Denkmal Richard Heinzel

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 53, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Germanisten Richard Heinzel (1838-1905) wurde von dem Bildhauer Carl Kundmann (1838-1919) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 28. Mai 1914 enthüllt.

Beschreibung

Abb. 3: Signatur Kundmanns auf dem Denkmal Heinzels

Das Denkmal für Richard Heinzel ist in Form einer rechteckigen Bronzeplakette in Hochformat ausgeführt. Der Professor für Germanistik wird dem Betrachter in einem Schulterstück gezeigt. Seine Gesichtszüge sind realitätsnahe wiedergegeben und er trägt den zu Lebzeiten üblichen Bart und Professorenkleidung. Unterhalb des Porträts weist es die Inschrift auf, die den Dargestellten benennt und seine Funktion - Professor der deutschen Sprache und Literatur - sowie seine Amtszeit nennt. Der für das Gelehrtenporträt typische Lorbeerzweig tritt hier als Umrahmung der Bronzeplatte in Form eines gebunden Stabes in Erscheinung. Die Bronzeplatte selbst wird von einer roten Marmorplatte eingefasst. Signiert hat Kundmann diskret in der Schattenzone der Schulter Heinzels (Abb. 3).

Notizen zur dargestellten Person

Richard Heinzels Verdienste lagen in der Erforschung der mittelhochdeutschen Dichtung, der germanischen Grammatik und Metrik, sowie der Sagengeschichte. Mit breiter, sprachwissenschaftlicher Kenntnis analysierte er mehrere Sagen unter anderem die altgermanischen Sprachen.

Entstehungsgeschichte

Am 25.1.1910 unterzeichneten mehrere Professoren der Germanistik, unter anderem auch Rudolf Much, eine Anfrage an den akademischen Senat für die Errichtung eines Denkmals für Richard Heinzel. Es wurde darauf hingewiesen, dass Heinzel mehr als drei Jahrzehnte mit der Universität Wien verbunden war und dass sein wissenschaftlicher Ruf, sowie seine Stellung in der Geschichte der deutschen Philologie bereits anerkannt sei. Das Denkmal sollte hierbei aus den Mitteln des Ministeriums für Kultus und Unterricht finanziert werden.[1] Dieser Anfrage wurde sowie von Seiten des Professorenkollegiums der philosophischen Fakultät, als auch von den Seiten des akademischen Senats zugestimmt. Das Ministerium für Kultus und Unterricht erklärte sich zunächst "im Prinzip" bereit ein Denkmal für Heinzel zu fördern, erbat jedoch hierfür einen Vorschlag.[2] Daraufhin ersuchte Heinrich Swoboda den Hofrat Karl König sich mit Carl Kundmann in Verbindung zu setzen und zu erfragen, ob dieser - Kundmann war bereits 72 Jahre alt - sich in der Lage fühlte das Denkmal auszuführen und wie viel dies kosten würde.[3] Im Juli beschloss das Ministerium die Kosten für das Denkmal nur unter der Bedingung zu übernehmen, wenn ein Teil durch privaten Sammlungen getragen werden würde, weil man Bedenken habe die Kosten alleine zu tragen. Kurz darauf ging im Rektorat auch Kundmanns Antwort ein: Er bot ein Reliefporträt in Bronze für 1600 Kr. und ansonsten empfahl er eine Büste. Aus Marmor würde diese 4000 Kr. und aus Bronze 3000 Kr. kosten.[4] Im November beschloss die artistische Kommission, dass man zunächst die finanziellen Mitteln für die Herstellung eines Reliefs oder einer Büste sammeln und sie dann Kundmann übermitteln soll. Der Bildhauer sollte dann erst aufgefordert werden, der Kommission mitzuteilen, ob die aufgebrachte Summe zur Herstellung eines Reliefporträts genügen würde.[5]

