Denkmal Otto Benndorf

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Büste Otto Benndorf im Arkadenhof der Universität Wien.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 67, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb.3: Otto Benndorf.

Das Denkmal für den Archäologen Otto Benndorf (1838-1907) wurde von der Bildhauerin Hella Unger für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 15. Juni 1929 enthüllt.

Beschreibung

Die Büste von Otto Benndorf befindet sich an der gegenüberliegenden Seite des Eingangs der Universität Wien zwischen den Denkmälern für Friedrich Jodl, Professor für Philosophie und dem Juristen Franz Klein. Sie wurde von der Bildhauerin Hella Unger ausgeführt und ist mit der Nummer 67 aus dem Katalog von Thomas Meisel nummeriert (Abb.2).

Der Gelehrte ist nur bis zum Halsausschnitt als Herme wiedergegeben. Die aus weißem Marmor gefertigte Herme ist in Augenhöhe auf einem annähernden quadratischen, kleinen Sockel positioniert, welcher sich auf einem hohen, schlichten Sockel befindet. Dieser trägt die Inschrift in goldenen Lettern „OTTO BENNDORF 1838 – 1907 PROFESSOR DER KLASSISCHEN ARCHÄOLOGIE 1877 – 1897“.

Der Archäologe hat den Kopf geradeaus gerichtet und den Blick etwas nach, von dem Betrachter aus gesehen, links oben gewandt. Seine Mundwinkel sind leicht nach oben gezogen, als ob er lächeln würde. Seine Augenpartien lassen auf ein fortgeschrittenes Alter des Dargestellten schließen. Dieser Eindruck wird durch die detailiert gestalteten Augenfalten, die ausgeprägten Tränensäcke unterhalb der Augen, sowie den vom Alter gezeichneten Wangen erweckt. Über den hochgezogenen Augenbrauen lassen sich zudem tief ausgestaltete Falten erkennen. Eine Besonderheit sind die ausgearbeiteten Pupillen, welche ihn lebendiger erscheinen lassen. Weitere Merkmale der Wiedererkennung sind sicherlich seine markante Nase und seine Kotletten. Die Signatur der Künstlerin Hella Unger befindet sich auf der vom Betrachter gesehenen rechten Seite.

Notizen zur dargestellten Person

Otto Benndorf (*13.09.1838 in Greiz, Vogtland, + 02.01.1907 in Wien) war ein deutscher Professor der Klassischen Archäologie und der Begründer des Österreichischen Archäologischen Instituts.

Entstehungsgeschichte

Erstmals wird das Denkmal in den Akten des Archivs der Universität Wien 1914 genannt. In einem Schreiben an das Rektorat, stellt Herr Hofrat Prof. Bohrmann den Antrag für die Errichtung eines Denkmals für den 1907 verstorbenen Prof. Benndorf. [1] In einer Sitzung vom 7. Dezember 1914 wird diesem Antrag statt gegeben. [2] Aus den Akten geht hervor, dass wohl ein Wettbewerb für das Denkmal ausgeschrieben worden ist. Allerdings kommt es zu einer Unterbrechung durch den 1.Weltkrieg. Einem Schreiben vom 16. Februar 1915 an den Bildhauer Theodor Franz Kuhn ist zu entnehmen, dass das Komitee zur Errichtung des Denkmals aus Rücksicht auf die Kriegsereignisse nicht gebildet wird. [3] Am 13. März 1929 taucht das Thema wieder in den Akten auf. Es handelt sich um eine Bestätigung, dass Adolf Rainbauer die Gipsbüste von Otto Benndorf übernommen hat. [4] In einem Schreiben vom 8.April 1929 stellt das Bundesministerium für Unterricht einen Betrag von 500 Schilling für die Büste nach dem Entwurf von Hella Unger zur Verfügung. [5] Dies ist das erste Mal, dass die Künstlerin genannt wird. In einem weiteren Schreiben [6] beschließt die Kommission dass Prof. Bauer für ein geeignetes Postament sorgen wird. Am 28. Mai 1929 sind Sockel wie auch Büste fertiggestellt, jedoch fehlt noch ein geeigneter Platz.[7] Der Rektor setzt die Enthüllungsfeier auf den 15. Juni 1929 fest. Zum Programm gehört die Sängerschaft „Ghibellinen“. [8] Zuletzt wird die Universitäts – Quästur angewiesen den Betrag von 60 Schilling aus dem Kanzleifond der Universität für die Pflanzendekoration der Feier zu nehmen.[9]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Da sich leider keine wirklichen Vergleichsbeispiele aus dem künstlerischen Sujet von Hella Unger finden lassen, kann man nur eine Vergleichsanalyse mit seinem Portrait ausführen (Abb. 3).

