Denkmal Rudolf von Eitelberger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Rudolf von Eitelberger im Arkadenhof der Universität Wien
Arkadenhof, Aufstellung der Denkmäler, Denkmal Rudolf von Eitelberg.

Das Denkmal des Kunsthistorikers Rudolf von Eitelberger wurde von dem Bildhauer Kaspar Clemens Eduard Zumbusch entworfen und im Arkadenhof der Universität Wien in der rechten Arkadenhalle angebracht (Maisel 2007, Nr. 140.) Die Enthüllung der Büste erfolgte am 30. Mai 1889 im Arkadenhof der Universität Wien.


Beschreibung

Das hochrechteckige bronzene Porträtrelief des Kunsthistorikers Rudolph von Eitelberger ist in eine, aus rotem Marmor gefertigte Rahmung, die einer Ädikula ähnelt, allerdings mit einem geraden Sturz abschließt, eingefasst.

Die marmorne Platte ist im oberen Bereich mit einer profilierten, konvex gewölbten Bänderung und einem darüber liegenden Astragal (Perlenstab) verziert und schließt mit einem breiten Gesims mit einem floral verzierten Kyma ab. Das in der Mitte eingelassene bronzene Porträtrelief ist in hochrechteckigem Format wiedergegeben und wird unten von einer Zierleiste mit lesbischem Kyma abgeschlossen. In dem letzten Drittel der Marmortafel ist die Inschrift „Rudolf von Eitelberger Professor der Kunstgeschichte 1852 – 1885“ in Gold gefassten Buchstaben wiedergegeben. Sie hebt sich reliefartig, gleichsam als eine, aus dem Marmor tretende zusätzliche Plakette hervor und wird rechts und links von einem stilisiert geschwungenen Band abgeschlossen. Den unteren Abschluss der Marmorplatte bildet eine reich profilierte Konsole die rechts und links mit einem stilisierten Blattwerk gerahmt wird, und unterhalb durch einen Eierstab abgeschlossen wird.


Auf der, in die marmorne Rahmung eingelassenen, Plakette befindet sich links neben dem Porträt des Rudolf von Eitelberger die Signatur des ausführenden Künstlers, Kaspar Clemens Eduard Zumbusch.

Die Porträtplakette zeigt Rudolf von Eitelberger im Profil und gibt ihn bis zu seinem Brustansatz wieder. Der Professor ist in fortgeschrittenem Alter mit hohem Realitätsgrad dargestellt, was sich insbesondere in der Wiedergabe der Stirnfalten sowie an dem stark herausgearbeiteten und stark hervortretenden Wangenknochen offenbart. Der Dargestellte wirkt dadurch bereits greisenhaft, der naturalistische Eindruck wird darüberhinaus insbesondere durch die detailgetreue Wiedergabe der einzelnen Kopf – und gelockten Barthaare erreicht. Ferner sind die einzelnen von der Augenpartie ausgehenden Fältchen detailliert wiedergegeben. Die Wiedergabe des Mantels, der in gröberen Falten gelegt und damit in sehr legerer Form präsentiert wird, trägt zu einer sehr naturalistischen Wirkung des Porträts bei. Der in dieser Weise gewählte Porträtausschnitt suggeriert darüber hinaus, den Porträtierten, gleichsam wie durch ein Fenster hindurch, wahrzunehmen, was zusammen mit der überaus naturalistischen Wiedergabe des Kopfes im Profil sowie der leicht plissiert wiedergegebenen und damit formlos wirkenden Gewandung eine sehr unmittelbare Wirkung des Porträts auf Seiten des Betrachters auslöst.


Notizen zur dargestellten Person

Rudolf von Eitelberger wurde am 14.4.1817 in Olmütz (Olomouc, Tschechische Republik) geboren und verstarb am 18.4.1885 in Wien.[1] Die Person Rudolf Eitelbergers ist eng mit der Institutionalisierung des Faches Kunstgeschichte als wissenschaftliche Disziplin an der Universität Wien verbunden. Seine Berufung zum außerordentlichen Professor der Kunstgeschichte und Kunstarchäologie gilt als Gründung der zweiten kunsthistorischen Lehrkanzel nach der Berliner Professur von G. F. Waagens von 1844. [2] An der Universität Wien war Eitelberger von 1852 bis 1885 Professor für Kunstgeschichte.[3] Eitelberger gilt weiters als Stammvater der Wiener Schule der Kunstgeschichte. Daneben war er Gründer des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, dem heutigen Museum für Angewandte Kunst.[4]


