Denkmal Wilhelm von Hartel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Wilhelm von Hartel
Lage des Denkmals, Nr. 86, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Lateinische Inschrift am Denkmal Wilhelm von Hartel.
Signatur.

Das Denkmal für den klassischen Philologen Wilhelm von Hartel (1839-1907) wurde von dem Bildhauer Heinrich Karl Scholz (1880-1937) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 9. Juni 1912 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Professor Wilhelm von Hartel befindet sich in der hinteren rechten Ecke des Arkadenhofes. In der Katalogisierung Thomas Maisels wird die mehrteilig aufgebaute Relieftafel durch die Nummer 86 gekennzeichnet. Die Signatur des Künstlers Heinrich Karl Scholz "H. SCHOLZ.12." ist an der rechten Schmalseite des Denkmals in den Stein eingelassen. Als Material für das auszuführende Relief wurde Kalkstein aus Euville in Frankreich verwendet; die Stufen sowie der Sockel wurden aus Untersberger Marmor gestaltet. Das Reliefdenkmal hat eine Breite von knapp 190 cm und eine Tiefe von 35 cm. Insgesamt misst es ein Höhe von knapp vier Metern.[1]

Am unteren Ansatz der Relieftafel wird durch zwei Stufen, die von vorne nach hinten zurücktreten, ein Sockel suggeriert. Auf diesem Sockel befindet sich eine lateinische Inschrift, die den Namen und die Lebensdaten Hartels preisgibt sowie eine sechszeilige Beschreibung, in der seine maßgeblichen Leistungen angeführt werden. Über die gesamte Breite der darüber liegenden Tafel erstreckt sich ein großes Relief, das Wilhelm von Hartel auf einem Stuhl sitzend vor seinem Schreibtisch zeigt. Während sich der Tisch mit den darauf platzierten Büchern von der Platte nur geringfügig abhebt, tritt Hartel, dessen linke Körperseite stärker herausgearbeitet ist, stärker hervor. Scholz suggeriert damit eine Räumlichkeit, die den Porträtierten stärker in den realen Raum des Betrachters integriert.

Die Haltung des Professors fällt leger aus: sein rechtes Bein ist gegenüber dem linken zurückgestellt; der rechte Arm ruht locker auf der Schreibtischkante. Dieses Gesamtbild einer entspannten Körperhaltung wird besonders durch den linken Arm hervorgehoben, der ungezwungen über die Lehne des Stuhls gehängt ist. Hartel ist mit einem Wams und einem Mantel bekleidet. Die rund gefasste Brille sowie der grob modellierte Vollbart unterstreichen seinen Status als Gelehrten. Sein leicht nach oben gerichteter Blick zielt in die Ferne; ein Kontakt mit dem Betrachter wird nicht hergestellt.

Die Darstellung zeichnet sich durch einen hohen Grad an Naturalismus aus, der besonders in der Ausarbeitung der Kopfhaut und der Hände, deren einzelne Adern und Falten sehr fein herausgearbeitet sind, zum Vorschein kommt. Der Vollbart ist dagegen nur grob wiedergegeben. Von einer sehr lebensnah angestrebten Wiedergabe der Person zeugt auch die Behandlung des Marmors bei der Kleidung des Dargestellten. Nicht nur werden bei der Darstellung der Hose sämtliche, durch die Sitzhaltung hervorgerufene Falten präzise herausgearbeitet; auch das Wams ist so modelliert, dass die Falten, die durch jene sitzende Haltung hervorgerufen werden, nachgebildet sind. Im Gegensatz dazu, fällt die etwas unrealistische Wiedergabe der Körperproportionen auf. Während nämlich der Kopf mit seinen großen Ausmaßen stark hervorzutreten scheint und ebenso der beleibte Oberkörper übergroß dargestellt ist, werden die Beine des Professors unverhältnismäßig kurz gestaltet. Bei einer solchen Unstimmigkeit muss es sich allerdings nicht um einen Fehler des Künstlers handeln, es kann sich dabei auch um eine absichtlich gewählte Perspektive handeln. Dabei werden spezifische Partien, wie etwa der Kopf, in leichter Übergröße wiedergegeben, um die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche, nämlich Hartels Funktion als Denker zu lenken.

