Denkmal Rudolf Chrobak

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Edmund Hellmer, Porträtrelief Rudolf Chrobak, Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 98, 1927 enthüllt, Abbildungsnachweis Universität Wien.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 98, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Mediziner Rudolf Chrobak (1843-1910) wurde von dem Bildhauer Edmund Hellmer (1850-1935) geschaffen und am 30. März 1927 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3: Edmund Hellmer, Porträtrelief Rudolf Chrobak, Detail Oberflächenbearbeitung, 1927, Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 98; Abbildungsnachweis: Julia Strobl 2013.
Abb. 4: Edmund Hellmer, Porträtrelief Rudolf Chrobak, Detail Signatur "E.H.", 1927, Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 98; Abbildungsnachweis: Julia Strobl 2013.
Abb.5: Edmund Hellmer, Porträtrelief Rudolf Chrobak, Detail Äskulapnatter und Inschrift, 1927, Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 98; Abbildungsnachweis: Julia Strobl 2013.
Abb. 6: Edmund Hellmer, Porträtrelief Rudolf Chrobak, Detail Lorbeerzweig, 1927, Universität Wien, Arkadenhof, Nr. 98; Abbildungsnachweis: Julia Strobl 2013.

Das Denkmal für Rudolf Chrobak (Abb. 1) ist als hochrechteckige Tafel mit eingefasstem Reliefporträt gefertigt und befindet sich an einem der äußeren Pfeiler im rechten Gang des Arkadenhofes der Universität Wien auf Höhe der Stiege 10 (Abb. 2, Plan Maisel, Nr. 98). Die 1927 enthüllte Tafel ist aus hellem, rosagetöntem Marmor gemeißelt, die Maße betragen 109 x 70 x 4,2 cm. Auffallend sind die hohe Qualität der Steinbearbeitung und die sorgfältig mit dem Meißel gerundeten Ecken (Abb. 3). Das Porträtmedaillon ist unmittelbar aus der Platte herausgearbeitet und die konkav gewölbte Grundfläche weist einen Durchmesser von etwa 50 cm auf.

Diese Form der Gedenktafel mit Porträtmedaillon, das an Ehrenmedaillen oder antike Münzporträts erinnert, entspricht einem im Arkadenhof häufig verwendeten Typus des Gelehrtenporträts. Hier ist der Gelehrte in strengem Profil nach rechts gewendet. Die realistische Darstellung zeigt ein ausdrucksvolles Gesicht, das von tiefen Falten geprägt ist. Die Braue über dem linken Auge ist fragend nach obend gezogen, darüber erhebt sich eine glatte, kräftige Stirn. Chrobak trägt einen Vollbart mit tief herabhängendem Schnauzbart, der den unteren Bereich des Gesichts verbirgt. Hals und Brustausschnitt sind unbekleidet. Am linken Rand des knappen Brustausschnitts finden sich auch die Initialen des Künstlers Edmund Hellmer, "E.H." (Abb. 4), aber keine Datierung.

Direkt unter dem Porträtmedaillon ist eine auf den Namen und die Lebensdaten des Verstorbenen reduzierte, vergoldete Inschrift im Sezessionsstil "CHROBAK / *MDCCCXLIII MDCCCCX+" [1] eingraviert und darunter, als Hinweis auf den Beruf des Arztes, eine aus einer flachen Schale trinkende, stilisierte Äskulapnatter (Abb. 5). Der im Gegensatz dazu naturalistisch dargestellte vierblättrige Lorbeerzweig oberhalb des Medaillons wurde als Symbol der Ehrung sehr fein und detailiert aus dem Stein herausgearbeitet (Abb. 6).

Notizen zur dargestellten Person

Der bedeutende Gynäkologe Rudolf Chrobak (1843-1910) war seit 1880 außerordentlicher, seit 1889 ordentlicher Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Universität Wien und Vorstand der II. Wiener Frauenklinik. Der Neubau der Frauenkliniken auf dem Gelände neben dem alten Allgemeinen Krankenhaus ist ihm und Friedrich Schauta, dem Leiter der I. Wiener Frauenklinik zu verdanken. Chrobak gilt als Begründer der modernen wissenschaftlichen Gynäkologie und entwickelte auch zahlreiche neue Operationsmethoden.