Es verging ein Jahr, in dem sich in der Organisation des Denkmals kaum etwas tat. Diese Zeit nutzte das Komitee zur Errichtung des Denkmals, bestehend aus Professoren der Germanistik, um eine private Sammlung zu starten - unter anderem über den Aufruf in der Zeitschrift für österreichische Gymnasien. Mitte Juni 1911 erging dann schließlich die Mitteilung an den akademischen Senat, dass die Sammlung 2500 Kr. eingebracht hätte. Hierbei bat das Komitee den Senat das Ministerium um die fehlenden 1500 Kr. für das 4000 Kr. kostende Reliefporträt zu ersuchen und äußerte den Wunsch, dass das Denkmal an einem der Arkadenpfeiler angebracht werden und dass der ausführende Künstler Kundmann sein sollte, weil dieser Heinzel zu Lebzeiten gekannt hatte.[6] Obwohl die gesammelten 2500 Kr. nicht der Hoffnung von 3000 Kr. entsprachen, bildeten sie doch einen überzeugenden Anfang, um vor allem das Ministerium für den restlichen Betrag zu überzeugen.

Der akademische Senat bat im November des gleichen Jahres um den Entwurf und den Kostenvoranschlag von Kundmann. Joseph Seemüller, Obmann des Komitees für die Errichtung des Denkmals, jedoch wies den Senat darauf hin, dass ohne Entscheidung des Aufstellungsplatzes Kundmann keinen Entwurf liefern könne. Folgender Platz wurde vom Komitee vorgeschlagen: „der (vom Hofe aus direkt belichtete) Pfeiler des in die Graf Leo-Thun-Halle führenden Bogens (zur linken Hand Denkmal für Miklosich)“.[7] Im Februar 1912 wurde dieser Vorschlag vom Senat genehmigt unter der Bedingung, dass es sich beim Denkmal tatsächlich um ein Relief und nicht um eine Büste handeln werde.[8] Im Juni 1912 wurden schließlich zwei Modelle für das Denkmal, eines im Profil und das andere im Dreiviertelprofil, an den Senat vorgestellt.[9] Nachdem die artistische Kommission beide Modelle, sowie den Kostenvoranschlag überprüft hatte, entschied sich der Senat im Juli für die Version in Profilansicht. Vom Ministerium für Unterricht und Cultus wurden 1000 Kr. Subvention für den Kostenvoranschlag von 3500 Kr. erbeten (die private Sammlung hatte mittlerweile 2700 Kr. erreicht).[10]

Abb. 4: Carl Kundmann, Denkmal Richard Heinzel (Schrägansicht).
Abb. 5: Carl Kundmann, Denkmal Richard Heinzel, 1910-1914, Bronze, Arkadenhof der Universität Wien.
Abb. 6: Richard Heinzel, um 1890

Diese Subvention wurde trotz Drängens des Rektors erst im März 1913 bewilligt.[11] Es folgte dann eine längere Phase des Stillstands für die Fertigstellung des Denkmals. Grund waren wahrscheinlich die tatsächliche Liquidierung des Kostenvoranschlags und gesundheitliche Beschwerden des Künstlers. Im Februar 1914 wurde das Relief dann endlich ausgeführt und im Arkadenhof aufgestellt.[12] Die Enthüllungsfeier, begleitet durch den akademischen Gesangsverein, fand am 28. Mai 1914 statt.

Analyse

Das Komitee für die Errichtung des Denkmals sandte dem akademischen Senat im Juni 1912 zwei Modelle des Denkmals zur Auswahl.[13] Diese sind nicht mehr erhalten, jedoch muss der Unterschied im Wesentlichen im Darstellungstypus gelegen haben, denn der Rektor schrieb dem Komitee einen Monat später, dass der Senat sich für die Darstellung im Profil entschieden habe.[14] Interessant ist hierbei die Bemerkung, dass die Wahl des Senats auf das Profil fiel, obwohl die Ähnlichkeit zu Heinzel beim Dreiviertelprofil größer gewesen sei. Mit dieser Aussage äußert sich das damalige Verständnis des Gelehrtenporträts. Da sie mit der Idee der Medaille eng verknüpft sind, sind in der Tat im Arkadenhof die Profildarstellungen bei Reliefs verbreiteter als das Dreiviertelprofil.

