Denkmal Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Leopold Schrödl, Denkmal Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt am 14. Juni 1905, Abbildungsnachweis: Nadine Kraus.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 35, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für den Botaniker und Chemiker Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin (1727-1817) wurde von dem Bildhauer Leopold Schrödl (1841-1908) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 14. Juni 1905 enthüllt.

Beschreibung

Abb.3: Leopold Schrödl, Denkmal Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, Abbildungsnachweis: Nadine Kraus.
Abb.4: Leopold Schrödl, Denkmal Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, Detail Inschrift, Abbildungsnachweis: Nadine Kraus.
Abb.5: Dreiergruppe Denkmal Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, Denkmal Gerard van Swieten, Denkmal Jan Ingen-Housz, Abbildungsnachweis: Nadine Kraus.

Das Denkmal von Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin befindet sich im linken Gang des Arkadenhofes der Universität Wien, neben dem Aufgang zur Stiege 7 eingebettet in einer Dreiergruppe ( Abb.5). Betreffend der Aufstellung des Denkmals fällt die Zugehörigkeit zu den Denkmälern: Gerard van Swieten und Jan Ingen-Housz auf. Die beiden äußeren Denkmäler der Dreiergruppe entsprechen einander in Größe, Form und Farbe. Die Ausrichtung der Köpfe beider Büsten Richtung Mittelachse verstärkt die Geschlossenheit der Gruppe. Aber auch die Gestaltung der Arkade hinter den Denkmälern trägt zu einer geschlossenen Gesamtbild bei. Im Arkadenhof ist die Gestaltung dieser Arkade einzigartig, während alle anderen Denkmäler vor einem einfarbigen Hintergrund präsentiert werden, sticht die Dreiergruppe mit der passend gestalteten Arkade im Hintergrund hervor.

Die bronzene Büste Jacquins( Abb.1) ist auf einem hohen grauen Postament angebracht. Sie zeigt einen älteren Mann mit gelocktem Haar. Die Haltung ist frontal ausgerichtet, wobei sein Kopf leicht nach links gewendet ist. Sein Blick ist in die Ferne gerichtet und wirkt abwesend. Er trägt eine seiner Zeit entsprechende Kleidung, die der Bildhauer sehr wahrheitsgetreu wiedergibt. Ein tiefgezogener Büstenausschnitt gibt einen genauen Einblick auf die Kleidung: Rock, Weste, Hemd und Halstuch. Die Arme des Gelehrten sind nur leicht angedeutet. Sein Gesicht ist durch eine hohe Stirn mit Ansätzen von Geheimratsecken gekennzeichnet. Die Signatur des Künstlers Leopold Schrödl ist vom Betrachter aus auf der rechten Seite des Büstensockels eingeritzt: "L.Schrödl Freit" (Abb.4).

Der hohe Sockel besteht aus grauem Marmor und ist dreigeteilt. An die breite Basis, schließt der sich nach unten verjüngende Schaft mit einer Inschrift aus vergoldeten Grossbuchstaben an, die wiederum eingefasst ist und der Form des Schaftes nachkommt. Die Inschrift lautet:

NICOLAUS IOSEPHUS BARO DE JACQUIN 1727–1817 CHEMIA AC BOTANICES BOTANICORUM AUSTRIA

Der Schaft ist bekrönt mit einer Zierleiste aus Blättern (Abb. 4). Die Büste ist nicht direkt am Schaft angebracht, sondern ist auf einer sockelartigen Basis fixiert.

Das gesamte Denkmal ist circa 200 cm hoch und hat eine Grundfläche von 43 x 27 cm2. Die Höhe des grauen Marmorsockels beträgt 139 cm . Die Büste selbst ist circa 61cm hoch.

Notizen zur dargestellten Person

Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin (* 16.2.1727 in Leiden; †26.10. 1817 in Wien) war 1762 Professor der Bergwissenschaften an der Bergbau-Akademie in Schemnitz und 1763 kaiserlicher Bergrat. 1867 war er Professor für Botanik und Chemie an die Wiener Universität sowie Direktor des Botanischen Garten. Die Einführung und Verbreitung des Linnéschen Pflanzensystems in Österreich ist auf Jacquin zurückzuführen.

