Denkmal Wilhelm Dantine

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Josef Zenzmaier, Denkmal Wilhelm Dantine, 2001, Bronze und Marmor, Arkadenhof der Universität Wien
Lage des Denkmals, Nr. 27, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal des evangelischen Theologen Wilhelm Dantine (1911-1981) wurde von dem Bildhauer Josef Zenzmaier (*1933) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 29. Oktober 2001 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal, das dem Typus einer Büste entspricht, besteht aus zwei Teilen: Der untere Teil, ein Sockel mit quadratischem Grundriss, ist aus weißem Marmor gefertigt und trägt auf seiner Vorderseite die Inschrift "WILHELM DANTINE 1911–1981 PROF. FÜR SYSTEMATISCHE THEOLOGIE 1965–1981". Dieser etwa 130cm hohe Marmorsockel entspricht mit seiner Breite und Tiefe dem Durchmesser der Unterseite der darauf stehenden Büste. Den zweiten, oberen Teil, stellt die lebensgroße Büste – aus Bronze gefertigt – dar, womit sie stark mit dem weißen Sockel kontrastiert. Die Oberflächenbehandlung hat einen "typischen Zenzmaierschen" rohen Charakter. Durch diese äußerst moderne Darstellungsweise gewinnt die Büste an Dynamik, die in Zenzmaiers Oeuvre häufig vorkommt.

Obwohl Dantines Büste auf den ersten Blick aufgrund dieser expressionistisch rohen Form als "unfertig" aufgefasst werden kann und im Gesamten beinahe karikaturhaft wiedergegeben wurde, bleibt den Gesichtszügen des Theologen eine gewisse Realitätstreue zur Identifikation der Person: Dantines Bart, kurzgeschnittene strubbelige Haare, abstehende Ohren, breite Nase, Augen in ungleicher Höhe. Diese stark überzeichneten Charakterzüge könnten in einem anderen Kontext etwas lächerlich wirken, doch das Denkmal weist dank seiner inneren Dynamik eine monumentale und besonders lebhafte Wirkung auf. Es sind vor allem Dantines breite Schultern und mächtige Brust, die diese würdevolle Stimmung noch unterstreichen. Nicht nur Dantines Bart und sein Gesichtsausdruck, sondern auch die leicht nach vorne hervortretende Körperhaltung (die man am besten von der Seite beobachten kann) sollen auf das höhere Lebensalter des Theologen hinweisen.

Von der rechten Seite des Denkmals gesehen ist die Büste auf einer kleiner Tafel mit "JOSEF ZENZMAIER" signiert.

Notizen zur dargestellten Person

Wilhelm Dantine (* 6. November 1911 in Leoben; † 21. Mai 1981 in Wien) war ein langjähriger Studentenpfarrer, Studieninspektor des Theologenheims und zwischen 1963-1981 Professor für Systematische Theologie an der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Wien. Dantine vertrat in dem überwiegend katholischen Österreich einen selbstbewussten und zeitgeschichtlich reflektierenden Protestantismus, der Lutherische Prinzipientreue und ökumenische Aufgeschlossenheit miteinander zu verbinden versuchte.[1]

Zwischen 1948-1963 war Dantine als Studentenpfarrer in Wien tätig. Nachdem er im Jahre 1950 zum Dr.theol promoviert worden war und sich im Jahre 1955 für das Fach Systematische Theologie habilitiert hatte, übernahm er 1963 die Ordentliche Professur für Systematische Theologie (AB) an der Wiener Evangelisch-theologischen Fakultät, die er bis zu seinem Tod am 21. mai 1981 innerhatte.[2] Eine internationale Anerkennung gewann Dantine auch durch sein Engagement für die Leuenberger Konkordie (1973), ein ökumenisches Dokument, welches nach mehr als 400 Jahren eine innerprotestantische Einigung erzielte und zu einer theologischen Grundlage der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) führte.[3]Während der 1970er Jahre wirkte Dantine-als Expert für die Beziehungen zwischen Theologie und Recht- als Berater des österreichischen Justizministers Christian Broda an der Strafrechtsreform mit.[4]

Entstehungsgeschichte

Enthüllung des Denkmals am 29.10.2001. Foto: Archiv der Universität Wien
Enthüllung des Denkmals am 29.10.2001. Foto: Archiv der Universität Wien

Das Denkmal des Professors der Theologie wurde im Jubiläumsjahr 2001 anlässlich seines 90. Geburts- und 20. Todestages gestaltet. Der akademische Senat der Universität mit seinem Vorsitzenden Univ.-Prof. Dr. Jörg Hoyer und dem Universitätsrektor o. Univ.-Prof. Dr. Georg Winckler hatte diese Würdigung Wilhelm Dantines einstimmig beschlossen.[5] Das Denkmal des evangelischen Theologen wurde vom österreichischen Bildhauer Prof. Josef Zenzmaier gefertigt, in dessen Oeuvre sich zahlreiche kirchliche Aufträge bzw. Werke mit christlichen Themen finden.