Kundmann, der bisher im Arkadenhof Büstendenkmäler und sogar eine ganzfigurige Statue fertiggestellt hatte, schuf jedoch das Reliefbildnis Heinzels nicht in einem vollkommenen Profil. So ist Heinzel leicht nach außen gewendet (Abb. 4). Diese Verschiebung vom Profil zum Dreiviertelprofil hin löst Heinzels Bildnis aus der Starrheit des Medaillenporträts und verleiht dem Dargestellten etwas momenthaftes. Dies lässt den Germanisten lebendiger erscheinen und stellt ihn dennoch in die Tradition des Gelehrtenbildnisses im Medaillentypus. Des Weiteren, scheint Kundmann auf diese Weise die nicht zustande gekommene Ausführung des Denkmals als Büste kompensieren zu wollen. Hierfür spricht nicht nur die Reinterpretation Kundmanns des Reliefs vom zweidimensionalen Objekt zum Dreidimensionalem, das heißt das Verlassen der strengen Profildarstellung, sondern auch die großzügige Darstellung Heinzels als Schulterstück. Sieht man sich sonst weitere Reliefbildnisse an, beschränken sich die meisten auf die Darstellung des Kopfes im Profil.

Die Drehung des Kopfes von Heinzel verstärkt zudem das Lichtspiel auf dem Relief. Da das natürliche Licht in diesem Fall von vorne links kommt, verlängert gerade diese leichte Drehung den Schattenwurf, so dass die Gesichtsmerkmale Heinzels, wie etwa die hervortretenden Wangenknochen, sich stärker abzeichnen (Abb. 5). Außerdem ließ Kundmann die Hintergrundfläche in ihrer matten Oberflächenstruktur, während er das Antlitz des Gelehrten glatt polierte. Dadurch entstanden sehr wirkungsvolle und fast malerische Lichteffekte.

Vergleicht man das Denkmal mit einer Fotografie Heinzels (Abb. 6), so ist eine Idealisierung im Rahmen der Wiedererkennbarkeit festzustellen. Die kantigen Gesichtsmerkmale Heinzels zeichnete Kundmann für das Denkmal weicher. Ansonsten ist noch auffällig, dass Kundmann Heinzels Brille wegließ. Dies tat er bereits für die Büsten von Melchior Neumayr und Adolf Lieben und lag wohl an der schwierigen Umsetzung einer Brille in Stein beziehungsweise Bronze.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof sind keine Ereignisse bekannt.

Quellen

Aktenmappe des Studienjahres 1909/1910

  • UAW, S 94.5, Brief des Professorenkollegiums an den akademischen Senat mit der Anfrage zur Errichtung des Denkmals, 25.1.1910.
  • UAW, S 94.5, Brief des Dekans Richard Wettstein von Westersheim an den akademischen Senat, 1.2.1910.
  • UAW, S 94.5, Konzept des Briefes des Rektors an das Ministerium für Kultus und Unterricht, 18.3.1910.
  • UAW, S 94.5, Brief des Ministeriums für Kultus und Unterricht an das Rektorat, 27.4.1910.
  • UAW, S 94.5, Konzept des Briefes des Rektors Heinrich Swoboda an die artistische Kommission, 4.5.1910.
  • UAW, S 94.5, Konzept des Briefes des Rektors Swoboda an Herrn Hofrat Karl König, 27.7.1910.
  • UAW, S 94.5, Konzept des Briefes des Rektors Swoboda an das Komitee zur Errichtung des Denkmals, 27.7.1910.
  • UAW, S 94.5, Brief von König an den Rektor, 31.7.1910.
  • UAW, S 94.5, Brief von Kundmann an König, 12.6.1910:
  • UAW, S 94.5, Brief von Kundmann an König, 30.6.1910
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors Swoboda an die artistische Kommission, 12.8.1910.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an den Dekan der philosophischen Fakultät, 17.1.1911.

Aktenmappe des Studienjahres 1910/1911

  • UAW, S 94.5, Brief des Dekans an das Rektorat, 20.2.1911.
  • UAW, S 94.5, Brief des Denkmal-Komitees (Obmann: Joseph Seemüller, Weiler, Rudolf Much, Jellinek, Jacob Minor) an den akademischen Senat, 17.6.1911.

