Denkmal Rudolf von Scherer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Arnold Hartig, Denkmal Rudolf von Scherer, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 142, 1951 enthüllt.
Lage des Denkmals, Nr. 142, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Theologen Rudolf von Scherer (1845-1918) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Arnold Hartig (1878-1972) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Denkmal für Franz Martin Schindler am 13. Juni 1951 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Rudolf Ritter von Scherer befindet sich im rechten Arkadengang an der Innenseite des Pfeilers der 2. Travée (Maisel 2007, Nr. 142). Die hochrechteckige Marmorplatte kann in zwei Hälften unterteilt werden, wobei der oberen eine plankonkave, kreisrunde Bronzescheibe eingeschrieben ist und die untere Hälfte eine Inschrift besitzt. Der Name, der Forschungsbereich und die Lebensdaten sind in 3 Zeilen, zentriert unter dem Portraitmedaillon wiedergegeben; „RUDOLF RITTER V. SCHERER; PROFESSOR FÜR KIRCHENRECHT; 1854 – 1918“.

Die kreisrunde Scheibe hinterfängt den Kopf des Dargestellten, der zu dreiviertel aus dem Hintergrund heraus tritt. Die plankonkaven Abschlüsse treffen auf den oberen Brustkorb und die Schlüsselbeine des Portraitierten sodass lediglich das Revers seines Sakkos und der Kollar zu erkennen sind. Scherers Kopf wendet sich zu 45° nach links dem Arkadengang und somit dem Eingang zum Gebäude zu. Die Kleidung des frontal Dargestellten erscheint idealisiert und erweckt somit den Eindruck des bekleidet seins, wobei der Kollar auf die Bekleidung der kirchlichen Ämter hinweisen kann. Im Gegensatz zur faltenfreien Garderobe weist Scherers Gesicht naturalistische Gesichtszüge mit ausgeprägten Stirnfalten und markanten Tränensäcken auf. Das Gesicht wird außerdem durch ein dezent fliehendes Kinn und eine sehr gerade Nase personalisiert. Scherers Alter und Weisheit werden durch die fast vollständige Glatze transportiert, lediglich seitlich sind Haare wiedergegeben. Scherers Blick wirkt zwar bestimmt, doch weder ernst noch starr was ihm einen neutralen und menschlichen Ausdruck verleiht.

Das Medaillon sowie das gesamte Denkmal sind klar und minimalistisch gehalten, so sind Marmorplatte und Bronzescheibe glatt und lenken den Fokus auf Porträtkopf und Inschrift. Arnold Hartig hat das Medaillon rechts oberhalb des Schlüsselbeins signiert; „A. HARTIG“.

Notizen zur dargestellten Person

Rudolf von Scherer war promovierter Rechtswissenschaftler und Theologe und widmete sich als Priester der Seelsorge. Scherer lehrte an den Universitäten Graz und Wien und war an beiden Standorten als Dekan tätig. Scherer galt als Vertreter der modernen Methode kritisch-historischer Forschung, die er unter anderem in seinem Hauptwerk "Handbuch des Kirchenrechts" etablierte. Seine moderne Auffassung gegenüber rechtdogmatischen und rechthistorischen Thesen im Kirchenrecht führten zu innerkirchlichen Spannungen im Zuge des, von Papst Pius X. initiierten, Antimodernisteneids, woraufhin Scherer sich frühzeitig in den Ruhestand versetzen ließ. Seine reformatorischen Verdienste wurden zeitlebens mit dem Titel des Hofraths sowie mit der Mitgliedschaft in der Akademie der Wissenschaften geehrt.

