Denkmal Sigmund Freud

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Lage des Denkmals, Nr. 97, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Beim Denkmal zu Ehren Sigmund Freuds (1856-1939) wurde eine Kopie der Büste verwendet, die 1920 im Auftrag Max Eitingons (1881–1943) – eines Schülers Freuds – von Paul Königsberger modelliert wurde. Sie wurde am 3. Februar 1955 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Die Büste zeigt den weltberühmten Psychoanalytiker in Frontalansicht. Sie ist bis zum Brustansatzes ausgebildet und ruht auf einem hohen, dreiteiligen Sockel. Die Bronze aus welcher die Büste besteht, wirkt weich modelliert und verformbar. Mit starrem Blick in Richtung Betrachter, scheint es so, als hätte der Künstler, Paul Königsberger, versucht mehr als nur das äußere Erscheinungsbild Freuds wiederzugeben. Seine Haare werden zurückgekämmt dargestellt. Die leicht angehobenen Augenbrauen, die tiefen, Licht absorbierenden Falten welche, von der Nase beginnend bis zu den Mundwinkeln reichen; aber vor allem der strenge Mund selbst, lassen den einstigen Neurologen etwas verbissen, wenn nicht sogar zornig in seinem Ausdruck erscheinen. Es ist mehr als ersichtlich, dass der Bildhauer nicht darum bemüht war eine ruhige, in sich harmonische Büste zu erschaffen, die ebenso nach einem Foto entstehen hätte können. Freud erzählt in seinen Briefen, dass er mehrere Tage lang Porträt sitzen musste. Königsberger hatte somit Zeit um sich jedes Detail Freuds einzuprägen und dennoch gestaltet er eine solche wichtige Partie wie den Mund in einer Art und Weise, die eine einwandfreie Bestimmung der Mimik der Figur unmöglich macht. Die Gestaltung im Bereich des Mund und Kinns, deren Grenzen kaum akzentuiert und verschmolzen erscheinen, lassen verschiedene Interpretationen zu. Die Büste wirkt bewegt, weniger in physischer als in emotionaler Hinsicht. Genau jener Aspekt dürfte Königsberger in seiner Gestaltung am meisten interessiert haben. Das Innere, welches durch das Äußere sichtbar wird, die Physiognomie, scheint bei der Büste Freuds passend gewählt. Der sich mit dem Seelenleben des Menschen und dessen äußerlichen Ausdrücken beschäftigte. Kurz gesagt soll die Psychoanalyse, die Aufklärung unbewusster psychischer Vorgänge (Triebe, Wünsche, Abwehrmechanismen...) gewährleisten. Freud dürfte sich um die Wirkung seiner Büste bewusst gewesen sein, denn als er sie zum ersten Mal sah, betonte er vor allem seine unglaubliche Ähnlichkeit zu dieser und sprach sogar von einem Doppelgänger aus Bronze.[1]. Vergleicht man jedoch die Büste mit Fotografien des Dargestellten in der damaligen Zeit, dann ähneln sich diese kaum und es wird offensichtlich, dass Freud den Begriff der Ähnlichkeit um eine semantische Ebene erweitert haben musste.

Der untere Teil des Denkmales wird von einen langen Sockel aus hellem Stein gebildet welcher aus drei rechteckigen Blöcken zusammengesetzt ist und die Büste im Verhältnis recht klein erscheinen lässt. Dass Sockel und Büste nicht perfekt miteinander harmonieren liegt daran, dass es sich bei dem Kopf aus Bronze um eine Kopie handelt. Für diese musste erst ein neuer Sockel geschaffen werden, der den Anforderungen des Arkadenhofes der Universität Wien entsprach. Der Sockel wurde mit dem Namen Freuds und der Dauer seiner Lehrtätigkeit an der Universität Wien versehen. Darunter lässt sich der Anfang eines Vers des von Sophokles verfassten Mythos von König Ödipus finden – dieses Drama hatte Freud maßgeblich bei der Entwicklung der Traumtheorie inspirierte. (Übersetzt bedeutet es: „Löser der berühmten Rätsel, der ein Mann war reich an Macht.“, Sophokles, König Oidipus, V. 1525).[2]

Notizen zur dargestellten Person

Sigmund Freud war ein österreichischer Neurologe und gilt als Begründer der Psychoanalyse. Freuds Lehren bilden bis heute das Grundgerüst für die moderne Tiefenpsychologie.