Aktenmappe des Studienjahres 1911/1912

  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an das Denkmalkomitee, 1.12.1911.
  • UAW, S 94.5, Brief des Denkmalkomitees an den akademischen Senat, 16.12.1911.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an die artistische Kommission, 29.12.1911.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an das Denkmalkomitee, 23.2.1912.
  • UAW, S 94.5, Brief des Denkmalkomitees an den akademischen Senat, 16.6.1912.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an die artistische Kommission, 2.7.1912.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an das Denkmal-Komitee, 18.7.1912.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an das Ministerium für Kultus und Unterricht, 18.7.1912.
  • UAW, S 94.5, Brief von Joseph Seemüller an den Rektor, 26.7.1912.

Aktenmappe des Studienjahres 1912/1913

  • UAW, S 94.5, Brief des Ministeriums für Kultus und Unterricht an das Rektorat, 26.3.1913.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektorat an das Denkmal-Komitee, 5.4.1913.
  • UAW, S 94.5, Brief von Jellinek an Alexander von Weilen, 30.1.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an das Ministerium für Kultus und Unterricht, 10.2.1914.
  • UAW, S 94.5, Brief des Ministeriums für Kultus und Unterricht, 28.2.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors Richard Wettstein von Westersheim an das Denkmalkomitee, 10.3.1914.
  • UAW, S 94.5, Antwort von Alexander von Weilen auf das Schreiben des Rektors von Wettstein vom 10.3.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors Wettstein an Jellinek, 14.3.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an das Ministerium für Kultus und Unterricht, 24.3.1914.
  • UAW, S 94.5, Brief von Karl von Kraus an das Rektorat mit einer Liste derjenigen, die zum Denkmalfond beigetragen haben, 29.4.1914.
  • UAW, S 94.5, handschriftlich ausgebesserte Einladungskarte des Denkmals für Eduard Hanslick
  • UAW, S 94.5, Liste der Versendung von Einladungskarten.
  • UAW, S 94.5, Zwei Einladungskarten für die Enthüllungsfeier des Heinzel-Denkmals am 28.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Verordnung des Rektors an die Kanzlei, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an den Dekan der philosophischen Fakultät, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an das Denkmalkomitee, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an den akademischen Gesangsverein, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an Carl Kundmann, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an Karl von Kraus, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an die Universitätsgebäude-Inspektion, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an die Pedellenkanzlei, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an den Universitätsportiert, 18.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Brief von Karl von Kraus an den Dekan der philosophischen Fakultät, 24.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Brief des Dekans an das Rektorat, 25.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an den akademischen Verein der Germanisten, 25.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Konzept eines Briefes des Rektors an den akademischen Gesangsverein, 25.5.1914.
  • UAW, S 94.5, Brief des Universitätsgebäude-Inspektors an das Rektorat, 20.6.1914.
  • UAW, S 94.5, Brief des Rektors an das Denkmalkomitee, 25.6.1914.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 17872, 28.5.1914, S. 5. [1] (zuletzt aufgerufen am 23.8.2014)

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, Nr. 53, S. 57.
  • Meister 1934: Richard Meister, Ruhmeshalle der Wiener Universität, Wien 1934, Nr. 35, S. 92.

Einzelnachweise

  1. UAW, S 94.5, 25.1.1910.
  2. UAW, S 94.5, 27.4.1910.
  3. UAW, S 94.5, 27.7.1910.
  4. UAW, S 94.5, 30.6.1910.
  5. UAW, Akademischer Senat, S 87.4.2, Sitzungsprotokoll der artistischen Kommission am 28.11.1910.
  6. UAW, S 94.5, 17.6.1911. Aus den Quellen im Universitätsarchiv wird nicht ersichtlich, warum der ursprüngliche Preis von 1600 Kr. auf 4000 Kr. anstieg.
  7. UAW, S 94.5, 16.12.1911.
  8. UAW, S 94.5, 23.2.1912.
  9. UAW, S 94.5, 16.6.1912.
  10. UAW, S 94.5, 18.7.1912.
  11. UAW, S 94.5, 26.3.1912.
  12. UAW, S 94.5, 28.2.1914.
  13. UAW, S 94.5, 16.6.1912.
  14. UAW, S 94.5, 18.7.1912.

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