Denkmal Melchior Neumayr

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abb.1: Karl Kundmann, Denkmal Melchior Neumayr, 1892.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 48, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.
Abb.3: Melchior Neumayr um 1880.
Abb.4: Karl Kundmann, Denkmal Melchior Neumayr, 1892, Detail. Foto G.Böhm-Nevole
Abb.5: Karl Kundmann, Denkmal Melchior Neumayr, 1892. Foto G.Böhm-Nevole
Abb.6: Denkmal Melchior Neumayr zwischen Denkmälern Ludwig Barth von Barthenau und Adolf Exner. Foto G.Böhm-Nevole

Das Denkmal des Paläontologen Melchior Neumayr (1845- 1890) wurde von dem Bildhauer Carl Kundmann (1838-1919) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 26.Juni 1892 enthüllt.

Beschreibung

Das Denkmal Melchior Neumayrs befindet sich im linken, westlichen, Gang des Arkadenhofes, rechts neben dem Aufgang zur Stiege 9 (Abb. 2 / Nr. 48) zwischen den Denkmälern des Chemikers Ludwig Barth von Barthenau und dem des Juristen Adolf Exner. Es handelt sich um eine aufwändig gestaltete hochrechteckige, aus hellem Marmor in die Wand eingelassene Tafel. In der Höhe von 1,70m angebracht, misst sie 105x170 cm. Die obere Hälfte wird durch eine runde Vertiefung akzentuiert, die durch einen Ring mit Perlstabmotiv eingefasst ist. Darüber befindet sich ein Relief aus zwei Lorbeerzweigen, die in der Mitte durch eine Schleife verbunden sind und bis zur Mitte der Vertiefung hinunterreichen. Die Büste Neumayrs steht auf einem circa 40 cm hohen Sockel und befindet sich zentral vor der runden Aushöhlung, wodurch die Figur in eine Art Gloriole gesetzt wird. Auch der Fuß des Sockels wird von einem Lorbeerkranz umwunden und steht auf einem Podest, das reliefartig aus der Tafel gearbeitet wurde und etwa das untere Viertel des Denkmals einnimmt. Auf ihm befindet sich die Inschrift "Melchior Neumayr 1845-1890 Professor der Paläontologie 1873-1890" in vergoldeten Lettern.

Neumayr ist mit der für ihn typischen Frisur mit kurzem, in der Mitte gescheitelten Haar sowie langem Schnauzbart und längerem, leicht zerzausten Kinnbart dargestellt. Er trägt eine hochgeschlossene, leichte Falten werfende Jacke über einem ebenfalls hochgeschlossenen Hemd, die Arme sind lediglich am Schulteransatz ausgebildet, die Büste endet etwa im Brustbereich. Sie ist frontal ausgerichtet, der Gelehrte hat den Kopf jedoch leicht nach links gewendet und scheint ernst und sinnend über den Betrachter hinweg zu blicken. Er wirkt älter als auf der vergleichbaren Fotografie (Abb. 3), die circa zehn Jahre vor seinem Ableben entstand und ihn daher im Alter um die Mitte der Dreißig zeigt. Die Büste ist circa 55 cm hoch und wurde somit etwa in Lebensgröße ausgeführt.

Das Denkmal enthält keinerlei Attribute, die auf seine Tätigkeit hinweisen, jedoch sind links und rechts des Sockels auf der Tafel seine wichtigsten Werke mit dem Datum der Erstveröffentlichung aufgelistet. Auf der linken Seite Jurastudien 1869-1890 sowie Geologie der Oestl. Mittelmeerlaender 1873-1880 und auf der rechten Seite Erdgeschichte 1885 sowie Die Stimme des Thierreiches 1889. (Abb. 4)

Notizen zur dargestellten Person

Melchior Neumayr (*24.Oktober 1845 in München; † 29.Jänner 1890 in Wien) war der erste Vorstand des Paläontologischen Institutes an der Universität Wien und einer der bedeutendsten Paläontologen des 19. Jahrhunderts. Er gilt als einer der ersten Anhänger des Darwinschen Gedankens und der Darwinschen Evolutionslehre. Seine zahlreichen Publikationen befassen sich mit allen Bereichen der Paläontologie.