Entstehungsgeschichte

Der akademische Senat hat in einer Sitzung vom 8. Mai 1903 der Aufstellung einer Büste des Arztes und Botanikers Ingen Housz im Arkadenhof der Universität Wien zugestimmt. In diesem Zusammenhang äußerte der Dekan Bormann den Wunsch die drei Denkmäler der holländischen Gelehrten: van Swieten, Ingen Housz und Jacquin, die im letzten Jahrhundert gewirkt haben, im Arkadenhof zu gruppieren. Es sei aber hier zu bemerken, dass sich das Denkmal des Gelehrten van Swieten bereits im Arkadenhof befand. Dieses entsprach einer älteren Kunstauffassung als die noch herzustellenden Büsten Inge Housz und Jacquin, daher war es problematisch die in einer Gruppe zu vereinen. [1] In einer Sitzung vom 17. Juni 1903 beauftragte die artistische Kommission den Architekten, Prof. Karl König mit einem Entwurf von Skizzen für die Gruppierung der drei Denkmäler. Bereits im Juni desselben Jahres übermittelte Prof. Karl König eine Skizze der Denkmalgruppe. [2] Im Juli 1903 fasste die artistische Kommission folgende Beschlüsse: „Es ist an den akademischen Senat der Antrag zu stellen, derselbe wolle bei dem k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht beantragen, dass die Büsten der drei genannten Gelehrten im Arkadenhof aufgestellt und durch Herstellung eines entsprechenden Hintergrundes zu einer Gruppe vereinigt werden , wie dies in der von Professor König vorgelegten Skizze angedeutet ist.“Weiters sollen die Büsten für Ingen-Housz und Jacquin aus matter Bronze, die Sockel aus grauem Marmor angefertigt werden. Die Sockel der drei Büsten sollen auf einer erhöhten Basis angeordnet sein und an die Wand gerückt sein. Der Hintergrund sei aus Stucco zu gestalten. Die Denkinschriften sollen in lateinischer Sprache verfasst werden. Als Aufstellungsort sei der linke Arkadengang geplant.“ [3] Am 11 November 1903 berichtete der Rektor der artistischen Kommission des akademischen Senates, dass der Minister für Kultus und Unterricht willens sei, dem Antrag des akademischen Senates auf Errichtung der beiden Denkmäler im Arkadenhof zuzustimmen. Weiters stand bereits im Juli 1903 für die Ausführung des Jacquin Denkmales der akademische Bildhauer Leopold Schrödl fest. [4] Als Termin für die Fertigstellung des Denkmales wurde Pfingsten 1905 angesetzt. Die artistische Kommission des akademischen Senates beschloss im Jahre 1904 die einheitliche Sockelgestaltung unter der Leitung von Prof . König nicht durch die etwaigen Bildhauer sondern durch einen Steinmetz herstellen zu lassen. [5] In einem Brief an den k.k. Hofrat , Universitätsprofessor Dr. Karl Toldt , Obmann der artistischen Kommission in Wien vom 8.Oktober 1904 berichtet der Rektor von der fertig gestellten Büste Jacquins durch den Bildhauer Leopold Schrödl, die in seinem Atelier, Akademie der bildenden Künste, Schillerplatz, Souterrain Nr. 27 aufgestellt gworden sei. Weiters lade der Bildhauer Schrödl die artistische Kommission ein, sein Denkmal im Atelier zu besichtigen. Am 18. Oktober 1904 besichtigte die artistische Kommission die Jacquin Büste und erklärte das Modell einstimmig als geeignet. [6]. Im März 1905 wurde der Wortlaut der Sockel-Inschrift entschieden. [7]. Angesichts der gewünschten Gruppierung der drei Büsten ( Abb. 5) sind Mehrkosten von 523 Kronen angefallen, die sich hauptsächlich aus der Renovierung der van Swieten Büste ergaben. [8]. Das k.k. Ministerium für Bildung und Unterricht übernahm die Kosten zur Gänze [9]. Anlässlich des II. internationalen botanischen Kongresses in Wien fand die feierliche Enthüllung der Denkmäler Ingen-Housz und Nikolaus Joseph Jacquin am 14. Juni 1905 im Arkadenhof der Universität Wien statt. Die Festreden hierfür hielten die Professoren Wettstein und Wiesner. [10].

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb.6: Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, Gemälde von Heinrich Friedrich Füger, 1812.
Abb.7: Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin, ©ÖNB.
Abb.8:Denkmal N.J.Freiherr von Jacquin im Botanischen Institut Wien.
Abb.9:Gemälde N.J.Freiherr von Jacquin

In einem Vergleich des Gemäldes von Heinrich Friedrich Füget (Abb. 6), welches Jacquin im Dreiviertelprofil zeigt, mit der Büste Schrödls aus dem Arkadenhof der Universität Wien lässt sich eine deutliche Ähnlichkeit in der Physiognomie des Dargestellten erkennen.

Die beiden Werke zeigen die Gelehrten nur bis zur Brust und beiden Darstellungen ist eine gewisse Leblosigkeit gemeinsam. Das Gemälde, welches ungefähr fünf Jahre vor seinem Tod entstanden ist, zeigt einen alten Mann mit einer hohen Stirn, zurück gekämmten Haaren und markanten Augenliedern. Weiters ziert eine große Nase sein Gesicht. Diese Merkmale finden sich zwar auch in der Bronzebüste im Arkadenhof wieder, nur idealisierender ausgeführt um dem Darstellten mehr Würde zu verleihen. Der Vergleich zu diesem Gemälde aus dem Jahre 1812 zeigt, dass der Bildhauer sich an dieser oder einer ähnlichen Abbildung orientierte, nur scheint die Büste aus dem Arkadenhof mehr in der Vergangenheit verhaftet zu sein. Das Gemälde von Füger hingegen entspricht eher einer zeitgenössischen Darstellung von Jacquin.