Entstehungsgeschichte

Zur Entstehung des Denkmales für Rudolf Chrobak haben sich keine Akten im Universitätsarchiv erhalten. Daher ist weder bekannt, wer den Antrag zur Errichtung des Denkmals für den bereits 1910 verstorbenen Chrobak stellte, noch wie die Finanzierung erfolgte.[2] Der ausführende Künstler war einer der prominentesten Vertreter des Faches, der Bildhauer Edmund Hellmer. Der Rektor wies in seiner Rede anlässlich der Enthüllung am 30. März 1927 ausdrücklich darauf hin, dass sich die Universität freue, "ein Kunstwerk Hellmers aufzunehmen, der Wien seinen Goethe schuf und seinen Johann Strauß."[3]

Das Denkmal Rudolf Chrobaks wurde am 30. März 1927 in der Wiener Universität enthüllt. Anwesend war auch Bundespräsident Dr. Hainisch und, da ausdrücklich in der der Presse erwähnt, die Professoren Eiselsberg und Riehl. "Die Festrede hielt Hofrat Professor Dr. Peham, der ein vornehmes Bild seines Lehrers entwarf [...]"[4] Auch Dekan Professor Dr. Maresch würdigte den Geehrten.

Der "Rektor Hofrat Professor Dr. Molisch übernahm das Denkmal unter Hinweis auf die Dekmäler der anderen großen Leuchten der Wiener medizinischen Schule, die Chrobaks Nachbarn sind."[5] In der Neue Freien Presse werden die Denkmäler der Mediziner Rokitansky, Hyrtl, Billroth und Oppolzer genannt: "In ihren Reihen ist Chrobaks Platz."[6] Laut Neuer Freier Presse folgte den Ansprachen eine Besichtigung des Denkmals, "[...] eines trefflichen Reliefporträts in hellem Marmor, dessen Inschrift das einzige Wort "Chrobak" und die Jahreszahlen seiner Wirksamkeit bildet."[7] Hier irrt der Journalist, denn in lateinischen Ziffern angegeben sind die Lebensdaten des Verstorbenen (1843-1910), nicht die Zeit seines Wirkens als Professor an der Universität Wien.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb. 7: Edmund Hellmer, Grabmal Hugo Wolf (1860-1903), 1904, Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nr. 10), Foto: Rüdiger Wölk, Münster.

Der, wie schon erwähnt, im Arkadenhof häufige Typus einer Gedenktafel mit Porträtmedaillon ist hier ganz aus Marmor gearbeitet. Andere Gedenktafeln wurden auch ausschließlich aus Metall geschaffen, wie die Plakette für Jakob Schipper (Josef Müllner, 1928, Nr. 100), oder, besonders beliebt, als Bronzemedaillon auf eine Steinplatte montiert, wie das Denkmal für Gustav Riehl (Arnold Hartig, 1954, Nr. 92). Die hohe Qualität der Ausführung des Chrobak-Denkmals liegt in der absoluten Vertrautheit des Bildhauers Edmund Hellmer mit dem Material und der Bearbeitungstechnik. Hellmer hatte schon als Professor an der Akademie eine solide handwerkliche Ausbildung seiner Schüler propagiert, eine Forderung, die er hier auch selbst erfüllt.[8]

Das Denkmal für Rudolf Chrobak ist das einzige Gelehrtenporträt des prominenten Bildhauers und Gründungsmitglieds der Wiener Secession Edmund Hellmer im Arkadenhof. Doch schuf er die Brunnenfigur der Quellnymphe Kastalia, die 1910 im Arkadenhof aufgestellt wurde und die laut Cornelia Reiter exemplarisch für die dem Wiener Secessions-Stil, seiner Ikonographie und Formensprache verflichteten Skulpturen der späten Schaffensjahre des Künstlers steht.[9] Auch bei der einfachen Gedenktafel sind diese stilistischen Merkmale und der Verzicht auf Nebensächlichkeiten zu beobachten. Dem ausdrucksvollen, naturalischen Porträt Chrobaks, das sich auf das Gesicht beschränkt, wird die aufs Wesentliche reduzierte Jugendstil-Inschrift hinzugefügt, sein Name und seine Lebenszeit. Die stilisierte Äskulapnatter erinnert an eine alt-ägyptische Hieroglyphe und weist den Betrachter auf den Beruf des geehrten Mediziners hin, der naturalistische Lorbeerzweig auf die Ehrung selbst.