Entstehungsgeschichte

Die Initiative zur Errichtung eines Denkmals für Rudolf von Eitelberger beginnt bereits in ungewöhnlich kurzer Zeit nach seinem Ableben. Hierfür bildete sich ein eigenes Denkmalkomitee, zu dem unter anderem Rudolf Chrobak sowie Franz von Miklosich zählten.[5] Tatsächlich wurde die Gedenktafel am 30. Mai 1889, also bereits vier Jahre nach dem Ableben Eitelbergers enthüllt. [6]. Am 4. Dezember informiert der Kassierer des Denkmalkomitees, Prof. Lobmeyer den Rektor über die Angehörigen des Denkmalkomitees sowie die von Kaspar von Zumbusch geplante Gedenktafel, die zunächst als Modell ausgeführt und folglich aus Bronze sowie Triestiner Marmor anzufertigen sein wird. Die anfallenden Kosten werden gänzlich von dem Denkmalkomitee getragen werden.[7] Am 6. Dezember 1888 informiert der Rektor Prof. Dr. Süß den damaligen Denkan der Universität Wien über das Denkmalprojekt für den Professoren der Kunstgeschichte, Rudolf von Eitelberger und dankt dem Denkmalkomitee für die geplante Initiative.[8]


Ende Dezember erklärt sich der akademische Senat dazu bereit, dem bereits angefertigten Denkmal eine Stelle innerhalb des Arkadenhofs zuzuweisen.[9] Am 28. Februar 1889 weist der Rektor darauf, hin dass sich das gebildete Denkmalkomité noch mit der artistischen Kommission über die Gedenktafel beraten sollte. [10] Als für das Denkmal geeignete Stelle wird zudem der Platz bei dem ersten schmalen Pfeilers des rechten Arkadenflügels oberhalb des dort befindlichen Brunnens genannt.[11] Am 28. März gibt der Prorektor sein Einverständnis für die Setzung der Gedenktafel und erwähnt als Enthüllungsdatum für das Denkmal den 14. April 1889. Die Enthüllungsfeier sollte somit am 72. Geburtstag Eitelbergers stattfinden.[12]


In Folge kam es allerdings aufgrund eines fehlerhaften Marmors zu einer erheblichen Verzögerung der Ausführung des Denkmals. Nachdem zunächst erst ein neuer Stein für den Rahmen des Denkmals bestellt werden musste, wurde die Enthüllung des Denkmals auf den 30. Mai 1889 verschoben.[13] Das von Zumbuscb entworfene Porträtrelief Eitelbergers wird von dem Bronzegießer Bönninger gegossen.[14] Die Enthüllungsfeier des Denkmals für Eitelberger fand folglich erst am 30. Mai 1889 statt und fällt damit mit den Enthüllungsferiern für fünf weitere Denkmäler zusammen. Dazu zählten, die Büste des Professors für Anatomie, Josef Hyrtl, das Denkmal für den Chirurgen Franz Schuh[15], die Büste für Gerard van Swieten , das Denkmal für Andreas Josef von Stifft und ferner das Denkmal für Josef Quarin.[16]


Bezüglich des Anbringungsortes der Tafel geht aus den Akten nicht hervor, weshalb und zu welchem Zeitpunkt sie von der ursprünglichen Hängung über dem Brunnen bei dem ersten Pfeiler des rechten Arkadengangs hin zur Wand des dritten Arkadenbogens im demselben Flügel versetzt wurde. Eine Versetzung des Denkmals im Zuge des 2. Weltkriegs ist auszuschließen, da bereits Meister im Jahr 1934 die heutige Hängung des Denkmals anführt. Es ist nicht auszuschließen, dass eine Änderung des zunächst geplanten Anbringungsortes der Tafel noch vor der Enthüllunggsfeier vorgenommen wurde und die Tafel damit, anstatt an einer eher unzugänglichen und unscheinbaren Stelle aufgehängt zu werden, bereits an einer, dem heutigen Anbringunsort entsprechenden Position, die zudem eine bessere Belichtung des Denkmals bietet, angebracht wurde. Eine somit möglicherweise noch vor der Enthüllung des Denkmals erfolgte Abänderung des kurz davor geplanten Aufstellungsortes unter dem Brunnen, ist allerdings nicht dokumentiert, weshalb die Frage nach dem Zeitpunkt der Abänderung des intendierten Anbringungsortes offen bleiben muss.


Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Rudolf von Eitelberger, Fotographie.
Bildnis von Kardinal Albrecht von Brandenburg, Albrecht Dürer, 1523
Denkmal Rudolf von Eitelberger im Museum für Angewandte Kunst, Hermann Klotz, 1863 - 1864.

Das Denkmal des Kunsthistorikers Rudolf von Eitelberger von Kaspar Clemens Eduard Zumbusch folgt einem, in der Renaissance entstandenen und im Klassizismus aufgegriffenen Epitaphtypus.

Als eine Reminiszenz an klassische Renaissanceporträts kann auch die in lateinischer Schrift wiedergegebene Formel "Aetatis LXVIII" neben dem Porträt Eitelbergers gesehen werden, die in klassischer Form vom Ableben des Kunsthistorikers in seinem 68. Lebensjahr referiert. Eine solche Formel der Altersangabe findet sich etwa auch in dem von Albrecht Dürer geschaffenen BiIdnis des Kardinal Albrecht von Brandenburg. In ebendieser Tradition steht zudem das rechts neben dem Kopf des Dargestellten abgebildete Wappen, welches im oberen Drittel eine aufgehende Sonne, im unteren Bereich einen Zirkel, den ein Schwert kreuzt, wiedergibt. Das Auftreten heraldischer Symbole innerhalb der Porträtdarstellung geht zurück auf Renaissanceporträts, in denen adelige oder der Kirche zugehörige Personen in Amtstracht mit ihrem persönlichen Wappen präsentiert werden, wie es etwa bei der Darstellung des Herzog Wilhelm von Julich-Cleve-Berg, von 1540 oder dem Porträtbildnis des Kardinal Albrecht von Brandenburg, von Albrecht Dürer ersichtlich wird. Somit enthält das Denkmal Eitelbergers in zweierlei Hinsicht Reminiszenzen an Porträtdarstellungen der Renaissance. Einerseits nämlich, indem die zur Ausführung gekommene Form einem, der italienischen Renaissance entstammenden Epitaphtypus folgt und andererseits hinsichtlich der Porträtgestaltung, indem nämlich die Darstellung der Person mit der Wiedergabe des Wappens verschränkt wird.


Innerhalb des Denkmals fällt ein gewisser Kontrast zwischen der strengen Stilisierung des Dekors auf der rötlichen Marmorplatte, die eine hoch repräsentative Rahmung der Bronzeplatte bildet und der vergleichsweise unidealisierten, realistischen Wiedergabe des Professoren, den der Betrachter sehr unmittelbar erlebt, auf. Betrachtet man die Reliefdarstellung des Rudolf von Eitelberger singulär, gleichsam ohne Rahmung, so wird deutlich, dass das Porträt des Professoren einem hohen Realismusgrad verpflichtet ist, der anhand der naturalistischen Wiedergabe der Gewandung sowie der leicht nach vorne geneigten Haltung abzulesen ist. Eitelberger wird somit in der Würde des Alters präsentiert und ohne jegliche schmückende Beifügung wiedergegeben. Den dezidiert repräsentativen Ehrungscharakter erhält die schlichte Porträtplakette, die Eitelberger sehr natürlich und naturalistisch wiedergibt somit erst durch die marmorne Rahmung, in die die Plakette eingefasst ist.

Innerhalb des Kontextes des Arkadenhofs wurde somit eine sehr realistische Darstellung des gealterten Eitelbergers vorgezogen, was auch zeigt, dass innerhalb der universitären Ehrenhalle eine solche Darstellungsform, die den Professoren möglichst porträtgetreu und in der Würde des Alters präsentiert, präferiert wurde. Eine diesem Denkmalstypus völlig entgegengesetzte Darstellungsform Eitelbergers aus früherer Zeit findet sich im heutigen Museum für Angewandte Kunst. Der Künstler Hermann Klotz fertigte 1864 für Eitelberger ein Denkmal an, das ihn nicht in seiner Funktion, als Professor sondern als als den Gründer des ehemaligen Museums für Kunst und Industrie ehrt. Es besteht aus einem hohen Sockel mit einer großformatigen Porträtbüste und zwei, diese umspielenden Putti. Die dort ausgeführte Büste Eitelbergers folgt dem Typus eines antiken Philosophenbildnisses. Indem Eitelberger lediglich von einem antikisierenden Umhang bekleidet und mit idealisierter Physiognomie präsentiert wird, kontrastiert diese Inszenierung mit der vergleichsweise sehr naturalistischen Wiedergabe des Professors im Arkadnehof.


