Denkmal Marie von Ebner-Eschenbach: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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[[Bild:Bilder-471998-337042-360.jpg|thumb|Abb. 1.: Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.]]
[[Bild:Bilder-471998-337042-360.jpg|thumb|Abb. 1.: Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.]]
'''Die Gedenktafel für [[Marie von Ebner-Eschenbach]]''' im [[Arkadenhof der Universität Wien]] wurde auf Anregung des Germanisten Prof. Anton Bettelheim errichtet und 1925 enthüllt. Es ist das einzige Denkmal im Arkadenhof, mit dem eine Frau namentlich geehrt wird. Bei Maisel 2007 ist das Denkmal mit der Nummer 133 angeführt. (Abb.2)  
'''Die Gedenktafel für die Schriftstellerin [[Marie von Ebner-Eschenbach]]''' wurde am 27. Juni 1925 enthüllt. Es ist das einzige Denkmal im Arkadenhof, mit dem eine Frau namentlich geehrt wird. (Abb.1)  
[[Bild:Maisel plan markiert 133.png|thumb|Abb.2.: Lage des Denkmals, Nr. 133, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.]]
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== Beschreibung ==
== Beschreibung ==


Die Inschriftentafel für Marie von Ebner Eschenbach befindet sich an der Innenseite eines Pfeilers im rechten Arkadengang. Sie ist für den Betrachter sichtbar, wenn dieser bei der Philosophenstiege stehend den Blick in  
Die Inschriftentafel für Marie von Ebner Eschenbach befindet sich an der Innenseite eines Pfeilers im rechten Arkadengang (Maisel 2007, Nr. 133). Sie ist für den Betrachter sichtbar, wenn dieser bei der Philosophenstiege stehend den Blick in Richtung Aula wendet. Die hochrechteckige Tafel besteht, wie aus einem Quellenhinweis zur Entstehung des Schrötter-Kristelli Denkmals zu vermuten ist, aus gelblichem Osliper Sandstein. Das Denkmal verzichtet als einziges Epitaf im Arkadenhof auf eine Porträtdarstellung der Geehrten.Passpartoutartig wird die Inschrift durch ein glattes Reliefband gerahmt und durch ein äusseres Ornamentband in antikisierendem Rapportmuster aussen eingefasst.Den oberen Abschluss bildet ein schützendes Parapett.Der Text ist in Versalien in den Stein gemeisselt und lautet: ''Zum Gedächtnis an Marie von Ebner Eschenbach geborene Dubsky von Trebomyslik Ehrendoktor der Universität Wien''.Die Inschrift nennt nur Namen und Herkunft der Dichterin und ihre Auszeichung als Ehrendoktor der Universität Wien, gibt keinen Hinweis auf die Lebensdaten und den Grund ihrer Ehrung.
Richtung Aula wendet. Das Denkmal selbst ist im Vergleich zu den anderen im Arkadenhof schlicht gehalten. Die hochrechteckige Tafel besteht, wie aus einem Quellenhinweis zur Entstehung des Schrötter-Kristelli Denkmals zu vermuten ist, aus gelblichem Osliper Sandstein. Passpartoutartig wird die Inschrift durch ein glattes Reliefband gerahmt und durch ein äusseres Ornamentband in antikisierendem Rapportmuster aussen eingefasst. Den oberen Abschluss bildet ein schützendes Parapett.Der Text ist in Versalien in den Stein gemeisselt und lautet: ''Zum Gedächtnis an Marie von Ebner Eschenbach geborene Dubsky von Trebomyslik Ehrendoktor der Universität Wien''.Die Inschrift nennt nur Namen und Herkunft der Dichterin und ihre Auszeichung als Ehrendoktor der Universität Wien, gibt keinen Hinweis auf die Lebensdaten und den Grund ihrer Ehrung.




