Denkmal Vatroslav v. Jagic

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Ivan Mestrovic, Büste Vatroslav v. Jagic, Frontansicht mit Sockel, Bronze, 1953/54, Arkadenhof Universität, Wien.
Lage des Denkmals, Nr. 83, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Slawisten Vatroslav v. Jagic (1838-1923) wurde von dem Bildhauer Ivan Mestrovic (1883-1962) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 1. März 1954 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal Vatroslav Jagics setzt sich aus einer Bronzebüste und einem Sockel aus Kalkstein zusammen, auf der sie steht. Es handelt sich um einen hellen, schlichten, viereckig gestalteten Sockel, welcher die dunklen Lettern Vatroslav Jagic Professor für Slavische Philologie 1886-1908 trägt. Dieses Denkmal befindet sich im Arkadenhof der Universität Wien und ist vom Künstler Ivan Mestrovich entworfen worden. Die Büste zeigt den Kopf eines Mannes bis zur Hälfte seiner Schultern und einem Drittel seiner Brust. Jackett und Hemd sind stilisiert und grob gearbeitet. Dagegen ist der Kragen, der den Hals Jagics verdeckt, feiner und glatter bearbeitet worden. Auf ihm ruht sein Kinn, das einen dezenten Bart ziert. Über dem schmalen Mund sitzt ein breiter Schnurrbart, der sich an den Enden dem Hals entgegen zieht. Die Nase des Professors sticht markant hervor. Darüber liegen die Augen, die nur durch ihre Lider an Lebendigkeit gewinnen, da sie sonst beinahe blind ins Leere sehen. Über ihnen ziehen sich breite Augenbrauen zusammen und lassen einige Falten auf der sonst glatten Stirn entstehen. Der Haaransatz ist zurückgesetzt, trotzdem sind die Haare dicht dargestellt. Die Ohren der Büste stehen leicht ab und sind etwas größer stilisiert. Einige Stellen des Gesichts sind mit leichten Falten gezeichnet und durch die gröbere Struktur der Oberfläche entsteht der Eindruck einer bereits älteren Haut, die leichte Dellen und Fältchen zeigt. Der Blick Jagics wirkt durch die Komposition der Augenbrauen und Augen streng - beinahe angestrengt. Es ist möglich, dass der Künstler Mestrovich die Leistungen, die der Wissenschaftler in der Slawischen Philologie erbracht hatte, durch einen Blick zu symbolisieren suchte. Dieser könnte die Anstrengung des Nachdenkens zeigen. Aufgrund der aufrechten und strammen Haltung, der Mimik und der Kleidung, ist hier sicherlich zu behaupten, dass es sich um ein Gelehrtenportrait handelt.

Notizen zur dargestellten Person

Jagic wurde am 6. Juli 1838 in Warasdin (Varaždin), Kroatien geboren. Nachdem er längere Zeit als Lehrer in seinem Heimatland gearbeitet hatte, wurde er aus politischen Gründen seines Postens enthoben. Daraufhin studierte er in Deutschland Slawistik und wurde bald vergleichender Sprachwissenschaftler. Er arbeitete in verschiedenen Ländern, doch schließlich wurde ihm der Lehrstuhl als Professor der Slawistik in Wien angeboten. Jagic forschte viel über die Entstehung des Altkirchenslawischen und ihm gelang es im Zuge dessen, hunderte Publikationen und Bücher zu veröffentlichen. Jagic verstarb am 05. August 1923 in Wien. [1]

