Denkmal Stephan Ladislaus Endlicher

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Denkmal für Stephan Ladislaus Endlicher von Johann Kalmsteiner im Arkadenhof der Universität Wien
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 30, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb.3: Johann Kalmsteiner, Denkmal: Stephan Ladislaus Endlicher, Arkadenhof der Universität Wien
Abb.4: Einladungskarte zur feierlichen Enthüllung des Endlicher-Denkmales am 4. Juli 1897, Abbildungsnachweis UAW.
Abb.5: Johann Kalmsteiner, Denkmal: Stephan Endlicher, Detail Inschrift.
Abb.6: Johann Kalmsteiner, Detail Signatur.
Abb.7: Johann Kalmsteiner, Detail Inschrift.

Das Denkmal für den Botaniker Stephan Ladislaus Endlicher (1804-1849) wurde von dem Bildhauer Johann Kalmsteiner (1845-1897) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 4. Juli 1897 enthüllt.

Beschreibung

Die überlebensgroße Porträtbüste (Abb.1) wurde aus Laaser Marmor angefertigt und befindet sich im linken Gang des Arkadenhofes der Universität Wien rechts neben dem Aufgang zur Stiege VII. Sie ist auf einem schwarzen Marmorsockel mit quadratischem Grundriss aufgestellt. Die Büste zeigt einen Mann mittleren Alters mit lockigem Haar. Sein Blick ist gerade obwohl sein Kopf leicht nach links gewendet ist. Er blickt mit ernstem Gesicht auf den vor ihm stehenden Betrachter. Die Gesichtszüge sind idealisiert und von weich anmutender Plastizität. Auffallend sind die plastisch modellierten Locken und der betonte Scheitel der Haare. Der Bildhauer zeigt den Professors in zeitgenössischer Kleidung, die er sehr naturgetreu wiedergibt, indem er die Bewegungsfalten tief ausarbeitet. Der offene Mantel gibt einen Einblick auf die Bekleidung darunter: Rock, Weste, Hemd und Halstuch. Die Augen haben leicht eingezeichnete Pupillen, der Mund ist geschlossen. Besonders markant fallen die geschwungenen Lippen mit dem prominenten Kinn auf. Die Signatur des Künstlers befindet sich rechts an der Büste: Kalmsteiner fec. 1896 (Abb.6). Die Portraitbüste selbst steht auf einer weiteren kleinen sockelartigen Basis. Der hohe, reich profilierte Sockel besteht aus dunklem Marmor und kann in drei Abschnitte gegliedert werden: Fuß- und Kranzgesims sind profiliert und aus schwarzem Marmor gefertigt durch den sich helle Schlieren ziehen (Abb.3). Im mittleren Abschnitt ist eine lateinische Inschrift in vergoldeten Grossbuchstaben eingravierten: STEPHANUS ENDLICHER BOTANICAE IN HAC UNIVERSITATE PROFESSOR NATUS A. MDCCCIV OBIIT A. MDCCCXXXXIX (Abb.5). Seitwärts auf dem Sockel ist zu lesen: SOCIETATE ZOOLOGICO-BOTANICA IUBENTE HOC MONUMENTUM EXSTRUXERUNT VIRI EGREGII INGENI STUDIIQUE ADMIRATORES (Abb.7).

Das gesamte Denkmal ist circa 239 cm hoch und hat eine Grundfläche von 62 x 62 cm2. Die Höhe des schwarzen Marmorsockels beträgt 148 cm. Die Büste selbst ist circa 92 cm hoch.

Notizen zur dargestellten Person

Stephan Ladislaus Endlicher war Professor für Botanik an der Universität Wien sowie Direktor des Botanischen Gartens und des botanischen Museums in Wien.

Entstehungsgeschichte

Laut dem Protokoll des akademischen Senates vom 15.7. 1895 beantragte am 13.7 1895 die k.k. zoologische botanische Gesellschaft zu Ehren des Botanikers Stephan Ladislaus Endlicher ein Denkmal im Arkadenhof der Universität zu errichten. Hierfür beauftragten die Professoren Anton KERNER Ritter von Marilaun und Wilhem von Harte schriftlich am 21.11. 1895 den Bildhauer Johann Kalmsteiner.[1] In einem Brief an das Rektorat vom 14.12.1895 berichtete Professor Anton KERNER Ritter von Marilaun folgendes: “Das Comitee zur Errichtung eines Denkmales für den verstorbenen Botaniker Stefan Endlicher erlaubt sich hiermit die Mitteilung zu machen, dass es am 21.11 des Jahres mit dem Bildhauer Johann Kalmsteiner einen Vertrag abgeschlossen hat, nach welchem sich derselbe verpflichtet, das Denkmal bis 1.Juni 1896 fertig zu stellen.“[2] In diesem Schreiben wurde weiters ein Honorar von 1.000 Gulden vereinbart.