== Notizen zur dargestellten Person ==
== Notizen zur dargestellten Person ==


[[Marie von Ebner-Eschenbach]] (*13.09.1830, auf Schloss Zdislavice, Tschechien, + 12.03.1916, Wien) geboren als Marie Freiin Dubsky, gilt als eine der bedeutensten deutsprachigen Schriftstellerinen des 19.Jh. Als erste Frau wurde Marie von Ebner-Eschenbach zu ihrem 17.Geburtstag im Jahre 1900 der Ehrendoktor für Philosophie der Universität verliehen.  
[[Marie von Ebner-Eschenbach]] (*13.09.1830, auf Schloss Zdislavice, Tschechien, + 12.03.1916, Wien) geboren als Marie Freiin Dubsky, gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinen des 19.Jh. Als erste Frau wurde Marie von Ebner-Eschenbach zu ihrem 70.Geburtstag im Jahre 1900 der Ehrendoktor für Philosophie der Universität verliehen.  




== Entstehungsgeschichte ==
== Entstehungsgeschichte ==


Am 2. Juni 1923 wendet sich Dr. Anton Bettelheim mit der Anregung an die Universität Wien, eine Ehrung der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach im Arkadenhof der Universität Wien vorzunehmen. Er begründet diesen Vorschlag damit, dass Ebner-Eschenbach als erste und bisweilen auch einzige Frau das Ehrendoktorat der Universität verliehen bekommen hat. Generell war ein solches Unterfangen frühestens 10 Jahre nach dem Ableben der zu ehrenden Person und nur durch Engagement und Finanzierung von Gönnern möglich. Aus den Unterlagen und Protokollen des Universitätarchivs geht allerdings keinerlei Information darüber hervor, an wen und in welcher Form die Auftragsvergabe stattgefunden hat. Allgemein gilt der Wiener Bildhauer Robert Weigl als für die Gedenktafel Ebner-Eschenbachs verantwortlich. Eine Annahme, die nicht richtig sein kann, da der Bildhauer bereits 1902 verstorben ist.
Am 2. Juni 1923 wendet sich der Germanistikprofessor Dr. Anton Bettelheim mit der Anregung an die Universität Wien, eine Ehrung der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach im Arkadenhof der Universität Wien vorzunehmen. Er begründet diesen Vorschlag damit, dass Ebner-Eschenbach als erste und bis dato auch einzige Frau das Ehrendoktorat der Universität verliehen bekommen hat. Generell war ein solches Unterfangen frühestens 10 Jahre nach dem Ableben der zu ehrenden Person und nur durch Engagement und Finanzierung von Gönnern möglich. Aus den Unterlagen und Protokollen des Universitätarchivs geht nicht hervor, an wen und in welcher Form die Auftragsvergabe stattgefunden hat.<ref>UAW Senat 93.22</ref> . Die Inschrift verfasste der Antragsteller Dr. Anton Bettelheim.  
Über die Kosten des Projektes sind nur überschlagsmäßige Beträge genannt. In einem Brief wird Bettelheim darauf hingewiesen, dass weder vom Unterichtsministerium, noch vom Senat finanzielle Unterstützung zu erwarten sei, da es schlichtweg nicht üblich wäre. Weil das von ihm ins Leben gerufene Komitee erst etwa ein Drittel des veranschlagten Gesamtbetrages aufbringen konnte, plant Bettelheim einen öffentlichen Aufruf für Spenden in den Wiener Tageszeitungen.
Über die Kosten des Projektes sind nur überschlagsmäßige Beträge genannt. In einem Brief wird Bettelheim darauf hingewiesen, dass weder vom Unterichtsministerium, noch vom Senat finanzielle Unterstützung zu erwarten sei, da es einfach nicht üblich wäre. Da das von ihm ins Leben gerufene Komitee erst etwa ein Drittel des veranschlagten Gesamtbetrages aufbringen konnte, plant Bettelheim einen öffentlichen Aufruf für Spenden in den Wiener Tageszeitungen.