Entstehungsgeschichte

Am 22. November 1890, also nur zehn Monate nach dem Tod Neumayrs, erging ein Schreiben an den Akademischen Senat der Universität Wien, das von dem Geologen Albrecht Penck, dem Mineralogen Friedrich Berwerth, dem Geologen und Paläontologen Viktor Uhlig, dem Paläontologen Edmund Mojsisovics von Mojsvár sowie dem Mineralogen Franz Toula unterzeichnet war. In diesem wurde um die Genehmigung zur Aufstellung einer Büste für Melchior Neumayr im Arkadenhof der Universität Wien ersucht. Die Ausführung sollte aus Marmor erfolgen und auch der Bildhauer war, wie im Schreiben angeführt, mit Karl Kundmann bereits gewonnen worden. Auch die erforderlichen Mittel für das Denkmal waren bereits aufgebracht worden. Die Gestaltung scheint zu diesem Zeitpunkt bereits durchdacht worden zu sein, da zudem um die Genehmigung zur Anbringung der Büste auf einem „eingelassenen Marmorträger“ ersucht wird. Den geeigneten Platz im Arkadenhof wollten sich die Spender des Denkmals selbst aussuchen. Als Tag der Enthüllung wird in diesem Schreiben bereits der erste Sterbetag Neumayrs, also der 29. Jänner 1891 in Augenschein genommen.[1]

Das rasche Ansuchen um die Bewilligung zu einem Denkmal, der bereits gesammelte Geldbetrag und die Auswahl eines der prominentesten Künstlers der Wiener Ringstraßen-Ära zur Anfertigung der Büste deuten ebenso wie die Nachrufe, zum Beispiel jener von Franz Toura, auf die Bedeutung und hohe Anerkennung Neumayrs in seiner Kollegenschaft hin.

Die Enthüllung der Büste fand letztendlich am 26.Juni 1892 gemeinsam mit denen der Denkmäler der beiden Astronomen Joseph Johann und Karl Littrow sowie des Chemikers Ludwig Barth von Barthenau statt, welcher eine Feier im kleinen Festsaal vorausging, an der neben dem Rektor der Wiener Universität zahlreiche Professoren, Mitglieder des akademischen Senats, der Akademie der Wissenschaften und der Unterrichtsbehörden teilnahmen. Auch der Bildhauer des Denkmals, Karl Kundmann, war anwesend. Besonders hervorgehoben wurde, dass sich die Büste Neumayrs vor einem in die Wand eingelassenen Tiefen-Relief befindet.[2] Nach einem Auftritt des Akademischen Gesangsvereins hielt der Rektor der Wiener Universität, Adolf Exner, die Gedenkrede bei der Enthüllung der Büste, in der er Neumayr unter anderem als „ein Beispiel gründlicher teutscher Forschung auf seinem Gebiet" pries.[3]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Abb.7: Karl Kundmann, Denkmal Adolf Lieben, Foto: G. Böhm-Nevole.

Im Vergleich des Denkmals von 1892 mit einer Fotografie Neumayrs um 1880 (Abb.3) fällt sogleich die Ähnlichkeit der Physiognomie auf. Gesichtsform sowie Frisur stimmen mit der Fotografie überein. Das gescheitelte Haar gleicht sich bis zur leicht gewellten Haarsträhne am Stirnansatz. Der charakteristisch lange Schnautzbart und der etwas zerzauste Kinnbart lassen sich auch bei der Büste im Arkadenhof erkennen.

Karl Kundmann fertigte insgesamt sieben Denkmäler für den Arkadenhof der Wiener Universität an, das aufwändigste ist jenes für Leo Graf Thun und Hohenstein, das sich unweit des Neumayr-Denkmals befindet. Vergleichbar mit dem Neumayr-Denkmal sind die Dekorationen mit zwei Lorbeerzweigen im oberen Bereich.

