Edmund Hellmer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Edmund Hellmer in seinem Atelier, 1923, Quelle: Austria-Forum

Der Wiener Bildhauer Edmund Hellmer (*12. November 1850, † 9. März 1935), ab 1912 Ritter von Helmer, war ein einflussreicher Professor und Rektor an der Wiener Akademie der Bildenden Künste und Gründungsmitglied der Wiener Secession.

Leben

Edmund Hellmer wurde am 12. März 1850 in Wien geboren. Über seine frühe Kindheit und Schulzeit ist wenig bekannt. Dem Wunsch seines Vaters Johann Karl Hellmer entsprechend, studierte er zunächst Architektur am Polytechnikum, der heutigen Technischen Universität. [1] Ludwig Eisenberg berichtet, dass er an der Restaurierung der Kirche St. Jakob an der Laimgrube beteiligt war. [2] Da er schon bald das Interesse an der Architektur verlor, verließ er die Hochschule nach einem Jahr und wandte sich der Bildhauerei zu. [3] Ein Teil seiner Ausbildung verbrachte er bei seinem Onkel, dem Bildhauer Josef Schönfeld; ab 1866 besuchte als Schüler Franz Bauers die Wiener Akademie der bildenden Künste und arbeitete gleichzeitig im Atelier von Hans Gasser. Er erhielt noch während seiner Studienzeit einen Akademiepreis.

Im Jahr 1869 trat er erstmals mit einem Werk an die Öffentlichkeit; sein "Sterbender Achill" wurde auf der internationalen Kunstausstellung in München gezeigt. Für ein Relief zur Prometheussage wurde ihm ein zweijähriges Staatsstipendium gewährt, das ihm eine Studienreise nach Italien ermöglichte. [4] Bis 1872 blieb er in Rom und etablierte sich ihm Anschluss daran rasch als erfolgreicher Bildhauer in Wien. Mitte der 1870er Jahre unternahm er mehrere Reisen durch Deutschland und Frankreich. [5]

Ab 1879 wirkte er als supplierender Professor und Rektor der Wiener Akademie; von 1882 bis 1922 hatte er eine ordentliche Professur der allgemeinen Bildhauerschule inne und fungierte zwischen 1901 und 1920 abwechselnd als Rektor und Prorektor. Besonders wichtig war ihm eine solide handwerkliche Ausbildung seiner Schüler, die eine Vertrautheit mit den Materialien und den künstlerischen Techniken gewährte, was er auch in seinem 1900 erschienenen Buch "Lehrjahre in der Plastik" erläuterte. [6] Seine modernen Unterrichtsmethoden als Nachfolger Kaspar von Zumbuschs an der Meisterschule für Bildhauerei der Akademie waren prägend für die nächste Bildhauergeneration, darunter lassen sich bekannte Namen wie Richard Kauffungen oder Anton Hanak finden.[7]

Mit seiner Frau Louise (geb. Weiss) hatte er eine Tochter und zwei Söhne: Hans war Bildhauer und Musiker; Edmund von Hellmer (1873-1950), d. J., ein bekannter Jurist, bis 1938 Präsident des Wiener Landesgerichts, Schriftsteller und Journalist. Bekannt ist seine tiefe Freundschaft mit dem Komponisten Hugo Wolf. Nach dessen Tod im Jahr 1903 veranlasste er, in seiner Funktion als Vorsitzender des Hugo Wolf-Vereins, seinen Vater, Edmund von Helmer, das Grabdenkmal für Wolf zu gestalten.[8]

Der 85-jährige Bildhauer Edmund Hellmer verstarb am 9. März 1935 in Wien. Sein Schüler, Professor Josef Müllner, berichtete in einem kurzen Nachruf in der Neuen Freien Presse, dass er schon seit etwa einem Jahr leidend gewesen war und sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen konnte. [9] Er wurde am Perchtoldsdorfer Friedhof bestattet.

Schaffen

Edmund Hellmer schuf, neben seinem monumentalen Brunnen am Michaelertrakt der Hofburg, zahlreiche Denkmäler und Skulpturen für Ringstraßenbauten, wie das Kunsthistorische Museum, das Ringtheater (1881 abgebrannt), die Universität und das Rathaus. Besonders prestigeträchtig war der Auftrag zur Gestaltung des Giebelfelds des neuen Parlamentsgebäudes; das vielbeachtete Relief wurde zwar erst 1888 vollendet, der Sieg im Wettbewerb brachte ihm aber schon 1879 die Ernennung zum supplierenden Professor der Akademie der bildenden Künste. [10]

Hellmer beteiligte sich immer wieder erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben, sein Entwurf für ein Türkenbefreiungs-Denkmal erhielt beispielsweise 1883 den 1. Preis jener für ein Goethe-Denkmal 1890. Die Jury sprach ihm im folgenden Jahr auch den Sieg in der Konkurrenz um das Mozart-Denkmal zu; zur Ausführung gelangte jedoch nicht sein Denkmal sondern das von Viktor Tilgner entworfene - ein in der Öffentlichkeit vielbeachtetes und diskutiertes Ereignis. [11] Hellmer, der von Nicolaus Dumba gefördert wurde, stand in ständiger Auseinandersetzung mit Tilgner und dessen einflussreichem Fürsprecher Albert Ilg.

