Denkmal Theodor von Oppolzer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Theodor von Oppolzer, Viktor Tilgner, 1890
Lage des Denkmals, Nr. 90, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Doppeldenkmal für den Mediziner Johann von Oppolzer (1808-1871) und seinen Sohn, den Astronomen Theodor von Oppolzer (1841-1886) wurde von dem Bildhauer Viktor Tilgner (1844-1896) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 18. Mai 1890 enthüllt.

Beschreibung

Inschrift unter dem Tondo von Theodor von Oppolzer.

Das Denkmal ist eines von insgesamt nur zwei Doppeldenkmälern im Arkadenhof der Universität Wien. Es befindet sich am Ende des rechten Ganges des Arkadenhofes (Plan Maisel 2007, Nr.89/90).[2] Das Denkmal in Form einer Tafel mit zwei nebeneinanderliegenden Seiten misst in der Breite 170 cm und in der Höhe 160 cm. Das zweite Doppeldenkmal im Arkadenhof wurde ebenfalls Professoren der Astronomie, Joseph Johann von Littrow und Karl von Littrow, gewidmet und befindet sich im selben Gang des Arkadenhofes, rechts. (siehe auch: Denkmal Joseph Johann von Littrow).

Eine flache Architektur bildet das Grundgerüst des aus weißen Marmor gefertigten Denkmals. Das Monument weist eine flache, fast quadratische Fläche auf. Eine rahmende Architektur aus Pilastern und horizontalen Bändern strukturieren das Denkmal wie folgt: Auf einem abgestuften, breiten Band sind drei Pilaster platziert. Unter den Pilastern weist das Band jeweils eine runde Einhöhlung auf und wird nach unten von einer kegelförmigen Zierform abgeschlossen. Die eigenwillige Zierform stellt eine Verbindung zwischen der Wand und dem Denkmal her. Die beiden äußeren Pilaster werden durch eine breite Kannelur, der mittlere Pilaster von einem vertikal verlaufenden, filigran ausgearbeiteten Olivenzweig geziert. Die drei Pilaster tragen einen Architrav. Ein Segmentbogen-förmiger Abschluss bekrönt das Denkmal. In die beiden Felder, welche durch die Pilaster, Sockel und den Architrav gebildet werden, ist, in jeweils einem Tondo, die Büsten von Johann von Oppolzer und Theodor von Oppolzer herausgebildet. Unter jeder Büste befindet sich ein Feld, in welches die Inschrift integriert wurde. Das Schriftfeld ist in die Fläche versenkt. Die Inschrift selbst, ist in goldenen Lettern wiedergegeben.

Unter dem Tondo von Johann von Oppolzer steht in goldenen Antiqua geschrieben:

"IONNES EQVES DE OPPOLZER MEDICUS NATUS EST NEOCLASTRI PRIDIE NON AVG A MDCCCVIII MORTUS EST VINDOBONAE A D XVI K MAI A MDCCCLXXI"

Unter dem Tondo von Theodor von Oppolzer steht, ebenfalls in goldenen Antiqua, geschrieben:

"THEODORVS EQUES DE OPPOLZER ASTRONOMUS NATUS EST PRAGAE A D VII K NOV A MDCCCXXXXI MORTVS EST VONDOBONAE A D VII K IAN A MDCCCLXXXVI"

Die Tondi vertiefen sich flach, aber schalenförmig in die Grundfläche und werden von einer zwei Finger breiten, runden, stärkeren Vertiefung zusätzlich gerahmt. Am unteren Rand, scheinen die Portraitköpfe der Geehrten aus dem Inneren der Tondi regelrecht heraus zu wachsen. Ist die Schulterpartie noch flach gefertigt so sind die Köpfe der Dargestellten vollplastisch ausgearbeitet und von dem Untergrund vollkommen gelöst. Der im mittleren Alter dargestellte Wissenschaftler Theodor von Oppolzer, weist individuelle Züge auf. Sein nachdenklicher Blick wird durch die leicht zusammengezogenen Augenbrauen und die Anspannung der Muskeln an der Stirn hervorgerufen. Die Haare sind in einem rechten Seitenscheitel, leicht nach links fallend, ausgeführt. Sein dichter Schnauzbart fällt über seine Oberlippe. Sein breites, markantes Kinn ragt nach vorne; gemeinsam mit den definierten Wangenknochen verleiht es der Büste einen individuellen Zug. Durch die glatte Oberfläche des Materials und die faltenlose Haut wirkt der Astronom dennoch idealisiert. Die Kleidung ist lediglich durch einen dünnen Stoff angedeutet und lässt keinerlei Rückschlüsse zu.

