Denkmal Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Vanja Radauš, Denkmal für Nikolai S. Trubetzkoy, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1974.
Abb. 2: Lage des Denkmals, Nr. 81, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb. 3: Vanja Radauš, Denkmal für Nikolai S. Trubetzkoy, Schrägansicht.

Das Denkmal für den Philologen Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy (1890-1938) wurde von dem kroatischen Bildhauer Vanja Radauš (1906-1975) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 5. November 1974 enthüllt.

Beschreibung des Denkmals

Das Denkmal für Nikolai Trubetzkoy (Abb. 1 und 3) ist als Porträtmedaillon ausgeführt und aus Bronze in Reliefform gefertigt. Das dunkle, schwarze Reliefmedaillon hat einen Durchmesser von 43 cm und ist auf einer grauen Marmorplatte, die eine Größe von 70 x 105 cm aufweist, montiert. Das Reliefmedaillon ist im strengen Seitenprofil nach links ausgeführt und zeigt die markanten Gesichtszüge des Geehrten. Die hohe Stirn führt zum Haaransatz, die Haare sind kurz und leicht gewellt modelliert. Hohe Backenknochen und kräftige Augenbrauen umschließen die weit blickenden Augen. Die Lippen sind kaum erkennbar und mit einem kräftigen Oberlippenbart umgeben. Ein dichter und etwas längerer Kinnbart ergänzt das Profil. Das Medaillon endet in halber Schulterhöhe, von der Kleidung ist nichts zu erkennen, nur ein schmaler spitz zulaufender Kragen schließt den Hals ab.

Unter dem Medaillon auf der Marmorplatte ist in hellgrauen Blockbuchstaben folgende Inschrift zu lesen: FÜRST / N. S. TRUBETZKOY / SLAWIST / BEGRÜNDER DER PHONOLOGIE / 1890 – 1938.

Die glatte Marmorplatte hat eine Stärke von 2 cm und hat an den Rändern keine Profilierung. Die Marmorplatte beginnt in einer Höhe von 154 cm Höhe, und endet in einer Höhe von 209 cm. Der Betrachter muss somit auf das Reliefmedaillon des geehrten Wissenschaftlers aufblicken.

Die Signatur des Künstlers ("V.RADAUŠ 1973") wurde unten rechts am Rand des Porträtreliefs eingeritzt. (Abb.10)

Notizen zur dargestellten Person

Nikolai Trubetzkoy (1890 – 1938) war Philologe, entstammte einem russischen Fürstengeschlecht und war Professor für slawische Philologie an der Universität Wien von 1922 bis 1938. Die Biografie Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy gibt Einblick in sein Leben und Wirken.

Entstehungsgeschichte

Das Reliefmedaillon, geschaffen vom kroatischen Bildhauer Vanja Radauš, wurde vom Institut für slawische Philologie finanziert und mit Hilfe einer Subvention durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung angefertigt.[1] Das Denkmal wurde am 5. November 1974 enthüllt.[2]

Bereits am 6. Dezember 1968 hat das Professorenkollegium einstimmig beschlossen, die Eintragung des Namens von Professor Fürst Nikolaus Sergejewitsch Trubetzkoy in die Ehrentafel der Universität Wien zu beantragen. Bestätigt wird dieser Antrag am 25. Jänner 1969 und die Inschrift soll lauten: N. S. TRUBETZKOY.[3]

Am 26. Jänner 1972 beschließt der Akademische Senat die Errichtung einer Gedenktafel in den Arkaden der Universität Wien für den ehemaligen Vorstand des Instituts für Slawische Philologie Nikolaus S. TRUBETZKOY (verstorben 1938). Betont werden im Kommissionsbericht die „bahnbrechenden Verdienste der Begründung der Phonologie für die allgemeine Sprachwissenschaft“ Trubetzkoys. Zur Finanzierung der Gedenktafel wird vereinbart, dass die Kosten für das Bronzerelief das Institut für Slawische Philologie übernehmen wird und für die dazu passende Marmortafel wird das Rektorat für die Übernahme der Kosten gebeten.[4]

