Stricker und aus dem von Albert und Stricker verfassten anti-billrothschen Wundfieberaufsatz von 1871.[1]

Eduard Albert galt als ausgezeichneter Professor und lehrte vor einem, für damalige Verhältnisse, enorm großen Auditorium von durchschnittlich 500 Hörern. Zu seinen berühmtesten Schülern zählten unter anderen der spätere Orthopäde Adolf Lorenz (Vater des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz), R. Frank, E. Ullmann, sowie der Begründer der Wiener Poliklinik Johann Schnitzler (Vater des Dichters Arthur Schnitzler).[2]

Seiner Zeit entsprechend war er absolut gegen des Medizinstudium von Frauen eingestellt und verfasste dazu eine entsprechende Abhandlung.[3]

Albert war Mitglied des österreichischen Herrenhauses sowie Mitglied der Böhmischen Akademie der Wissenschaften. Er übersetzte auch tschechische Gedichte ins Deutsche, so besonders solche seines Freundes Jaroslav Vrchlicky. Eduard Albert lebte im neunten Wiener Gemeindebezirk in der Frankgasse 2 sowie am Maximilianplatz 7 (heute Rooseveltplatz), jeweils in der Nähe des Allgemeinen Krankenhauses. 1901 wurde sein Leichnam von seinem Sterbeort nach Wien überführt und am Zentralfriedhof bestattet (Gruppe 14A, Grab Nr. 5). Sein Grabdenkmal wurde von Adalbert Eduard Saff geschaffen.

Schaffen

Eduard Albert, Grabmal am Wiener Zentralfriedhof von Adalbert Eduard Saff

Eduard Albert war ein glänzender Diagnostiker und ausgezeichneter Operateur. Seine Kenntnisse in Mathematik und darstellender Geometrie sowie sein räumliches Vorstellungsvermögen befähigten ihn, zahlreiche Fragen der Gelenkmechanik und Knochenarchitektur einer Lösung zuzuführen. Er, der in der Nachfolge Joseph Wattmanns und seines Lehrers Dumreicher Anatomie und Mechanik der Verrenkungen zu einem Hauptthema der I. Wiener chirurgischen Klinik machte,[4] war ein Pionier der Orthopädie und bereitete den Boden für seine Nachfolger, wie Adolf Lorenz und Hans Spitzy. Bei der Tuberkulose der Gelenke trat er gegenüber der damals herrschenden Lehrmeinung für ein konservatives Vorgehen ein. Er erfand die Methode der künstlichen Ankylosenbildung (Versteifung) an Schlottergelenken.

Später setzte er sich mit Gehirnerschütterungen und Gehirndruck auseinander und widerlegte die anerkannten Theorien Ernst Bergmanns durch Versuche und klinische Beobachtungen ebenso beschäftigte er sich intensiv mit der Lehre der Skoliose, die er in verschiedenen Studien, wie zum Beispiel Der Mechanismus der skoliotischen Wirbelsäule, behandelte.[5]

In Untersuchungen über pathologische Fragen lehnte er sich an seinen Lehrer Salomon Stricker an, so behandelte er in mehreren Abhandlungen die Frage des Fiebers, der tierischen Wärme und der Mechanik der menschlichen Gelenke in den Wiener medizinischen Jahrbüchern und den Berichten des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck.

Zum Unterschied von seinem konservativ eingestellten Mentor Dumreicher führte er das Lister´sche Karbolantiseptik-Verfahren 1875 in Innsbruck als ausschließliche Wundbehandlung ein, nachdem er sie bei Josef Lister in München selbst kennengelernt hatte. Er gilt als einer der Vorkämpfer der Antiseptik.

Sein vierbändiges „Lehrbuch der Chirurgie“ (1877-1880) baute als erstes auf den Grundlagen der Antisepsis auf. Bezeichnend war seine klare Sprache, wobei er in der Form der Darstellung seinem Lehrer Josef Hyrtl folgte - Albert wurde auch als der "Hyrtl der Chirurgie" bezeichnet.[6] Das Werk wurde mehrmals aufgelegt und auch ins Französische und Russische übersetzt.[7] Das Kapitel „Vorlesungen über chirurgische Diagnostik“ erschienen 1899 bereits in 8. Auflage.

Albert führte als erster unter den modernen Chirurgen eine Nerventransplantation (1876) und eine Schilddrüsenentfernung am Menschen erfolgreich durch. Schon 1880 schlug er in der Hoffnung auf bessere Dauerresultate die völlige Entfernung des Magens beim Karzinom vor, doch konnte er für die Durchführung dieses Vorschlages keinen geeigneten Patienten finden.

Schriften oder Werke

(in Auswahl)

  • Karl Ewald (Hg.), Diagnostik der Chirurgie in 20 Vorlesungen, Wien 1876.
  • Lehrbuch der Chirurgie und Operationslehre, 1877-1880.
  • Beiträge zur Geschichte der Chirurgie, Wien 1877.
  • Beiträge zur operativen Chirurgie, Wien 1878.
  • Die Frauen und das Studium der Medizin, Wien 1895. [1]
  • Beiträge zur Kenntnis der Osteomyelitis, Wien 1896 (gemeinsam mit Kolisko).
  • Diagnostik der chirurgischen Krankheiten, Wien 1896. (5. Auflage)
  • Zur Lehre von der Coxa vara und Coxa valga, Wien 1899.
  • Der Mechanismus der skoliotischen Wirbelsäule, Wien 1899.
  • Die seitlichen Kniegelenksverkrümmungen und die kompensatorischen Fußformen, Wien 1899.
  • Die Architektur der Tibia, in: Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 4, 1900, S. 161.
  • Darüber hinaus veröffentlichte Eduard Albert zahlreiche Artikel in diversen Wiener medizinischen Journalen.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 1, Wien 2004.
  • Lesky 1965: Erna Lesky, Die Wiener Medizinische Schule im 19. Jahrhundert, Graz/Köln 1965.
  • Medizinische Wochenschrift: Eduard Albert, in: Wiener Medizinische Wochenschrift, Nr. 40, 1900.
  • Pagel 1901: Julius Pagel (Hg.), Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts, Berlin/Wien 1901, Spalte 17-20. [2]
  • Schnitzler 1900: Julius Schnitzler, Eduard Albert`s wissenschaftliche Arbeiten, in: Wiener Medicinische Wochenschrift, Nr. 42, 1900, S. 1995-1998.
  • Schönbauer 1953: Leopold Schönbauer, Albert, Eduard, in: Neue Deutsche Biographie, 1953, S. 137-138 [Onlinefassung]; [3]

Einzelnachweise

  1. Lesky 1965, S.450.
  2. Czeike 2004, S.37.
  3. Die Frauen und das Studium der Medizin, Wien 1895
  4. Lesky 1965, S.450.
  5. Schnitzler 1900, S.1996.
  6. Lesky 1965, S.450.
  7. Pagel 1901, Spalte 18.

Darstellungen


Gabriele Böhm-Nevole, Angelina Illes, Leo Czernin