Denkmal Richard Wettstein von Westersheim

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Denkmal Richard Wettstein von Westersheim, Arkadenhof der Universität Wien
Lage des Denkmals, Nr. 24, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal des Botanikers Richard Wettstein von Westersheim (1863-1931) wurde von dem Bildhauer Hans Bitterlich (1860-1949) geschaffen und im Jahr 1963 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt.

Beschreibung

Hans Bitterlich, Denkmal für Richard Wettstein von Westersheim, Pfeilerinnenseite Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1963.

Das Denkmal für Richard Wettstein von Westersheim besteht aus einer hellen Steinplatte mit einer in der oberen Hälfte darauf montierten dunklen Bronzeplakette. Das hochrechteckige am Rand profilierte Flachrelief zeigt das Porträt des Biologen im Profil. Der Künstler stellte den Geehrten vom Betrachter aus seitlich nach links blickend als älteren Herrn mit Bart und ohne jegliches Anzeichen von Kleidung dar. Im unteren Teil des Flachreliefs befindet sich eine Inschrift auf Latein "FORTITER IN RE SVAVITER IN MODO", was so viel bedeutet wie "Stark in der Sache, mild in der Methode". Unterhalb der Plakette weist eine Inschrift in gold gefassten Lettern auf die Lebensdaten und die Profession des Dargestellten.

Notizen zur dargestellten Person

Richard Wettstein, Ritter von Westersheimb (* 30. Juni 1863 in Wien; † 10. August 1931 in Trins, Tirol) war ein österreichischer Botaniker und Direktor des Botanischen Gartens sowie des Instituts für Botanik der Universität Wien.

Entstehungsgeschichte

Der Entschluss für die Errichtung eines Denkmals für Richard Wettstein in den Arkaden der Universität Wien wurde auf Antrag eines Professorenkollegiums in der Sitzung des Hohen Akademischen Senats der Universität Wien am 17. Mai 1962 einstimmig gefasst. Das Bronzerelief wird von der Familie des am 10. August 1931 verstorbenen Botanikers bereitgestellt und soll anlässlich des 100. Geburtstages am 30. Juni 1963 enthüllt werden.[1] Der schriftliche Antrag für ein Denkmal wurde von Herrn Prof. Dr. L. Geitler an den Dekan der philosophischen Fakultät Prof. Dr. Ferdinand Steinhauser gerichtet, mit der Betonung der außerordentlichen Leistungen des Geehrten auf dem Gebiet der systematischen Botanik, Vererbungslehre, Cytologie, Blütenbiologie, sowie für seine Verdienste um das Botanische Institut der Universität, dessen Direktor Richard Wettstein war.[2] Dekan Prof. Steinhauser berichtet in einer Sitzung des Akademischen Senats, dass das Professorenkollegium der philosophischen Fakultät den Antrag auf eine Sondermarke für Richard Wettstein nicht unterstützt, die Errichtung eines Denkmals in den Arkaden als Bronzerelief, das von der Familie gestiftet wird, wird jedoch einstimmig beschlossen und zur Prüfung an den Kunstausschuss verwiesen.[3] Im Antwortschreiben des Kunstausschusses an den Rektor der Universität wird gegen die Errichtung des Denkmals (hier als Otto Wettstein bezeichnet) kein Einwand erhoben. Als Platz zur Anbringung wird der 1. Pfeiler nach dem Mitteljoch der Juristenseite bestimmt.[4] Für den 17. Juni 1963 teilt der Rektor mit, dass im großen Festsaal der Universität Wien aus Anlass der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Richard Wettstein und der Enthüllung seines Denkmals im Arkadenhof eine Gedenkfeier stattfinden wird. Veranstalter ist die philosophische Fakultät gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften.[5] Die Montage des von Hans Bitterlich gefertigten Bronzereliefs wurde von der Fa. Rudolf Lichtenecker (1160 Wien) durchgeführt. Die Kosten betrugen 2.670 Schilling.[6]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Hans Bitterlich, Denkmal für Ferdinand Lotheissen, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1902.
Hans Bitterlich, Denkmal für Ferdinand von Arlt, 1892-1896, Arkadenhof der Universität Wien
Hans Bitterlich, Denkmal für Richard Wettstein von Westersheim, Detailausschnitt, enthüllt 1963.

Der Bildhauer Hans Bitterlich ist mit insgesamst sechs Denkmälern im Arkadenhof vertreten. Neben drei vollplastischen Büsten schuf er noch zwei hochrechteckige Bronzeplaketten, zum einen für Ferdinand von Arlt aus dem Jahr 1896 und zum anderen für Ferdinand Lotheissen aus dem Jahr 1902. In allen drei Bronzeplaketten wird die dargestellte Persönlichkeit in Form eines Reliefs dargestellt. Das frühere Werk für Ferdinand von Arlt weist den Dargestellten wie im Denkmal für Richard Wettstein von Westersheim ebenfalls in Form einer hochrechteckigen Plakette aus. Das Denkmal für Ferdinand Lotheissen hingegen zeigt diesen in Form einer querrechteckigen Plakette mit halbrundem Abschluss an der Oberkante. Alle drei Bronzeplaketten wurden auf helle Steintafeln montiert.