Am 30. April 1973 wird vom akademischen Bildhauer Vanja Radauš aus Agram (Zagreb) ein Foto einer Plakette aus Bronze, Durchmesser 50 cm, vorgelegt. Als Anbringungsort wird der Pfeiler gegenüber der Tafel für Ferdinand von Arlt (Nr. 80 nach Maisel) vorgeschlagen. Erwähnt wird dabei die Nähe der Gedenktafel Trubetzkoys zur Jagić-Büste von Meštrović (Denkmal Vatroslav v. Jagic), der ebenfalls Slawist und vergleichender Sprachwissenschaftler war.[5]

In einer weiteren Sitzung der Kunstkommission vom 28. November 1973 werden das Aufstellen von Denkmälern und die Anbringung von Plaketten im Hof des Universitätsgebäudes zur Diskussion gestellt, und die ästhetische Wirkung der Architekturglieder und deren Beeinträchtigung befürchtet. Eine Neugestaltung des Denkmalwesens im Arkadenhof wird vorgeschlagen. Kritisiert wird der ungewöhnlich große Durchmesser der Plakette für Trubetzkoy und das Material der Grundplatte. Die Grundplatte solle rechteckig sein, da im Bereich des Aufstellungsortes rechteckige Bronzeplaketten bereits vorzufinden sind.[6]

Am 3. Juli 1974 bestätigt das Institut für slawische Philologie die Genehmigung einer Subvention des Ministeriums für die Gedenktafel Trubetzkoy. Am 25. Oktober 1974 erfolgt die Zusage des Rektors der Universität, Dr. Siegfried Korninger, die Enthüllung der Gedenktafel vorzunehmen.[7]

Abb. 4: Einladungskarte zur Enthüllungsfeier für Nikolai S. Trubetzkoy, 5. November 1974.
Abb. 5: Programm der Trubetzkoy-Feier am 5. November 1974.

Die Einladungskarte (Abb. 4) verweist auf die Verbindung zur österreichischen Akademie der Wissenschaften und auf das anschließende Symposion im Senatssitzungssaal der Universität Wien (Abb. 5). Die Enthüllungsfeier für das Denkmal Trubetzkoys wurde im Rahmen dieses Symposions am 5. November 1974 vorgenommen.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Für die zahlreichen Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien ist der Typus des Reliefmedaillons eine sehr häufige Darstellungsart. Zum Vergleich eignen sich das Denkmal Gustav Riehl (Abb. 6) und das Denkmal Friedrich von Wieser (Abb. 7).

Abb. 6: Arnold Hartig, Denkmal für Gustav Riehl, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1954.
Abb. 7: Rudolf Schmidt, Denkmal für Friedrich von Wieser, Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1957.

Beide Denkmäler bestehen wie das Denkmal Trubetzkoys im Aufbau aus einer Hochrechteckigen Platte, welche in der oberen Hälfte das Porträt des Geehrten auf einem runden Grund zeigt. Darunter ist die Inschrift zu sehen. Jedes der Denkmäler gibt in der Darstellung nur den Kopf, im strengen Seitenprofil, des jeweiligen Geehrten wieder. Während die Porträts Gustav Riehls und Friedrich von Wiesners nach kurzem Halsansatz schräg abgeschnitten wurde, zeigt Trubetzkoys Porträt einen Schulteransatz. Desweiteren sind die Köpfe Riehls und Wiesers zentriert auf rundem Grund dargestellt, während der Schulteransazt Trubetzkoys an den Rand der runden Platte schließt. Das Reliefmedaillon Gustav Riehl von Artur Hartig (1954) (Abb. 6) ist ebenso im strengen Seitenprofil ausgeführt und aus Bronze hergestellt. Jedoch ist das Relief höher, mehr erhaben und daher plastischer. Hingegen ist das Reliefmedaillon Trubetzkoy flacher und somit die Wirkung weniger plastisch. Das dunkle, runde Porträtrelief Riehls hebt sich zudem stark von der hellen, rechteckigen Platte ab, wodurch die Plastizität im Vergleich zu dem einfarbig gestalteten Trubetzkoy Denkmal verstärkt wird. Riehl zeigt in den Gesichtszügen mehr Ausprägung vor allem bei den Hautfalten, ebenso sind die Augen und das Ohr stärker ausgeprägt. Die naturalistische Darstellung ist hier voll durchgeführt. Beim Denkmal Trubetzkoy (Abb. 1 und 3) sind die naturalistischen Formen teilweise verflacht, eher verschwommen und neigen im Ausdruck zum Expressionismus. Das Reliefmedaillon Friedrich von Wieser vom Bildhauer Rudolf Schmidt (1957) (Abb. 7) ist ebenso im strengen Seitenprofil nach links gerichtet und in sehr realistischer Darstellung mit genauer Betonung der Nasenfalten und der Augenpartien ausgeführt. Das Reliefmedaillon Wieser ist in einer flachen Mulde festgehalten. Dadurch ist die Erhabenheit und Bedeutung des Kopfes für den Wissenschaftler noch mehr zur Geltung gebracht, wobei auch Strenge und Genauigkeit zum Ausdruck kommen. Im Vergleich zeigt das Denkmal Trubetzkoy eher eine introvertierte Haltung eines Wissenschaftlers, der in seine Gedanken versunken ist.

