Denkmal Marie von Ebner-Eschenbach

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1.: Gedenktafel für Marie von Ebner-Eschenbach, im Arkadenhof der Universität Wien, enthüllt 1925.
Abb.2.: Lage des Denkmals, Nr. 133, Plan des Arkadenhofes der Universität Wien, Maisel 2007.

Das Denkmal für die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) wurde am 27. Juni 1925 im Arkadenhof der Universität Wien enthüllt. Bis zur Enthüllung von sieben Denkmälern für Wissenschaftlerinnen im Jahr 2016 war die Gedenktafel das einzige Denkmal im Arkadenhof, mit dem eine Frau namentlich geehrt wurde.

Beschreibung

Die Inschriftentafel für Marie von Ebner Eschenbach befindet sich an der Innenseite eines Pfeilers im rechten Arkadengang (Maisel 2007, Nr. 133). Sie ist für den Betrachter sichtbar, wenn dieser bei der Philosophenstiege stehend den Blick in Richtung Aula wendet. Die hochrechteckige Tafel besteht, wie aus einem Quellenhinweis zur Entstehung des Schrötter-Kristelli Denkmals zu vermuten ist, aus gelblichem Osliper Sandstein. Das Denkmal verzichtet als einziges Epitaph im Arkadenhof auf eine Porträtdarstellung der Geehrten. Passpartoutartig wird die Inschrift durch ein glattes Reliefband gerahmt und durch ein äußeres Ornamentband in antikisierendem Rapportmuster außen eingefasst. Den oberen Abschluss bildet ein schützendes Parapett. Der Text ist in Versalien in den Stein gemeißelt und lautet: Zum Gedächtnis an Marie von Ebner Eschenbach geborene Dubsky von Trebomyslik Ehrendoktor der Universität Wien. Die Inschrift nennt nur Namen und Herkunft der Dichterin und ihre Auszeichung als Ehrendoktor der Universität Wien, gibt keinen Hinweis auf die Lebensdaten und den Grund ihrer Ehrung.

Notizen zur dargestellten Person

Marie von Ebner-Eschenbach (*13.09.1830, auf Schloss Zdislavice, Tschechien, + 12.03.1916, Wien) geboren als Marie Freiin Dubsky, gilt als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerinen des 19.Jh. Als erste Frau wurde Marie von Ebner-Eschenbach zu ihrem 70.Geburtstag im Jahre 1900 der Ehrendoktor für Philosophie der Universität verliehen.

Entstehungsgeschichte

Am 2. Juni 1923 wandte sich der Germanistikprofessor Dr. Anton Bettelheim mit der Anregung an die Universität Wien, eine Ehrung der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach im Arkadenhof der Universität Wien vorzunehmen. Er begründete diesen Vorschlag damit, dass Ebner-Eschenbach als erste und bis dato auch einzige Frau das Ehrendoktorat der Universität verliehen bekommen hat. Generell war ein solches Unterfangen frühestens 10 Jahre nach dem Ableben der zu ehrenden Person und nur durch Engagement und Finanzierung von Gönnern möglich. Aus den Unterlagen und Protokollen des Universitätarchivs geht nicht hervor, an wen und in welcher Form die Auftragsvergabe stattgefunden hat.[1] . Die Inschrift verfasste der Antragsteller Dr. Anton Bettelheim. Über die Kosten des Projektes sind nur überschlagsmäßige Beträge genannt. In einem Brief wird Bettelheim darauf hingewiesen, dass weder vom Unterichtsministerium, noch vom Senat finanzielle Unterstützung zu erwarten sei, da es einfach nicht üblich wäre. Da das von ihm ins Leben gerufene Komitee erst etwa ein Drittel des veranschlagten Gesamtbetrages aufbringen konnte, plante Bettelheim einen öffentlichen Aufruf für Spenden in den Wiener Tageszeitungen.[2]

Am 27. Juni 1925 wurde die Erinnerungstafel für Marie von Ebner-Eschenbach feierlich enthüllt. Marianne Hainisch, die Begründerin der Frauenbewegung in Österreich, sprach einige Gedenkworte. [3] Warum nur eine Gedenktafel und keine Büste zu Ehren Marie von Ebner-Eschenbachs aufgestellt wurde, ist ungeklärt, könnte aber dadurch erklärt werden, dass die Dichterin nie an der Universität gelehrt hat. Weiters ist die Finanzierung eines solchen Projektes nur durch Spenden und das Engagement eines Komitees möglich. Vielleicht war eine Büste oder ein Porträtmedaillon einfach zu kostspielig. Wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass das Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach das erste - und bis dato auch einzige - für eine bestimmte Frau ist, so könnte man auch den Schluss daraus ziehen, dass man einer Frau schlichtweg nicht mehr als eine Inschrifttafel zugestehen wollte.Es wären durchaus einige plastische Darstellungen der Dichterin vorhanden gewesen, die man für den Arkadenhof hätte erwerben können. Am 28. Mai 1924 bot Frau Kropallik-Weigl, die Witwe des Bildhauers Robert Weigl,der Universität eine in Gips ausgeführe Porträtskizze der Dichterin an, die, wie sie schreibt "mein Mann für das Ahnenschloss der Dichterin zu ihrem 70. Geburtstag im Auftrag des Grafen Dubsky" geschaffen hat. Sie wäre bereit die Skizze der Universität für 1 Million Kronen zu überlassen. Die Büste selbst soll nach Urteil von Marie von Ebner-Eschenbach selbst,die Beste der von ihr angefertigten sein.[4] Diese Nachricht ist dafür verantwortlich, dass irtümlich in der Literatur Robert Weigl als Bildhauer der Gedenktafel genannt wird. Dies ist unmöglich, da er schon 1902 verstorben ist. Das Angebot der Witwe wurde offensichtlich nicht angenommen. Für die Enthüllungsfeier im Kleinen Festsaal wollte man dann doch ein Bild der Geehrten in Marmor. Die Universität lieh von den Städtischen Sammlungen eine Büste, die der römische Bildhauer Raffaele Zaccagnini während eines Romaufenthalts der Schriftstellerin 1910 geschaffen hat. Diese Büste befindet sich im Wien-Museum. Es existiert auch eine Halbfigur der Dichterin von Zaccagnini, die sich gegenwärtig im Museum der Stadt Lysice befindet.