Eine Lithografie „ Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin“ ( Abb.7) aus dem Jahre 1820 wie auch Jacquins Büste des Künstlers Schrödl aus dem Arkadenhof weisen weniger Gemeinsamkeiten auf. In der Lithografie zeigen die Gesichtszüge des Dargestellten mehr Ausprägung vor allem bei den Hautfalten im Mundbereich. In der Lithografie lässt sich jedoch ein kleiner Ansatz von Idealismus erkennen, denn der Dargestellte entspricht in seiner Erscheinung dem Typus eines Gelehrten.

Zum Vergleich der Bronzebüste bietet sich eine weitere Büste Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquins an.(Abb.8) Diese befindet sich im Vestibül des Botanischen Instituts in Wien. Sie ist jedoch wahrscheinlich nur fälschlich mit "Joseph Freiherr v.Jacquin" beschriftet, da sich im Vestibül des Botanischen Instituts auch eine Inschriftenplakette mit der Inschrift "Nikolaus Freiherr v.Jacquin, Director des Bot. Garten 1768-1796" (Abb.12) befindet, jedoch darüber weder ein Relief noch eine Büste angebracht ist. Zudem wird in einem Vergleich mit dem Gemälde Nikolaus Jacquins die Ähnlichkeit deutlich. In der Literatur wird außerdem keine Aufstellung eines Joseph Freiherr von Jacquin erwähnt aber die Aufstellung eines Denkmals des Direktors Jacquin des Älteren im Botanischen Garten wird gemeinsam mit der Aufstellung der Büste der Direktoren Stephan Ladislaus Endlicher und Anton Kerner von Marilaungenannt. [11]

Im Vergleich der Büste des Botanischen Instituts mit einem Gemälde Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquins fällt sofort die Ähnlichkeit auf (Abb.9). Die ausgedünnten Haare stimmen mit der Gemäldedarstellung überein. Ebenso die, bei der Büste stark herausgearbeiteten Tränensäcke und heruntergezogenen Mundwinkel gleichen dem Gemälde Jacquins auffällig. Besonders die charakteristische Nase des Gelehrten findet sich bei der Gestaltung der Büste wieder. Es könnte angenommen werden das der Künstler diese oder eine ähnliche Abbildung Jacquins als Vorbild für die Gestaltung der Büste genommen hat.

Die aus weißem Marmor gefertigte Büste im Botanischen Institut steht auf einem zweistufigen Aufbau in einer Rundbogennische im Vestibül neben dem Stufenaufgang. Die Büste im Arkadenhof ist hingegen aus Bronze gefertigt und auf einem hohen Sockel an der Wand positioniert. Beide Büsten geben den Geehrten bis zur Brust mit einem Schulterstück wieder und enden mit einem runden Abschluss. Die Bronzebüste stellt Jacquin in einem zeitgenössischen Anzug dar, während er bei der Marmorbüste ein Toga-ähnliches Gewand trägt. Im Gegensatz zu der Büste im Arkadenhof ist sie rückseitig ausgehöhlt. Die Büste Schrödls zeigt Jaqcuin mit gelocktem Haar, die Marmorbüste gibt ihn mit glatten, stark ausgedünnten Haar wieder. Durch den leeren Blick wirkt die Büste Jacquins im Botanischen Institut nachdenklich in sich gekehrt, während die stark ausgearbeiteten Pupillen der Bronzebüste dem Denkmal mehr Ausdruck verleiht. Davon ausgehend das es sich bei der Büste im Botanischen Institut um eine Darstellung von Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin handelt, kann man sagen das die Büste im Arkadenhof eher eine idealisierte Darstellung zeigt, während sich die Büste im Botanischen Institut realistisch und ungeschönt gibt.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Enthüllung des Denkmales innerhalb des Arkadenhofes bekannt.

Quellen

  • UAW, Senat 94.9 : Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin- Büste

Rezeption in der Presse

  • Der Internationale botanische Kongress in Wien, In: Neue Freie Presse, 25.05.1905, Nr.14638, S.6.
  • Die neuen Monumente an der Wiener Universität, In: Neue Freie Presse, 16.02.1904,Nr.14180, S. 10, Sp.1.
  • Neues Wiener Journal vom 19.03.1904.

Einzelnachweis

  1. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 1
  2. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 2
  3. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 3
  4. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 5
  5. UAW, Senat, S 94.9, Nr.6
  6. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 9
  7. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 13
  8. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 14
  9. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 16
  10. UAW, Senat, S 94.9, Nr. 15
  11. Czeike 1992

UAW=Universitätsarchiv Wien

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.
  • Czeike 1992: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Bd.1, 1992.

Weblinks

Darstellungen


Nadine Kraus, Katharina Dirnberger