Abb. 8: Nikolai S. Trubetzkoy, Fotografie, 1920.

Vergleich zur Fotografie aus 1920 Eine Fotografie Trubetzkoys aus dem Jahr 1920 (Abb. 8) zeigt eine gewisse Annäherung zum Porträtmedaillon Trubetzkoys. Die kräftigen Augenbrauen, der dichte Oberlippenbart und die Form des Kinnbartes stimmen mit dem Relief überein zeigen aber eine härtere Ausdrucksform. Die runde Form des Hinterkopfes zeigt eher eine Übereinstimmung mit der Fotografie.

Abb. 9: Nikolai Trubetzkoy, Porträtzeichnung, 1935.
Abb.10:Signatur Vanja Radauš

Vergleich zur Zeichnung aus 1935 Die Porträtzeichnung Trubetzkoys von Robert Fuchs aus dem Jahr 1935 (Abb. 9) wurde nahezu 40 Jahre vor der Errichtung des Denkmals gemacht und stimmt mit den wesentlichen Gesichtszügen des geehrten Wissenschaftlers überein. Im Vergleich zum Porträtmedaillon ist eine naturnahe Darstellungsweise erkennbar. Die Zeichnung im Dreiviertelprofil zeigt zwar nach rechts, hat jedoch ebenso hohe Backenknochen und kräftige Augenbrauen, sowie Oberlippenbart und Kinnbart. Der in die Ferne gerichtete Blick und die ausdrucksvollen Augen sind auch im Reliefporträt festgehalten. Die Zeichnung endet beim Hals unterhalb des Hemdkragens und trägt die Unterschrift „N. Trubetzkoy“ sowie die Signatur des Zeichners „S/F 35“.

Weder die Fotografie, die Porträtzeichnung noch das Denkmal zeigen Attribute auf, nur die deutlichen Gesichtszüge und den in die Ferne gerichteten Blick lassen auf die wissenschaftliche Tätigkeit Trubetzkoys schließen.

Ereignisse im Zusammenhang mit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Aufstellung des Trubetzkoy-Denkmals sind keine Ereignisse bekannt.

Quellen

  • UAW (= Universitätsarchiv Wien), Dokument 106.I.993, Porträtzeichnung aus 1935.
  • UAW (= Universitätsarchiv Wien), Dokument Senat S 304.1296.
  • ÖNB (= Österr. Nationalbibliothek), Bildarchiv, Zeichnung von Robert Fuchs.
  • UAW (= Universitätsarchiv Wien), Denkmalakt N. Trubetzkoy, S 222.51.

Einzelnachweise

  1. Maisel 2007, S. 171.
  2. Trubetzkoy/Poljakov 2005, S. 459.
  3. UAW Denkmalakt S 222.51, Brief: Dekan der phil. Fakultät an Akadem. Senat, 13. Jänner 1969.
  4. UAW Denkmalakt S 222.51, Schreiben: Institut slaw. Philologie an phil. Fakultät, 25. Jänner 1972.
  5. UAW Denkmalakt S 222.51, Brief: Institut slaw. Philologie an die Kunstkommission, 30. April 1973.
  6. UAW Denkmalakt S 222.51, Protokoll: Sitzung der Kunstkommission, 28. November 1973.
  7. UAW Denkmalakt S 222.51, Brief: Rektor Korninger an Institut für slaw. Philologie, 25. Oktober 1974.

(UAW = Universitätsarchiv Wien)

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007.
  • Trubetzkoy/Poljakov 2005: Nikolay S. Trubetzkoy/Fedor B. Poljakov (Hg.), Russland-Europa-Eurasien. Ausgewählte Schriften zur Kulturwissenschaft, Wien 2005.

Christa Dobrzanski, Katharina Dirnberger