Denkmal Theodor Meynert

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Theodor Khuen, Denkmal Theodor Meynert, Detail Büste, 1901 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 110, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 4: Baelz, Theodor Meynert, Lithographie, nach 1892.
Abb. 5: Denkmal Theodor Meynert, Frontalansicht des Sockels.
Abb.6: Denkmal Theodor Meynert, Detailansicht mit Signatur.

Das Denkmal für den Neurologen und Psychiater Theodor Meynert (1833-1892) wurde von dem Bildhauer Theodor Khuen (1860-1922) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 19. Mai 1901 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Theodor Khuen zeigt den Geehrten in Form einer Porträtbüste auf einem Postament. Dieses gliedert sich in Fußgesims, Postamentschaft und Kranzgesims und erfährt nach oben hin eine Verjüngung (Abb.5). Die Breite am unteren Ende beträgt 86 cm, am oberen Abschluss hingegen nur 78 cm. Die Höhe des Sockels kann mit etwa 145 cm bemessen werden. Durch die leichte Verjüngung nach oben und durch die nach vorne ragenden Ecken wirkt der gesamte Sockel monumental. Fuß- und Kranzgesims wurden jeweils mehrfach abgestuft. Durch die diagonale Ausführung der Kanten entsteht der Eindruck einer konkaven Einschwingung. Am Postamentschaft befindet sich eine Inschriftentafel, welche in goldenen Lettern den Dargestellten bezeichnet "Theodor Meynert 1833-1892 Prof. D. Psychiatrie 1870-1892." Obwohl der Kopf des Porträtierten nicht streng nach vorne ausgerichtet ist, kann eine Hauptansicht ausgemacht werden. Das Denkmal des Neurologen und Psychiaters ist an der Wand des rechten Arkadengangs platziert, wodurch eine Betrachtung nur von drei Seiten möglich ist.

Die aus Bronze gegossene Büste unterscheidet sich aufgrund der Farbigkeit stark von dem hellen Marmorsockel (Abb.1). Die Büste wird von einem Postament getragen, welches eine ähnliche Form wie der Marmorsockel aufweist. Allerdings wurde die Basis des Büstenpostaments oktogonal mit geradem Abschluss vorne ausgeführt, was zu einer Überschneidung mit der konkaven Einschwingung des Sockels führt. Beim Betrachter entsteht der Eindruck, die Büste kippe nach vorne, da sie über den Sockel hinausragt.

Die Maße der Büste inklusive des Postaments der Büste betragen 42 x 30 x 70 cm. Der Kopf des Dargestellten und sein Blick sind nach links gerichtet, am Betrachter vorbei (Abb. 1). Das Gesicht wird von einem Vollbart dominiert. Das Gesicht weist tief liegende Falten eines älteren Mannes in fortgeschrittenem Alter auf. Sein Blick wirkt nachdenklich. Meynert trägt einen dreiteiligen Anzug, der Hemdkragen sowie die gebundene Fliege sind gut zu erkennen. An der individualisierten Darstellung des Neurologen wird die bildhauerische Leistung des Künstlers erkennbar, da der Dargestellte auf den ersten Blick auch ohne Inschrift zu identifizieren ist. Hier zeigt sich das Können des Bildhauers, der sich an die strengen Vorgaben und Vorstellungen der Artistischen Kommission im Hinblick auf die Ausführung der Büste halten musste.[1] An der rechten Schulter befindet sich die Signatur des ausführenden Bildhauers: T Khuen 1900 (Abb. 6).

Notizen zur dargestellten Person

Theodor Meynert (1833-1892) war Neurologe und Psychiater in Wien. Unter anderem ist ihm die Einführung der anatomischen Diagnostik in der Psychiatrie zuzuschreiben.[2]

