Denkmal Wilhelm Emil Wahlberg

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal für Wilhelm Emil Wahlberg im Arkadenhof.
Lage des Denkmals, Nr. 9, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.[1]

Das Denkmal des Juristen Wilhelm Emil Wahlberg (1824-1901) wurde von der Bildhauerin Melanie Horsetzky von Hornthal (1852-1931) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und 1908 enthüllt.

Beschreibung

Die Büste des Juristen wurde auf einem querrechteckigen Postament errichtet, welches in seiner Form an einen Pfeiler erinnert. Dieser Pfeiler wird im unteren Bereich durch einen Sockel sowie drei zurückspringende Elemente begrenzt, welche mit einer Säulenbasis zu vergleichen sind. Im oberen Bereich bilden mehrere Vor- und Rücksprünge, welche wiederum an ein Kapitel erinnern, den Abschluss. Auf dem Pfeilerschaft befindet sich in großen Lettern die goldene Inschrift: Wilhelm Emil Wahlberg 1824–1901 Professor des Strafrechts 1854–1888. Die Juristenbüste wurde bis zum mittleren Brustbereich wiedergegeben, wobei die Oberarme nur ungefähr zu einem Drittel plastisch ausgeführt wurden. Dadurch verjüngt sich die Büste nach unten hin und nimmt in seinen Umrissen die Form eines Pentagons an. Die Künstlerin hat sowohl die Kleidung als auch den Kopf sehr detailiert und realistisch dargestellt. Der Stein ist sehr glatt und ohne optische Bruchflächen in seinem Erscheinungsbild. Während sich der Oberkörper Wahlbergs frontal zum Betrachter richtet, ist sein Kopf leicht ins rechte Profil gedreht. Sein Blick wirkt dabei scharfsinnig und entschlossen. Die Details wie Augen, Nase, Falten oder Bart sind zwar sehr geglättet wiedergegeben, jedoch ist es Horsetzky trotzdem gelungen, ein sehr authentisches Bild zu entwerfen.

Notizen zur dargestellten Person

Wilhelm Emil Wahlberg habilitierte an der Universität Wien, wo er später auch außerordentlicher und ordentlicher Professor wurde, für das Fach Strafrecht. Er war Verfasser vieler Aufsätze zu den Themengebieten des Strafrechts, des Strafprozesses und des Strafvollzugs. Er wurde außerdem mehrfach in den Staatsgerichtshof gewählt und beteiligte sich maßgeblich an der Reform des österreichischen Strafgesetzbuches.[2] Zu erwähnen sei hier noch, dass Prof. Wahlberg einer der Ersten war, welche die deutsche Strachwissenschaft in Verbindung mit den Sozialwissenschaften brachte.[3]

Entstehungsgeschichte

Aufgrund eines Antrages des Professorenkollegiums der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät am 9.3.1906, wurde die Errichtung einer Porträtbüste Wahlbergs im Arkadenhof der Universität Wien beschlossen.[4] Die künstlerische Ausführung wurde an Melanie Horsetzky von Hornthal übertragen und die Widmung und somit die Bezahlung von Büste und Sockel von Wahlbergs Tochter Elsa von Habermann übernommen.[5] Als Aufstellungsort hat man die Ecke an der entgegengesetzten Seite des Glaser-Denkmales und gegenüber dem Monument Lorenz von Steins im Juristentrakt bestimmt.[6] Nachdem das Gipsmodell vollendet war, kam es zu einer Probeaufstellung. Bei dieser fassten die Komissionsmitglieder einstimmig den Entschluss, dass die Büste in sehr großen Dimensionen gehalten war und die Schultern zu breit seien. Horsetzky von Hornthal wurde darum gebeten, diese Kritik in der endgültigen Ausführung zu berücksichtigen.[7] Am 13. Juni 1907 wurde das Denkmal fertiggestellt. Die feierliche Enthüllung des Denkmals fand im Festsaal der Universität Wien statt und wurde mit jener Maagens/Maaszens zusammengelegt. Als Grund für diese Verbindung diente die Freundschaft, welche die beiden Wissenschaftler während ihrer Lebzeiten verband. Es war vorgesehen, dass die Gedenkrede von Heinrich Lammasch gehalten werden sollte,[8] wobei Hofrat Wahlberg darum gebeten hatte, die Festrede selbst halten zu dürfen und diesem Wunsch entgegengekommen wurde. Da die Familie schlussendlich aufgrund einer Abreise im Sommersemster 1907 verhindert war, wurde die Enthüllung auf das Wintersemester 1907/08 verschoben.[9]