Die lateinische Inschrift auf der Tafel ist mehrteilig aufgebaut. Zunächst wird die latinisierte Form seines Namens inklusive seiner Lebensdaten genannt: "Guilelmus Ritter von Hartel, geboren 28. Mai 1839, gestorben 14. Jänner 1907." Daran schließt die Nennung seiner Funktionen an: "Professor der klassischen Sprachen an dieser Universität 1969 - 1896. Direktor 1901. Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften Wien. Minister von 1900 - 1905." Im Anschluss folgt eine Ehrung, die sagt: "In der guten Lehre war er ein talentierter und unübertrefflicher Mann. Vortrefflich führte er alle Ehrenämter aus."

Notizen zur Dargestellten Person

Wilhelm von Hartel war Professor für klassische Philologie, Unterrichtsminister von Wien, sowie Direktor der Wiener Hofbibliothek.

Entstehungsgeschichte

In einem undatierten Schreiben wird erwähnt, dass ein Komitee von Professoren der philosophischen Fakultät um die Errichtung eines Denkmals für Professor Hartel vor Ablauf der posthumen Frist von 5 Jahren ersuchen. Aus dieser Quelle lässt sich herauslesen, dass der Antrag für eine verfrühte Ehrung Hartels mit seiner mehrfachen Funktion als Universitätsprofessor und Unterrichtsminister begründet wird. Dem Wunsch des Komitees nach, sollte die 50. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner im September 1909 mit einer angemessenen Feier anlässlich der Denkmalserrichtung verbunden werden. [2]

In einem Schreiben vom 22.5.1909 lehnt der Rektor der Universität jenes Ansuchen einiger Professoren nach einer Errichtung des Denkmals vor Ablauf der Frist von 5 Jahren ab dem Tod des Professors ab.[3] Am 25. Juni 1909 wendet sich das Komitee an den Senat um eine frühzeitige Zusage für die Errichtung des Hartel Denkmals zu bekommen. Es wird ein Ehrenmal geplant, das Hartel in seiner mehrfachen Funktion würdigt. Gleichzeitig sollte das Monument als Gegenstück zum Denkmal Leopold Hasner von Artha von Kaspar Clemens Eduard Zumbusch an der gegenüberliegenden Wand dienen.[4] Aus einem Schreiben des Rektors an die Artistische Kommission vom 26. Juni 1909 geht hervor, dass erneut um eine Denkmalserrichtung innerhalb der verlangten Frist von 5 Jahren nach dem Tod Hartels gebeten wird.[5]

Am 26. Juli 1909 erteilt der Senat die Genehmigung an das Komitee zur Errichtung und Aufstellung des Denkmals am vorgeschlagenen Aufstellungsort.[6] Drei Jahre später teilt der Rektor der Universität mit, dass das Denkmal für Hartel bis auf die Hinschrift fertig gestellt ist. [7] Am 14. März desselben Jahres konnte das Denkmal für Prof. Hartel im Atelier Scholz bereits besichtigt werden.[8]

Nach einer Überprüfung der Artistischen Kommission genehmigt der Rektor, am 22 März 1912, die geplante Form des Denkmals. Es wird allerdings der Vorschlag eingebracht, die freie Fläche links vom Kopf des Dargestellten für einen Spruch oder eine Devise zu nutzen. Die Inschrift sollte dabei in deutscher Sprache verfasst werden. [9]

Am 10. Mai 1912 genehmigt der Rektor die Gestaltung einer Inschrift in lateinischer Sprache, da dies, nach Aussagen von Angehörigen des Verstorbenen, ganz in seinem Sinne gewesen wäre.[10] Lateinische Inschriften wurde nur vereinzelt erlaubt; etwa bei dem Denkmälern Ingen-Housz, Brauns, Dittels und Seegens.[11]

Die Feier anlässlich der Aufstellung des Denkmals für Hartel fand am Sonntag, den 9. Juni 1912, im Festsaal der Universität Wien statt.[12]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Antonello da Messina, Hieronymus im Gehäuse, 1455 - 1460.