In den Denkmälern für Lotheissen und von Arlt ergänzte Bitterlich die Darstellung um florale Elemente als Symbole der Ehrung. So zeigt er bei ersterem rechts des Dargestellten einen Lorbeerzweig (Sieg, Ruhm) und links einen Eichenblätterzweig (Kraft, Beständigkeit). Bei dem Denkmal für von Arlt ergänzte Bitterlich oberhalb des Porträts ebenfalls einen Lorbeerzweig als Symbol der Ehre, des Ruhmes und des Sieges. Im Denkmal für Richard Wettstein von Westersheim verzichtete Bitterlich auf diese Art der Beifügung und konzentriert die Darstellung auf das Porträt.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Denkmälern für Wettstein und Lotheissen ist die Porträtdarstellung: So zeigt sich Wettstein vollständig im Profil nach links, während Lotheissen sich eher frontal mit Blick an die Seite präsentiert. Bitterlich präsentiert Lotheissen als älteren Herrn mit Bart in zeitgenössischer Kleidung und mit gebundener Fliege, sowie mit erkennbarem Ansatz von Kleidung. Bei Wettstein fehlt dies komplett und der Botaniker wird im Sinne antiker Gestaltungstradition als älterer, weiser Gelehrter in heroischer Nacktheit - ähnlich wie bei Ferdinand von Arlt - charakterisiert. Die lateinische Inschrift bei von Arlt und Wettstein unterstützt diese Antikenrezeption, während in der Darstellung Lotheissens die Inschrift in deutscher Sprache gewählt wurde.

In allen drei Reliefs ensteht der Eindruck einer äußerst weichen Modellierung durch den Bildhauer. Bitterlich versuchte die Porträts aus dem Material Bronze herauszuarbeiten. Besonders bei dem Denkmal für von Arlt fällt die weiche und leicht im Hintergrund erscheinende konkave Vertiefung hinter dem Porträt auf, so als umgäbe den Kopf ein imaginierter Schein. Durch den seitlichen Lichteinfall wird dieses Detail besonders betont und folglich lässt die gesamte Darstellung an einen angedeuteten Imago-Clipeata-Typus erinnern.

Abschließend bietet sich für das Denkmal für Richard Wettstein der Vergleich mit dessen Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 C, Nr. 3) an.[7] Auf dem monumentalen aus hellem Stein gefertigten Grabstein befindet sich in der oberen Hälfte ein Porträt Wettsteins im Profil nach links, das ähnliche Züge aufweist, wie das bronzene Porträtrelief des Denkmals in der Universität. In beiden wird der Geehrte mit Bart, gescheiteltem Haar und ohne Kleidung bis zum Halsansatz dargestellt. Während das Denkmal im Arkadenhof das Porträt in Form einer Bronzeplakette auf einer Steinplatte trägt, wurde das Porträt am Grabstein aus dem Stein selbst herausgearbeitet. Ähnlichkeiten sind neben dieser grundsätzlichen Darstellung auch in der Wiedergabe der Gesichtszüge zu beobachten. In beiden Darstellungen wird Richard Wettstein als älterer, weiser Gelehrter gezeigt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse bezüglich der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof bekannt.

Quellen

Archiv der Universität Wien UAW

  • UAW Senat S 222.39: Wettstein, Richard: Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, 1961/62
  • UAW Senat S 222.39/1: Schreiben des Dekans an den akademischen Senat betreffend Errichtung eines Denkmals in den Arkaden für Richard Wettstein, vom 5. Juni 1962
  • UAW Senat S 222.39/5: Schreiben an den Vorsitzenden des Kunstausschusses emer.o.Univ.-Prof.Dr. Fritz Eichler betreffend der Aufstellung eines Bronzereliefs, vom 10. Juli 1962
  • UAW Senat S 222.39/7: Einladungskarte zur Gedenkfeier aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Geburtstages von Richard Wettstein und Enthüllung seines Denkmales im Arkadenhof der Universität Wien, am 17. Juni 1963, 11 Uhr im Großen Festsaal, gezeichnet Präsident der Akad. d. Wissenschaften R. Meister und Dekan d. philosoph. Fakultät H. Bobek
  • UAW Senat S 222.39/11: Amtserinnerung betreffend der Enthüllung des Denkmals inkl. handschriftlicher Notiz zur Montage des Reliefs (Fa. Rudolf Lichtenecker, 1160 Wien), vom 15. November 1963

Rezeption in der Presse

Es sind bisher keine Reaktionen in der Presse bezüglich der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 222.39/1: Schreiben des Dekans an den akademischen Senat betreffend Errichtung eines Denkmals in den Arkaden für Richard Wettstein, vom 5. Juni 1962
  2. UAW Senat S 222.39/3: Abschrift des Schreibens von Herrn Prof. Dr. L. Geitler eh. an Herrn Prof. Dr. Ferd. Steinhauser Universität Wien, vom 5. Juli 1962
  3. UAW Senat S 222.39/4: Auszug aus dem Protokoll über die 7. Sitzung des Akademischen Senats am 6. Juli 1962
  4. UAW Senat S 222.39/6: Antwortschreiben des Vorsitzenden des Kunstausschusses Obmann emer. o. Univ.-Prof. Dr. Fritz Eichler an den Rektor der Universität Wien, vom 30. April 1963
  5. UAW Senat S 222.39/10: Auszug aus dem Protokoll über die 6. Sitzung des Akademischen Senats am 8. Juni 1963
  6. UAW Senat S 222.39/11: Amtserinnerung betreffend der Enthüllung des Denkmals inkl. handschriftlicher Notiz zur Montage des Reliefs (Fa. Rudolf Lichtenecker, 1160 Wien), vom 15. November 1963
  7. http://www.viennatouristguide.at/Friedhoefe/Zentralfriedhof/Index_14C_Bild/14C_wettstein_03.htm

Literatur

  • Maisel 2007: Maisel, Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien 2007, S. 42.
  • Richard Wettstein, Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages, Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Fritz Knoll (Wien), gehalten am 19. Juni 1963 [1]

Galerie


Stefanie Pernicka