Im Gegensatz zu Tilgners neobarocken Denkmalentwürfen entwickelte Hellmer aus den klassizistischen Formen seiner frühen Schaffensjahre laut Cornelia Reiter "sehr innovative Denkmalskonzeptionen". [12] Das Türkenbefreiungs-Denkmal (1883) und der Monumentalbrunnen am Michaelerplatz (1887) sind noch klar im Historismus verwurzelt, während das Goethe-Denkmal, 1890 konzipiert, die Wende zu einer naturalistischen Darstellungsweise markiert und auf Allegorien oder Genredarstellungen im Sockeldekor verzichtet. Exemplarisch für die dem Wiener Secessions-Stil, seiner Ikonographie und Formensprache verpflichteten Skulpturen Hellmers können die Brunnenfigur der Quellnymphe Kastalia (1904) im Arkadenhof der Wiener Universität und das Strauß-Denkmal im Wiener Stadtpark (1906-1921) gelten. [13] Von einem streng tektonischen aufgebauten Denkmalkonzept (Kastalia), geht die Entwicklung Hellmers schließlich in die weichen, fließenden Formen des Jugendstils über (Strauß-Denkmal).

Hellmer war einer der wenigen Bildhauer unter den Künstlerhausmitgliedern, die 1897 als Gründungsmitglieder der Secession den Bruch mit der Tradition forderten. [14] Matthias Boeckl zählt Hellmer zu einem der wichtigsten Vermittler zwischen der Bildhauerei der Ringstraßenzeit und der Jugendstilplastik. Er habe schon 1890/91 die "Abkehr vom idealisierenden Historismus vollzogen und den Naturalismus in die Bildhauerei Österreichs eingeführt.[15]

Ehrungen und Mitgliedschaften

  • Mitglied des Kuratoriums des österreichischen Museums für Kunst und Wissenschaft
  • Mitglied des Wiener Dombauvereines
  • Gründungsmitglied der Wiener Secession
  • Ehrenmitglied der Akademie der Künstlergenossenschaft
  • Ernennung in den Ritterstand 1912
  • Verleihung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse
  • Verleihung des Franz-Josef-Ordens
  • Bürger der Stadt Wien 1921

Einzelnachweise

  1. Czeike 1994.
  2. Eisenberg 1893.
  3. ÖBL 1959.
  4. Thieme/Becker 1923.
  5. Planer 1929
  6. Hellmer 1900.
  7. Hellmer trat 1902 die Nachfolge Zumbuschs an. ÖBL 1959.
  8. Presse 1903, S. 8.
  9. Müllner 1935, S. 9.
  10. Eisenberg 1893, Kosel 1902.
  11. Vgl. Krasa-Florian 1995 u. Kuntner 2012.
  12. Reiter 2002a, S. 505-506.
  13. Reiter 2002b, S. 517.
  14. Matthias Boeckl nennt Artur Strasser, Othmar Schimkowitz und Wilhelm Hejda, der später Mitglied des Hagenbunds wurde. Boeckl 2002, S. 175.
  15. Boeckl 2002, S. 172-173.