Wenn man die Fotografie von Otto Benndorf mit seiner Büste vergleicht, fällt der Naturalismus auf. Beide ähneln sich sehr. Die markante Nase und die nach vorne gezogene Kinnpartie stimmen überein. Ebenso die Frisur, insbesondere die charakteristischen Kotletten hat die Künstlerin bei der Gestaltung der Büste übernommen. Auch das Lächeln findet sich in der Büste wieder. Es lässt vermuten, dass die Künstlerin ein Foto als Vorbild genommen hat. Die Frage, wie weit sie ihren Stil mit einfließen hat lassen, muss leider im Raum stehen bleiben.

Zum Vergleich bietet sich ein weiteres Denkmal Otto Benndorfs an, welches ebenfalls von Hella Unger geschaffen wurde. Es fand im Vorgarten des Österreichischen Archäologischen Instituts in Athen Aufstellung.[10] Anders als die Marmorbüste im Arkadenhof ist diese Büste Benndorfs aus Bronze gefertigt, auf einem Sockel aus Marmor ruhend. Bei der Büste handelt es sich um eine Halbfigur, welche vollplastisch ausgearbeitet wurde. Auffallend bei diesem Denkmal ist die detaillierte Ausarbeitung des Gesichtes im Kontrast zu der gröberen Bearbeitung des Gewandes und der Hände. Vergleicht man nun die Büste in Athen mit jener im Arkadenhof finden sich trotz der sehr unterschiedlichen Darstellungsform einige Übereinstimmungen. Die charakteristische Frisur mit Kottletten ist nahezu ident wiedergegeben. Die Physiognomie der Dargestellten unterscheidet sich bei den Büsten kaum. Ebenso sind die Stirnfalten ähnlich gestaltet, wobei die Augenbrauen bei der Büste im Arkadenhof höher gezogen wurden, was wiederum seinen Blick offener wirken lässt. Die Gesichtszüge bei der Athener Büste erscheinen viel detaillierter und feiner herausgearbeitet als bei der Büste im Arkadenhof. Dem Denkmal in Athen wird durch die halbfigurige Darstellung, den zur Seite gedrehten Kopf und der detailierten Ausarbeitung eine gewisse Dynamik verliehen. Bei dem Denkmal im Arkadenhof, bei welchem sich Hella Unger nur auf die Darstellung des Kopfes des Gelehrten beschränkt hat, wird das Erzeugen von Lebendigkeit schwieriger. Dies gelingt ihr vor allem, trotz der Frontalität des Dargestellten, durch den offenen und leicht nach oben gewandten Blick Benndorfs.

Ereignisse im Zusammenhang mit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse im Zusammenhang mit der Aufstellung des Denkmals innerhalb des Arkadenhofes bekannt.

Quellen

  • UAW Universitätsarchiv Wien, Senat S 88.5, Antrag auf Errichtung eines Benndorf-Denkmals, 1915

Einzelnachweise

  1. UAW Senat S 88.5
  2. UAW Senat S 88.5
  3. UAW Senat S 88.5
  4. UAW Senat 93.6
  5. UAW Senat 93.6
  6. UAW Zu Senat Z.68
  7. UAW Senat 93.6
  8. UAW Senat 93.6
  9. UAW Senat 93.6
  10. Mitsopoulos-Leon 1998, S.9

Literatur

  • Mitsopoulos-Leon 1998: Veronika Mitsopoulos-Leon (Hrsg.), Hundert Jahre Österreichisches Archäologisches Institut Athen 1898-1998, Wien 1998.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007

Darstellungen


Isabelle Stappers, Katharina Dirnberger