Denkmal Rudolf Wegscheider

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Rudolf Wegscheider, Büste: Heinrich Zita (1882-1951), Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 38, 1949 enthüllt.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 38, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Chemiker Rudolf Wegscheider (1859-1935) wurde von dem Bildhauer und Medailleur Heinrich Zita (1882-1951) zunächst für das I. Chemischen Institut geschaffen und dort aufgestellt, im Jahre 1949 erfolgte die Verlegung in den Arkadenhof der Universität Wien, wo das Denkmal am 8. Oktober 1949 enthüllt wurde.

Beschreibung

Abb. 3: Heinrich Zita, Denkmal Rudolf Wegscheider, Detail.

Die bronzene Porträtbüste von Rudolf Wegscheider ruht auf einem marmornen Sockel, dessen Schaft eine glatte Oberfläche besitzt und bis auf die gestanzten goldenen Lettern der Inschrift schmucklos ist (Abb.1). Die Büste setzt nicht direkt am Postament an, sondern besitzt zusätzlich eine Bordüre, die sich nach oben verjüngt. Die Bordüre mit floralem Ornament bildet somit den Übergang zwischen Sockel und Büste. Der Sockel folgt einer querrechteckigen Grundform, als unterer Abschluss dienen ihm zwei kleine Vorsprünge. Das daran anschließende Fußgesims ist profiliert. Der hell gehaltene Sockel der am oberen Abschluss einen mit einem reliefiert wiedergegebenen Lorbeerkranz geschmückt ist, kontrastiert mit der dunklen Porträtbüste von Rudolf Wegscheider. Die Porträtbüste gibt den Professor bis zum Brustbereich wieder, die Schulterpartien sind allerdings stark beschnitten, wodurch sich die schmal gehaltene Porträtbüste durch den äußerst knapp gehaltenen Ausschnitt auszeichnet (Abb.3). Da die Wiedergabe der Schultern ausgespart wurde, ragt die Porträtbüste seitlich nicht über den marmornen Sockel sondern folgt den räumlichen Grenzen des Sockels. Trotz des fragmentierten Oberkörpers ist Wegscheiders Kleidung zu erkennen. Er trägt ein Sakko, eine Weste, sowie ein Hemd und eine Fliege. Der Kopf des Porträtierten wird in sehr realistischer Form präsentiert. Die Pupillen wurden jedoch nicht deutlich herausgearbeitet und der Brustbereich sowie der Bart des Dargestellten wirken im Vergleich zu den Gesichtszügen gröber ausgeführt. Das hagere Gesicht Wegscheiders wird durch den länglichen Bart betont. Die Haare wurden streng nach hinten gekämmt wiedergegeben.

Notizen zur dargestellten Person

Rudolf Wegscheider war Chemiker und Professor an der Universität Wien. Wegscheider gelang die Weiterentwicklung der Theorie der chemischen Reaktionsgeschwindigkeit. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen umfassen das gesamte Gebiet der physikalischen Behandlung chemischer Probleme. Rudolf Wegscheider wirkte außerdem an der Planung und Errichtung des chemischen Institutsgebäudes in der Währingerstraße mit.[1]

Entstehungsgeschichte

Abb. 4: Einladung zur Gedenkfeier 1949.

In einer Sitzung vom 22.5.1948 hat die philosophische Fakultät beschlossen, bei dem akademischen Senat der Universität Wien, die Aufstellung des Denkmals des verstorbenen Prof. Dr. Rudolf Wegscheider im Arkadenhof, zu beantragen. Diese bereits bestehende Büste befand sich zu diesem Zeitpunkt im I. Chemischen Institut. In diesem Antrag wird weiters erwähnt, dass zu den anfallenden Vorbesprechungen im Kunstausschuss Prof. Ebert und der Schöpfer der Büste eingeladen werden.[2] Bevor der Senat dem Antrag jedoch stattgeben hatte, musste der Dekan der philosophischen Fakultät dem Rektorat nach einem Beschluss des Akademischen Senates, ein entsprechendes Gutachten über die wissenschaftliche Bedeutung von Prof. Wegscheider vorlegen.[3]

Am 22.6.1948 berichtet Dr. Ebert dem akademischen Senat, dass die vorgesehene Büste ein Bronzeguss sei und dass sich im I. Chemischen Institut außerdem ein weniger dunkler Abguss aus Gussmetall mit leichter Patinierung befindet, der auch anstelle der dunklen Bronzebüste aufgestellt werden könnte. Am 22.6.1948 verfasste Dr. Ebert ein entsprechendes Gutachten über die wissenschaftliche Bedeutung von Rudolf Wegscheider.[4] In einem Schreiben vom 12.7.1948 teilte der Rektor dem Dekan der philosophischen Fakultät mit, dass der akademische Senat in der Sitzung vom 3.7.1948 dem Antrag auf Aufstellung eines Denkmals für Prof. Dr. Rudolf Wegscheider im Arkadenhof stattgegeben hat.[5]

Am 14.4.1949 berichtete das Dekanat der philosophischen Fakultät dem Rektorat der Universität, dass die Vorbereitungen für die Aufstellung des Denkmals getroffen sind und als Tag der Enthüllung der 90. Geburtstag Wegscheiders gewählt wurde.[6] Die Enthüllung des Denkmales im Arkadenhof fand schließlich im Zuge der Gedenkfeier zu Wegscheiders 90. Geburtstag am 8.10. 1949 statt.[7]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 5: Heinrich Zita, Reliefplakette Rudolf Wegscheider, 1931.
Abb. 6: Rudolf Wegscheider um 1925

