Denkmal Robert Reininger

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Relief Robert Reininger.
Lage des Denkmals, Nr. 116, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Philosophen Robert Reininger (1869-1955) wurde von dem Bildhauer Günther Baszel (1902-1973) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 9. Mai 1967 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal für Robert Reininger besteht aus einer rechteckigen Reliefplakette aus dunkler Bronze mit dem Porträt des Geehrten seitlich nach rechts. Darunter befindet sich eine Inschrift. Es gibt keinerlei Anzeichen von Attributen oder symbolhaften Allegorien, die den Dargestellten ausweisen würden. Das Reliefporträt befindet sich auf einer eher glatten, ungleichmäßig leicht bearbeiteten Oberfläche. Reininger wird als älterer Herr mit schütterem Haar seitlich im Profil gezeigt. Das Gesicht ist weich plastisch modelliert, hinterlässt aber den Eindruck einer individuellen Darstellung, auch wenn die Details nicht weiter ausgearbeitet werden. Die Arbeit mit dem Material durch den Künstler ist deutlich in den einzelnen Partien des Gesichts erkennbar. Der Porträtkopf endet sehr knapp und scharf mit einer Diagonale am Halsansatz, es gibt kein Anzeichen von Kleidung. Im unteren Drittel der Plakette sind in schlichten Lettern, die sich in ihrer Farbgebung nicht von dem übrigen Material unterscheiden, Name, Lebensdaten Reiningers sowie die Jahre und seine Lehrtätigkeit an der Universität Wien angeführt. Durch die strenge Linearität der lateinischen Lettern steht die Inschrift in Kontrast zum unregelmäßig, weich modellierten Kopf. Etwas weiter darunter, am unteren Bildrand, findet man die Signatur des Künstlers "Baszel".

Notizen zur dargestellten Person

Robert Reininger wurde am 28. September 1869 in Linz geboren. Nach naturwissenschaftlichen und philosphischen Studien in Bonn, Heidelberg und Wien, promovierte er in Wien im Hauptfach Philosophie bei Zimmermann und Vogt mit der Dissertation über Schopenhausers Kritik der Kantischen Lehre vom Objekt der Erfahrung. Im Jahre 1903 habiliterte er sich in Geschichte der Philosophie an der Universität Wien. 1922 wurde er zum außerordentlichen Professor an derselben Universität ernannt und ab 1922 lehrte er als ordentlicher Professor an der philosphischen Fakultät. Er beschäftigte sich vor allem mit der Transzendentalphilosophie. Sein Hauptwerk ist die "Metaphysik der Wirklichkeit", er versuchte mit der Klarheit des kritizistischen Denkens die Grundprobleme der Philosophie zu lösen.[1] Von 1912-1939 war er außerdem Obmann der Philosophischen Gesellschaft an der Univ. Wien. und seit 1924 ordentliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.[2] Er starb am 17. Mai 1955 in Wien.

Entstehungsgeschichte

Nachdem der emirierte Professor der Philosophie Dr. Robert Reininger am 17. Juni 1955 gestorben war, beantragte der damalige Rektor der Universität Wien Dr. Erich Schenk die Errichtung eines Denkmals für den Arkadenhof.[3] Die Witwe des Professors hatte für diesen Zweck 20.000 Schilling zur Verfügung gestellt. Die Notwendigkeit eines Ehrendenkmals wurde damit begründet, dass Reininger seit seiner Habilitation dreieinhalb Jahre in ununterbrochener Lehrtätigkeit an der Universität Wien gewirkt hatte. In dieser Zeit lehnte er mehrere durchaus attraktive Lehrangebote aus dem Ausland zugunsten der Universität Wien ab. Außerdem waren seine philosophischen und systematischen Leistungen an der Universität Wien umfangreich und grundlegend.In seinem universitären Wirken fand Reininger schon zu seinen Lebzeiten große Anerkennung in wissenschaftlichen Kreisen im In – und Ausland. Der Rektor der Universität Wien bat daher, in diesem speziellen Fall von der üblichen Wartefrist von zehn Jahren abzusehen, da Reininger erstens ein hohes Alter und Ansehen erreicht hatte und zweitens, die eigens für das Denkmal gestiftete finanziellen Mittel auf eine baldige Errichtung drängten. Am 11.November 1957 beantragt das Professorenkollegium der philosophischen Fakultät beim akademischen Senat die Aufstellung eines Denkmals für Reininger.[4] Da es in der Geschichte bereits ähnliche Fälle gegeben hatte, nämlich die Enthüllung des Univ.Prof.Adolf Exner, dessen Denkmal bereits zwei Jahre nach seinem Tod enthüllt worden war und die Enthüllung des Denkmals für Josef Hyrtl - fünf Jahre nach dessen Tod - wurde auf eine beschleunigte Aufstellung des Reininger-Denkmals seitens des Professorenkollegiums und der Witwe Reiningers gedrängt...[5] Der akademische Senat äußerte sich zu dem Zeitpunkt der Aufstellung jedoch vorerst nicht, sondern beauftragte Günther Baszel mit der Anfertigung einer Büste oder eines Reliefs.[6] Als das Relief ein Jahr später fertiggestellt war, schlug Günther Baszel vor, den Sockel des Reininger – Denkmals mit Namen, Lebensdaten und der Professurbezeichnung auszustatten. Nach Meinung des Künstlers wurde das Denkmal auf diese Weise stilistisch in eine Reihe mit seinen „ Vorbildern“ aus dem Arkadenhof gestellt. Baszel erieltt für seine Arbeit 10.000 Schilling. Der Rest des von der Witwe Reiningers gespendeten Betrags wurde zinsbringend auf ein Sparbuch gelegt.[7] Am 5.Dezember 1958 schlug Univ. Prof. Dr. Erich Heintel vor, dass Relief am 28. September 1959, anlässlich Reiningers neunzigsten Geburtstages, im Arkadenhof aufstellen zu lassen. Sein Ansuchen wurde vom Senat jedoch einstimmig abgelehnt mit dem Gegenvorschlag, als zwischenzeitliche Lösung einen anderen Aufstellungsort für das Denkmal zu suchen. Dazu kam es aber nicht, das fertige Relief wurde einstweilig im Depot des philosophischen Instituts untergebracht...[8] Am 25.Juni 1966 beschloß der Senat schlussendlich einstimmig, das schon fertiggestellte Relief Reiningers im Arkadenhof anbringen zu lassen. Die Einweihungsfeier fand am 9.Mai 1967 im Arkadenhof der Universität Wien, unter dem neuen Rektor Dr. Karl Hörmann statt.[9]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

