Denkmal Max Hussarek von Heinlein

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb.1: Michael Drobil, Porträtrelief Max Hussarek von Heinlein.
Abb.2: Lage des Denkmals, Nr. 13, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Porträtrelief des Theologen Max Hussarek von Heinlein (1865-1935) wurde von dem Bildhauer Michael Drobil (1877-1958) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 14. Jänner 1954 enthüllt.

Abb.3: Denkmal Josef Maria Pernter
Abb.4: Denkmal Eduard von Hofmann
Abb.5: Signatur Michael Drobil

Beschreibung

Das Denkmal befindet sich auf einem der ersten Arkadenpfeiler im linken Gang des Hofes der Universität Wien. Es stellt an zentraler Stelle ein Porträt Hussarek-Heinleins auf einer rechteckigen Platte aus Untersberger Marmor im Hochrelief mit den Ausmaßen 100x70 cm dar. Darunter befindet sich eine vergoldete Inschrift mit dem Namen, ohne Adelsprädikat, und den Sterbedaten des Dargestellten. Die Inschrift lautet: "MAX HUSSAREK 3.Mai 1865-7.März 1935." Im rechten unteren Eck der hellen Marmorplatte ist die Signatur des Künstlers zu sehen, welche lediglich den Nachnamen in einfachen Lettern aufweist (Abb.5).

Das Porträtrelief stellt lediglich den Kopf des Gelehrten und den Kragenansatz dar. Es zeigt Hussarek-Heinlein im nach rechts gewandten leichten Profil. Der Blick folgt der Ausrichtung der Büste. Die Augen sind geöffnet, jedoch wird durch den leeren Blick der Eindruck von Unnahbarkeit erzeugt. An den Kopf schließt direkt ein Stehkragen an, darunter ist ein Krawattenansatz angedeutet. Durch die grobe Ausarbeitung sind einzelne Details jedoch nicht erkennbar. Das Porträt wird unterhalb des Krawattenansatzes mit einer scharfen waagrechten Kante abgeschlossen.

Notizen zur dargestellten Person

Max Hussarek von Heinlein (* 3. Mai 1865 in Pressburg, Ungarn; † 7. März 1935 in Wien) war Professor für Kirchenrecht an der Universität Wien, k.k. Minister für Kultus und Unterricht, sowie der vorletzte k.k. Ministerpräsident. Er gilt als Begründer der modernen Wiener Kirchenrechtsschule.

Entstehungsgeschichte

Die Initiative zur Errichtung des Denkmals erging zusammen mit jener für das Denkmal Heinrich Lammaschs auf Antrag der Professoren Willibald Plöchl, Alfred Verdroß und Ludwig Adamovich am 9. Jänner 1952.[1] Daraufhin fasste das Professorenkollegium der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät noch am selben Tag den Beschluss, diese beim Akademischen Senat zu beantragen und eine Bitte um finanzielle Unterstützung an das Bundesministerium für Unterricht zu richten.[2] Das Unterrichtsministerium kam dieser Bitte nach, indem es das Vorhaben aus dem Kunstförderungskredit subventionierte. Zur Auswahl der Künstler wurde Prof. Otto Demus, damals Präsident des Bundesdenkmalamtes, als Vertrauensmann der Fakultät bestellt.[3] Dieser sollte gemeinsam mit der Kunstsektion Einvernehmen über die Auswahl erzielen. Dem Ministerium war lediglich ein Anliegen, dass junge und förderungswürdige Künstler herangezogen werden.[4] Schließlich wurden die akademischen Bildhauer Prof. Josef Humplik und Prof. Michael Drobil mit den Arbeiten betraut.[5] Wie es dazu kam, dass Humplik das Denkmal Lammasch und Drobil das Denkmal Hussarek-Heinlein fertigen sollte, geht aus den Quellen jedoch nicht hervor. Am 24. Oktober 1953 hat das Professorenkollegium die Inschrift für das Denkmal beschlossen: "MAX HUSSAREK 3. Mai 1865 - 7. März 1935".[6] Der Vertrag zwischen dem Unterrichtsministerium und Drobil bestimmte die "[...] Herstellung eines in Untersberger Marmor ausgeführten, etwas überlebensgroßen Porträts [...] (Hochrelief auf einer 100x70 cm großen Platte) um den Preis von S 11.500,- (elftausendfünfhundert Schilling). In diesem Preis sind sämtliche mit dem Auftrag verbundenen Leistungen (wie Beschriftung, Transportkosten, Versetzungsarbeiten) inbegriffen."[7] Das Denkmal wurde am 14. Jänner 1954 im Rahmen einer Gedenkfeier der Öffentlichkeit präsentiert.[8]

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Vergleicht man das von Drobil geschaffene Porträtrelief mit einer Fotografie des Dargestellten, so fällt sofort die Übereinstimmung der Physiognomie und sogar die beinahe exakt selbe Wiedergabe der Kleidung auf. (Abb.8) Die Frisur sowie das auffallend große Ohrläppchen des Gelehrten auf der Fotografie stimmen mit dem Porträtrelief überein. Auch die hohe Stirn und der Oberlippenbart entsprechen seiner Physiognomie. Überzeichnet hingegen wirken die mächtigen Tränensäcke. Die Falte zwischen seinen Augenbrauen als auch die Unebenheiten der Wange wurden von Drobil übernommen. Hussarek wirkt auf der Fotografie weitaus ernster als auf dem Porträtrelief des Arkadenhofes, was vermutlich durch die zurückgenommene Ausarbeitung bewirkt wird. Das von Drobil geschaffene Abbild gibt sich dem Betrachter ungeschönt und realistisch.

