Denkmal Marie Jahoda

Aus Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien
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Abb. 1: Catrin Bolt, Denkmal Marie Jahoda, Arkadenhof der Universität Wien, Nr. 156, 2016 enthüllt.

Das Denkmal für die Sozialwissenschaftlerin Marie Jahoda (1907-2001) wurde von der Künstlerin Catrin Bolt (*1979) für den Arkadenhof der Universität Wien geschaffen und am 30. Juni 2016 enthüllt.

Beschreibung

Das von Catrin Bolt geschaffene Denkmal für Marie Jahoda befindet sich in der Mitte des linken Arkadenganges als Wandbild an der Innenseite eines Pfeilers und trägt die Nummer 156.[1] Es ist als extrem flaches Relief, das durch die graduelle Reinigung der sich mit der Zeit auf den Stein gelegten Patina, direkt in die Architektur eingearbeitet.[2] Die drei Helligkeitsstufen, die durch dieses Verfahren entstehen, bilden die Grundlage des Denkmals. Für das Porträt zog Bolt eine Schwarzweißfotografie von Marie Jahoda hinzu und transferierte die unterschiedlichen Tonwerte in die drei möglichen der Patina, sodass am Ende die Fotografie in Lebensgröße in die Oberfläche des Arkadenpfeilers überging. Jahoda ist auf der privaten Aufnahme beim Wandern auf dem Schneeberg in Niederösterreich im März/April 1934 zu sehen und steht in leicht seitlich gedrehter Körperhaltung inmitten von Gestein und lächelt mit nach links geneigtem Kopf in die Kamera.[3] Im Hintergrund sind Gebüsch und Bäume, sowie eine vereinzelte Person zu erkennen. Gekleidet ist Jahoda in eine helle kurzärmelige Bluse, darüber in einen dunklen Pullunder und einer ebenso dunklen Hose. Auf ihrem Rücken trägt sie einen Rucksack. Die Hände verschwinden in den Hosentaschen. Durch die Übersetzung der Tonwerte von der Fotografie in die Patinaschichten erscheint das Porträt kontrastreicher als auf der Aufnahme. Dies und das veränderte Format im Vergleich zu der viel kleineren Vorlage lassen die Porträtierte wirklichkeitsnaher und unmittelbarer wirken. Um die bearbeitete Wandoberfläche zu schützen, ist vor diese in geringem Abstand eine Glasplatte geblendet.[4] Darauf sind im unteren rechten Bereich der Name, die Tätigkeit und Geburts- und Sterbejahr Jahodas vermerkt.

Notizen zur dargestellten Person

Marie Jahoda (* 26. Januar 1907 in Wien; † 28. April 2001 in Keymer, Sussex, Großbritannien) war eine österreichisch-britische Sozialpsychologin.

Entstehungsgeschichte

Das Denkmal für Marie Jahoda entstand anlässlich der 650-Jahrfeier der Universität Wien und wurde am 30. Juni 2016 feierlich enthüllt. Neben Jahoda wurden sechs weitere Wissenschaftlerinnen mit Denkmälern geehrt: Charlotte Bühler (1893-1974), Berta Karlik (1904-1990), Lise Meitner (1878-1968), Grete Mostny-Glaser (1914-1991), Elise Richter (1865-1943) und Olga Taussky-Todd (1906-1995). Die detaillierte Entstehungsgeschichte wird in einem gesonderten Artikel behandelt: Entstehungsgeschichte der sieben Denkmäler für Wissenschaftlerinnen 2016