Am 27. Juni 1925 wurde die Erinnerungstafel für Marie von Ebner-Eschenbach feierlich enthüllt. Von der Antragstellung bis zur Aufstellung und Einweihung des Denkmals vergingen zwei Jahre. <ref>UAW Senat 93.22</ref>
Am 27. Juni 1925 wurde die Erinnerungstafel für Marie von Ebner-Eschenbach feierlich enthüllt. Marianne Hainisch, die Begründerin der Frauenbewegung in Österreich, sprach einige Gedenkworte.     <ref>UAW Senat 93.22</ref>
Warum nur eine Gedenktafel und keine Büste zu Ehren Marie von Ebner-Eschenbachs aufgestellt wurde, ist ungeklärt, könnte aber dadurch erklärt werden, dass die Dichterin nie an der Universität gelehrt hat. Weiters ist die Finanzierung eines solchen Projektes nur durch Spenden und das Engagement eines Komitees möglich. Vielleicht war eine Büste oder ein Porträtmedaillon einfach zu kostspielig.Wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass das Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach das erste - und bis dato auch einzige - für eine bestimmte Frau ist, so könnte man auch den Schluss daraus ziehen, dass man einer Frau schlichtweg nicht mehr als eine Inschrifttafel zugestehen wollte.Es wären durchaus einige plastische Darstellungen der Dichterin vorhanden gewesen, die man für den Arkadenhof hätte erwerben können.
Am 28. Mai 1924 bot Frau Kropallik-Weigl, die Witwe des Bildhauers Robert Weigl,der Universität eine in Gips ausgeführe Porträtskizze der Dichterin an, die, wie sie schreibt "mein Mann für das Ahnenschloss der Dichterin zu ihrem 70. Geburtstag im Auftrag des Grafen Dubsky" geschaffen hat. Sie wäre bereit die Skizze der Universität für 1 Million Kronen zu überlassen. Die Büste selbst soll nach Urteil von Marie von Ebner-Eschenbach selbst,die Beste der von ihr angefertigten sein.<ref>UAW S 89.11</ref> Diese Nachricht ist dafür verantwortlich, dass irtümlich in der Literatur Robert Weigl als Bildhauer der Gedenktafel genannt wird. Dies ist unmöglich, da er schon 1902 verstorben ist. Das Angebot der Witwe wurde offensichtlich nicht angenommen. Für die Enthüllungsfeier im Kleinen Festsaal wollte man dann doch ein Bild der Geehrten in Marmor. Die Universität lieh von den Städtischen Sammlungen eine Büste, die der römische Bildhauer Roberto Zaccagnini während eines Romaufenthalts der Schriftstellerin 1910 geschaffen hat. Diese Büste ist zwar in den Inventaren des Wien-Museums verzeichnet, aber dzt. unauffindbar. Eine signierte Zweitfassung befindet sich im mährischen Schloss Zdislavice (Zdislawitz), dem Geburtsort der Dichterin.
== Kunsthistorischer Vergleich und Analyse ==
== Kunsthistorischer Vergleich und Analyse ==
Da es sich beim Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach um eine relativ schlichte Inschriftentafel handelt, gibt es hier nur wenig Möglichkeiten einer ausführlichen Analyse. Allgemein lässt sich sagen, dass  ein einfacher Denkmaltyp gewählt wurde.
Da es sich beim Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach um eine reine Inschriftentafel handelt, gibt es hier nur wenig Möglichkeiten einer ausführlichen Analyse. Allgemein lässt sich sagen, dass  ein einfacher Denkmaltyp gewählt wurde.
Durch die einzelne Positionierung der Gedenktafel auf einen Pfeiler des Arkadenhofes kommt die Gedenktafel trotz der schlichten Gestaltung gut zur Geltung. Die in Gold gehaltene Inschrift nimmt die größte Fläche des Denkmals ein, hebt sich jedoch  kaum von der gelblichfärbigen Steintafel ab. Die sehr schlicht gestaltete Inschrift fügt sich gestalterisch passend in den äußeren Rahmen der Gedenktafel ein. Welcher nur durch das, einen Rahmen bildende, Rapportmuster und ein bekrönendes Gesimse ähnliches Element auf sich Aufmerksam macht.  
Durch die isolierte Positionierung an einem Pfeiler des Arkadenhofes kommt die Gedenktafel jedoch gut zur Geltung. Die in Gold gehaltene Inschrift nimmt die größte Fläche des Denkmals ein, hebt sich jedoch  kaum von der gelblichfärbigen Steintafel ab. Die Inschrift fügt sich gestalterisch passend in den äußeren Rahmen ein, der nur durch das umlaufende Rapportmuster und ein bekrönendes Gesimse ähnliches Element auf sich aufmerksam macht.
Warum nur eine Gedenktafel und keine Büste zu Ehren Marie von Ebner-Eschenbachs aufgestellt wurde, scheint ungeklärt. Eine Mögliche Vorlage für eine Büste war jedoch durch ein Kaufangebot einer Gipsbüste von Marie von Ebner-Eschenbach für die Universität Wien von Emmy Kapralik-Weigl, der Frau Robert Weigels,  gegeben. Die Büste selbst soll sogar, nach Urteil Marie von Ebner-Eschenbach selbst, die Beste der von ihr angefertigten sein.<ref>UAW S 89.11</ref>
Anstelle einer formal ähnlichen Denkmalform soll hier die erwähnte Büste der Dichterin von Roberto Zaccagnini herangezogen werden. Sie zeigt die alte Dame in großem Büstenabschnitt, der die Hände als Ausdrucksträger mit einbezieht. Die alte Dame ist vornehm gekleidet und liest in einem vor ihr liegenden Buch. Ein Vergleich mit Altersfotografien der Dargestellten verrät starke Porträtähnlcihkeit, auch der Eindruck von Stofflichkeit des Spitzenumhangs erweist den Bildhauer als Realisten.
 