Entstehungsgeschichte

In einem aus dem Kroatischen übersetzten Brief vom 17. März 1953 entschuldigt sich der Künstler Ivan Mestrovic, dass er erst spät auf das Ansuchen des Seminars für Slavische Philologie der Universität Wien antworte. Er sagt, dass es ihm nicht leicht gefallen sei, obwohl er Jagic selbst gekannt und einige Fotografien von ihm erhalten hat, ein Gipsmodell einer Büste, die dem Verstorbenen gerecht wird, anzufertigen. Mit seinem ersten Entwurf ist er nicht zufrieden und hofft, da er nun eine bessere Fotografie erhalten hätte, die Jagic zwar im höheren Alter, aber mit all jenen Zügen, die für ihn typisch gewesen seien, nun eine bessere Arbeit zu erzeugen. Mestrovic kündigt an, ein weiteres Gipsmodell zu erstellen, das er, nachdem er es vollendet hätte, nach Wien schicken würde. Sobald er das getan hätte, könne man die Büste in Bronze gießen und mit einem Sockel versehen, der die gleiche Höhe wie die Wissenschaftlerbüsten hätte, die bereits im Arkadenhof stehen. Der Künstler bittet abschließend darum, dass nicht er den Transport des Gipsmodells von New York nach Wien planen müsse. [2] Am 20. April desselben Jahres ergeht ein Schreiben des Rektorats an das Bundesministerium für Unterricht, das Jagics Büste behandelt. Im ersten Teil des Briefes berichtet der Prorektor, dass die jugoslawische Gemeinde die Abteilung für slawische Philologie um ein Denkmal zu Ehren des verstorbenen Vatroslav Jagic gebeten hatte. Der Prorektor betont, dass er zweifelsfrei der Meinung sei, dass aufgrund der herausragenden und wichtigen Leistungen, die der Verstorbene in seinem Fach erreicht hatte, der akademische Senat und auch die philosophische Fakultät dem Antrag stattgeben würden, sofern die Frage der Kostenübernahme geklärt wäre. Aus dem Schreiben geht hervor, dass die jugoslawische Gesandtschaft das Gießen in Bronze und auch die weiteren anfallenden Aufstellungskosten übernehmen würde. Einzig um die Transportkosten von New York nach Wien wird gebeten und dass der Brief mit Dringlichkeit behandelt werde, da das Gipsmodell in der nächsten Zeit fertiggestellt würde. [3] Das Rektorat erhält eine Abschrift vom 27. April 1953, in der das Bundesministerium für Unterricht die Abteilung für Auswärtige Angelegenheiten des Bundeskanzleramts bittet, für den sorgfältigen Transport des Gipsmodells und die dadurch entstehenden Kosten Sorge zu tragen und dieses Unterfangen möglichst zügig durchzuführen. [4]

Beinahe fünf Monate später, am 24. September 1953, berichtet das Rektorat dem Bundesministerium für Unterricht, dass das Gipsmodell noch nicht an der Universität eingetroffen sei und bittet um Informationen über den Verbleib. [5] Diesem Schreiben ging ein anderer Brief voraus, in dem der Professor für slawische Philologie Jagoditsch dem Rektor Alfred Verdross-Drossberg mitteilt, dass Mestrovic die Büste der Universität schenken würde und der Entwurf bereits von dem Österreichischen Generalkonsulat in New York an das Seminar für slavische Philologie geschickt worden sei. [6] Die Abschrift des Briefes von Mestrovic an Jagoditsch liegt dem Schreiben bei. Darin schreibt der Künstler auf Englisch, dass er am 26. Juni 1953 vom Österreichischen Generalkonsulat die Verantwortlichkeit für den Transport sowie die anfallenden Kosten zugesichert bekommen hätte. Gleich darauf hätte er das vollendete Modell dem Konsulat gesendet. Mestrovic betont, dass er die Büste als Bronzeabguss empfehlen würde, denn es sei nicht nur günstiger in der Produktion, sondern würde auch für diese Art von Büste angemessener sein als Marmor. Der Bildhauer betont, dass ihm das Erstellen eines Modells Freude bereitet hätte, da er nicht nur Jagic respektierte, sondern auch gute Erinnerungen an die Universität Wien hätte. [7] Der Rektor antwortet dem Künstler in einem Dankschreiben im September des gleichen Jahres. [8]