Die ausgewählte Darstellung eines Gelehrten bei der Arbeit erinnert an die klassische Darstellung des "Hieronymus im Gehäuse". Bei Antonello da Messina wird dieser zurückgezogen in seiner Gelehrtenstube gezeigt.

Die feste, gedrungene Statur des Professors, sein ründliches Gesicht, der markante Bart und die kleinen runden Brillengläser werden sehr realistisch in die Reliefdarstellung übertragen. In dem Scholz eine so wirklichkeitsnahe Wiedergabe der Physiognomie des Professors gibt und ihn kaum idealisiert, löst er damit die Grundidee ein, nach der ein Porträt vor allem eine Identifikationsleistung zu erbringen hat.

In der Analyse des Denkmals muss ferner Rücksicht auf das Ansuchen genommen werden, nach dem das Denkmal Hartels dezidiert dem Denkmal Leopold Hasner von Artha gegenüberstehen sollte.[13] Dadurch wird gleichzeitig eine relationale Verbindung zwischen den beiden Werken geschaffen und eine Verknüpfung des rechten Arkadengangs mit dem linken gestiftet. In dem die Darstellungsform einer großformatigen Relieftafel nun auch für Hartel gewählt wird, ist damit innerhalb des Arkadenhofes ein Denkmalstypus vertreten, der so nur bei jenen beiden Professoren auftritt und damit eine Sonderform darstellt. Gleich dem Denkmal für Hasner ist die Wiedergabe des Professors in sitzender Haltung sowie das starke plastische herausragen des Porträtierten, so dass die Darstellung bereits über ein einfaches Relief hinauszugehen scheint und im Übergang zur Skulptur steht. Im Gegensatz zu Hasner aber, der den Kontakt mit dem Betrachter durch die ihm zugewandten Augen aufbaut, blickt Hartel in die Ferne. Außerdem ist er wesentlich stärker im Bildraum verankert, da er durch den beigegebenen Tisch hinterfangen wird und damit weniger in den Betrachterraum greift. Demgegenüber richtet sich Hasner in seiner Körperhaltung mehr nach außen. Innerhalb des Reliefgrundes sind, im Gegensatz zu der Relieftafel für Hartel, keine Möbel beigegeben, wodurch innerhalb des Reliefs kein illusionistischer Raum suggeriert wird.

Der oben erwähnte Vorschlag der Artistischen Kommission, die freie Fläche neben dem Kopf Hartels für eine Inschrift zu nutzen, ist ebenfalls entscheidend[14]: es lässt sich vermuten, dass man sich dabei an der Gestaltung des Denkmals für Hasner orientierte. Dennoch fand diese Empfehlung, vermutlich aus ästhetischen Gründen, keine Umsetzung. Ein auffallender Kontrast zwischen den beiden Denkmälern besteht schließlich im Dekor der Relieftafel, welcher beim Denkmal Hasners durch eine Konsole mit Putti sowie einem oberen Abschluss mit einer Giebelform realisiert wird. Auch die goldene Schrift trägt zu der zierhaften Wirkung bei. Die Relieftafel befindet sich allerdings direkt auf dem Boden und fällt allein durch die Größe wesentlich monumentaler aus.