   


== Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof ==
== Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof ==


Seit der Anbringung der Tafel im Arkadenhof der Universität 1925, hat sich weder am Denkmal, noch an seinem Aufstellungsort etwas verändert.
Seit der Anbringung der Tafel im Arkadenhof der Universität 1925 hat sich weder am Denkmal, noch an seinem Aufstellungsort etwas verändert.
Dafür hat sich heute ein anderes Problem herauskristalisiert. In der einschlägigen Literatur wird als schaffender Künstler, sofern einer genannt wird, immer der wiener Bildhauer Robert Weigl gemeinsam mit dem Aufstellungsjahr der Ehrentafel angegeben. Macht man sich aber die Mühe und informiert sich über Weigl in einschlägigen Lexika genauer, so fällt auf, dass der Bildhauer bereits 1902 verstorben ist und somit zum Zeitpunkt der Errichtung des Ebner-Eschenbach-Denkmals bereits seit 23 Jahren nicht mehr lebte. Aus den Protokollen des Senats im Archiv der Universität Wien geht leider keinerlei Information über den ausführenden Künstler hervor.
 
Weiters geht aus den Unterlagen des Senats hervor, dass im Bezug auf das Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach von Anfang an von einer Inschriftentafel die Rede war. Die Möglichkeit einer Porträtbüste oder eins Medaillons wurde also zu keiner Zeit in Betracht gezogen.<ref>UAW Senat 93.22</ref> Dies könnte mehrere Gründe haben. Zum Einen könnte man Anton Bettelheim unterstellen, dass er angesichts seines ungewöhnlichen Antrags ein Denkmal für eine Frau, die nicht einmal Wissenschafterin ist aufzustellen, um des Erfolgs seines Anliegens willen, eher eine schlichtere Ausführungs-Variante wählte.
Weiters ist die Finanzierung eines solchen Projektes nur durch Spenden und das Engagement eines Komitees möglich. Vielleicht war davon auszugehen, dass eine Büste oder dergleichen einfach zu konstspielig und daher viel schwerer zu finanzieren gewesen wäre. Wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass das Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach das erste - und bis dato auch einzige - für eine Frau ist, so könnte man auch den Schluss daraus ziehen, dass man einer Frau schlichtweg nicht mehr als eine schlichte Tafel zugestehen wollte.


