Denkmal Rudolf Much

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Franz Pixner, Denkmal Rudolf Much, 1934/1952, Bronze, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 63, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Franz Pixner, Büste Rudolf Much, 1934/1952, Bronze, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 4: Franz Pixner, Denkmal Rudolf Much (Inschrift), 1934/1952, Bronze, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 5: Franz Pixner, Büste Rudolf Much (Signatur des Künstlers), 1934/1952, Bronze, Arkadenhof der Universität Wien
Abb. 6: Rudolf Much, 1927.
Abb. 7: Franz Pixner, Büste Rudolf Muchs von der Seite.

Die Büste des Germanisten Rudolf Much (1862-1936) wurde von dem jungen Bildhauer Franz Pixner (1912-1998) im Mai 1934 angefertigt. Für die Ehrung im Arkadenhof der Universität Wien wurde sie von der Witwe Caroline Much zur Verfügung gestellt und am 16. Mai 1952 feierlich enthüllt.

Beschreibung

Der Porträtkopf aus Bronze zeigt den Germanisten Rudolf Much zwei Jahre vor seinem Ableben. Die Darstellung beschränkt sich ohne Attribute und Kleidung alleine auf den Kopf Muchs. Der Gelehrte blickt hierbei leicht nach links am Betrachter vorbei. Als schmale Basis des Kopfes dient lediglich ein rechteckiger, schmaler Ausschnitt des nackten Torso. Dieser sitzt unmittelbar ohne profiliertes Postament auf den schmalen und hohen Steinsockel auf. Dieser Sockel ist einem Kubus gleich schmucklos und ungeschliffen, und somit also sehr schlicht gehalten. Mit seiner rauen Oberflächenstruktur bildet der Granitsockel einen Kontrast zur weichen Modellierung der dunklen Bronzebüste. Der Kontrast fällt weniger stark zwischen dem Sockel und der Inschriftentafel aus (Abb. 4), denn die Tafel wiederholt in abgestufter Weise die Oberflächenstruktur des harten Steins. Die Inschrift ist auch der einzige Bezug zu Muchs Tätigkeit, sie nennt in schmalen Großlettern das Amt Muchs als Professor der Germanistik und seine Amtszeit (Abb. 4). Signiert hat Franz Pixner mit einer genauen Datierung (20.5.-28.5.1934) auf der Rückseite der Büste (Abb. 5)

Notizen zur dargestellten Person

Rudolf Much war Professor der germanischen Sprachgeschichte und der Altertumskunde. Wissenschaftliche Anerkennung erlangte er durch seinen Kommentar zur Germania des Tacitus und dadurch, dass er seine Studien in einem breiteren, kulturgeschichtlichen Zusammenhang setzte.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Rudolf Much ist eines der Beispiele für eine Büste, die sich zunächst als Porträtbüste im Privatbesitz befand, nach dem Ableben des Dargestellten jedoch als Denkmal umfunktioniert und im Arkadenhof aufgestellt wurde. So stellten mehrere Professoren der Germanistik, unter anderem Dietrich Kralik, am 15. Juni 1951 einen Antrag zur Aufstellung der Bronzebüste, die sich im Besitz der Witwe Cornelie Much befand, als Denkmal im Arkadenhof.[1] Diesem Antrag wurde noch im selben Monat sowohl von einem Professorenkollegium der philosophischen Fakultät, als auch vom Senat zugestimmt.[2] Die Signatur von Franz Pixner legt jedoch offen, dass die Büste bereits im Mai 1934 hergestellt wurde (Abb. 4), noch zu Lebzeiten von Much. Die eher spärliche Aktenlage im Universitätsarchiv spiegelt in diesem Falle das unkomplizierte Verfahren für die Genehmigung und die anschließende Aufstellung des Denkmals wider. Es musste nur ein Steinmetzmeister für die Fertigstellung von Sockel und Inschriftplakette, sowie deren Montage hinzugezogen werden.[3] Am 16. Mai 1952 konnte das Denkmal dann feierlich im Arkadenhof enthüllt werden.[4]

Analyse

Die Darstellung Rudolf Muchs folgt im entfernten Sinn dem Typus einer Hermenbüste, da die Porträtbüste mit sehr knapp bemessenem Brustteil abschließt und nicht über die Ausmaße des Sockels hinausgeht sondern diesen folgt, wodurch der optische Eindruck einer Herme hervorgerufen wird. Dennoch ist der Brustabschluss nicht, wie bei Hermen üblich, als eine klare stereometrische Form ausgebildet, vielmehr stellt der Brustansatz das filigrane Knochengerüst des Porträtierten aus, wodurch der Büstenabschluss organisch aufgefasst und nicht in geometrische Formen aufgelöst wird. Der hier ausgeführte Büstentypus bricht also gleichsam mit der traditionellen Form des Hermenbidnisses, lässt aber in der formalen Gestaltung noch die Referenz eines solchen erkennen.