Ähnliche Elemente verwendete Hellmer beispielsweise beim Grabmal für den Musiker Hugo Wolf (Abb. 7), das er 1904, über 20 Jahre vor dem Chrobak-Denkmal schuf. Auch hier finden sich der Lorbeerzweig über dem naturalistisch dargestellten Porträt des Verstorbenen, darunter die Inschrift, die auf den Namen und die Lebensdaten (in lateinischen Ziffern) beschränkt ist. Als Hinweis auf den Beruf des großen Musikers dient eine archaisch anmutende, griechische Lyra. Die Abkehr Hellmers vom überladenen Ringstraßenstil, seine Hinwendung zum weichen, fließenden Secessions-Stil und die Reduzierung auf das Wesentliche werden beim schlichten Chrobak-Denkmal noch deutlicher als beim Wolf-Grab sichtbar.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Anbringung des Porträtreliefs sind keine Veränderungen und Ereignisse überliefert.

Einzelnachweise

  1. 1843-1910
  2. Die erst spät, 17 Jahre nach dem Tod Chrobaks, durchgeführte Ehrung wurde möglicherweise durch den Ersten Weltkrieg verzögert. 1926 hatte die Universität beschlossen, Anträge auf Errichtung von Denkmälern im Arkadenhof nicht mehr nach 5, sondern frühestens nach 10 Jahren zu erlauben. Erst 1973 wurde die Frist auf 15 Jahre erweitert. Vgl. Maisel 2007, S. 11.
  3. Wr. Med. Wochenschrift, 15, 1927, S. 501.
  4. Wr. Med. Wochenschrift, 15, 1927, S. 501; Reichspost, 89, 31. März 1927, S. 4.
  5. Wr. Med. Wochenschrift, 15, 1927, S. 501.
  6. Neue Freie Presse, 31. März 1927, S. 5.
  7. Neue Freie Presse, 31. März 1927, S. 5.
  8. 1900 erschien sein Buch "Lehrjahre in der Plastik", Hellmer 1900
  9. Reiter 2002, S. 517.

Quellen

  • UAW Senat S 304.142: Dokument, Personalbogen, Chrobak, Rudolf (08.07.1843-01.10.1910; Gynäkologie).[1]
  • UAW 102.17.1: Bronzemedaille Dr. Rudolf Chrobak, 63 x 80 mm, sign. G. Hartmann, Inschrift "Dr. Rudolf Chrobak 1908", Objekt 1908.[2]
  • UAW 106.I.347: Fotographie Dr. Rudolf Chrobak, o.J., Fotostudio Helmreich 1997.[3]
  • UAW 106.I.1841: Ferdinand Schmutzer, Gemälde Dr. Rudolf Chrobak im Hörsaal, Schwarz-Weiß-Foto, o.J.[4]
  • UAW 106.I.1924: Fotographie Dr. Rudolf Chrobak, Foto, o.J.[5]
  • UAW 135.619: Dr. Rudolf Chrobak, Lichtdruck von O. Löwy, o.J.[6]

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, 31. März 1927: Die Enthüllung des Chrobak-Denkmals an der Universität, in: Neue Freie Presse, 31. März 1927, S. 5.[7]
  • Reichspost, 89, 31. März 1927: Die Enthüllung des Chrobakdenkmals an der Universität, in: Reichspost, 89, 31. März 1927, S. 4.[8]
  • Wiener Medizinische Wochenschrift, 15, 1927: Wiener Medizinische Wochenschrift, 15, 9. April 1927, S. 501.[9]

Literatur

  • Hellmer 1900: Edmund Hellmer, Lehrjahre in der Plastik, 1, Wien 1900.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934, S. 109.
  • Reiter 2002: Cornelia Reiter, Skulptur und Wiener Secession. Kontinuität und Neubeginn im Zeichen der Internationalisierung, in: Gerbert Frodl (Hg.), Geschichte der bildenden Kunst in Österreich, 5. Das 19. Jahrhundert, München u.a. 2002, S. 516-519.
  • Schmidt 1994: Gabriela Schmidt, Chrobak-Denkmal, in: Felix Czeike (Hg.), Historisches Lexikon Wien, 1, Wien 1992, S. .

Julia Strobl