In einem weiteren Schreiben vom 11.Juli 1896 teilte Professor Anton Kerner Ritter von Marilaun dem Rektorat mit, dass der Bildhauer Johann Kalmsteiner die Endlicher Büste für den Arkadenhof fertig gestellt hat und auch schon bezahlt sei. Weiters hat eine Abordnung des Komitees die Büste am 12. Juni 1896 begutachtet und sie frei gegeben. Professor K. Zumbusch hat auf Einladung des Komitees ein preiswertes fachmännisches Gutachten erhalten.[3] Obwohl die Kosten für den Sockel bereits schon im Juli 1895 aus dem „staatlichen Universitäts Gebäude Credit“ genehmigt waren und man um Fertigstellung vor Wintereinbruch 1896 bat, verzögerte sich die Aufstellung. [4] Die Enthüllungsfeier fand schließlich gemeinsam mit den Büsten für den Theologen Karl Werner, den Rechtshistoriker Gustav Demelius und den slawischen Philologen Franz von Miklosisch am 4. Juli 1897 um zwölf Uhr Mittags statt. Johann Kalmsteiner, der am 5. Jänner 1897 unerwartet verstorben war, konnte an der Enthüllungsfeier daher nicht teilnehmen. [5].

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das Denkmal Stephan Ladislaus Endlicher wurde im Arkadenhof der Universität neben den in gleicher Weise ausgeführten Büsten Hyrtls (Abb.8) und Schuhs ( Abb.9) aufgestellt. Die beiden Gelehrten waren Zeitgenossen Endlichers. Ein Vergleich mit der im Jahre 1889 enthüllten Büste Denkmal Josef Hyrtl, die ebenfalls vom Bildhauer Johann Kalmsteiner geschaffen wurde, zeigt gewisse Gemeinsamkeiten die eine Zusammengehörigkeit feststellen lassen. Allerdings ist bei der Büste Hyrtls deutlich der Historismus zu erkenne. Er trägt, in Anlehnung an römische oder griechische Gelehrte, ein Toga. Endlicher trägt die zeitgenössische Kleidung des 19 Jahrhunderts. Die Gesichter sind idealisiert, jedoch nicht völlig auf Kosten der Identität und zeigen keine erkennbaren Emotionen. Beiden Darstellungen blicken mit einer gewissen neugierigen Überlegenheit in die Ferne. Die beiden Porträtbüsten ähneln einander, indem sie die Gelehrten jeweils in frontaler Ansicht und idealisierender Weise zeigen. Größere formale Ähnlichkeiten lassen sich bei dem Denkmal Franz Schuh erkennen. Beide Büsten sind bis zur Brust dargestellt die in einen schmalen Steinsockel verläuft und auf einem breiteren Marmorsockel aufgestellt sind. Die Darstellungen ähneln sich weiters, in dem sie zeitgenössische Kleidung, hochgeschlossenes Hemd, Weste, Jacke und Fliege, tragen. Allerdings ist bei Hyrtl die Jacke geschlossen und es wird nur ein Knopf gezeigt. Weiters ist, nicht nur am Gewand, sondern vorallem in der Gestaltung des Kopfes zu erkennen, dass die Büste Hyrtls wesentlich feiner ausgearbeitet wurde. Besonders gut zu erkennbar ist dies bei den Haaren, die formal gesehen gleich gestaltet sind wie die Endlichers - aus der Stirn gekämmt, eine Strähne fällt zurück in die Strin – jedoch kann man bei Hyrtl vermeintlich die Haare zählen. Bei Endlicher ist nur die grobe Struktur zu erkennen. Auch die Falten die durch die, wenn auch eher unbewegte, Gesichtszüge entstehen, sind bei Hyrtl wesentlich feiner als bei Endlicher. Sowohl eine Lithographie „Stephan Ladislaus Endlichers“ aus dem Jahre 1848 wie auch Endlichers Büste des Künstlers Kalmsteiner aus dem Arkadenhof weisen eine deutliche Ähnlichkeit in der Physiognomie des Dargestellten auf. Beide Werke zeigen einen Mann mittleren Alters, mit lockigem Haar, zur rechten Seite frisiertem Scheitel und einem spitz zu laufenden Kinn. In beiden Fällen ist der prüfende Blick des Gelehrten auf den Betrachter gerichtet. Diese Lithografie ist ein Jahr vor dem unerwarteten Tod Endlichers entstanden. Die Büste Endlichers für den Arkadenhof wurde im Jahr 1895 fertig gestellt. Die Denkmalbüste Endlichers die im Botanischen Institut der Universität Wien aufgestellt ist, ist eine Kopie der Büste im Arkadenhof. Sie wurde 1905 zur Eröffnung der Aula, dem ehemaligen Haupteingang, geschaffen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Enthüllung des Denkmals innerhalb des Arkadenhofes bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW, Senat, S 93.24, Nr. 3.
  2. UAW, Senat 93.24, Nr.4.
  3. UAW Senat 9324, Nr. 5.
  4. UAW Senat 93.24, Nr.5.
  5. Martischnig/Schipani 2008, S. 55.

UAW= Universitätsarchiv Wien

Quellen

  • UAW, Senat 93.24 : Stephan Ladislaus Endlicher-Büste

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, Nr. 14180, 16.2.1904, S.10 Sp.1.
  • Neue Freie Presse, Nr. 11805, 5.7.1897, S. 1 Sp.2.
  • Neue Frei Presse, Nr. 11804, 4.7. 1897, S. 5 Sp.2.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Martischnig/Schipani 2007; Michael Martischnig und Helmut Schipani, Johann und Hans Kalmsteiner. Zwei Südtiroler Künstlergenerationen in Wien um 1900. Wien 2007.

Weblinks

Galerie



Nadine Kraus, Carina Schaffer