Am 22. September setzt Jagoditsch einen Brief an das Bundesministerium für Unterricht auf, in dem er noch einmal auf die großen Verdienste Jagics verweist und die bisherigen Bemühungen um ein Denkmal schildert. Die anfängliche Schwierigkeit, dass von Jagic Zeit seines Lebens keine Plastik angefertigt worden wäre, sei durch das Geschick des kroatischen Künstlers Mestrovic Abhilfe geleistet worden. Jagoditsch bittet weiters um die Begutachtung des Kostenvoranschlags von 4.000 Schilling einer Kunstgießerei, die von der Akademie der bildenden Künste empfohlen worden sei, außerdem des Angebots der Schule von Professor Wotruba der Akademie der bildenden Künste, der einen Sockel für 3.400 Schilling anfertigen würde. Jagoditsch betont, dass in diesem Fall über die das Budget belastenden Kosten hinwegzusehen, da das Aufstellen des Denkmals die Beziehungen zwischen Jugoslawien und Österreich stärken und der Universität Wien durch die Kunstfertigkeit der Büste zu mehr Ansehen verhelfen könne. [9] Anbei liegen die Offerten Fritz Wotrubas und der Erzgießerei Günther Pöll. Angeboten werden ein Kalkstein „St. Barbarastein“ aus Groß Reipersdorf mit den Maßen 170 x 54 x 48 cm um 1.450 Schilling sowie die Transportkosten vom Steinbruch nach Wien um 450 Schilling, aber auch das Gießen in Bronze, Ziselieren und Patinieren, wie auch die Abholung und Zustellung des Modells um 4.000 Schilling. [10] Dem Antrag wird durch das Bundesministerim stattgegeben und die 7.400 Schilling überwiesen. [11] Am 02. Oktober wird die Philosophische Fakultät vom Rektor ersucht, einen Antrag zur Aufstellung des Denkmals zu stellen. [12] Ein weiteres Ersuchen erfolgt zehn Tage später, denn das notwendige Geld ist schon vorhanden, kann aber erst nach positivem Beschluss des Akademischen Senats verwendet werden und verbleibt deshalb in der Quästur der Universität. [13] Erst im Dezember 1953 schreibt der Dekan an den Akademischen Senat und beantragt die Errichtung des Denkmals für Vatroslav Jagic. [14] In seiner Sitzung vom 20. November hat der Kunstausschuss der Universität Wien den Aufstellungsort im Arkadenhof für das Jagic-Denkmal beschlossen. Bis Ende Februar 1954 könne die Aufstellung des Sockels sowie der Bronzebüste erfolgen, womit eine Gedenkfeier am 01. März abgehalten werden könnte. [15] Der Antrag wird vom Akademischen Senat angenommen und Jagics Denkmal soll den Platz einnehmen, den bislang Professor Bamberger innegehabt hat, nämlich in der Nische des rechten Arkadenganges. [16] Am 01. März 1954 fand die Gedenkfeier im Sitzungssaal des Akademischen Senates tatsächlich statt und danach wurde das Denkmal feierlich enthüllt. [17]

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es ist nichts darüber bekannt, ob das Denkmal je verschoben oder versetzt wurde.

Analyse und Kunsthistorischer Vergleich

Die Büste des Künstlers Mestrovich, die er zu Ehren Vatroslav Jagic entworfen hat, sieht den älteren Fotografien des Wissenschaftlers auf den ersten Blick nur entfernt ähnlich. Bei näherer Betrachtung fallen dann die markanten Ähnlichkeiten auf. Der Bildhauer hat die Kopfform gut stilisiert und auch die Gesichtszüge einfangen können, die auf einigen Bildern gut sichtbar sind. Der strenge und gebildete Blick des Philologen ist ebenso abgebildet wie der Bart, die Nase oder die Augenpartie. Auch der Kleidungsstil ist passend an jenen des Wissenschaftlers angelehnt, denn dieser trägt auf Fotografien häufig elegante Hemden und Anzüge. Die Frisur des Jagic-Denkmals ist in stilisierter Form wiedergegeben und wirkt etwas idealisiert. Alles in allem kann die Büste als gut gelungen angesehen werden, da sie vom Aussehen dem Dargestellten entspricht und ist ein würdiges Andenken an den Verstorbenen.