50-Schilling Münze mit Profil Karl Renners, Copyright Berlin George

Günther Baszel beschäftigte sich zeit seines Lebens mit vielen verschiedenen Kunstgattungen: Bildhauerei, Sgrafitto, Fresko, Innenarchitektur, Photomontage, Gebrauchsgraphik und vieles mehr. In erster Linie war er jedoch Maler und somit war auch die Malerei das Gebiet, auf dem dein Könnnen am Stärksten zum Ausdruck kam.[10] Mit dem Wissen, dass Baszel im Bereich der Malerei tätig war, wird das Relief Reiningers aus einer ganz neuen Perspektive betrachtbar: die weich modellierten Gesichtspartien des Professorenprofils weisen starke malerische Züge auf. Das Ouevre Baszels unterstützt diese These. Bildhauerisch war er kaum tätig und wenn, dann handelte es sich meistens wie in vorliegendem Falle um plastisch hervortretende Profilporträts. Das Beispiel, das hier angeführt werden soll, scheint sich anfangs nicht zu eignen, da es aus dem Bereich der Numismatik stammt, die gewählten Stilmittel sind jedoch diesselben: die 50- Schilling Münze, die Baszel anlässlich des hundertsten Geburstages von Karl Renner fertigte. In beiden Werken versucht Baszel das Gewaltige, Auffällige zurückzunehmen und propagiert anstattdessen eine schlichte, bescheidene Kunst. Beide Männer, Karl Renner und Robert Reininger, sind seitlich im Profil dargestellt, wobei Renner beinahe schon im Halbprofil gezeigt ist. Die Gesichtszüge sind fein modelliert und verleihen den beiden Bildnissen einen unverwechselbaren Charakter. Karl Renner scheint in einem Moment von Nachdenklichkeit festgehalten worden zu sein: beinahe melancholisch blickt er zu Boden. Robert Reininger hingegen blickt forsch geradeaus, ein kritischer Ausdruck zeichnet sich auf dem Gesicht ab. Dieser Zug Baszels möchte womöglich auf Reiningers philosphisches Werk hinweisen, das in einer von Kant ausgehenden Tradition des kritischen Denkens stand.[11]

Ereignisse nach der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien sind keine weiteren Ereignisse bekannt.

Quellen

  • Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S.15 + 55.
  • UAW, Senat S 222.34
  • UAW Senat S 229.49

Rezeption in der Presse

Es sind keine Pressemeldungen bekannt.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Rainer Lenius: Austria Forum In: Austria Forum.at.
  2. Erich Heintel Nachwort zu Robert Reininger,Metaphysik der Wirklichkeit,München - Basel 1970. In: Archiv für systematische Philosphie. http://phaidon.philo.at/asp/rreininger.htm
  3. 28.Oktober 1957 In: UAW Senat S 222.34.
  4. 11.November 1957 In: UAW Senat S 222.34.
  5. 4.Dezember 1957 In: UAW Senat S 222.34.
  6. 14. Dezember 1957 In: UAW Senat S 222.34.
  7. 23.5.1958 In: UAW Senat S 222.34.
  8. Brief des Dekanats der philosophischen Fakultät am 10.Mai 1966 In: UAW Senat S 229.49.
  9. 9.Mai 1967 In: UAW Senat S 229.29.
  10. Dr. Wolfgang Dürheim: Günther Baszel In: Bild Und Plastik 1953
  11. Thomas Maisel: Robert Reiniger In: Gelehrte in Stein und Bronze 2007, S.88.