Auffallend bei dem Porträt Hussareks ist, dass es nur aus zwei Standpunkten betrachtet werden kann. Von vorne und von der, vom Betrachter aus, rechten Seite. Betrachtet man es von der linken Seite fällt eine Verzerrung des Gesichtes des Dargestellten auf, welche durch die starke Herausarbeitung seiner rechten Gesichtshälfte verursacht wird. Ein Vergleich mit den anderen Werken Drobils für die Arkaden der Universität Wien, das Denkmal Josef Maria Pernters (Abb.3)aus dem Jahre 1935 sowie das Denkmal Eduard von Hofmanns (Abb.4)aus 1947, liegt nahe. Dabei ist die zeitliche Dimension zu beachten, wonach das Denkmal Max Hussarek von Heinleins das Jüngste der drei Werke Drobils für den Arkadenhof darstellt. Bei allen dreien handelt es sich um Porträtreliefs auf einer hochrechteckigen Marmorplatte. Eine Büste und eine vergoldete Inschrift zieren diese. Der Aufbau ist also derselbe. Jedoch unterscheiden sie sich in der Farbe. Außerdem hat Drobil die Gelehrten aus drei unterschiedlichen Perspektiven verewigt: Josef Maria Pernter ist frontal, Eduard von Hofmann in rechtem und Hussarek von Heinlein in linkem Profil abgebildet. Alle drei Darstellungen verbinden die nicht ausgearbeiteten Pupillen wodurch der Blick ins leere gerichtet ist. Perners Büste scheint aus der steinernen Platte herauszuwachsen, so weit ragt sein Kopf aus dem Marmor. Im Gegensatz dazu geben sich die Büsten Hofmanns und Heinleins flach, was sich nicht zuletzt aufgrund der Ausführung im Profil ergibt. Interessant ist, dass im Vergleich zu dem Porträtrelief Pernters, das Porträt Hussareks scharf am Kragenansatz abgeschnitten wurde, wohingegen Pernters beinahe fließend in die Marmorplatte übergeht. Des weiteren sind die Gesichtszüge Hussareks im Vergleich zu der Darstellung Pernters vereinfacht wiedergegeben. Durch die scharfe Kante am Kragenansatz wird ein Kontrast zu der flachen Herausarbeitung der Gesichtszüge Hussareks geschaffen.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Es sind keine Ereignisse seit der Aufstellung des Denkmals im Arkadenhof bekannt.

Quellen

(UAW = Universitätsarchiv Wien)

Rezeption in der Presse

Über eine Erwähnung des Denkmals in der Presse ist nichts bekannt.

Einzelnachweise

  1. UAW, J Cur 237, Dek.Zl.92/1952, Antrag betreffend Errichtung von Ehrendenkmälern für Heinrich Lammasch (1853-1920) und Max Freiherr von Hussarek-Heinlein (1865-1935) in den Arkaden der Universität Wien vom 09.01.1952.
  2. UAW, J Cur 237, Dek.Zl.92/1952, Schreiben des Dekans der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät Heinrich Demelius an das Bundesministerium für Unterricht vom 15.01.1952.
  3. UAW, J Cur 237, Dek.Zl.92/1952, Schreiben des Dekans der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät an Otto Demus vom 15.01.1952.
  4. UAW, J Cur 237, Dek.Zl.92/1952, Antrag betreffend Errichtung von Ehrendenkmälern für Heinrich Lammasch (1853-1920) und Max Freiherr von Hussarek-Heinlein (1865-1935) in den Arkaden der Universität Wien vom 09.01.1952.
  5. UAW, J Cur 237, Zl. 86.413-II-4/52., Schreiben des Bundesministers für Unterricht Ernst Kolb an Hosef Humplik sowie Michael Drobil vom 13.03.1953.
  6. UAW, J Cur 237, Dek.Zl.1298/1953, Schreiben des Dekans der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien an Michael Drobil vom 26.10.1953.
  7. UAW, J Cur 237, Zl.45.226-II/9-53, Schreiben des Bundesministeriums für Unterricht an Michael Drobil vom 08.05.1953.
  8. UAW, S 222.21, Auszug aus dem Protokoll über die 2. Sitzung des Akademischen Senates vom 15.12.1953.

Literatur

  • Maisel 2007: Thomas Maisel, Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität, Wien u.a. 2007.

Darstellungen


Philipp Summer, Katharina Dirnberger