Kunsthistorischer Vergleich und Analyse

Catrin Bolts Denkmal von Marie Jahoda im Arkadenhof der Universität verbindet unterschiedliche Bedeutungsebenen und -horizonte miteinander. Zum einen bildet die Grundlage des Bildnisses eine Privatfotografie, die Jahoda beim Wandern zeigt. Zum anderen wird diese Vorlage im öffentlichen Raum der Universität zum Denkmal transferiert. Hinzu kommt die Fixierung der Tonwerte als unterschiedliche Schichten der Patina, sodass sich Bild und Architektur buchstäblich miteinander verbinden. Es findet somit auch eine Verschiebung in der Kontextualität statt. Im Vergleich zu den meisten anderen Denkmälern des Arkadenhofes, die eine repräsentative förmliche Funktion und am ehesten den Bezug zum Tätigkeitsfeld des_der Geehrten herstellen wollen, verläuft die “Richtung“ in dem Denkmal für Marie Jahoda konträr. Dem_der Betrachter_in wird die Geehrte hier als private Person vorgestellt, deren Profession zunächst in den Hintergrund rückt. Die Technik, die Bolt für das Denkmal anwendete, hat ihren Ursprung in der Street Art und wird dort als “Reverse Graffiti“ bezeichnet. Durch die partielle Reinigung verschmutzter Oberflächen werden Schriftzüge oder Bilder generiert. Oft dienen Schablonen (“Stencils“) dabei als Hilfsmittel um verschiedene Abstufungen oder vorher angefertigte Motive zügig anzubringen. Ähnlich wie es im Falle der von Bolt verwendeten Fotografie zu einer neuen Kontextualisierung durch das Kunstwerk kam, spielt die Frage nach der Verortung bei der Technik des “Reverse Graffiti“ eine Rolle. Aufgrund ihres Nutzens ist sie im öffentlichen Raum angesiedelt. Von Street Artists angewandt, jedoch auch im Bereich der Werbung, sei es auf kommerzieller oder anderer Ebene gedacht, ist die Technik des “Reverse Graffiti“ für den öffentlichen Raum prädestiniert. Bolt selbst arbeitete bereits mehrfach im öffentlichen Raum, so dass dieser Bezug sicher naheliegt, zumal sie selbst “situationsspezifisch“ vorgeht.[5] Obgleich für das Denkmal vorgesehen, führte der unerlaubte Einsatz des “Reverse Graffiti“ – also schlicht das Reinigen verschmutzter Flächen mit einem bildnerischen oder schriftlichen Endergebnis – in anderen Fällen bereits zu Kontroversen.[6] Gleichsam wohnt der Technik auch eine kritische Komponente inne, die die Umweltverschmutzung auf- und angreift. Im Vergleich zu den vorhandenen Denkmälern im Arkadenhof, erfährt die Form des Denkmals bei Catrin Bolt eine wesentliche Neuerung: durch das Einarbeiten eines Bildes in die Wandoberfläche wird diese auf gänzlich neue Art und Weise aktiviert und als Material miteinbezogen. Das Denkmal wird dadurch aus der bereits vor Ort vorgefundenen Architektur gewonnen und nicht im klassischen Sinne hinzugefügt.

Quellen

Rezeption in der Presse

Einzelnachweise

  1. Die Nummerierung der Denkmäler des Arkadenhofes wurde von Thomas Maisel 2007 eingeführt und nachfolgend im Jahr 2017 ergänzt. (vgl. Ingeborg Schemper-Sparholz/Martin Engel/Andrea Mayr/Julia Rüdiger (Hg.), Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa, Köln/Weimar/Wien 2017, S. 381-386.)
  2. https://www.univie.ac.at/ueber-uns/auf-einen-blick/wissenschafterinnen-im-arkadenhof/#c5551, aufgerufen am 02.12.2018.
  3. http://agso.uni-graz.at/jahoda/00_04/fotos_gesamt.htm, aufgerufen am 02.12.2018.
  4. Obgleich diese Glasplatte das dahinter liegende Kunstwerk vor groben Umwelteinflüssen abschirmen soll, verhält es sich mittlerweile auch so, dass sich auf der Innenseite des Glases eine feine Schmutzschicht abgelagert hat und die Sichtbarkeit des eigentlichen Denkmals einschränkt.
  5. https://medienportal.univie.ac.at/uniview/wissenschaft-gesellschaft/detailansicht/artikel/gescheite-und-spannende-frauen/
  6. https://www.youtube.com/watch?v=gAxxRQXkcjg, aufgerufen am 26.01.2019.

Charlotte Reuß