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Da es sich beim Denkmal für Marie von Ebner-Eschenbach um eine Inschriftentafel handelt, gibt es hier nur wenig Möglichkeiten einer ausführlichen Analyse. Allgemein lässt sich sagen, dass ein einfacher Denkmaltyp gewählt wurde. Durch die isolierte Positionierung an einem Pfeiler des Arkadenhofes kommt die Gedenktafel jedoch gut zur Geltung. Die in Gold gehaltene Inschrift nimmt die größte Fläche des Denkmals ein, hebt sich jedoch kaum von der gelbtonigen Steintafel ab. Die Inschrift fügt sich gestalterisch passend in den äußeren Rahmen ein, der nur durch das umlaufende Rapportmuster und ein bekrönendes Gesims ähnliches Element auf sich aufmerksam macht. Anstelle einer formal ähnlichen Denkmalform soll hier die erwähnte Büste der Dichterin von Raffaele Zaccagnini herangezogen werden. Sie zeigt die alte Dame in großem Büstenabschnitt, der die Hände als Ausdrucksträger mit einbezieht. Sie ist vornehm gekleidet und liest in einem vor ihr liegenden Buch. Ein Vergleich mit Altersfotografien der Dargestellten verrät starke Porträtähnlichkeit, auch der Eindruck von Stofflichkeit des Spitzenumhangs erweist den Bildhauer als Realisten.

Ereignisse seit der Aufstellung im Arkadenhof

Seit der Anbringung der Tafel im Arkadenhof der Universität 1925 hat sich weder am Denkmal, noch an seinem Aufstellungsort etwas verändert.

Quellen

  • UAW Senat 93.22 Protokoll über die Anregung Anton Bettelheims zur Errichtung einer Ehrentafel, 5.6.1923.
  • UAW Senat 93.22 Zustimmung für das Denkmal in der Professoren-Kollegiums-Sitzung, 23.6.1923.
  • UAW Senat 93.22 Beschluss des Senats für die Errichtung der Ehrentafel, 10.7.1923.
  • UAW Senat 93.22 Information Anton Bettelheims über die Zustimmung des Senats zu seiner Anregung, 13.7.1923.
  • UAW Senat 93.22 Dankesbrief Viktor Dubskys an die Universität Wien, 25.7.1923.
  • UAW Senat 93.22 Brief an Anton Bettelheim über Finanzierung und ersten Entwurf für das Denkmal ,30.1.1924.
  • UAW Senat 93.22 Amtsvermerk über das Vorsprechen Bettelheims zum Budget in der Uni.-Kanzlei , 3.3.1924.
  • UAW Senat 93.22 Brief an Anton Bettelheim über die Vorgehensweise der Finanzierung, 12.3.1924.
  • UAW Senat 93.22 Rechtfertigung Anton Bettelheims zur Errichtung des Denkmals, 2.6.1924.
  • UAW Senat 93.22 Einladungskarte zur Gedenkfeier und Enthüllung der Ehrentafel für Marie von Ebner-Eschenbach, 27.6.1925.
  • UAW Senat 93.22 Zahlreiche Antwortschreiben und Absagen für die Gedenkfeier am 27. Juli 1925.
  • UAW Senat 89.11 Gipsbüste von Marie von Ebner-Eschenbach, Kaufangebot, 28.05.1924-31.05.1924.

Rezeption in der Presse

  • Neue Freie Presse: Enthüllung der Gedenktafel und die Gedenkfeier, in: NFP, Nr.21835, 28.6.1925, S.13, Sp.1.[1]

Einzelnachweise

  1. UAW Senat 93.22
  2. Anfrage durch Anton Bettelheim,UAW Senat 93.22
  3. UAW Senat 93.22
  4. UAW S 89.11

Literatur

  • Maisel 2007: Maisel Thomas: Gelehrte in Stein und Bronze. Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien, Wien/Köln/Weimar 2007, S. 96-97.
  • Mühlberger 2007: Mühlberger Kurt, Universität Wien (Hg.), Palast der Wissenschaften - historischer Spaziergang durch das Hauptgebäude der Alma Mater Rudolphina Vindobonensis, Wien 2007.

Darstellungen

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Julia Guger, Katharina Dirnberger