Melanie Horsetzky von Hornthal, Büste Wilhelm Emil Wahlberg, Marmor, Arkadenhof der Universität Wien.
Melanie Horsetzky von Hornthal, Porträtbüste Heinrich Siegel (1830-1899), Arkadenhof der Universität Wien.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Melanie Horsetzky von Hornthal fertige für den universitären Arkadenhof nicht nur die Büste des Wilhelm Emil Wahlberg, sondern auch jene des Heinrich Siegel, so dass sich ein Vergleich dieser beiden anbietet. Die Büste Siegels entstand gut zwölf Jahre vor jener Wahlbergs, wobei sich einige stilistische Unterschiede erkennen lassen. Die Oberfläche bei der älteren Skulptur wirkt viel scharfkantiger und der rohe Stein scheint nicht so stark verschleiert wie es später der Fall ist. Das Gesicht Wahlbergs ist in seinen Konturen, Zügen und Details viel weicher und im Gesamterscheinungsbild harmonischer ausgeführt. Den beiden Büsten dient als Gemeinsamkeit die Grundform des Pentagons. In beiden Fällen wurden die Büsten signiert, jene Wahlbergs im Bereich des linken Schulterabbruchs und die Büste Siegels im Bereich des rechten. Die Signaturen bestehen jeweils aus dem Nachnamen – wobei die Künstlerin hier die Kurzform Horsetzkys verwendet – und der Jahreszahl. Bei dem früheren Werk wurde außerdem unter dem Anfangsbuchstaben des Namens noch ein geschwungenes "M" eingraviert, das für den Vornamen der Künstlerin Melanie steht.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Zu Ereignissen nach der Aufstellung im Arkadenhof ist nichts bekannt.

Rezeption in der Presse

Bereits im Vorjahr der feierlichen Enthüllung wurde in mehreren Zeitungen über die Errichtung des Denkmals für Wahlberg berichtet. Auch die Enthüllung fand in zahlreichen Blättern Erwähnung. So zum Beispiel im Vaterland, dem neuen Wiener Tagblatt, dem Neuen Wiener Journal, der Österreichischen Volkszeitung oder der Zeit. Die Züge des Dargestellten werden mehrfach als „sprechend ähnlich“ bezeichnet.[10]

  • Deutsches Wiener Extrablatt, 30.8.1906.
  • Die Zeit, 30.8.1906.
  • Fremdenblatt, 30.8.1906.
  • Neues Wiener Tagblatt, 30.8.1906.
  • Vaterland, 30.8.1906.
  • Wiener Deutsches Tagblatt, 30.8.1906.
  • Deutsches Wiener Extrablatt, 6.8.1907.
  • Die Zeit, 6.8.2907.
  • Neues Wiener Tagblatt, 6.8.1907.
  • Österreichische Volkszeitung, 7.8.1907.
  • Neues Wiener Journal, 7.8.1907.
  • Vaterland, 7.8.1907.
  • Wiener Deutsches Tagblatt, 7.8.1907.

Quellen

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S.10,33–34.
  • UAW, Senat 87.3.24, 8.2.1906. Erster Antrag zur Errichtung des Denkmals für Wahlberg durch seine Tochter.
  • UAW, Senat 87.3.24, 13.3.1906. Brief des Rektors an Elsa von Habermann.
  • UAW, Senat 87.3.24, 7.6.1906. Brief des Rektors über die Genehmigung der Errichtung des Wahlberg Denkmals nach dem das Gipsmodell und die Skizze des Sockels fertiggestellt war.
  • UAW, Senat 87.3.24, 10.6.1906. Brief der Artistischen Kommission der Universität Wien an Melanie Horsetzky von Hornthal betreffend das Gipsmodell für das Denkmal.
  • UAW, Senat 87.3.24, 14.6.1907. Brief des Rektors an die Künstlerin.

Literatur

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S.10,33–34.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 10.
  2. Maisel 2007, S. 33–34.
  3. UAW, Senat 87.3.24, 8.2.1906.
  4. UAW, Senat 87.3.24, 7.6.1906.
  5. UAW, Senat 87.3.24, 13.3.1906.
  6. UAW, Senat 87.3.24, 14.6.1907.
  7. UAW Wien, Senat 87.3.24, 10.6.1906.
  8. UAW, Senat 87.3.24, 14.6.1907.
  9. UAW, Senat 87.3.24.
  10. UAW, Senat 87.3.24.

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Sarah Geschwandtner, Kristina Kogler, Barbara Wessely