Denkmal Zdenko Hans Skraup

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Zdenko Hans Skraup
Lage des Denkmals, Nr. 64, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Detail Denkmal Zdenko Hans Skraup
Detail Denkmal Zdenko Hans Skraup

Das Denkmal für den Chemiker Zdenko Hans Skraup (1850-1910) wurde von der Künstlerin Ilse Twardowski-Conrat (1880-1942) geschaffen und im Jahre 1920 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal besteht aus einem Relief in Form einer hochrechteckigen Bronzetafel, in die zwei rechteckige Fenster eingelassen sind. Das untere schmale Fenster dient der Inschrift: "Zdenko Hans Skraup 1850-1910 Professor der Chemie 1906-1910". Die Buchstaben sind in Versalien modelliert. Das obere Fenster zeigt einen seitlichen Büstenausschnitt des Dargestellten im Dreiviertelprofil. Mit seiner linken Hand umfasst er locker die Spitze seines Kinnbarts; die rechte Hand verschwindet im Hintergrund des Bildes. Sein herausgearbeitetes Gesicht neigt sich leicht dem Betrachter zu. Die Haare sind kurz. Er trägt eine Jacke mit einem durchgehend verlaufenden Revers. Der Ellbogen ist stark modelliert und tritt aus dem Rahmen heraus. Rund um diese Stelle werden die Falten der Jacke besonders betont.

Notizen zur dargestellten Person

Zdenko Hans Skraup war ordentlicher Professor der Chemie an der Universität Wien von 1906-1910. Er übernahm den Lehrstuhl von Professor Adolf Lieben.

Entstehungsgeschichte

Im April 1912 bildete sich ein Komitee zur Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof für den 1910 verstorbenen Chemiker Zdenko Hans Skraup.[1] Durch eine Sammlung an Geldspenden bei seinen Schülern und Freunden wurden die erforderlichen Geldmittel aufgebracht und ein entsprechender Antrag an das Rektorat und den akademischen Senat gestellt. Das Professorenkollegium der philosophischen Fakultät beschloss in der Sitzung vom 5. Februar 1916 einstimmig der Errichtung eines Denkmals zuzustimmen. [2] Mit der Genehmigung durch den akademischen Senat für das Denkmalvorhaben wurde um die Vorlage eines Modells gebeten.[3] Daran anschließend wurde vom Skraup-Denkmal-Komitee ein Wettbewerb augeschrieben, bei dem mehr als 20 Entwürfe einlangten.[4] Das von Ilse Twardowska-Conrat eingereichte Relief wurde ausgewählt und dem akademischen Senat zur Begutachtung überstellt.[5] Das als Gipsmodell ausgeführte Relief wurde an die artistische Kommission weitergeleitet.[6] In der Folge wurde ein geeigneter Anbringungsort im Arkadenhof gesucht und um die Bewilligung zur Herstellung in Bronze (100 kg Bronze in Form von Altmetall bzw. Bronzespähne aus dem k.k. Arsenal) beim zuständigen Ministerium angesucht.[7] Für die Aufstellung des Denkmals sollte der erste (vom Haupteingang) freistehende Pfeiler des Arkadenhofs und die der Universitätsbibliothek zugewandte Seite gewählt werden, da dieser Platz der gewünschten Beleuchtung entsprechen würde. Am Pfeiler dahinter befand sich das Denkmal für Hugo Weidel.[8] Nach Begutachtung des Modellentwurfs durch die artistische Kommission wurde der Entwurf zurückgewiesen, da das geplante Denkmal aufgrund seiner Maße als zu groß empfunden wurde und einer Anbringung an der Pfeilerinnenseite nicht entgegenkam. Die artistische Kommission ersuchte daher um Vorlage eines neuen Modells, dessen Maße 50cm in der Breite nicht übersteigen sollten. Dieses sollte sich auf den Kopf beschränken und ließe keine Darstellung von Arm und Hand zu.[9] In einem weiteren Schreiben wird der Hinweis gegeben, dass die artist. Kommission den Entwurf nicht nur aufgrund der größeren Maße, sondern auch aufgrund des "geringen künstlerischen Werts" ablehnte, dies aber aus Rücksicht auf die Künstlerin nicht direkt ansprechen wollte.[10] Das Denkmal-Komitee beschließt trotz Ablehnung durch die artistische Kommission den Entwurf der Künstlerin als positiv zu betrachten und an diesem Modell festzuhalten. Unterstützend wurden zwei Gutachten der Kunsthistoriker Prof. Strzygwoski und Prof. Dvorak eingeholt, die das geplante Denkmal als positiv betrachteten.[11] Daraufhin beschließt die artistische Kommission das geplante Relief so zu belassen, es aber nicht an dem geplanten Pfeiler anzubringen, sondern für einen anderen von dem Komitee zu wählenden Platz vorzusehen.[12] Als neuerlichen Anbringungsort des Reliefs wählte das Skraup-Denkmal-Komitee die Pfeilerfläche rechts des Reliefs für Julius Glaser.[13] Dieser Vorschlag wurde von der artistischen Kommission abgelehnt und jener Pfeiler an der Bibliothekswand in der westlichen Ecke gegenüber des Reliefs für Leopold Dittel bestimmt.[14] Das Komitee sah sich damit einverstanden und wollte die Anfertigung in Bronze veranlassen. Aufgrund von Mangel an Bronze würde das Komitee auch eine Herstellung in Marmor in Betracht ziehen und ersuchte um Bewilligung seitens des Senats.[15] Diesem Vorschlag wurde von der artistischen Kommission in der Sitzung vom 14. Februar 1919 zugestimmt und eine Ausführung in Marmor bewilligt.[16] Das Denkmal wurde dann aber doch in Bronze ausgeführt und im Juni 1920 um eine feierliche Enthüllung angesucht.[17] Die Feier zur Enthüllung des Denkmals für Zdenko Hans Skraup fand am Sonntag, 05. Dezember 1920, 11 Uhr statt.[18]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Denkmal Friedrich Becke
Denkmal Franz Serafin Exner
Charles van der Stappen, Relief, Bronze. Privatbesitz
Denkmal Zdenko Hans Skraup im Chemischen Instiut Wien, Boltzmanngasse