Ivan Mestrovich hat sich während seiner Schaffensphase hauptsächlich mit Bronzebüsten auseinandergesetzt. Dabei hat er unter anderem beispielsweise von sich selbst eine Portraitbüste hergestellt. Diese eignet sich aufgrund des Genres und Materials für einen kunsthistorischen Vergleich an. Beide Büsten strahlen in ihrem Ausdruck eine gewisse Strenge und Ernsthaftigkeit aus, die sie monumental und mächtig erscheinen lässt. Die Oberfläche ist teils glatt, weist aber auch rauhere Stellen auf. Auch vom Stil kann man einen gewissen Expressionismus entnehmen, der jedoch - verglichen zum noch um einiges gesteigerten Josef Zenzmaiers - um einiges zurückgehaltener angewandt wurde und mit einer Mischung von Stilismus dadurch wesentlich schlichter erscheint. Trotz weniger Details sind die Portraitierten klar zu erkennen und wurden realtiv realitätsgetreu wiedergegeben.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 72.
  2. UAW, Senat S 222.22, Brief von Ivan Mestrovic an das Seminar für Slavische Philologie der Universität Wien, Übersetzung von Dr. Wytrzens, 17.03.1953.
  3. UAW, Senat S 222.22, Brief des Prorektors an das Bundesministerium für Unterricht in Wien, 20.04.1953.
  4. UAW, Senat S 222.22, Abschrift des Bundesministeriums für Unterricht an das Bundeskanzleramt, Wien, 27.04.1953.
  5. UAW, Senat S 222.22, Brief des Rektors an das Bundesministerium für Unterricht, Wien, 24.09.1953.
  6. UAW, Senat S 222.22, Brief des Vorstands des Slavischen Seminars R. Jagoditsch an den Rektor der Universität Wien, Alfred Verdross-Drossberg, Wien, 18.09.1953.
  7. UAW, Senat S 222.22, Abschrift des Briefes von Mestrovic aus New York an Jagoditsch, 05.08.1953.
  8. UAW, Senat S 222.22, Brief des Rektors der Universität an Ivan Mestrovic, Wien, 21.09.1953.
  9. UAW, Senat S 222.22, Brief R. Jagoditschs an das Bundesministerium für Unterricht, Wien, 22.09.1953.
  10. UAW, Senat S 222.22, Angebot von Fritz Wotruba, Wien, 18.09.1953. iVm. UAW, Senat S 222.22, Angebot der Erzgießerei Günther Pöll, Wien, 21.09.1953.
  11. UAW, Senat S 222.22, Bundesminister Kolb an das Rektorat der Universität Wien, Wien, 02.10.1953.
  12. UAW, Senat S 222.22, Rektor der Universität Wien an den Dekan der Philosophischen Fakultät, Wien, 02.10.1953.
  13. UAW, Senat S 222.22, Brief des Rektors Schönbauer an den Dekan der Philosophischen Fakultät, Wien, 12.10.1953.
  14. UAW, Senat S 222.22, Antrag des Dekans der Philosophischen Fakultät an den Akademischen Senat, Wien, 14.12.1953.
  15. UAW, Senat S 222.22, Kommissionsbericht über die Errichtung einer Gedenkherme für V. v. Jagic. von Jagoditsch.
  16. UAW, Senat S 222.22, Rektor der Universität Wien an den Dekan der Philosophischen Fakultät Fuchs, Wien, 09.01.1954.
  17. UAW Senat S 222.22

Quellen

Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze, Wien/Köln/Weimar, 2007. UAW, Senat S 222.22, Jagic, Vatroslav von: Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien

Darstellungen


Magdalena Fleming, Barbara Wessely