Entstehungsgeschichte

Der Antrag für ein Denkmal für Rudolf Ritter von Scherer wurde vom Professorenkollegium der katholisch-theologischen Fakultät in der Sitzung vom 14. November 1950 beschlossen.[1] Daraufhin wurde der Antrag vom Dekan der Fakultät, Prof. Arnold am 25. November 1950 dem Akademischen Senat vorgelegt, wobei dieser die Anbringung von Reliefs von Rudolf von Scherer und Franz Martin Schindler beantragte. Der Senat begrüßte den Vorschlag, erbat allerdings eine „ausführliche Würdigung“ der beiden Theologen vorzulegen.[2] Dekan Arnold versandte ebendiese am 09. Dezember 1950 an den hohen akademischen Senat der Universität Wien, wo die zweiseitige Würdigung Schindlers am 13. Dezember einging.[3] Bereits fünf Tage darauf, in der 3. Sitzung des Akademischen Senats am 18. Dezember 1950 wird der Antrag Arnolds für beide Reliefs zugestimmt.[4] Am 30. Dezember 1950 informiert der Rektor Gabriel Prof. Arnold über die Zustimmung des Senats und legt dem Dekanat nahe, von nun an mit der Universität-Gebäudeverwaltung und dem Kunstausschuss zu verhandeln.[5] In einer Abschrift von Rektor Gabriel an den Dekan Arnold vom 29. Jänner 1951 tauchen neue Details auf, die beide Denkmäler betreffen.[6] So, hat der Kunstausschuss am 25. Jänner 1951 nicht nur der Errichtung zugestimmt sondern man einigte sich auch auf die vorgelegte Skizze für Bronzemedaillons von Medailleur Arnold Hartig. Der Ausschuss räumte allerdings ein, dass man die fertigen Gips- oder Tonmedaillons noch einmal besichtigen wolle und erst dann den Bronzeguss in Auftrag geben möchte. Gabriel bat Dekan Arnold in diesem Schreiben außerdem, Hartig von dieser Entwicklung zu informieren.[7] In der 4. Sitzung des Akademischen Senats, am 01. Februar 1951 wird der Bericht des Vorsitzenden des Kunstausschusses von Prorektor Prof. Meister verlesen, woraufhin sowohl der Antrag betreffend die Bronzemedaillons für Scherer und Schindler zugestimmt wird, als auch jener des Wagner-Jauregg Denkmals, das wie erstere 1951 enthüllt wird.[8] Eine Abschrift aus dem Sitzungsprotokoll des Kunstausschusses liegt dem Sitzungsprotokoll bei, wo folgende Details besprochen werden. Die Platzierung soll im zweiten Pfeilerdurchgang beim Denkmal von Prof. Werner stattfinden und Medailleur Hartig wird vorgeschlagen. Zudem entscheidet man sich für Untersberger Marmor für die Steinplatten auf denen die Medaillons montiert werden sollen. Die Reliefs betreffend entflammte eine Diskussion über die Ansicht der Portraitierten, ob Frontal- oder Profilansicht vorteilhafter wäre. Prof. Müllner wies auf das „äußerst gelungene Pernter-Denkmal“ hin, das en face dargestellt ist. Der Ausschuss entschied sich einstimmig für Hartigs Skizze und bat um die bereits erwähnte Vorabbesichtigung der Gipsabgüsse.[9] Der Verlauf der Entstehung des Denkmals für Rudolf von Scherer ist bis zu diesem Zeitpunkt ident mit jenem des Denkmals für Franz Martin Schindler und obwohl im Akt Schindlers von der Besichtigung beider Denkmäler bei Bildhauer Hartig am 19. März gesprochen wird, findet sich bei Scherer nun die Einladung zur Besichtigung der Tonabgüsse bei Hartig vom 20. März 1951 für 11 Uhr vormittags am Folgetag.[10] Der folgende Brief Meisters an das Rektorat der Universität Wien stimmt wieder mit der Entstehungsgeschichte des Denkmals für Franz Martin Schindler überein und nennt den 19. März 1951 als Datum der Besichtigung.[11]

Anwesend in der Unteren Viaduktgasse 57 waren unter anderem Prorektor Meister, Bildhauer Müllner (Denkmal Julius Wagner-Jauregg), Bildhauer Swoboda und Dekan Arnold, die einstimmig zum Schluss kamen, dass „Hartig den Anforderungen und Erwartungen voll [entspreche]“[12]. Im Schreiben Meisters wird zudem Hartig der endgültige Auftrag zur Fertigstellung bestätigt und dass man von einer raschen Fertigstellung ausgeht was eine die Enthüllung der Denkmäler im Sommersemester 1951 ermöglicht. Im 6. Sitzungsprotokoll des Akademischen Senats, am 5. Mai 1951 gab Rektor Gabriel als Termin für die Enthüllung der Denkmäler den 13. Juni 1951 an.[13] Kurz darauf informierte der Rektor, Dekan Arnold über das Datum der Feier, woraufhin gemeinsam Entwürfe für die Einladungen gestaltet, die Gedenkfeier für 11 Uhr vormittags im Sitzungssaal des Akademischen Senats und die darauffolgende Enthüllung im Arkadenhof beschlossen wurden.[14] Rektor Gabriel und Dekan Arnold luden Bundeskanzler Figl, alle Bundesminister, sowie zahlreiche weitere Vertreter aus Politik und Kirche zu den Feierlichkeiten ein.[15] Der unglückliche Umstand, dass die Gedenkfeier und Enthüllung mit einer Nationalratssitzung zusammenfielen, führte allerdings dazu, dass alle Minister, der Präsident des Nationalrates und der Bundeskanzler absagen mussten.[16] Da keine Präsenzliste vorhanden ist, bleibt unklar wer die Gedenkfeier besucht hat.