Entstehungsgeschichte

In einer am 11. März 1899 abgehaltenen Sitzung des Professorenkollegiums der medizinischen Fakultät Wien, wurde in Anwesenheit der Professoren Toldt, Zuckerkandl, von Krafft-Ebing, Obersteiner und Puschmann ein Antrag zur Errichtung eines Denkmals für Theodor Meynert gestellt. Der Antrag wurde sodann dem Akademischen Senat vorgelegt, welcher ihn an das Ministerium für Kultus und Unterricht weiterleitete.[3] Ein expliziter Grund für eine Denkmalserrichtung wird in den Akten jedoch nicht erwähnt. Es ist allerdings anzunehmen, dass Meynerts Kollegen an der medizinischen Fakultät dem Wissenschaftler aufgrund seiner Leistungen auf dem Gebiet der Anatomie und Physiologie des zentralen Nervensystems, ihn mit einer Büste ehren wollten. Das Ministerium gab seine Genehmigung zur Aufstellung und Finanzierung des Denkmals zwar erst am 29. November desselben Jahres bekannt, allerdings wurde im Zuge dessen sogleich der Bildhauer Theodor Khuen für die Errichtung der Büste vorgeschlagen. Die von Khuen am 22. Jänner 1900 eingereichten drei Skizzen zum Denkmal Meynerts wurden von der Artistischen Kommission in Absprache mit dem Akademischen Senat begutachtet. Es wurde entschieden, dass der Preis der Büste zu hoch sei und der Bildhauer einen erneuten Entwurf anfertigen solle. Die Kommission forderte im Zuge dessen ein etwas überlebensgroßes, aus Bronze gegossenes Porträt. Während die Skizzen wieder an den Bildhauer zurückgeleitet wurden, einigte man sich das Denkmal im rechten Arkadengang auf der Medizinerseite zu positionieren.[4]

Im März 1900 präsentierte Theodor Khuen vier Skizzen zur Büste, welche zur allgemeinen Begutachtung im Rektorszimmer der Universität hinterlegt wurden.[5] Khuens Entwurf umfasste eine überlebensgroße Büste aus patentierter Bronze mit Büchern und Lorbeerblättern in Bronze als zusätzlichem Schmuck. Die erhabenen Buchstaben der Inschriftentafel fertigte man aus Natur-Bronze. Der gesamte Sockel aus geschliffenem und poliertem Marmor erhielt Kannelierungen. Der verwendete gelblich erscheinende Marmor sei mit jenem der Büste Babenbeyers (vermutlich war hier Heinrich von Bamberger gemeint) von Richard Kauffungen zu vergleichen.[6] DDoch auch dieser Entwurf entsprach nicht den Vorstellungen der Artistischen Kommission, die der Meinung war, dass auf jeden Fall der Sockel zu ändern sei und das Laubwerk sowie die Bücher weggelassen werden sollen. Der Sockel selbst sollte höher gestaltet werden und die Büste eine gerade Kopfhaltung haben. Den Bildhauer wies man dazu an, sich an Porträts zu orientieren, um eine exakte bildliche Darstellung Prof. Meynerts zu erreichen.[7] Nach Absprache Theodor Khuens mit der Artistischen Kommission, welche sich in einer Sitzung vom 4. Juli auf die Inschrift „Theodor Meynert 1833-1892 Professor der Psychiatrie 1870-1892“ festgelegt hatte, wurde eine Inschriftentafel angefertigt.[8] Aus einem Zeitungsbericht der Neuen Freien Presse, welche über die Enthüllung des Meynert-Denkmals berichtet hatte, geht hervor, dass am gelben Marmorsockel des Denkmals eine bronzene Inschriftentafel angebracht war. Verziert war jene mit zwei, ebenfalls aus Bronze gefertigten Lorbeerranken. [9] Die heute vorhandene Inschriftentafel am Denkmal Meynerts hingegen besteht aus gelben Marmor und trägt keine weiteren Verzierungen. Somit kann angenommen werden, dass die Tafel im Laufe der Jahre aus unbekannten Gründen ausgetauscht wurde, der Wortlaut der Inschrift allerdings unverändert blieb. Auf diesen Umstand weisen drei rundliche, wieder verschlossene Öffnungen an den Seiten der jetzigen Inschriftentafel hin (Abb. 7). Bezüglich der Aufstellung des Denkmals veranlasste man, dass das Meynert-Denkmal an den Platz der Stephan Ladislaus Endlicher-Büste gestellt werden sollte. Für die Festrede engagierte man vorab Prof. Gabriel Anton aus Graz.[10] Die Universität Wien entschloss sich dazu, den Tag für die Denkmalsenthüllung erst dann festzusetzen, wenn die Büste vor Ort eingetroffen war.[11] Die feierliche Enthüllung der Meynert-Büste erfolgte am 19. Mai 1901 um 12 Uhr im Festsaal der Universität. Wie schon fast ein Jahr zuvor geplant, hielt Prof. Gabriel die Festrede. Untermalt wurde die Feier durch einen Auftritt eines Gesangsvereins. Am Morgen der Feier hatte die Gebäudeinspektion der Universität das Denkmal von seiner Umhüllung befreit und den Blumenschmuck samt Kränzen drapiert, welcher von der Fa. Stumpf geliefert worden war (Abb. 8).[12]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Die vom Bildhauer Theodor Khuen geschaffene Porträtbüste Theodor Meynerts entspricht einer naturgetreuen Darstellung des Wissenschaftlers. Ein Vergleich mit der Baelz’schen Lithographie, welche Meynert porträtiert, zeigt deutliche Parallelen bezüglich der Physiognomie, Kleidung und Haltung des Wissenschaftlers (Abb. 1 und 4). Vor allem die Augenbrauen sowie der Vollbart stimmen mit der Lithographie überein. Auch die tiefen Falten sind erkennbar. Sowohl die Haltung als auch die Kleidung mit Fliege, Hemd und Sakko unterstreichen die Ähnlichkeit zusätzlich. Obwohl Lithographie und Büste unterschiedliche Ansichten des Neurologen zeigen ist der Dargestellte eindeutig wiederzuerkennen. Die Lithographie von Baelz, welche nach 1892 datiert wird, erweckt den Eindruck als hätte sie als Vorlage für die Meynert-Büste des Bildhauers Theodor Khuen gedient.