Entstehungsgeschichte

Im Juli 1920 saß Freud dem jungen Bildhauer Paul David Königsberger Modell und erhielt die Büste im folgenden Jahr zum 65. Geburtstag als Geschenk vom "Komitee". Über die Sitzung schrieb er an Eitingon: "...die zehnte (Stunde) widme ich jetzt täglich Königsberger, auf den ich zuerst böse sein wollte. Aber es geht nicht, er ist ein zu lieber Kerl und sehr geschickt. Der Kopf, den er mitgebracht, war erstaunlich richtig, und was er seither dazu tut, gefällt allen sehr. So opfere ich mich denn für die Nachwelt"[3]

1951 wurde von Prof. Hans Hoff, dem Vorstand der Psychiatrisch-neurologischen Universitätsklinik, der Antrag gestellt, sowie eine Spendensammlung ins Lebens gerufen, um im Arkadenhof der Universität Wien ein Denkmal für den weltberühmten Begründer der Psychoanalyse zu errichten.[4] Dieser Vorschlag fand schnell Zuspruch und so erklärte sich der Freud-Biograph Ernest Jones dazu bereit, eine von ihm gestiftete Kopie der Büste von Paul Königsberger nach Wien zu übermitteln.[5] Diese wurde schließlich am 4. Februar 1955 mit einer feierlichen Zeremonie im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. Für die Aufstellung wurde eigens ein Marmorsockel angefertigt. Einen zweiten Abguss der Büste überließ er 1956 der American Association für eine Ausstellung, die zum 100. Geburtstag Freuds gezeigt wurde.[6]

Im Neuen Wiener Tagblatt vom 5. 5. 1936 ist zu lesen, dass die Originalbüste "...aus Anlaß des 80. Geburtstages des Gelehrten (8. Mai) von dessen Verehrern der Universität Jerusalem gespendet wurde und dort zur Aufstellung gelangte."[7] (Abbildung des Artikels unten) Weiters steht in dem Buch "Freud auf Hebräisch" zu lesen, dass der Wunsch des dort ansässigen Chemieprofessors Andorn Fodor, Mitglied des Freundeskreises der Psychoanalytischen Gesellschaft, eine Büste Freuds in seinem Chemielabor aufzustellen, einen kleinen Skandal verursachte. Die Gegner erwähnten das biblische Gebot "Du sollst dir kein Bildnis machen" und forderten die Entfernung der Statue. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Statue erhielt im Aufgang zur Universitätsbibliothek einen Platz.[8] Ob es sich hierbei um die im Artikel des Neuen Wr. Tagblatt beschriebene Büste handelt ist fraglich. Ebenso wie sie ihren Weg in das Freud Museum in Wien gefunden hat, oder ob es sich ebenfalls nur um eine Kopie handelt.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Denkmal Sigmund Freud Photo im Freud Museum Wien

Vergleicht man die Büste mit Fotografien Freuds fallen einige Unterschiede auf. Der markante Bart ist kaum sichtbar dargestellt und die runde Brille, welche schon zu seinen Lebzeiten als typisch für ihn galte und ein allgemeines Symbol der Gelehrsamkeit ist, fehlt komplett. Möglicherweise war diese schwer darzustellen und so entschied sich der Künstler dagegen, oder Freud gefiel die Büstendarstellung besser ohne Brille. Unter dem rechten Schlüsselbein, vom Betrachter aus gesehen, ist Sigmund Freund, 1936 eingraviert, obwohl die Büste 1921 angefertigt wurde. Königsberger war nicht der erste Künstler für den Freud Modell saß. Vier verschiede Büsten von ihm wurden von dem Künstler Oscar Nemon angefertigt. Neben der Königsberger Büste beherbergt das Freud Museum in Wien auch eine von Nemon. Diese bronzene Büste ist wesentlich gröber ausgeführt. Gemeinsam ist den beiden jedoch, dass beide nur ein kurzes Stück Brust nach dem Hals zeigen die augenscheinlich nackt ist. Ebenfalls fehlt die Brille. Die Nemon Büste stellt Freud älter wesentlich dar als es die Königsberger Büste. Bei der Königsbergerbüste ist auf der Plakette zu lesen, dass sie 1920/21 geschaffen wurde. Die Nemonbüste ist auf der Rückseite des Halses signiert. Neben einem Kürzel der Künstlersignatur sind die Zahlen 1938 – 1956 zu erkennen. Also liegen über 10 Jahre zwischen den Erstellungszeitpunken der Büsten die sich deutlich bemerkbar machen. Die Kopf und Gesichtshaare, sowie die Tränensäcke und Falten neben der Nase und auf der Stirn, sind starker herausgearbeitet, und durch die Einhöhlungen in den Augen bekommt die Büste einen intensiveren Ausdruck. Bei der Königsbergerbüste wird ein stierender und zornig wirkender Blick durch die zusammen gezogenen Augenbrauen erzeugt. Würde diese Büste ebenfalls stark herausgearbeitete Pupillen haben, könnte der Betrachter ihrem Blick wahrscheinlich nicht lange Stand halten. Dies wird verstärkt durch die Tatsache, dass die Büste frontal auf den Betrachter ausgerichtet ist und den Hals ein wenig nach vorne zu strecken scheint, wie um auf Konfrontation zu gehen. Der Blick der Nemon Büste wirkt durch die Drehung des Kopfes zur linken Schulter hin abgemildert. Beide Büsten sind in einem klassischen Stil gefertigt, und da sich nach dem abgerundeten Halsansatz auf heroische Nacktheit schließen lässt, kann man sie in die Reihe klassizistischer Denkmäler eingliedern. Im Vergleich mit einem Photo Freuds an seinem Arbeitsplatz sitzend, scheinbar in Gedanken versunken und sich nicht auf die Gegenwart des Photographen konzentrierend, erkennt man die äußerliche Ähnlichkeit, wenn auch die Photographie einen völlig unterschiedlichen Ausdruck in seinem Gesicht zeigt. Er wirkt abwesend und die Energie, welche die Büste ausstrahlt, ist hier nicht ansatzweise zu spüren.