Denkmal Franz Martin Schindler, Arnold Hartig, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 143, 1951 enthüllt, Abbildunsnachweis:UNIDAM, Universität Wien
Denkmal Alfons Dopsch, Arnold Hartig, 1930
Denkmal Karl Landsteiner, Arnold Hartig, Arkadenhof der Universität Wien
Denkmal Gustav Riehl, Arnold Hartig, Arkadenhof der Universität Wien
Porträt Rudolf von Scherer, oJ, © ÖNB

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Das für die Ehrung im Arkadenhof zur Ausführung gekommene Porträtmedaillon folgt dem Typus der sogenannten "imago clipeata", bei der das Profil des Dargestellten von einer meist kreisrunden konkaven Scheibe hinterfangen wird, und schließt damit an eine Bildnistradition des Quattrocento an.

Der Dargestellte wird in Dreiviertelansicht gezeigt und von einer kreisrunden, plankonkavem Aussparung hinterfangen. Hartig wählte diesen Typus der "imago clipeata" ebenso für das Denkmal von Franz Martin Schindler, welches jenem Scherers gegenüberliegt. Das Denkmal Schindlers wurde ebenso von der katholisch-theologischen Fakultät in Auftrag gegeben und zusammen mit dem Denkmal Scherers enthüllt. Für die Denkmäler von Alfons Dopsch, Karl Landsteiner und Gustav Riehl griff der Künstler auf den Typus des, seit der Antike bekannten Porträtmedaillons zurück. Im Vergleich mit diesen Portraitmedaillons erschließt sich die Veränderung der Ansicht, da diese im Profil wiedergegeben wurden. Nicht nur ist die Profilansicht beachtlich flacher wiedergegeben, sondern auch feiner und detailreicher ausgearbeitet als die Darstellungen von Scherer und Schindler. Die Portraits von Riehl und Hartig weisen überdies eine stärker glänzende Bronzeoberfläche auf, als die übrigen Denkmäler. Vergleicht man das Gesamtensemble aller fünf Denkmäler, sind sowohl, Format, Größe, Signatur als auch Inschrift und Proportionen ident, wodurch die Kontinuität der Darstellungen unterstrichen wird.

Eine Analyse des Realitätsgehalts der Darstellung erweist sich aufgrund eines Mangels an Abbildungen von Rudolf Scherer in Dreiviertelansicht als äußerst schwierig. Ein Stich (Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – Nachlass Rudolf von Scherer), der allerdings in Profilansicht angefertigt wurde, kann allerdings bestätigen, dass Hartig die charakteristischen Merkmale Scherers, wie seine hervortretende Augenpartie, die markante Nase und das ansatzweise fliehende Kinn in der Darstellung innerhalb des Medaillons visualisiert hat. Durch die leicht aus der Mitte gerückte Darstellung des Kopfes wird zudem eine gewisse Lebendigkeit erreicht und einer allzu starren Wirkung, die eine rein frontale Wiedergabe des Gesichtes hervorrufen könnte, entgegengewirkt.