Vergleicht man die Büste mit Fotografien von Much (Abb. 6), lässt sich feststellen, dass seine Gesichtszüge und die charakteristischen Erkennungsmerkmale, wie der Bart, die Nase (Abb. 7) oder die leicht abstehenden Ohren, realitätsgetreu wiedergegeben wurden. Idealisierungen sind eher dezent gehalten. Der Blick nach links vorne, am Betrachter vorbei, und der nackte Torso entsprechen der Tradition der Porträtbüste. Insgesamt folgt die Büste klassischen Gestaltungsprinzipien. Sie stellt im Schaffen Pixners ein Frühwerk dar, dessen Oeuvre in der kunsthistorischen Forschung bisher unbearbeitet bleibt.

Am nackten Torso, beziehungsweise am Fehlen von jeglichen Gelehrtenattributen - wie etwa Lorbeerzweig oder Professorenkleidung -, und schließlich der knappe Ausschnitt der Büste ohne vorbereitende Basis (verleiche zum Beispiel mit dem Denkmal für Ignaz Seipel, nur zwei Jahre vor dem Denkmal Muchs enthüllt) deuten hingegen darauf hin, dass die Büste tatsächlich als Porträtbüste zum privaten Gebrauch geschaffen wurde, und dass sie erst im Nachhinein als Denkmal umfunktioniert wurde. Ein ähnliches Beispiel wäre die Büste von Hans von Arnim. Auch sie war zunächst für einen privaten Aufstellungsort bestimmt und wurde dann als Denkmalbüste im Arkadenhof aufgestellt. Wie Muchs Porträtbüste zeigt sie keinerlei Attribute des Gelehrten beziehungsweise seines Faches und gibt den Dargestellten in einem knappen Ausschnitt wieder.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Aufstellung bekannt.

Quellen

  • UAW, S 222.18, Antrag zur Aufstellung einer Bronzebüste, 15.6.1951.
  • UAW, S 222.18, Brief des Dekans an den akademischen Senat, 25.6.1951.
  • UAW, S 222.18, Konzept eines Briefes des Rektors Johannes Gabriel an den Dekan der philosophischen Fakultät, 4.7.1951.
  • UAW, S 222.18, Auszug aus dem Protokoll über die erste Sitzung des akademischen Senats, 20.10.1951.
  • UAW, S 222.18, Amtsvermerk, 22.10.1951.
  • UAW, S 222.18, Auszug aus dem Protokoll über die dritte Sitzung des akademischen Senats, 1.2.1952.
  • UAW, S 222.18, Brief des Dekans an den akademischen Senat, 12.2.1952.
  • UAW, S 222.18, Auszug aus dem Protokoll über die vierte Sitzung des akademischen Senats, 29.3.1952.
  • UAW, S 222.18, Konzept eines Briefes des Rektors an den Dekan der philosophischen Fakultät, 31.3.1952.
  • UAW, S 222.18, Zwei Einladungskarten.
  • UAW, S 222.18, Einladungslisten.
  • UAW, S 222.18, Einladung des Rektors Alfred Verdroß an den Bundesminister für Unterricht Ernst Kolb, 7.5.1952.
  • UAW, S 222.18, Absage des Bundesministers Ernst Kolb, 9.5.1952.
  • UAW, S 222.18, Dankschreiben für die Einladung des Rektors der Universität Graz, 13.5.1952.
  • UAW, S 222.18, Absage des Rektors der Hochschule für Bodenkultur, 14.5.1952.
  • UAW, S 222.18, Lieferschein von Steinmetzmeister Ed. Hause, o. D.

Rezeption in der Presse

Es ist keine Rezeption in der Presse bekannt.

Literatur

  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, Nr. 63, S. 63.

Einzelnachweise

  1. UAW, S 222.18, 15.6.1951
  2. UAW, S 222.18, 25.6.1951 und 4.7.1951
  3. UAW, S 222.18, o. D.
  4. UAW, S 222.18, Einladungskarte.

Cigdem Özel, Caroline Mang