Bei der Enthüllung des Denkmals am 8.Oktober 1949 lobte der Rektor Dr. R. Meister Heinrich Zitas Können. Bei seiner Rede betonte Meister „…ganz besonderes aber gilt unser Danke dem Schöpfer dieses Denkmals, Herrn Professor Heinrich Zita. Der glückliche Umstand, dass ihm Herr Professor Wegscheider für diese Arbeit gesessen ist, hat es zustande gebracht, dass es ein Denkmal nach dem Leben ist; die große Kunst Professor Zitas, dass es ein lebensvolles Denkmal ist, nicht nur in der Wiedergabe der natürlichen Physiognomie, sondern auch dessen, was dieser Physiognomie ihre Vollendung gegeben hat, des Geistes Rudolf Wegscheiders.“ [8]

Dieses wiedergegebene Zitat lässt somit keinen Zweifel daran, dass bei der Porträtbüste im Arkadenhof (Abb.3) die genaue Nachahmung der Natur angestrebt wurde. Den Grad des Realismus befördert auch die Tatsache, dass Wegescheider nicht in strenger, geradliniger Frontalität wiedergegeben ist. Der Kopf Wegscheiders wurde in einer zum Brustbereich minimal schiefen Position wiedergegeben, wodurch einer allzu starren Wirkung entgegengearbeitet wird. Zu diesem Eindruck einer gewisser Lebendigkeit des Dargestellten trägt zudem die in sehr legerer und leicht verrutschter Form präsentierte Krawatte Wegscheiders bei, wodurch der Grad an Realismus in der Darstellung bewusst erhöht wird.

Abb. 7: Denkmal Ernst Spaeth, Detail.

Der Vergleich der beiden, für den Arkadenhof geschaffenen Büsten Heinrich Zitas, lässt eindeutige Parallelen hinsichtlich des zur Anwendung gekommenen Typus und der Materialbehandlung feststellen. Sowohl in der Büste von Wegscheider als auch in der Büste von Ernst Spaeth folgt Zita dem Typus der bis zum Brustansatz wiedergegebenen bronzenen Porträtbüste, die auf einen hellen, und damit kontrastierenden hohen Sockel präsentiert wird. Auch der hohe Grad des Realismus in der Wiedergabe der Physiognomie, sowie die Darstellung des Porträtierten in strenger Frontalität vereint die beiden Werke Heinrich Zitas. Dennoch wird die Strenge im Falle des Denkmals für Wegscheider durch die bereits erwähnten leicht schief wiedergegebene Kopfhaltung gebrochen. Was ebenso beide Denkmäler vereint, ist die, im Vergleich zu der feinen und detailgetreuen Darstellung der Physiognomie beider Professoren, recht grobe Wiedergabe der Kleidung im Brustbereich, die sogar soweit geht, dass die Spuren des Werkprozesses sichtbar sind und somit ausgestellt werden. Markante Unterschiede sind einerseits hinsichtlich der Sockelbearbeitung gegeben, im Gegensatz zu dem Sockel für das Denkmal von Späth, der radikal abgeschnitten wird und auf dem die Büste unmittelbar aufsitzt, wurde der Sockel des Denkmals für Späth nach oben hin durch die Hohlkehle (Trochilus) verjüngt, und mit einem Lorbeerzweig versehen, wodurch die Vermittlung des Sockels zur aufsitzenden Büste wesentlich fließender und eleganter wirkt.

Im großen Hörsaal des Chemischen Institutes existiert eine Reliefplakette von Rudolf Wegscheider, die ebenfalls von Heinrich Zita stammt und anlässlich der Abschiedsvorlesung am 10. Juli 1931 enthüllt wurde (Abb.5). [9] Jene Reliefplakette, die Zita anfertigte folgt einem gänzlich anderen Typus des Gelehrtenporträts, sie stellt Wegscheider im Typus des numismatischen Porträtmedaillons, also im strengen Profil und bis zum Halsansatz, auf einer kreisrunden Scheibe appliziert dar. Das Porträt des Chemikers wird darin streng nach rechts blickend dargestellt. Der Vergleich zeigt, dass die physiognomischen Züge klare Übereinstimmungen bei Büste und Reliefplakette aufweisen. Es ist jedoch zu erkennen, dass die Plakette 18 Jahre früher entstanden ist, da in der jüngeren Büste bereits Altersspuren zu erkennen sind. Auch ein Vergleich mit einem Foto Wegscheiders (Abb.6) zeigt das Können Heinrich Zitas. Obwohl das Foto einen jüngeren Rudolf Wegscheider zeigt, sind seine charakteristischen physiognomischen Züge zu erkennen. Das hagere und längliche Gesicht, die spitze Nase, die stark hervortretenden Wangenknochen und der Bart, die allesamt auf dem Foto zu sehen sind, bilden Merkmale, die sowohl in der früheren Reliefplakette, als auch in der späteren Büste des Bildhauers Zita übernommen wurden.

Quellen

  • UAW= Universitäts Archiv Wien

Einzelnachweise

  1. [1].Website des Austria Forums. Abgerufen am 2.12.2013
  2. UAW Senat S 222.6, 1
  3. UAW Senat S 222.6, 2
  4. UAW Senat S 222.6, 3
  5. UAW Senat S 222.6, 4
  6. UAW Senat S 222.6, 5
  7. UAW Senat S 222.6, 6
  8. Schörner 1987, S. 112
  9. Meister 1934, S.131

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.
  • Schörner 1987: Georg Schörner (Hrsg.), Der österreichische Realismus am Beispiel eines Künstlerlebens - Heinrich Zita, Der Bildhauer uns seine Zeit, Wien 1987.

Veronika Preisinger, Caroline Mang