Unterzieht man das Reliefs im Arkadenhof der Universität Wien einem Vergleich mit zeitgenössischen Fotografien des Kunsthistorikers, sind die Ähnlichkeiten eklatant. Die Reliefsdarstellung im Profil wirkt jedoch etwas streng und statisch im Gegensatz zu den Fotografien. Die groben Züge sowie die Haare und der Bart Eitelbergers entsprechen dem realen Erscheinungsbild Eitelbergers. Details wie etwa die Länge der Nase gehen wurden in der Reliefdarstellung allerdings etwas zurückgenommen zugunsten einer leicht idealisierenden Profilansicht.


Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Aufstellung bekannt.

Quellen

  • UAW S. 93.23, Schreiben des Rektors an den Dekan der Universität Wien, am 28. Februar 1889.
  • UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Brief von Lobmeyer an den Rektor, 6.Dezember 1888
  • UAW S. 93.23, Schreiben an den Rektor der Universität Wien, am 4. Dezember 1888.
  • UAW S. 93.23, Schreiben des Prorektors Universität Wien, am 28. März 1889.
  • UAW S. 93.23, Schreiben Lobmeyrs an den damaligen Rektor, Prof. Dr. Von Lang, am 27. April 1889.
  • UAW S. 93.23, Einladung zur feierlichen Enthüllung der Denkmäler des Herrn Hyrtl sowie des Herrn Schuh.
  • Wiener Zeitung, 31. Mai 1889, Artikel über die Enthüllungsfeiern von insgesamt sechs Denkmälern im Arkadenhof der Universität Wien.
  • Neue Frei Presse, 31. Mai 1889


Rezeption in der Presse

  • Wiener Zeitung, 31. Mai 1889, Artikel über die Enthüllungsfeierlichkeiten der Denkmäler Rudolf Eitelbergers, Franz Schuhs, Josef Hyrtls, van Swietens, Andreas Josef von Stiffts sowie Josef Quarins.
  • Wiener Bauindustriezeitung, Wien 1899, Jg. 17, 1. Bd., Nr. 6, S. 40, Notiz über die Denkmalsenthüllung.
  • Kunstchronik, 1887/88, 23. Jahrgang, Nr. 29, S. 486, Bemerkung über die Arbeit Caspar von Zumbuschs an einem Reliefmedaillon für Rudolf Eitelberger für die Gedenkhalle im Arkadenhof der Universität Wien.
  • Neue Frei Presse, 31. Mai 1889, S. 3, Längerer Artikel über sämtliche an diesem Tag erfolgten Enthülungesferierlichkeiten im Arkadenhof der Universität Wien.


Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S.99.
  2. Lachnit 2005, S. 11.
  3. Maisel 2007, S.99.
  4. http://kunstgeschichte.univie.ac.at/institut/geschichte-des-instituts/ Datum des letzten Besuchs: 10. 4. 2014.
  5. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Brief von Lobmeyer an den Rektor, 6.12.1888
  6. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Akt 3.
  7. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Brief von Lobmeyer an den Rektor, 6.12.1888
  8. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Schreiben an den Dekan der Universität Wien, 6. 12. 1888.
  9. Schreiben des Rektors an den Dekan, 22.12.1888
  10. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Schreiben des Rektors an den Dekan der Universität Wien, am 28. Februar 1889.
  11. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Schreiben des Prorektors Universität Wien, am 28. März 1889.
  12. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Schreiben des Prorektors Universität Wien, am 28. März 1889.
  13. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Schreiben Lobmeyrs an den damaligen Rektor, Prof. Dr. Von Lang, 27. April 1889.
  14. Neue Frei Presse, 31. Mai 1889, S. 3.
  15. UAW, Akademischer Senat, S 93.23, Einladung zur feierlichen Enthüllung der Denkmäler des Herrn Hyrtl sowie des Herrn Schuh.
  16. Wiener Zeitung, 31. Mai 1889, Artikel über die Enthüllungsfeiern von insgesamt sechs Denkmälern im Arkadenhof der Universität Wien.


Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität. Geschichte der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.
  • Schram 1887: Wilhelm Schram, Das Leben und Wirken des Kunstforschers Rudolf Eitelberger v. Edelberg. Vortrag, gehalten am 28. März 1887 in der Monatssitzung der hist. stat. Section der k. k. m.-s. Ackerbaugesellschaft, Brünn 1887.



Alice Hundsdorfer, Caroline Mang