Denkmal Paul Kretschmer

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Büste Paul Kretschmers Inschrift: PAUL KRETSCHMER GEB. 1866 GEST. 1956 PROFESSOR DER VERGELEICHENDEN SPRACHWISSENSCHAFT 1899-1937
Lage des Denkmals, Nr. 141, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
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Das Denkmal für den Sprachwissenschaftler Paul Kretschmer (1866-1956) wurde von seiner Tochter für den Arkadenhof der Universität Wien gespendet und am 21. Juni 1968 feierlich enthüllt. Der Künstler ist unbekannt.

Beschreibung

Die Büste zu Ehren Paul Kretschmers steht auf einem Steinquader aus Impala Granit, der an einer Rückwandplatte befestigt ist, die aus dem gleichen Stein gearbeitet wurde.[1] Die Konsole zieren goldene Buchstaben, die Paul Kretschmer als Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft titulieren. Die Büste ist dunkel und ungewöhnlich gestaltet, denn sie zeigt Kretschmer etwa bis zum unteren Oberkörper. Im Gegensatz zu dieser Länge ist sie relativ schmal, so sind die Schultern des Professors gar nicht mehr dargestellt. Außer dieser Besonderheit lässt sich in dem Denkmal ein typisches Gelehrtenportrait erkennen. Kretschmers Kleidung ist schlicht, aber elegant anmutend. Mit wenigen Kerben hat der Künstler eine Art Hemd und Jackett angedeutet. Der Sprachwissenschaftler ist im höheren Alter dargestellt, was seine Glatze und einige Falten im Gesicht, wie die etwas stärkeren um den Mund oder die dezenteren unter den Augen zeigen. Ein gepflegter Schnurr- und Kinnbart zieren die untere Hälfte seines Gesichtes. Hierbei hat der unbekannte Künstler feinere Details herausgearbeitet, die die längere und dichtere Haarstruktur des Bartes erkennen lassen. Die Falte auf der Stirn des Professors ist hingegen wieder nur stilisiert, als stehe sie symbolisch für die ganze Forschungsarbeit Kretschmers. Auch seine Augenpartie mit den geradlinigen Augenbrauen zeigt durch das leichte Zusammenziehen der Brauen einen konzentrierten Blick. Die stilisierten Augen sehen den Betrachter nicht an, sie sind vielmehr auf etwas Ungewisses gerichtet. Das Betonen der Intelligenz und der Erfahrung des Mannes, gleichzeitig die Ähnlichkeit, die das Denkmal mit Kretschmer hat, sind Indizien dafür, dass der Künstler ein Gelehrtenportrait erschaffen wollte. Und auch die Umstände, dass Kretschmer sich über fünfzig Jahre mit der Wissenschaft der Sprache auseinandergesetzt hat, legen nahe, dass es sich hier um ein Denkmal eines Gelehrten handelt.

Notizen zur dargestellten Person

Der in Berlin geborene Paul Kretschmer habilitierte 1891 und beschäftigte sich sein ganzes Leben lang mit der Sprachwissenschaft. [2] Neben seiner großen Leidenschaft, der griechischen Sprache, untersuchte er auch unter anderem die deutsche und slawische Sprache. Zu seinen wichtigsten Werken zählt die „Einleitung in die Geschichte der griechischen Sprache“, ein Werk, das er 1896 herausbrachte. Im Jahre 1909 gründete er zusammen mit und Franz Skutsch die Fachzeitschrift Glotta. [3] Kretschmer verstirbt am 09. März 1956 in Wien. [4]