In der Kinderklinik des AKH, Währinger Gürtel 18, ist ein Porträtrelief mit dem seitlichen Profil Theodor Meynerts nach links im Vorraum zum Hörsaal der Psychiatrischen Universitätsklinik angebracht. Es befindet sich auch eine Büste zu Hans Strotzka dort. Somit werden hier zwei Psychiater geehrt, die geradezu diametral entgegengesetzte Schulen der Medizin vertraten.[13] Bei dem Porträtrelief ist gerade noch ein abgerundeter Brustansatz zu erkennen und keine Kleidung sichtbar. Damit entspricht das Porträtrelief dem Bild antiker Gelehrter in heroischer Nacktheit auf Münzbildnissen und steht in starkem Gegensatz zur Porträtbüste im Arkadenhof, welche eine konservative zeitgenössische Kleidung aufweist.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

In einem 1934 erschienenen Arkadenhof-Führer der Universität Wien (Meister 1934), welcher vom Akademischen Senat herausgegeben wurde, befand sich die Meynert-Büste direkt vor einer Säule auf der rechten Gangseite des Arkadenhofs (Abb. 9). Ein Vergleich mit dem Plan Maisels aus dem Jahr 2007 zeigt jedoch, dass sich die Büste rechts neben dieser Säule befindet (Abb. 2). Der Platz an der Säule ist heute freigelassen. Demnach scheint die Büste Theodor Meynerts verschoben worden zu sein. Zu diesem Zeitpunkt könnte möglicherweise auch der Sockel ausgetauscht worden sein. Wann dies jedoch stattgefunden hat, ist in den Akten nicht vermerkt.

Quellen

  • Archiv der Universität Wien, Senatsakten, S 95.8, Schachtelnummer 61.

Rezeption in der Presse

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Wien 1934.
  • Neue Freie Presse 1901: Neue Freie Presse, Nr. 13195, Abendblatt, 20. Mai 1901, ANNO-Datenbank der ONB, abgerufen am 13.8.2013.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Rektors an Bildhauer Khuen vom 5. Mai 1900
  2. Maisel 2007, S. 85.
  3. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Dekans an den Akademischen Senat vom 19. April 1899.
  4. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Rektors vom 28. Jänner 1900.
  5. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Ministeriums für Kultus und Unterricht an die Artistische Kommission vom 12. März 1900.
  6. UAW, Senat, S 95.8, Brief Theodor Khuens an den Rektor, vermutlich März 1900.
  7. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Rektors an Bildhauer Khuen vom 5. Mai 1900.
  8. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben an das Ministerium für Kultus und Unterricht vom 24. September 1900.
  9. Neue Freie Presse 1901, S. 3
  10. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Prorectors vom 9. Juli 1900.
  11. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Rektors an den Dekan vom 6. März 1901.
  12. UAW, Senat, S 95.8, Schreiben des Rektors an die Gebäudeinspektion sowie an Gesangsverein vom 7. Mai 1901.
  13. http://www.springermedizin.at/artikel/6221-die-kliniken-am-suedgarten-altes-medizinisches-wien-45

Galerie


Carola Auer, Carina Schaffer