Quellen

  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Komitees zur Errichtung eines Hartel-Denkmals.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an k.k. Univ. Prof. Hans von Arnim, vom 22.5.1909.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Komitees zur Errichtung eines Hartel-Denkmals an den Senat, vom 25.6. 1909.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an die Artistische Komission, vom 26.7. 1909.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Prof. Böhm, Ritter von Bawerk, vom 26. 7. 1909.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an die artistische Komission des akademischen Senats, vom 7.2.1912.
  • UAW, Senat S 94.2, Einladung zur Besichtigung des Hartel-Denkmals durch den Obmann der artistischen Komission, undatiert.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Böhm, Ritter von Bawerk, vom 22.3.1912.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Böhm, Ritter von Bawerk (Vorsitzender des Wilhelm Hartel-Denkmal-Komitees), vom 10.5.1912.
  • UAW, Senat S 94.2, Rundschreiben an die MItglieder des akademischen Senants, vom 7.5.1912.
  • UAW, Senat S 94.2, Einladung zur Feier der Aufstellung des Denkmals
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an die Pedellenkanzlei, vom 5.6. 1912.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Komitees zur Errichtung eines Hartel-Denkmals an den Senat, vom 25.6. 1909.
  • UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Böhm, Ritter von Bawerk, vom 22.3.1912.
  • UAW, Senat S 94.2, Ausschnitt aus der Wiener Zeitung vom 16.12.1910.

Rezeption in der Presse

In der Wiener Zeitung vom 16.12.1910 findet die Bildung eines Komitees zur Errichtung eines Denkmals für Dr. Ritter von Hartel in der Universität Wien Erwähnung. Dieses besteht aus hochgradigen Vizepräsidenten der Wiener Akademie der Wissenschaften: Prof. Dr. Ritter von Böhm-Bawerk, Universitätsprofessor Hofrat Dr. Exner und Universitätsprofessor Hauler. Ferner wird berichtet, das Ministerium für "Kultus und Unterricht" habe bereits einen Beitrag zu den anfallenden Kosten gestiftet. Erwähnt wird zudem, dass der Denkmalsentwurf des Bildhauers Heinrich Scholz für die Ausführung bestimmt wurde.[15]

In der Wiener Zeitung wird am Tag nach der Enthüllung des Hartel-Denkmals (10.6.1912) eine längere Notiz über den Ablauf der Feierlichkeiten und die abgehaltenen Festreden des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften und des Ministers für "Kultus und Unterricht" verfasst.[16]

Literatur

  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934, S. 104.
  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, 3, Wien 2004, S. 63.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 74.

Einzelnachweise

  1. Frankfurter 1912, S. 8.
  2. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Komitees zur Errichtung eines Hartel-Denkmals.
  3. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an k.k. Univ. Prof. Hans von Arnim, vom 22.5.1909.
  4. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Komitees zur Errichtung eines Hartel-Denkmals an den Senat, vom 25.6. 1909.
  5. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an die Artistische Kommission, vom 26.7. 1909.
  6. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Prof. Böhm, Ritter von Bawerk, vom 26. 7. 1909.
  7. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an die artistische Komission des akademischen Senats, vom 7.2.1912.
  8. UAW, Senat S 94.2, Einladung zur Besichtigung des Hartel-Denkmals durch den Obmann der artistischen Komission, undatiert.
  9. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Böhm, Ritter von Bawerk, vom 22.3.1912.
  10. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Böhm, Ritter von Bawerk (Vorsitzender des Wilhelm Hartel-Denkmal-Komitees), vom 10.5.1912.
  11. UAW, Senat S 94.2, Rundschreiben an die MItglieder des akademischen Senants, vom 7.5.1912.
  12. UAW, Senat S 94.2, Einladung zur Feier der Aufstellung des Denkmals
  13. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Komitees zur Errichtung eines Hartel-Denkmals an den Senat, vom 25.6. 1909.
  14. UAW, Senat S 94.2, Schreiben des Rektors an Böhm, Ritter von Bawerk, vom 22.3.1912.
  15. UAW, Senat S 94.2, Ausschnitt aus der Wiener Zeitung vom 16.12.1910.
  16. Wiener Zeitung, 10. Juni 1912, S. 8 - 9.

Caroline Mang, Valeska Wittig