Zum kunsthistorischen Vergleich bietet sich das Denkmal Friedrich Becke an, das vom Bildhauer André Roder geschaffen wurde. Im Arkadenhof der Universität Wien weisen diese beiden Reliefs eine ähnliche Denkergeste auf. Während bei Zdenko Hans Skraup der Gestus wie ein zurückhaltende Handlung erscheint, wirkt die frontale Gebärde bei Friedrich Becke viel offensiver. Das Denkmal Franz Serafin Exner bietet sich im Aufbau ebenfalls zum Vergleich an; die im Profil dargestellte Person ist jedoch weniger plastisch modelliert.

Von Ilse Twardowski-Conrat ist ein gesichertes Relief ihres Lehrers Charles van der Stappen erhalten, das in der Flächenbearbeitung und Modellierung eine stilistische Ähnlichkeit aufweist.

Im Chemischen Institut Wien in der Boltzmanngasse befindet sich eine weitere Relieftafel mti dem Porträt Zdenko Hans Skraups. Dieses Relief dürfte aus bronziertem Gips bestehen und weist eine sehr ähnliche formale Gestaltung und Darstellung des Chemikers auf.

Ereignisse nach der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof sind keine Ereignisse bekannt.

Rezeption in der Presse

Die Enthüllungsfeierlichkeiten sind Gegenstand eines kurzen Berichts in der Wiener Zeitung vom 6. Dezember 1920. Wiener Zeitung (Abendpost), vom 06. Dezember 1920, S. 4 online via http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=wrz&datum=19201206&seite=4&zoom=33

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 96.4 Schreiben an den akademischen Senat, vom 18.01.1916
  2. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Dekans der philosoph. Fakultät an den Akad. Senat, vom 08.02.1916.
  3. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Rektors an k.k. Univ.-Prof. Dr. R. Wegscheider, Vorsitzender des Skraup-Denkmal-Komitees, vom 21.02.1916.
  4. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Skraup-Denkmal-Komitees an die artistische Kommission, vom 02.05.1917.
  5. UAW Senat S 96.4 Schreiben an den akad. Senat, vom 14. Juli 1916.
  6. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Rektors an die artistische Kommission, vom 17.07.1916.
  7. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Skraup-Denkmal-Komitees an das k.k. Handelsministerium, vom 27.10.1916.
  8. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Skraup-Denkmal-Komitees an den akademischen Senat, vom 10.11.1916.
  9. UAW Senat S 96.4 Schreiben der artistischen Kommission an den Vorsitzenden des Skraup-Denkmal-Komitees Prof. Dr. Rudolf Wegscheider, vom 23.11.1916.
  10. UAW Senat S 96.4 Schreiben HR Prof. Dr. Friedrich Freiherr von Wieser in der Frage des Skraup-Denkmals, ohne Datum.
  11. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Rektors an die artist. Kommission, vom 04.05.1917.
  12. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Rektors an das Skraup-Denkmal-Komitee, vom 25.06.1917
  13. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Skraup-Denkmal-Komitees an den akademischen Senat, vom 06.04.1918.
  14. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Rektors an das Skraup-Denkmal-Komitee, vom 28.06.1918.
  15. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Skraup-Denkmal-Komitees an den akademischen Senat, vom 26.10.1918
  16. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Rektors an das Skraup-Denkmal-Komitee, vom 21.02.1918
  17. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Skraup-Denkmal-Komitees an den akademischen Senat, vom 08.06.1920.
  18. UAW Senat S 96.4 Schreiben des Dekans der philosophischen Fakultät an das Rektorat der Universität Wien, vom 20.11.1920

Quellen

UAW Senat S 96.4: Errichtung eines Denkmals für Prof. Dr. Zdenko Hans Skraup, Studienjahr 1915/16

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S.10 + 63.
  • Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth,Wien,Basel 1934.
  • Sylvia Mraz, Die Bildhauerin Ilse Twardowski-Conrat. Studien zu Leben und Werk,phil. Dipl.(ms.), Wien 2003.



Evelyn Haspl, Andrea Mayr