Obwohl die Dichterin schon andernorts mit einer Büste geehrt wurde. Robert Weigl fertigte eine Marmorbüste Marie Ebner Eschenbachs zu ihrem 70.Geburtstag im Auftrag des Grafen Dubsky für das Ahnenschloss der Dichterin an. Aus einem Protokoll des Akademischen Senats der UNiversität Wien geht hervor dass Emmy Kapralik-Weigl, die Ehefrau Robert Weigls am 28.05.1924-31.05.1924 ein Kaufangebot an die Universität Wien für die in Gips ausgeführte Porträtskizze der Marmorbüste. <ref>UAW S 89.11</ref> Dr. Anton Betthelheim wandte sich nur ein Jahr früher an die Universität mit der Anregung einer Ehrung für die Dichterin Marie von Ebner Eschenabch im Arkadenhof der Universität Wien vorzunehmen. Das Kaufangebot der Gipstbüste liegt also genau in dem Zeitraum der Antragstellung und Aufstellung Denkmals. Warum diese Gipsbüste nicht für eine Vorlage einer Büste verwendet wurde, geht nicht aus dem Protokoll oder anderen Unterlagen hervor.


Die Büste in Zdislawitz, Mähren von Marie von Ebner-Eschenbach, geschaffen von Robert Weigl  könnte der Grund sein, weshalb allgemein Robert Weigl auch als Künstler der Gedenktafel für die Dichterin im Arkadenhof der Universität Wien gilt. Wohlmöglich wurde Robert Weigl durch eine Verwechslung als ausführender Künstler angenommen.




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* ''Maisel 2007'': Maisel Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 96-97.
* ''Maisel 2007'': Maisel Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 96-97.
* ''Mühlberger 2007'': Mühlberger Kurt, Universität Wien (Hg.), Palast der Wissenschaftein - historischer Spaziergang durch das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphina Vindobonensis, Wien 2007.
* ''Mühlberger 2007'': Mühlberger Kurt, Universität Wien (Hg.), Palast der Wissenschaften - historischer Spaziergang durch das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphina Vindobonensis, Wien 2007.





Version vom 21. September 2014, 19:25 Uhr

Abb. 1.: Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.

Die Gedenktafel für die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach wurde am 27. Juni 1925 enthüllt. Es ist das einzige Denkmal im Arkadenhof, mit dem eine Frau namentlich geehrt wird. (Abb.1)

Abb.2.: Lage des Denkmals, Nr. 133, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.


Beschreibung

Die Inschriftentafel für Marie von Ebner Eschenbach befindet sich an der Innenseite eines Pfeilers im rechten Arkadengang (Maisel 2007, Nr. 133). Sie ist für den Betrachter sichtbar, wenn dieser bei der Philosophenstiege stehend den Blick in Richtung Aula wendet. Die hochrechteckige Tafel besteht, wie aus einem Quellenhinweis zur Entstehung des Schrötter-Kristelli Denkmals zu vermuten ist, aus gelblichem Osliper Sandstein. Das Denkmal verzichtet als einziges Epitaf im Arkadenhof auf eine Porträtdarstellung der Geehrten.Passpartoutartig wird die Inschrift durch ein glattes Reliefband gerahmt und durch ein äusseres Ornamentband in antikisierendem Rapportmuster aussen eingefasst.Den oberen Abschluss bildet ein schützendes Parapett.Der Text ist in Versalien in den Stein gemeisselt und lautet: Zum Gedächtnis an Marie von Ebner Eschenbach geborene Dubsky von Trebomyslik Ehrendoktor der Universität Wien.Die Inschrift nennt nur Namen und Herkunft der Dichterin und ihre Auszeichung als Ehrendoktor der Universität Wien, gibt keinen Hinweis auf die Lebensdaten und den Grund ihrer Ehrung.


Notizen zur dargestellten Person

Marie von Ebner-Eschenbach (*13.09.1830, auf Schloss Zdislavice, Tschechien, + 12.03.1916, Wien) geboren als Marie Freiin Dubsky, gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinen des 19.Jh. Als erste Frau wurde Marie von Ebner-Eschenbach zu ihrem 70.Geburtstag im Jahre 1900 der Ehrendoktor für Philosophie der Universität verliehen.