Eine aktive Bewegtheit einer passiven Ruhe zeigt uns die Büste des berühmten Psychoanalytikers Prof. Freud. Über die gewöhnlichen Zufälligkeiten des Aussehens hat sie den Begriff seines Antlitzes im Künstlerischen um so mehr verfestigt.[9]

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Anlässlich des 150. Geburtstages von Sigmund Freud am 6. Mai 2006 (und den zeitgleichen Renovierungsarbeiten im Arkadenhof) wurde die Büste als Ausdruck der großen Wertschätzung temporär in die Aula der Universität Wien verlagert. Danach wurde sie im Arkadenhof neben dem Littrow Dankmal platziert, wo ihr Maisel 2007 die Nummer 97 zugeteilt hat. Auf einem Photo in Unidam ist jedoch eindeutig ein anderer Hintergrund zu erkennen. Demnach durfte das Photo, wenn es im Arkadenhof aufgenommen wurde wie die Angaben behaupten, vor der Aufstellung in der Aula entstanden sein, was bedeutet, dass die Büste einen anderen Aufstellungsort hatte als dies nun der Fall ist.

Quellen

  • Archiv der Universität Wien: Senat S 93.27, Freud, Sigmund, Denkmal im Arkadenhof, 1951-1955 (Akt). (Signiatur: Senat S 93.27/Schachtelnummer: 59)
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Biographische Skizzen, Wien 1990.

Literatur

  • Fischer 2005: Lisa Fischer (u.a.), Sigmund Freud. Wiener Schauplätze der Psychoanalyse, Wien (u.a) 2005.
  • Freud 2006: Ernst Freud (Hg.), Sigmund Freud. Sein Leben in Bildern und Texten, Frankfurt am Main 2006.
  • Günter 2007: Michael Günter (Hg.), Sigmund Freud. Die Aktualität des Unbewussten, Tübingen 2007.
  • Liebermann / Kramer 2012 : James Liebermann, Rober Kramer, The letters of Sigmund Freud and Otto Rank: Inside Psychoanalysis, Baltimore 2012. Digitalisierte Version bei Google Books
  • Schmidbauer 2005: Wolfgang Schmidbauer, Der Mensch Sigmund Freud. Ein seelisch verwundeter Arzt?, Stuttgart 2005.
  • Tragl 2007: Karl Heinz Tragl, Chronik der Wiener Krankenanstalten, Wien (u.a.) 2007.
  • Neues Wiener Tagblatt, 5. 5. 1963, 7, Nr.: 124, Eine Stunde mit Siegmund Freud.
  • Vandenhoeck & Ruprecht 2013: Eran Rolnik von Vandenhoeck & Ruprecht, Freud auf Hebräisch: Geschichte der Psychoanalyse im jüdischen Palästina, 2013.

Weblinks

  • Seite der Universität Wien Link.

Einzelnachweise

  1. Liebermann / Krammer 2012.
  2. Maisl, Seite 79
  3. Ulrike May, Fundstücke zur Freud-Biographik in der Exilpresse, in: Luzifer Armor, Heft 38 (19. Jg. 2006): Blicke auf Freud, S. 144
  4. Maisl, Seite 79
  5. 150. Geburtstag Freuds; Redaktion am 5. Mai 2006, http://www.dieuniversitaet-online.at/dossiers/beitrag/news/sigmund-freud-buste-temporar-in-der-aula-des-hauptgebaudes/367.html
  6. Ulrike May, Fundstücke zur Freud-Biographik in der Exilpresse, in: Luzifer Armor, Heft 38 (19. Jg. 2006): Blicke auf Freud, S. 145
  7. Neues Wiener Tagblatt, 5. 5. 1963, 7, Nr.: 124, Eine Stunde mit Siegmund Freud.
  8. Freud auf Hebräisch: Geschichte der Psychoanalyse im jüdischen Palästina von Eran Rolnik von Vandenhoeck & Ruprecht, 2013, S. 155.
  9. Menorah: jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur (1923 - 1932) 3-4, S. 161-162

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Carola Auer, Kevin Breiteneder, Carina Schaffer