Notizen zur dargestellten Person

Theodor von Oppolzer.jpg

Theodor von Oppolzer war Sohn des, ebenfalls im Denkmal dargestellten, Internisten Johann von Oppolzer. Er studierte Medizin und Astronomie an der Universität Wien und habilitierte 1866 an der Universität im Bereich der theoretischen Astronomie. Sein zweibändiges "Lehrbuch zur Bahnbestimmung der Cometen und Planeten", das er zwischen 1870 und 1880 verfasste und in mehreren Sprachen erschien, galt im 19.Jahrhundert als ein Überblickswerk der Astronomie.[1]

Entstehungsgeschichte

Das Doppeldenkmal wurde von Viktor Tilgner geplant und ausgeführt. Aus den Unterlagen des Archivs und der Festrede des 19. Mai's 1890 die vom damaligen Direktor der Theologie Dr. Bölzl gehalten wurde, geht hervor, dass die Gattin des verstorben Theodor von Oppolzer das Denkmal stiftete. Weiters ist dokumentiert, dass der akademische Senat am 11. Dezember 1889 beschloss an dieser Position das Denkmal anzubringen.[2] Viktor Tilgner gestaltete auch das imposante Grabdenkmal Oppolzer's am Wiener Zentralfriedhof, welches 1945 zerstört wurde.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Büste Theodor von Oppolzer.
Littrow Denkmal.

Das Doppeldenkmal von Johann von Oppolzer und Theodor von Oppolzer sowie das Denkmal Joseph Johann von Littrow und Karl von Littrow, welches hier für einen Vergleich herangezogen wird, bestehen aus einer flachen, auf die Antike verweisende Grundarchitektur, welche an der Wand montiert wurden. Die Büsten der beiden Denkmäler werden durch applizierte, Halbsäulen darstellende Elemente, voneinander getrennt. Anders als beim Oppolzerdenkmal, bei dem sich die Köpfe der Geehrten in Form einer Imago Clippiata aus dem Tondo plastisch herausformen, sind hier die Wissenschaftler in zwei separaten, eigenständigen Büsten gezeigt die bis zur Mitte der Brust ausgebildet sind und dann in einem schmalen Sockel anschließen. Bei den Oppolzers ist im Brustansatz eine Togaartige Kleidung zu erkennen, was den Bezug zur griechischen Antike zusätzlich stützt, während bei dem Littrow Denkmal nur Joseph Johann von Littrow ein dementsprechend schweres Tuch über seinem, für die damalige Zeit, zeitgenössischem Gewand trägt. Beide Denkmäler weder von Olivenzweige geziert, und weisen eine antikische Struktur des Dekor auf, wobei darauf hingewiesen werden muss, dass die antike Form beim Littrow Denkmal wesentlich aufwendiger gestaltet ist mit den von dorischen Halbsäulen getragenen Rundbögen welche die Littrows überfangen und dem gesprengten Giebel. Überlieferte Abbildungen Theodor's von Oppolzer zeigen, dass Tilgner sich an markanten Gesichtsmerkmalen zwar orientierte, den Astronomen aber sehr wohl idealisiert darstellte. Weitere Büsten sind zum jetzigen Forschungsstand nicht bekannt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse und Veränderungen seit der Denkmalenthüllung bekannt. Der gute Erhaltungszustandes des Objekts lässt allerdings auf eine Reinigung des Denkmals schließen.

Einzelnachweise

  1. Sallachner 2010
  2. Die Presse 1890, S.2.

Quellen

  • UAW ' Universitätsarchiv Wien: Senat S 95.14 Oppolzer, Johann und Theodor v., Denkmal im Arkadenhof, 1899 (Akt).

Literatur

  • Die Presse 1890: Die Presse, Enthüllung des Oppolzer-Denkmals in der Universität, in: Die Presse, 19.05.1890, Nr.137, Wien, S.2.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Wien u.a. 1934.
  • Posch 2010: Thomas Posch u.a., Die Geschichte der Universitätssternwarte Wien. Dargestellt anhand ihrer historischen Instrumente und eines Manuskripts von Johann Steinmayr, Frankfurt am Main 2010.
  • Sallachner 2010: J. Sallachner, Oppolzer, Theodor Egon Ritter von, in: Austria-Forum, Wien 2010, http://austria-forum.org/af/AEIOU/Oppolzer%2C_Theodor_von.

Ines Oswald, Carina Schaffer