Literatur

  • Boeckl 2002: Matthias Boeckl, Die Plastik, in: Wieland Schmid (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 6. 20. Jahrhundert, München 2002, S. 172-238.
  • Bösel/Krasa 1994: Richard Bösel/Selma Krasa (Hg.), Monumente. Wiener Denkmäler vom Klassizismus zur Secession (Kat. Ausst. Looshaus, Wien, 1994), Wien 1994.
  • Czeike 1993: Felix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 1993.
  • DBE 1996: Walter Killy/Rudolf Vierhaus (Hg.), Deutsche Biographische Enzyklopädie, 4, München u.a. 1996.
  • Degener 1909: Hermann Degener (Hg.), Wer ist's? Unsere Zeitgenossen, Leipzig 1909.
  • Eisenberg 1893: Ludwig Eisenberg, Das geistige Wien. Künstler-und Schrifftsteller-Lexikon, 1, Wien 1893.
  • DGD 1898: Das geistige Deutschland am Ende des XIX. Jahrhunderts. Enzyklopädie des deutschen Geisteslebens in biographischen Skizzen, 1. Die bildenden Künstler, Leipzig u.a. 1898.
  • Hecht 1904: Arthur Rudolf Hecht, Edmund Hellmer und seine Schule, in: Österreichs Illustrierte Zeitung, 28/1904, 10. April 1904 (XIII. Jahrgang), S. 590–593.
  • Hellmer 1900: Edmund Hellmer, Lehrjahre in der Plastik, 1, Wien 1900.
  • Kosel 1902: Cl. Kosel, Deutsch-österreichisches Künstler- und Schriftsteller-Lexikon, 1. Biographien und Bibliographie der Wiener Künstler und Schriftsteller, Wien 1902.
  • Krasa-Florian 1995: Selma Krasa-Florian, Albert Ilg und Viktor Tilgner. Zur Plastik des Neubarock in Wien, in: Friedrich Polleroß (Hg.), Fischer von Erlach und die Wiener Barocktradition, Wien 1995, S. 369-388.
  • Krause 1973: Walter Krause, Die Plastik der Wiener Ringstraße. Von der Spätromantik bis zur Wende um 1900, Renate Wagner-Rieger (Hg.), Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche, 9, Plastik 3, Wiesbaden 1973.
  • Kuntner 2012: Claudia Kuntner, Die Entstehung des Wiener Goethedenkmals an der Wiener Ringstraße. Der Entwurf Edmund Hellmers und seiner Konkurrenten, phil. Dipl. (ms.), Wien 2012.
  • Martinez 1894: A. Martinez, Wiener Ateliers. Biographisch-kritische Skizzen, 4, Wien 1894.
  • Müllner 1935: Josef Müllner: Edmund Hellmer gestorben, in: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 25321 S/1935, 10. März 1935, S. 9.
  • ÖBL 1959: Österreichisches Biographisches Lexikon. 1815-1950, 2, 1959.
  • Planer 1929: Franz Planer (Hg.), Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Gesellschaft, Wien 1929.
  • Presse 1903: Kleine Chronik. (…) Neues aus dem Atelier Hellmer.., in: Neue Freie Presse, Morgenblatt, Nr. 13943/1903, 21. Juni 1903, S. 8.
  • Reiter 2002a: Cornelia Reiter, Der Denkmalkult. Denkmäler als klassenspezifische Manifestationen politischer Gesinnung, in: Gerbert Frodl (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 5. Das 19. Jahrhundert, München u.a. 2002, S. 504-507.
  • Reiter 2002b: Cornelia Reiter, Skulptur und Wiener Secession. Kontinuität und Neubeginn im Zeichen der Internationalisierung, in: Gerbert Frodl (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 5. Das 19. Jahrhundert, München u.a. 2002, S. 516-519.
  • Thieme-Becker 1923: Ulrich Thieme/Felix Becker (Hg.), Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, 16, Leipzig 1923.

Weblinks

Werke

  • Der sterbende Achill (1869)
  • Gefesselte Andromeda (1870/71)
  • Allegorische Statuen der Austria und Hungaria (1873), Südportal der Industriehalle, Wiener Weltausstellung
  • Allegorische Statue der Austria (1875), Fassade des Wiener Justizpalastes
  • Die Malerei (1890/91), Figurengruppe, Kunsthistorisches Museum, Maria Theresien-Platz
  • Türkenbefreiungs-Denkmal (1894), Stephansdom, rechtes Querschiff unter dem Südturm , am 12. April 1945 großteils zerstört, Modell im Wiener Diözesanmuseum.
  • Mozart-Denkmal, Kapuzinerberg, Salzburg
  • Aufsatzgruppen an der Wiener Universität: Theologie und Philosophie (1877)
  • Denkmal für Emil Jakob Schindler (1895), Stadtpark
  • Goethe-Denkmal (1900), Opernring, Wien
  • Kaiser Franz Josef verleiht seinen Völkern die Verfassung (1888), Giebelrelief Mittelbau des Parlaments
  • Österreichs Herrschermacht zu Lande (1897), Monumentalbrunnen Michaelertrakt der Wiener Hofburg
  • Gedenktafel für Rudolf Chrobak, Arkadenhof der Universität Wien
  • Kastaliabrunnen (1901-1904), Arkadenhof der Universität Wien, 1910 aufgestellt
  • Johann-Strauß-Denkmal (1921), Stadtpark, Wien
  • Grabdenkmäler: Nicolaus Dumba (1901/02), Hans Makart (1889), Hugo Wolf (1904)


Julia Strobl