Die Büste wurde am 29.10.2001 um 16:15 Uhr nach einer Feierstunde im Großen Festsaal im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. Auch Josef Zenzmaier, der Gestalter des Denkmals, nahm an den Feierlichkeiten teil. Anlässlich der Enthüllung wurde eine Ringvorlesung gehalten und an der Evangelisch-Theologischen Fakultät während des Wintersemesters ein Seminar unter dem Titel "Wilhelm Dantine – Das Profil eines österr. Protestanten" unter der Leitung von o. Univ.-Prof. Dr. Kurt Lütt und ao. Univ.-Prof. Dr. Karl Schwarz angeboten.

Der Grund für die Verehrung des Theologen wurde kurz in einer Aussendung der Evangelisch-Theologischen Fakultät zusammengefasst: Dantine habe sich politisch aus theologischer Verantwortung engagiert, „wobei die Gesprächsoffenheit nach allen Seiten für ihn unabdingbar war“. Dantine gilt als der „renommierteste Wissenschaftler, den die Fakultät im gerade zu Ende gegangenen Jahrhundert hatte.“[6]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Denkmal in seiner äußerst expressiven Auffassung mit der rohen Oberflächenbehandlung steht im starken Kontrast zu den anderen Professorendenkmälern des Arkadenhofs, die meistens – auch wenn möglichst realistisch – doch idealisiert dargestellt werden. Als Schüler von Oskar Kokoschka übernimmt Zenmaier aus der Malerei den expressionistischen Pinselstrich und überträgt dies auf seine bildhauerischen Werke. Wohl kann man bei seiner Dantine-Büste auch deutlich den Einfluss seines Lehrers Giacomo Manzú erkennen, der wiederum unter anderen auch Oskar Kokoschka in Form einer Büste gestaltete.

Die Gegenüberstellung der benachbarten Denkmäler Wilhelm Dantines und das des Stephan Ladislaus Endlichers aus dem Jahr 1897 ist ein repräsentatives Beispiel dafür, wohin sich die Vorstellung von einem Professorendenkmal in mehr als 100 Jahren verschoben hat. Im Unterschied zu den anderen Denkmälern des Arkadenhofs verzichtet Zenzmaier auf eindeutige, leicht lesbare Attribute, die auf Dantines Fach, Priesterschaft oder Professur hinweisen würden. Es werden nur ein Kragen auf Dantines Hals und ein Mantel bzw. Gewand angedeutet.

In Zenzmaiers Oeuvre kommen mehrere mit dem Dantine-Denkmal vergleichbare Büstenporträts vor, z.B. das 1983 gefertigte Bronzeporträt Stefan Zweigs, welches für das Amt der Salzburger Landesregierung entstand, sowie das Porträt Robert Jungk aus der Robert-Jungk Bibliothek in Salzburg. In Wien befindet sich ein weiteres Zenzmaiers Denkmal auf dem Schlickplatz: Das Erwin Ringel Denkmal. Letzteres und das von Stefan Zweig kennzeichen sich mit starker Dynamik, da die Büsten aus dem Sockel deutlich hervortreten. Eine formale Ähnlichkeit mit dem Dantine-Denkmal ist an der Darstellungsweise des Kopfes Robert Jungks zu finden: eine grobe Oberflächenbehandlung und Gesichtszüge, die alles andere als idealisiert wirken.

Rezeption in der Presse

Literatur

  • Adam 2002: Adam Gottfried, Zum Geleit, in: Ulrich H. J. Körtner (Hg.): Kirche-Demokratie-Öffentlichkeit. Ort und Auftrag der Kirchen in der demokratischen Gesellschaft, Innsbruck 2002, S. 9–12.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 43–44.
  • Wagner 1997: Wagner Falk, Glaubensgewissheit und Weltverantwortung. Zum Profil der systematisch-theologischen Position von Wilhelm Dantine, in: Karl Schwarz, Falk Wagner (Hg.): Zeitenwechsel und Beständigkeit. Beiträge zur Geschichte der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Wien 1821–1996 (= Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien; 10). WUV, Wien 1997. S. 391–426.
  • Schwarz 2013: Schwarz Karl W., Leoben-Wallern-Wien. Bemerkungen zum Lebensweg des Studieninspektors Wilhelm Dantine, in: Festschrift 100 Jahre Wilhelm Dantine Haus 1913–2013, Wien 2013, S. 23ff.

Einzelnachweise

  1. Wagner 1997, S. 391.
  2. Wagner 1997, S. 391.
  3. Schwarz 2013, S. 23-24.
  4. Maisel 2001, S. 44.
  5. Adam 2002, S. 11.
  6. http://www.evang.at/themen/nachrichten/detail/article/universitaet-und-kirche-ehren-wilhelm-dantine/(Stand 17.1.2014)

Barbora Trebichalska, Barbara Wessely