Entstehungsgeschichte

Am 2. Juni 1923 wendet sich der Germanistikprofessor Dr. Anton Bettelheim mit der Anregung an die Universität Wien, eine Ehrung der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach im Arkadenhof der Universität Wien vorzunehmen. Er begründet diesen Vorschlag damit, dass Ebner-Eschenbach als erste und bis dato auch einzige Frau das Ehrendoktorat der Universität verliehen bekommen hat. Generell war ein solches Unterfangen frühestens 10 Jahre nach dem Ableben der zu ehrenden Person und nur durch Engagement und Finanzierung von Gönnern möglich. Aus den Unterlagen und Protokollen des Universitätarchivs geht nicht hervor, an wen und in welcher Form die Auftragsvergabe stattgefunden hat.[1] . Die Inschrift verfasste der Antragsteller Dr. Anton Bettelheim. Über die Kosten des Projektes sind nur überschlagsmäßige Beträge genannt. In einem Brief wird Bettelheim darauf hingewiesen, dass weder vom Unterichtsministerium, noch vom Senat finanzielle Unterstützung zu erwarten sei, da es einfach nicht üblich wäre. Da das von ihm ins Leben gerufene Komitee erst etwa ein Drittel des veranschlagten Gesamtbetrages aufbringen konnte, plant Bettelheim einen öffentlichen Aufruf für Spenden in den Wiener Tageszeitungen.

Am 27. Juni 1925 wurde die Erinnerungstafel für Marie von Ebner-Eschenbach feierlich enthüllt. Marianne Hainisch, die Begründerin der Frauenbewegung in Österreich, sprach einige Gedenkworte. [2] Warum nur eine Gedenktafel und keine Büste zu Ehren Marie von Ebner-Eschenbachs aufgestellt wurde, ist ungeklärt, könnte aber dadurch erklärt werden, dass die Dichterin nie an der Universität gelehrt hat. Weiters ist die Finanzierung eines solchen Projektes nur durch Spenden und das Engagement eines Komitees möglich. Vielleicht war eine Büste oder ein Porträtmedaillon einfach zu kostspielig.Wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass das Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach das erste - und bis dato auch einzige - für eine bestimmte Frau ist, so könnte man auch den Schluss daraus ziehen, dass man einer Frau schlichtweg nicht mehr als eine Inschrifttafel zugestehen wollte.Es wären durchaus einige plastische Darstellungen der Dichterin vorhanden gewesen, die man für den Arkadenhof hätte erwerben können. Am 28. Mai 1924 bot Frau Kropallik-Weigl, die Witwe des Bildhauers Robert Weigl,der Universität eine in Gips ausgeführe Porträtskizze der Dichterin an, die, wie sie schreibt "mein Mann für das Ahnenschloss der Dichterin zu ihrem 70. Geburtstag im Auftrag des Grafen Dubsky" geschaffen hat. Sie wäre bereit die Skizze der Universität für 1 Million Kronen zu überlassen. Die Büste selbst soll nach Urteil von Marie von Ebner-Eschenbach selbst,die Beste der von ihr angefertigten sein.[3] Diese Nachricht ist dafür verantwortlich, dass irtümlich in der Literatur Robert Weigl als Bildhauer der Gedenktafel genannt wird. Dies ist unmöglich, da er schon 1902 verstorben ist. Das Angebot der Witwe wurde offensichtlich nicht angenommen. Für die Enthüllungsfeier im Kleinen Festsaal wollte man dann doch ein Bild der Geehrten in Marmor. Die Universität lieh von den Städtischen Sammlungen eine Büste, die der römische Bildhauer Roberto Zaccagnini während eines Romaufenthalts der Schriftstellerin 1910 geschaffen hat. Diese Büste ist zwar in den Inventaren des Wien-Museums verzeichnet, aber dzt. unauffindbar. Eine signierte Zweitfassung befindet sich im mährischen Schloss Zdislavice (Zdislawitz), dem Geburtsort der Dichterin.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Da es sich beim Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach um eine reine Inschriftentafel handelt, gibt es hier nur wenig Möglichkeiten einer ausführlichen Analyse. Allgemein lässt sich sagen, dass ein einfacher Denkmaltyp gewählt wurde. Durch die isolierte Positionierung an einem Pfeiler des Arkadenhofes kommt die Gedenktafel jedoch gut zur Geltung. Die in Gold gehaltene Inschrift nimmt die größte Fläche des Denkmals ein, hebt sich jedoch kaum von der gelblichfärbigen Steintafel ab. Die Inschrift fügt sich gestalterisch passend in den äußeren Rahmen ein, der nur durch das umlaufende Rapportmuster und ein bekrönendes Gesimse ähnliches Element auf sich aufmerksam macht. Anstelle einer formal ähnlichen Denkmalform soll hier die erwähnte Büste der Dichterin von Roberto Zaccagnini herangezogen werden. Sie zeigt die alte Dame in großem Büstenabschnitt, der die Hände als Ausdrucksträger mit einbezieht. Die alte Dame ist vornehm gekleidet und liest in einem vor ihr liegenden Buch. Ein Vergleich mit Altersfotografien der Dargestellten verrät starke Porträtähnlcihkeit, auch der Eindruck von Stofflichkeit des Spitzenumhangs erweist den Bildhauer als Realisten.


Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Anbringung der Tafel im Arkadenhof der Universität 1925 hat sich weder am Denkmal, noch an seinem Aufstellungsort etwas verändert.




Quellen

  • UAW Senat 93.22 Protokoll über die Anregung Anton Bettelheims zur Errichtung einer Ehrentafel, 5.6.1923.
  • UAW Senat 93.22 Zustimmung für das Denkmal in der Professoren-Kollegiums-Sitzung, 23.6.1923.
  • UAW Senat 93.22 Beschluss des Senats für die Errichtung der Ehrentafel, 10.7.1923.
  • UAW Senat 93.22 Information Anton Bettelheims über die Zustimmung des Senats zu seiner Anregung, 13.7.1923.
  • UAW Senat 93.22 Dankesbrief Viktor Dubskys an die Universität Wien, 25.7.1923.
  • UAW Senat 93.22 Brief an Anton Bettelheim über Finanzierung und ersten Entwurf für das Denkmal ,30.1.1924.
  • UAW Senat 93.22 Amtsvermerk über das Vorsprechen Bettelheims zum Budget in der Uni.-Kanzlei , 3.3.1924.
  • UAW Senat 93.22 Brief an Anton Bettelheim über die Vorgehensweise der Finanzierung, 12.3.1924.
  • UAW Senat 93.22 Rechtfertigung Anton Bettelheims zur Errichtung des Denkmals, 2.6.1924.
  • UAW Senat 93.22 Einladungskarte zur Gedenkfeier und Enthüllung der Ehrentafel für Marie von Ebner-Eschenbach, 27.6.1925.
  • UAW Senat 93.22 Zahlreiche Antwortschreiben und Absagen für die Gedenkfeier am 27. Juli 1925.
  • UAW Senat 89.11 Gipsbüste von Marie von Ebner-Eschenbach, Kaufangebot, 28.05.1924-31.05.1924.


Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Enthüllung der Gedenktafel und die Gedenkfeier, in: NFP, Nr.21835, 28.6.1925, S.13, Sp.1.[1]


Einzelnachweise

  1. UAW Senat 93.22
  2. UAW Senat 93.22
  3. UAW S 89.11


Literatur

  • Maisel 2007: Maisel Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 96-97.
  • Mühlberger 2007: Mühlberger Kurt, Universität Wien (Hg.), Palast der Wissenschaften - historischer Spaziergang durch das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphina Vindobonensis, Wien 2007.


Darstellungen

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Julia Guger

redigiert von: Katharina Dirnberger