Entstehungsgeschichte

Am 23. Oktober 1967 findet eine Sitzung der Kunstkommission statt. Der zweite Punkt im Protokoll beschäftigt sich mit der Frage der Aufstellung eines Denkmals für den verstorbenen Paul Kretschmer. Professor Boltenstein wird um die erneute Bereitstellung der Unterlagen gebeten. In einer weiteren Sitzung am 15. Januar des folgenden Jahres wird der Kunstkommission eine Zeichnung der Büste Kretschmers vorgelegt, die ein Pendant zur Ecconomo-Büste werden soll. Dieser Vorschlag wird einstimmig angenommen. Allerdings wird der Antrag in der vierten Sitzung des Akademischen Senats am 05. Februar des gleichen Jahres vom Dekan der philologischen Fakultät, Professor Wieseneder, wieder zurückgezogen, weil er nicht genügend vorbereitet worden ist. Dieser erhält etwa zwei Wochen später ein Schreiben der Rektoratskanzlei, in dem ihm die Richtlinien für den Antrag des Denkmals beschrieben werden. Mitte März übermittelt die philosophische Fakultät schließlich dem Hohen Akademischen Senat der Universität Wien den Beschluss das Denkmal zu errichten, der bereits seit Dezember 1966 feststeht. Kretschmers Tochter, Dr. Helm-Kretschmer, hat bereits eine Büste bereitgestellt, die sie der Universität zur Aufstellung zur Verfügung stellen will. Die Kunstkommission kommt überein, dass es sich dabei um ein passendes Werk handle. Zudem wird ein geeigneter Platz im Arkadenhof ausfindig gemacht. Am 16. März 1968 bittet Wieseneder den Akademischen Senat um die Finanzierung der Aufstellung des Denkmals durch das Rektorat und betont die wichtigen wissenschaftlichen Verdienste Kretschmers. Einstimmig beschließt der Senat noch am selben Tag, die Büste aufstellen zu lassen und die weiteren Unkosten das Rektorat tragen zu lassen. Bereits am 22. Dezember 1967 ist von der Steinmetzfirma Eduard Hauser ein Anbot an Professor Boltenstein geschickt worden, in dem pauschal zu einem Preis von 4.800 Schilling die Fertigung einer Konsole sowie einer Rückwandplatte aus Impala Granit lt. Plan 449, wobei die Sichtfläche gemasert und die Schriftflächen matt geschliffen werden sollten, die 82 Buchstaben, das Liefern, das Anbringen und die Stemmarbeiten inkludiert wird. Das Rektorat erklärt sich mit diesem Angebot einverstanden und Anfang April wird der Firma mitgeteilt, dass sie mit den Arbeiten beginnen könnten. Allerdings sollte vor der Arbeit mit Professor Boltenstein und Oberbaurat Prichzi Absprache gehalten werden. Am gleichen Tag informiert das Rektorat das Bundesministerium für Unterricht über die Aufstellung des Denkmals für Kretschmer und erbittet gleichzeitig die Kostenübernahme für die Aufstellung und die Anfertigungen. Ende April teilt Wieseneder dem Rektorat mit, dass kein besonderer Termin zur Enthüllung der Büste notwendig sein, sondern es enthüllt werden solle, wenn es fertig wäre. Allerdings wird gebeten, die Feier an einem Dienstag oder Freitag um 11 Uhr anzusetzen, da zu diesen Zeitpunkten Fr. Helm-Kretschmer beruflich in der Lage wäre, der Feier beizuwohnen. Am 21. Juni 1968 um 10 Uhr im Sitzungssaal des Akademischen Senats im Hauptgebäude der Universität Wien soll die Gedenkfeier und Denkmalenthüllung stattfinden. Anfang Juni werden die ersten Einladungen an hohe Würdenträger der Stadt, aber auch die Presse verschickt. Auch Universitätsmitglieder sind geladen, die philosophische Fakultät sogar geschlossen. Ebenso ist Hertha Kretschmer, eine Nichte des zu Ehrenden, geladen. Allerdings wohnt diese in Berlin und ist, wie sie in einem Dankesschreiben an das Rektorat schreibt, beruflich unabkömmlich. Das Programm der Feierlichkeiten gliedert sich in die Begrüßung des Direktors, einigen Worten des Dekans Wieseneder, einer Ansprache Professor Mayrhofers, einigen Schlussworten des Rektors, der schließlich nach der Aufforderung Wieseneders das Denkmal enthüllt. Am Ende sollte noch ein Kranz niedergelegt werden. Nach den Feierlichkeiten teilt der Rektor der Universität am 02. Juli dem Bundesministerium für Unterricht erneut mit, dass die Aufstellung eines Denkmals für Paul Kretschmer bewilligt und Ende Juni enthüllt worden ist. Er führt die Kosten auf und bittet um die Bewilligung des Betrages in der nächsten Monatszuweisung. Zehn Tage später erhält das Rektorat ein Schreiben aus dem Bundesministerium, das ihm mitteilt, dass der Betrag bewilligt und überwiesen werde. [5]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Der Künstler hat versucht, Kretschmers Aussehen so genau wie möglich wiederzugeben und gleichzeitig ein würdiges Andenken an den Wissenschaftler zu erschaffen. Die Kopfform ist der Kreschmers sehr ähnlich, wenngleich vielleicht ein wenig überzeichnet. Auch stimmen die Ohren des Denkmals nicht ganz mit denen auf Bildern des Professors überein. Doch der Künstler bemüht sich die markante Nase und die relativ geradlinigen Augenbrauen wiederzugeben. Den Bart um Kretschmers Mund stellt er allerdings weniger borstig dar, als er auf Fotografien wirkt. Hier kann man die Idealisierung gut erkennen, die der Künstler zugunsten des Gelehrtenportraits anwendet. Mehr Ähnlichkeit findet man bei den Augen wieder. So hat der Bildhauer die Tendenz der Augenlider, sich nach unten zu ziehen, erkannt und einzufangen versucht. Auch die Form der Augen ist der auf Fotografien durchaus ähnlich. Am besten hat der Künstler wohl Kretschmers Blick einfangen können. Die leichten Falten, die zwischen den Brauen des Sprachwissenschaftlers entstehen und die sich bis in die Stirn hinaufziehen, findet man auf Bildern, wie auch in der Büste wieder. Im Großen und Ganzen ist es dem Künstler gelungen, ein würdiges Gelehrtendenkmal herzustellen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es ist nichts darüber bekannt, ob das Denkmal je verschoben oder versetzt wurde.

Literatur

Heinz Kronasser, Paul Kretschmer, in: Fritz Valjavec (Hg.), Südostforschungen, Oldenburg/München, 1958.

M. Leumann, Paul Kretschmer 2.5.1866—9.3.1956, 1956, in: Glotta, 35, 1956 (20.01.2014), URL: http://www.jstor.org/discover/10.2307/40265722?uid=3737528&uid=2&uid=4&sid=21103264502131

Einelnachweis

  1. UAW, Senat, S 222.50 Kretschmer, Paul: Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, 1967.10.23 - 1968.08.19 (Akt).
  2. Kronasser 1958, S.409.
  3. Kronasser 1958, S.410.
  4. Leumann 1956, S.11.
  5. UAW, Senat, S 222.50 Kretschmer, Paul: Errichtung eines Denkmals im Arkadenhof der Universität Wien, 1967.10.23 - 1968.08.19 (Akt).

Magdalena Fleming