Am besten zu vergleichen mit der Büste Neumayrs ist jene von Adolf Lieben (Abb. 7), die im Jahr 1922 eingeweiht wurde, also knapp 30 Jahre nach jener für Neumayr entstand und zu den Spätwerken, des 1919 verstorbenen Kundmanns zählt, während die beiden Büsten für Hermann Bonitz und Franz Exner einen völlig anderen Typus aufweisen und zudem als Gesamtheit mit dem Denkmal für Thun-Hohenstein zu sehen sind. Die Büste für Josef Skoda wiederum entspricht durch den reichen Faltenwurf und die große Anzahl der übereinander geschichteten Kleidung eher einer neobarocken Gestaltung.

Die Büsten Lieben und Neumayr zeigen die beiden Wissenschaftler mit vom Betrachter aus gesehen nach rechts gerichtetem Kopf, sie tragen bis oben zugeknöpfte Jacken mit darunter hochgeschlossenem Hemd und entsprechen somit der damaligen Mode. In beiden Fällen öffnen sich die Jacken nach unten hin leicht und sind durch leichte Faltenbildung natürlich dargestellt. Die Gesichtszüge entsprechen der Realität, auch Haar und Bart sind der Natur nachempfunden, wenngleich sie geordneter wirken als die zerzauste Barttracht beider Herren, wie sie auf Fotos zu sehen ist. Die Pupillen sind in beiden Fällen ausgearbeitet, was den Denkmälern einen lebendigen Eindruck verleiht, allerdings verhindert der gleichzeitige Blick in die Ferne jeglichen Kontakt mit dem Betrachter. Der sinnend in die Ferne gerichtete Blick wurde von Kundmann oftmals angewendet, wie zum Beispiel am Franz-Grillparzer-Denkmal im Wiener Volksgarten (Abb. 8) oder am Franz-Schubert-Denkmal im Wiener Stadtpark (Abb. 9) zu sehen ist.

Beide Büsten sind auf Piedestalen angebracht, die direkt an der Wand befestigt sind, wobei das Denkmal für Neumayr durch die dahinter, direkt in die Wand eingelassene Marmortafel mit Reliefs und Beschriftungen wesentlich aufwändiger gestaltet wurde. Die Büste Neumayrs endet gerade, etwa im Brustbereich und sitzt auf einer Oberfläche auf, die etwa halb so breit ist wie der untere Büstenrand während jene Liebens mit leichter Rundung abschließt und auf einem Podest aufsitzt, das etwa doppelt so breit ist wie der untere Teil der Büste. Insgesamt wirkt das Denkmal Neumayrs im Vergleich wesentlich imposanter und eindrucksvoller.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Das Denkmal für Melchior Neumayr wurde bereits bei seiner Enthüllung am 26.Juni 1892 am heutigen Standort angebracht und seither nicht verändert. Auch die Büste Ludwig Barths von Barthenau, die am gleichen Tag enthüllt wurde, befand sich bereits damals neben dem Denkmal Neumayrs.

Berichte über Veränderungen oder Beschädigungen liegen nicht vor.

Quellen

  • UAW: UAW Senat S 95.11, 1890-1892, Melchior Neumayr, Denkmal im Arkadenhof.

UAW = Universitätsarchiv Wien

Rezeption in der Presse

  • Die Presse: Neue Monumente auf der Universität, in: Die Presse, 27.Juni 1892, Nr. 177, S. 1.
  • Freie Presse: Enthüllungsfreier in der Universität, in: Neue Freie Presse, Nr. 10.000; 27.Juni 1892, S. 1.
  • Vaterland: Neue Monumente in der Universität, in: Das Vaterland, 27.Juni 1892, S. 3.
  • Volksblatt: Neue Monumente auf der Universität, in: Deutsches Volksblatt, 27.Juni 1892, S. 2.

Einzelnachweise

  1. UAW S 95.11, 25. November 1890.
  2. Die Presse, S. 1.
  3. Neue Presse, S. 1.

Literatur

  • Czeike 2004: Felix Czeike, Historisches Lexikon Wien, Band 5, Wien 2004, S. 387.
  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien 2007.
  • Meister 1934: Richard Meister, Die Ruhmeshalle der Wiener Universität, Donauwörth/Wien/Basel 1934.

Darstellungen


Gabriele Böhm-Nevole, Katharina Dirnberger