Weiters hat sich im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek ein Porträt erhalten, das den Gelehrten seitlich im Porträt zeigt. Deutlich sichtbar ist hier der Kollar eng am Hals anliegend unter dem dunklen Mantel dargestellt. Da von Scherer hier ebenfalls im Profil gezeigt ist, kann dieses Porträt kaum als Vorlage, könnte dem Künstler aber dennoch zur Orientierung gedient haben.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat S 222.15, Auszug aus dem Protokoll über die 2. Sitzung des Akademischen Senates, 25. November 1950.
  • UAW, Senat S 222.15, Brief von Dekan Arnold an den hohen akademischen Senat der Universität Wien, 9. Dezember 1950.
  • UAW, Senat S 222.15, Auszug aus dem Protokoll über die 3. Sitzung des Akademischen Senates, 18. Dezember 1950.
  • UAW, Senat S 222.15, Brief von Rektor Gabriel an seine Spektabilität den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät, 30. Dezember 1950.
  • UAW, Senat S 222.15, Abschrift des Briefes von Rektor Gabriel an den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 30. Dezember 1950, 29. Jänner 1951.
  • UAW, Senat S 222.15, Aktenvermerk vom Obmann des Kunstausschusses, Meister an das Rektorat der Universität Wien, 22. März 1951.
  • UAW, Senat S 222.15, Auszug aus dem Protokoll über die 6. Sitzung des Akademischen Senates, 5. Mai 1951.
  • UAW, Senat S 222.15, Brief von Rektor Gabriel an sein Spektabilität den Herrn Dekan der Kath.-Theol. Fakultät, 8. Mai 1951.
  • UAW, Senat S 222.15, Einladung des Rektors Gabriels und des Dekans Arnold zur Gedenkfeier für die Professoren Scherer und Schindler am 13. Juni 1951.
  • UAW, Senat S 222.15, Einladungsliste zur Gedenkfeier, o. J.

UAW: Universitätsarchiv Wien

Einzelnachweise

  1. Brief von Dekan Arnold an den hohen akademischen Senat am 25. November 1950, UAW Senat S 222.15.
  2. Auszug aus dem Protokoll über die 2. Sitzung des Akademischen Senates am 25. November 1950, UAW Senat S 222.15.
  3. Brief von Dekan Arnold an den hohen akademischen Senat am 25. November 1950, UAW Senat S 222.15.
  4. Auszug aus dem Protokoll über die 3. Sitzung des Akademischen Senates am 18. Dezember 1950, UAW Senat S 222.15.
  5. Brief von Rektor Gabriel an seine Spektabilität den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 30. Dezember 1950, UAW Senat S 222.15.
  6. Abschrift des Briefes von Rektor Gabriel an den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 30. Dezember 1950 am 29. Jänner 1951, UAW Senat S 222.15.
  7. Abschrift des Briefes von Rektor Gabriel an den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 30. Dezember 1950 am 29. Jänner 1951, UAW Senat S 222.15.
  8. Auszug aus dem Protokoll über die 4. Sitzung des Akademischen Senates am 1. Februar 1951, UAW Senat S 222.15.
  9. Auszug aus dem Protokoll über die 4. Sitzung des Akademischen Senates am 1. Februar 1951, UAW Senat S 222.15.
  10. Aktenvermerk vom Obmann des Kunstausschusses, Meister vom 22. März 1951, UAW Senat S 222.15.
  11. Auszug aus dem Protokoll über die 6. Sitzung des Akademischen Senates am 5. Mai 1951, UAW Senat S 222.15.
  12. Auszug aus dem Protokoll über die 6. Sitzung des Akademischen Senates am 5. Mai 1951, UAW Senat S 222.15.
  13. Brief von Rektor Gabriel an seine Spektabilität den Dekan der Kath.-Theol. Fakultät vom 8. Mai 1951, UAW Senat S 222.15.
  14. Einladung des Rektors Gabriel und des Dekans Arnold zur Gedenkfeier für die Professoren Scherer und Schindler am 13. Juni 1951, UAW Senat S 222.15.
  15. Einladungsliste zur Gedenkfeier für die Professoren Scherer und Schindler am 13. Juni 1951, UAW Senat S 222.16.
  16. Brief des Kabinetts des Auswärtigen Amtes, Brief des Präsidenten des Nationalrates, Brief des Bischofes von Linz, Brief des Fürsterzbischofes von Salzburg an Rektor Gabriel, 1951, UAW Senat S 222.15.

Literatur

  • Hartig 1964: Arnold Hartig, Aus meinem Leben. Vom Bauernjungen zum Künstler. Erlebnisse mit Porträtierten Persönlichkeiten. , Wien 1964.
  • Prokisch 2005a: Bernhard Prokisch, Der Nachlass des Medailleurs Arnold Hartig (1878–1972), in: Mitteilungsblatt 30/2005, hg. v. Inst. f. Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, S. 20-31.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.

redigiert von Caroline Mang, SS 2014